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Ausgabe:

1989

Spalte:

235-236

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Van der Beken, Alain

Titel/Untertitel:

L' Evangile en Afrique, vécu et commenté par des Bayaka 1989

Rezensent:

Krügel, Siegfried

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235

Theologische Literaturzeitung I 14. Jahrgang 1989 Nr. 3

236

Man muß wohl als methodische Forderung festhalten, daß Mis-
sionsgeschichte mit einer breiteren Quellenbasis erarbeitet werden
muß; für das (hagiographische) Gedenken mag die Verwendung der
Quellen einer Institution genügen, für die Darlegung im kontroversen
Feld der Weltgeschichte - insbesondere der Kolonialgeschichte -
sollte man auch Quellen der Kontrahenten suchen. Das Ergebnis ist
vielleicht nüchterner, sicher ehrlicher, oft viel klarer.

Erlangen Niels-Petcr Moritzen

Van der Beken, Alain: L'Evangile en Afrique, vecu et commente
par des Bayaka. Nettetal: Steyler 1986. 328 S. gr. 8' = Studia Insti-
tuti Missiologici Societatis Verbi Divini, 38. Kart. DM 48,-.

Wenn sich ein Jesuitenpater im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit
als Afrikamissionar eingehend mit Fragen der Inkulturation des
Evangeliums befaßt, so ist dies ein Problemfeld, auf dem sein Orden
schon seit Jahrhunderten tätig ist und unterschiedliche Erfahrungen
gesammelt hat. Für den Vf., 1935 in Belgien geboren, lag es nahe, Missionsarbeit
in jenem Land zu leisten, das früher einmal belgische
Kolonie war, nunmehr aber den großen selbständigen Staat Zaire bildet
.

Das Buch zerfällt in zwei ungleich große Teile, von denen der erste
kürzere (S. 5-53) die vorliegenden Probleme systematisch darstellt -
eine allein schon durch die präzise Begrifflichkeit der französischen
Sprache genußreiche Lektüre -, während der zweite längere Teil
(S. 55-328) 18 Texte jeweils zunächst in der Yaka-Sprache, sodann in
französischer Übersetzung darbietet.

Was Vf. dem Leser besonders deutlich zu machen sich bemüht, ist
die Dialektik, die sich immer, sei es als Zerreißprobe, sei es als fruchtbares
Wechselverhältnis, beobachten läßt, wenn das Evangelium in
einem Kulturkreis, dem es bisher fremd war, Fuß faßt. Vf. formuliert
das Entweder-Oder prägnant in der Überschrift des i. Kap.: «Africa-
nisation de TEvangile ou: Evangelisation d'une culture africaine»
(15).

Mit Recht legt Vf. Wert auf die Feststellung, daß seine Darlegungen
nicht aus bloßer Schreibtischarbeit entstanden seien, sondern erwachsen
„aus dem Leben und der Erfahrung, den Beziehungen und
Freundschaften mit den Menschen" (9), aus einer «collaboration» im
„Afrika der Dörfer" (ebd.).

In gut durchdachten methodischen Erwägungen (16fT) verweist Vf.
darauf, was allein sprachlich erforderlich ist, damit wirkliche Begegnung
erfolgen kann, wie sehr der Missionar der Rückkopplung und
der j<informateurs» bedarf. Betreffs der «collaborateurs» (20ff) stellt
Vf. zehn Thesen auf, die er näher erläutert. Außerdem enthält das
l. Kap. ein 14 Punkte umfassendes «Programme» (230- Im einzelnen
kann auf dies alles hier nicht eingegangen werden.

Das 2. Kap. (Der Kampf des Glaubens, 35 ff) will „Zeugnis" oder
„Beleg" (35) sein, der am konkreten Beispiel eines Kranken (Le
malade de Baringa-Twaana, ebd.) die missionarische Situation erläutert
. Er „illustriert. . . den Kampf zwischen 'foi et croyances'"
(ebd.), d. h., die traditionellen Glaubensweisen stellen nicht so sehr
Brücken zum christlichen Glauben dar, sondern vielmehr Hindernisse
. Die daraus resultierende Kampfsituation begreiflich zu machen
ist das Anliegen dieses Kapitels, besonders veranschaulicht durch ein
längeres Gebet (39 ff).

Das den 1. Teil abschließende 3. Kap. thematisiert das Gegenüber
des Christentums und der traditionellen Religionen in der Form einer
Alternative zwischen «Resistance ou integration» (47). Die vom Vf.
vertretene Position orientiert sich an den ganz auf der historischen
Generallinie der Societas Jesu liegenden Auffassungen seines vormaligen
Ordensoberen Arrupe, dessen «Lettre sur l'inculturation» wie
folgt zitiert wird: „Der erneuernde und verändernde Einfluß der
christlichen Erfahrung auf eine Kultur ... löst die Krise, die die Konfrontation
zwischen dieser Erfahrung und dieser Kultur entstehen lasseh
kann" (470- Sie ist ein Beitrag, „eben dieser Kultur einen neuen

Zusammenhalt zu geben" (48). Ferner wird so dazu geholfen, „die
universellen Werte, die keine partikulare Kultur ausschöpfen kann,
zu assimilieren" (ebd.). Christliche Erfahrung „lädt ein, in eine neue
und tiefreichende Gemeinschaft mit anderen Kulturen einzutreten"
(ebd.).

