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Ausgabe:

1989

Spalte:

153-154

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Der ganze Christus für eine geteilte Welt 1989

Rezensent:

Moritzen, Niels-Peter

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Theologische Literaturzeitung I 14. Jahrgang 1989 Nr. 2

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Ökumenik: Missionswissenschaft dcn von Diskriminierung. David Lim erörtert recht umfassend „Bi-

blischesC hristentum im Kontext des Buddhismus".

Swnuel, Vinay. u. Chris SuRden [Hg]: Der ganze Christus fiir eine Was ist eigentlich ..cvangelikal" an diesem Werk? Der Wille, die

geteilte Welt. Evangelikaie Christologicn im Kontext von Armut. Blbcl als Maßstab anzuerkennen und die Orientierung an der evan-

Machtlosigkeit und religiösem Pluralismus. Beiträge der Ersten gelistischen Aufgabe-diese aber nicht durch Ausklammern der sozia-

Konlercnz cvangelikaler Missionstheologen aus der Zwei-Drittel- len Dimension bestimmt.

Welt. Bangkok Thailand. 22. bis 25. März 1982. Übersetzung: . .

u u/,„ 11 . i , i r- i i/ i a Erlangen Nie s-Peter Moritzen

•x. Werner. Hg. u. emgel. von .1. Wietzke. Erlangen: Verlag der

Evang.-Luth. Mission 1987. 283 S. 8* = Erlangcr Taschenbücher.

83. Kan dm 44.-. Referate über theologische

Nur 25 Teilnehmer der „I rsten Konferenz Evangelikaler Misstons- Dissertationen in Maschinenschrift

"icologcn aus der Zwci-Drittel-Wclf in Bangkok. 22.-25. März

sind in dem Berichtsband aufgerührt, der mit Hilfe des Evangc- Kotni'n- Kl;lus: K,hik und KsehatoloKie im Tritojesajabuch. Eine

lisch»« m: i ii _u r- i- u iu. i literarkritische und redaktionsgeschichthehe Studie. Diss. Tübin-

■"»•nen Missionswcrks Hamburg aus dem Englischen ubersetzt wurde. _^ IQ87 °

denn die Art. die Probleme und Aufgaben der Missionstheologie zu

•Wen und zu beschreiben, hat Nichtevangelikalc aufhorchen lassen: Bei der Erage nach der Schichtung des Tritojesajabuchs stehen sich

Hier wird der Kontext ernst genommen bis in das Nachdenken über in der Forschung drei Thesen gegenüber: I. die Einheitshypothese. 2.

( hristus hinein. Unter den 25 Namen sind einige bekannte Namen. die Fragmentenhypothese, die das Tritojesajabuch als Sammlung von

die im Chor der evangelikalen Stimmen schon öfter durch ihr soziales Einz.eltcxtcn verschiedener Verfasser betrachtet, und 3. die Ergän-

L|nd kritisches Engagement aufgefallen sind: Orlando Costas. Rene zungshypothese, die das Buch für das Ergebnis eines langen Fort-

' adilla (zwei Lateinamerikaner). Ronald Sidcr (USA). ..Westler" sind Schreibungsprozesses hält. Jede dieser Hypothesen hat Richtiges

encrdie Ausnahme. gesehen. Es gibt im Tritojesajabuch einerseits Spannungen, die die

kann den Aufbau des Berichtsbandes folgendermaßen analy- Einheitlichkeit des Buchs ausschließen, andererseits aber auch

"•"-Ten: drei Beiträge grundsätzlicher Art und sieben Beiträge mit geo- sprachliche und inhaltliche Übereinstimmungen, die so signifikant

P*Phischem Schwerpunkt (Lateinamerika, Schwarzafrika. Indien. sind, daß sie Tür die einheitliche Verfasserschaft bestimmter Texte

~j*nV Bali. Buddhismus. USA-Minderheiten), dazu Konferenz- sprechen. Sicht man von einigen Glossen' ab. so ergibt sich für die

^'hnicnwerk wie Einleitungen. Aussprachcbciträgc. Ergebnisse Schichtung des Tritojcsajabuches folgendes Bild:

-'5-278). weitergehende Fragen - durchaus in einer nicht üblichen (. Um Einzeltexte handelt es sich bei dem Gerichtswort

0riT1- Jes 56.9-12* und dem VolksklagclicdJes 63,7-64.11.

Der erste Grundsatzbeitrag von Orlando Costas. Costa Rica, mar- 2. Eine Grundsehicht aus jeweils selbständigen Texten findet sich

klert den Ort der Konferenz in der Entwicklung der evangelikalen in Jes 57.14-19*: 58.3-12: 59.I-I5a*; 60.1-18*: 61.1-4.5-6

pneinschaft. Er stellt heraus, daß die sozialen Anliegen in Lausanne (Zusatz: 7-9): 62,1-7.8-9*. 10-12; 65.l6b-24: 66.7-9.IO-l4a.

