Buch des Monats: September 2018

Veli-Matti Kärkkäinen

Hope and Community. A Constructive Theology for the Pluralistic World.

Vol. 5, William B. Eerdmans: Grand Rapids, Michigan, 2017. 592 S. Pp. $ 33,52. ISBN 978-0-8028-6857-2.

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»Hope and Community« ist der Titel des letzten Bandes der Systematischen Theologie, die der finnische systematische Theologe Veli-Matti Kärkkäinen seit 2013 in fünf Bänden vorgelegt hat. Den Auftakt bildete der erste Band zu »Christ and Reconciliation«, der Christologie und Verschönungslehre behandelt. Ihm folgten mit »Trinity and Revelation« die Gottes- und Offenbarungslehre, mit »Creation und Humanity« die Schöpfungslehre und Anthropologie, mit »Spirit and Salvation« die Pneumatologie und nun mit »Hope and Community« die Eschatologie und Ekklesiologie. Kärkkäinen ist seit dem Jahr 2000 am Fuller Theological Seminary in Pasadena, Kalifornien, Professor für Systematische Theologie und hat daneben eine Dozentur für ökumenische Theologie an der Universität Helsinki. Er wuchs in einer lutherischen Familie auf, wandte sich aber schon in seiner Jugend der pentekostalen Bewegung in Finnland zu und arbeitete sowohl in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika wie auch in pentekostalen Kirchen als Pfarrer. Die besondere Bedeutung seines systematisch-theologischen Oeuvres für aktuelle systematische Theologie in internationalem Kontext liegt darin, dass er klassisch protestantische Positionen mit theologischen Anliegen der charismatisch-pentekostalen Bewegungen ins Gespräch bringt und vermittelt, und dabei die Herausforderungen von Pluralismus und Globalisierung berücksichtigt. Auf diese Weise sorgt er einerseits für eine kritisch-konstruktive Prüfung der klassischen protestantischen Lehren. Andererseits stärkt er mit seiner systematisch-theologischen Reflexion die theologische Gesprächsfähigkeit im charismatisch-pentekostalen Bereich und flankiert so auf wissenschaftlicher Ebene die Dialoge mit den Pfingstkirchen, die die römisch-katholische Kirche, der Weltrat der Kirchen und verschiedene Weltbünde geführt haben bzw. noch führen.
Nach Kärkkäinen ist systematische Theologie bzw. »constructive theology« eine integrative Disziplin, die auf ein kohärentes und ausgewogenes Verständnis der christlichen Wahrheit und des christlichen Glaubens zielt und dabei als historischen Kontext sowohl die Vielfalt der christlichen Traditionen in Geschichte und Gegenwart wie auch deren kulturelle Einbettung berücksichtigt. Ziel ist die Entfaltung einer »coherent, inclusive, dialogical, and hospitable vision« (1) des christlichen Glaubens. Zu Kärkkäinens kriteriologischen Grundüberzeugungen, in denen er sich u. a. der Theologie von Wolfhart Pannenberg verbunden weiß, gehört die Berücksichtigung des Kohärenzkriterium. Weil Kohärenz nicht auf die Aussagen- und Textebene zu beschränken sei, sondern auch auf den Zusammenhang mit außertheologischen Erkenntnissen der Realität betreffe (vgl. 2), ist für Kärkkäinen die Auseinandersetzung sowohl mit den Naturwissenschaften wie auch mit anderen dominierenden Weltanschauungen und Religionen unerlässlich.
Entsprechend widmet er in seiner Eschatologie im Anschluss an einführende Überlegungen zu Möglichkeit und Bedingungen einer christlichen Eschatologie (Kapitel 1) in Kapitel 2 den naturwissenschaftlich-kosmologischen Theorien zu Anfang, Entwicklung und Ende des Universums sowie zur Zukunft der Erde als Lebensraum des Menschen. Zu seinen wichtigsten Gesprächspartnern für die damit gegebene Frage nach dem Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaft gehört John Polkinghorne, mit dem er die Auffassung teilt, dass rein naturwissenschaftliche Welterklärungen der kosmischen Geschichte die Sinnfrage nicht klären und die »vertical story of divine faithfulness« (38) weder bestreiten noch bestätigen könne. Auf dieser Basis wendet er sich in Kapitel 3 unter dem Titel »Eschatological Visions and Symbols among Religions« den eschatologischen Vorstellungen in Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus zu, die er deskriptiv-komparativ darstellt. Dabei arbeitet er zum einen die besondere Nähe der eschatologischen Vorstellungen in Judentum, Christentum und Islam heraus, zeigt aber zugleich, dass es entgegen landläufiger Fehlvorstellungen durchaus bestimmte Parallelanschauungen in Hinduismus und Buddhismus