Des Vf. eigenes Resümee lautet: „Die Veränderungen und die tiefen
Umwälzungen der afrikanischen Gesellschaft. . . erlauben es, diese
Kapitel gleichermaßen mit Zurückhaltung und Hoffnung zu beschließen
" (52).

Die 18 Texte des 2. Teils untermauern und veranschaulichen die
Ausführungen des 1. Teils. Selbstverständlich ist ihr Wert für den der
Yaka-Sprache Kundigen weit größer als für den, der auf die französische
Übersetzung angewiesen ist und die Möglichkeit des sprachlichen
Vergleichs nicht besitzt. Sehr hilfreich sind die an 3 Stellen gegebenen
Einführungen. Näher auf die Texte einzugehen ist an dieser
Stelle nicht möglich, doch seien wenigstens die wichtigsten Themen
genannt: Feier einer afrikanischen Hochzeit im Licht des Evangeliums
(I), Beichtformulare (II), Die Eucharistie (IV), Segnung eines
Kindes in der Stunde des Todes (V), Gebet für die Kranken (VI)»
Segnung des Dorfes (VIII). Der 2. Teil der Texte hat biblische
Themen: Der gute Hirte (X), Das Jüngste Gericht (XI), Der reiche
Mann und der arme Lazarus (XII), Die Fußwaschung (XV), Jesus gib'
einem Toten das Leben zurück (XVI), Der Tod Jesu (XVII), Pfingsten
(XVIII).

Deutsche und englische Übersetzungen des Buches wären, erforderlichenfalls
mit stärkeren Kürzungen im 2. Teil, sehr erwünscht, weil
es einen bemerkenswerten, förderlichen Beitrag zur Bewältigung der
Inkulturationsproblematik in ökumenischer Breite leistet.

Leipzig Siegfried Krügcl

Zeitschriftenschau

Reformätus Szemle 79, 1986

Gälfy, Zoltän: Az Ürnak kedves esztendejc (Das angenehme Jahr des Herr"'
S. 7-9.

Benodek, Ciyula: A gyülekczct szö öszövctscgi clöforduläsai (Das alttcst»"
mentliche Vorkommen des Wortes „Gemeinde") S. 10-13.

Molnär, Jänos: A nö az Ötcstamentumban (Die Frau im Alten 1csl''
ment)S. 14-21.

Szövcrffi, Istvän: Jezus nyomdokain az Olajläk hcgytn (Auf den Spuren JcsU
aufdemÖlberg)S. 22-26.

Nagy, Jözsef: Szenci Molnär Albert pcrcgrinäciöja külföldi forräsok alapjan
II. Oppenheim (Die Wanderwege des Albert Szcnci-Molnär nach den auslan
dischen Quellen - II. Oppenheim) S. 27-34.

Bäk. Aron: Mit äbräzol a sajöudvarhclyi dombormu'?(Was stellt die Skulp'ur
von Sajöudvarhely dar?)S. 35-40.

Ärus. Lajos: Az öszövetscgi profetäk szolgalata (Der Dienst der alttestamd1
liehen Propheten)S. 100-111.

Benedek. üyula: Biblika-teolögiai jegyzetck a közösseg kerdesehez a K"*
BAR ige alapjan (Biblisch-theologische Notizen zur Frage der Gemeinschaft*11
der Grundlage des Verbums „chabar") S. 112-115.

Donath. Löränd: Istenäbräzoläs az ötestamentumi himunuszokban (",e
Gottesdarstellung in den alttcstamcntlichcn Hymnen) S. 116-120.

Gälfy . Zoltän: Azifjü Kälvin (Der junge Calvin) S. 219-227.

Nagy, Gcza: Kälvin mint diäk (Calvin als Student) S. 227-230.

Szcles, Märia: Az 1536-os Institutio ötestamentumi hivatkozäsi alapjai (f1
Cirundlagcn der alttcstamcntlichcn Belegstellen der Institutio des Jahres I"
S. 231-241.

Gereb. Zsolt: Az 1536-os Institutio üjszövctsegi textuäriuma (Das neute*1
mentliche Tcxtuarium der Institutio des Jahres 1536) S. 242-247.

Gereb, Pal: Az 1536-os Institutio tanitäsa a Szenthäromsäg liteneiJflfl
müveröl (Die Lehre der Institutio des Jahres 15" i über den Gott der Dreiein1*
keit und sein Werk) S. 248-254.

Molnär, Dczsö: Kälvin Jänos es az 6 kirälya (Johannes Calvin und se"1
König) S. 255-261.

Julias/. Tamäs: ..Gyönyörusegnck es vigasztaläsnak nagy älsläsa'*. Kai*1"
Jänos tanitäsa a sakramentumokröl az 1536-os Indtitutioban („Der große Scgc11