974 zwar verbal bekräftigt, danach aber ziemlich vernachlässigt wur- Diese Texte wurden zwischen 520 und 515 v.Chr. von Tritojesaja.

cn- und daß in Pattaya 1980 eine recht große Gruppe Schritte in die- einem Schüler Deuterojesajas. verfaßt. Dieser widmet sich angesichts

*Cr Richtung gefordert hatte, aber wiederum nicht recht zum Zuge des Elends der nachexilischen Zeit der Frage, warum das von Deuteroka
-

ani. Djc Absicht ist deutlich: Vorliegender Berichtsband ist die jesaja verkündete Heil ausbleibt. Während Haggai und Sacharja in
Min*

ten.

•"nie derjenigen Evangelikalen. die den Kontext für relevant hal- derselben Situation jede Besserung der Verhältnisse vom Bau des

Tempels abhängig machen, wendet sich Tritojesaja gegen diesen Bau

L'r zweite Beitrag von Rene Padilla referiert kritisch, aber mit Zu- (66.1 0- Ergibt auf die Frage nach dem Ausbleiben des Heils eine dop-

■™mung drei Theologen, die nicht cvangelikal sind, aber eine kon- peltc Antwort. Zum einen prangert er die ethischen Mißstände in der

^ uelle Christologie entwerfen: den Jesuiten Sobrino (El Salvador). Gemeinde an. Solange man die Armen brutal mißhandelt, kann das

So" m'n"taner Nolan (Südafrika) und den Chinesen Choan-Seng Heil nicht kommen. Zum anderen versichert er dem Volk, daß das

^ B vom ÖRK. Sie betonen alle drei das Menschsein Jesu, die soziale Heil gewiß kommt. Die Wende von der Zeit der Finsternis zur Zeit des

iVnicr,sion des Evangeliums, das Sterben Jesu, das Leiden der Nach- Lichtes steht unmittelbar bevor. Jerusalem wird bald zu einer reichen

w und die geschichtliche Dimension des christlichen Lebens. Der Stadt werden, der alle Völker dienen. Mit der Gegenüberstellung der

I nt 'lc'trag von Norberto Saracco (Argentinien) stellt ..befreiende beiden Zeitalter gehört Tritojesaja zu den Wegbereitern der apokalyp-

p Stheidungen Jesu" heraus: die Wahl Galiläas. Humanisicrung als tischen Zwei-Äonen-Lchrc.

' n°ntät und ..Glücklich sind die Unglücklichen" - die im Bußruf 3. Die zweite Schicht des Tritojesajabuchs umfaßt Jes 56,1.2.3 bis

freien werden und zum Leiden führen. 8.11 a/i.h; 57.1 f.3-13a*.13b.17-18a«.20f; 58.lf.13f; 59.13a
Die

Befrei

»ngsthcologic ähnlich. Ihr fehlt die Analyse des sozialen Kon- 65.1-7*.8-15*. 16a*: 66,3f.5f. 14b-17*. 18-22*. Diese Texte stam-

jj? s m|t sozialistischen Begriffen (also keine Entsprechung zum men von einem Redaktor aus der zweiten Hälfte des 5. Jh. In einer

**enkämpf). Die sieben regional bezogenen Beiträge sind gerade in Zeit, in der die von Nehemia und Esra betriebene Ausländervcrtrei-

|u V|ellalt wertvoll und reizvoll. Sie versuchen nicht, alles auf den bung zu einer Spaltung in der Gemeinde führt, macht er sich zum

di(>nnCr ^Cr Unterdrückung zu bringen, sondern thematisieren stark Sprecher der schwächeren, ausländerfreundlichen Gruppe. Sein

Jeweilige religiöse Prägung des Kontextes. Werk, das die unter erstens und zweitens genannten Texte verarbeiret

V it°" UaM (Brasilien) skizziert lateinamerikanische indianische und das als Fortsetzung des Deuterojesajabuchs verfaßt wurde, ist in

. Religiosität. Kwamc Bediako (Ghana) stellt Mängel der Mis- sich gut durchkomponiert. Nach der Überschrift Jes 56.1 werden in

j Sycsehichte und das Fortleben des traditionellen Weltbildes fest. drei Durchgängen jeweils zwei verfeindete Gruppen einander gegen-

( « die Ahnen und sakrale Legitimation der Macht besondere übcrgestellt. die eigentlich zu einem Volk gehören bzw. Brüder sind.

''Ben stellen. Im ersten Teil sind dies Gerechte und Frevler (56.2-57,21). im zwei-

r,s Sugden und Vinay Samuel bieten aus indischer Perspektive ten die bußfertigen Israeliten und der Erzfeind Edom (58.1-63.6).

^'evangelikale Sicht" zum Dialog mit anderen Religionen. Von welch aktueller Brisanz diese Gegenüberstellungen sind, zeigt der

'i-hael Nazir Ali (Pakistan) behandelt Christologie in einem isla- dritte Teil. Dort wird der die Gemeinde spaltende Bruderzwist direkt

»Uch*11 ^ontcxl- Wavan Mastra (Bali) denkt in einer harmonic- angesprochen (63.7-66.17). Der Redaktor stellt seine Gegner unter

cnden Situation. George Cummings (USA. Ncgro)ausdem Erlei- Aufnahme traditioneller Motive als treulose Führer und abscheuliche