gibt. In Kapitel 4 entfaltet er als Grundlage der christlichen Eschatologie eine »Trinitarian Theology of Hope«. Den Ausgangspunkt für die christliche Hoffnung auf Vollendung der Welt und des Menschen findet er in der real geschehenen Auferstehung Jesu Christi von den Toten, die ihrerseits ihre Voraussetzung und ihr Ziel im trinitarischen Wirken Gottes in Schöpfung, Providenz und Vollendung hat. Zu den ekklesiologischen Maximen, denen Kärkkäinen in der Ausarbeitung seiner trinitarischen Eschatologie folgt, gehört dabei, dass die christliche Hoffnung nicht nur auf individuelle, sondern ebenso auf gemeinschaftliche Vollendung zielt und darin auch den Kosmos umfasst. Damit verbietet sich für ihn jede Form des Dualismus. Die genannten Maximen bestimmen nicht nur die Entfaltung der christlich-eschatologischen Einzelthemen in den folgenden Kapiteln 5 bis 10, sondern dienen Kärkkäinen zugleich als Kriterien für die kritische Bewertung der eschatologischen Vorstellungen in den anderen Religionen.
Was die neuzeitliche innerchristliche Debatte über präsentische und futurische sowie innerweltliche und transzendente Eschatologie betrifft, so plädiert Kärkkäinen entschieden für die Vorstellung einer neuen Schöpfung, in der diese Welt eine Transformation und Vervollkommnung erfährt. Eine rein präsentische Eschatologie lehnt er ebenso ab wie die alte lutherische Vorstellung einer zukünftigen consummatio mundi. Stattdessen hebt er die Bedeutung von prä- und postmillenaristischen Vorstellungen hervor, die mit der Hoffnung auf eine innerweltlich beginnende Verwandlung der Welt defätistischen Vorstellungen begegnen und den Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und sorgsamen Umgang mit der Schöpfung motivieren. Die in der neuzeitlichen Eschatologie so brisante Frage nach doppeltem Ausgang versus Allversöhnung erörtert er im Rahmen seiner interreligiösen Analyse der Vorstellung von der Hölle und sucht eine Mittelposition. Einerseits sei mit einem doppelten Ausgang und der Möglichkeit ewiger Heillosigkeit wegen der Freiheit des Menschen zu rechnen. Andererseits seien aber auch die, die sich von Gott endgültig abwenden, noch von Gott getragen.
In Kärkkäinens Konzeption bildet die Eschatologie die Basis für die Ekklesiologie, mit der seine ‚constructive theology‘ endet. In dieser setzt er sich im Lichte der in der Eschatologie entfalteten christlichen Hoffnung mit den vielfältigen Herausforderungen für die Gestaltung kirchlichen Lebens unter den Bedingungen von Säkularisierung, Pluralismus und Globalisierung auseinander und entwickelt ein Verständnis der Kirche »as Mission« (vgl. Kapitel 16: »The Church as Mission«), indem er das Wesen und die Existenzform der Kirche in ihrer missionarischen Tätigkeit erblickt, die sich in »Sacramental and Liturgical Celebration« (344) und durch »the Charismatic-Diaconal Ministry« (400) vollzieht. Ökumenisch plädiert er auf Basis der Einheit und Unterschiedenheit der trinitarischen Personen für ein Einheitsverständnis, welches Diversität zulässt, und reflektiert im Schlusskapitel die Möglichkeit konstruktiver Beziehungen des Christentums mit den anderen Religionen.
Mit seiner Konzeption tritt Kärkkäinen so für eine christliche Dialogfähigkeit auf Basis der biblisch-eschatologischen Vorstellungen ein, die er in ihrem soteriologischen Sinn durchsichtig macht, ohne sie zu entmythologisieren. Die Frage, wie sich diese zu naturwissenschaftlichen Szenarien der Entwicklung der Erde und des Universums näherhin verhalten, wird dabei nicht näher erörtert. Dabei handelt es sich aber wohl um ein gezieltes Stillschweigen, mit dem Kärkkäinen einerseits eine hermeneutische oder naturalistische Auflösung vermeidet, andererseits aber auch kein Konkurrenzverhältnis in Anschlag bringt. Stattdessen stellt er im Epilog im Rekurs auf den späten Wittgenstein die Eigenart christlicher Glaubensüberzeugungen heraus, deren Gewissheit nicht durch rationale Letztbegründungsversuche eingeholt werden könne. Seine trinitätstheologische Interpretation des christlichen Glaubens zielt gleichwohl darauf, den Grund und Sinn christlicher Glaubensgewissheit plausibel zu machen. Um die Argumentation umfassend zu verstehen, empfiehlt sich darum die Lektüre auch der anderen Bände seiner »constructive theology for the pluralistic world«.

Friederike Nüssel (Heidelberg)

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