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Ausgabe:

1982

Spalte:

235-236

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Schwarz, Gerold W.

Titel/Untertitel:

Mission, Gemeinde und Ökumene in der Theologie Karl Hartensteins 1982

Rezensent:

Moritzen, Niels-Peter

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Seite 1

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235

Theologische Literaturzeitung 107. Jahrgang 1982 Nr. 3

236

Cardman. Francine: The wider ecumenism in light of the cross (JES 17, 1980
S. 622-633).

Fitzgerald, Thomas: A new phase in Orthodox-Roman Catholic relations
(GOTR25, 1980 S. 119-130).

Frieling, Reinhard: Konfession und Ökumene (MDKI 32, 1981 S. 24-28).

Hahn, Ferdinand: Das apostolische und das nachapostolische Zeitalter als
ökumenisches Problem (ÖR 30, 1981 S. 146-164).

Haikenhäuser, Johannes: Die Evangelischen Kommunitäten - die ekklesiale
und ökumenische Dimension ihres Lebens (ÖR 30, 1981 S. 121-132).

Kaltenborn, Carl-Jürgen: Ökumenische Aufbrüche in Lateinamerika (Standpunkt
9, 1981 S. 233-235).-

Lochman. Jan Milic: Trends in the ecumenical dialogue on faith and science
(JES 17, 1980 S. 432-444).

Manns, Peter: Das Lutherjubiläum 1983 als ökumenische Aufgabe (ÖR 30.
1981 S. 290-313).

May, John: Consensus in religion: an essay in fundamental ecumenics (JES 17,
1980 S. 407-431).

Nagy, Gyula: Ökumene in Europa - Erfahrungen und Hoffnungen (Stand-
punkt9,1981 S. 215-218).

Ökumenik: Missionswissenschaft

Schwarz, Gerold: Mission, Gemeinde und Ökumene in der Theologie
Karl Hartensteins. Stuttgart: Calwer 1980. 324 S. gr. 8° = Calwer
Theologische Monographien. Reihe C: Praktische Theologie und
Missionswissenschaft, 5. Kart. DM 24,-.

In dieser Tübinger Dissertation sind die veröffentlichten wie auch
die nichtveröffentlichten Schriften Karl Hartensteins erstmalig in
voller Breite ausgewertet. Die Absicht der Arbeit ist es, die Theologie
Karl Hartensteins zu erfassen und darzustellen. Das geschieht, indem
zunächst ihr Werden dargestellt wird. Neben die „Väter" Hartensteins
- Karl Heim und Albrecht Bengel - tritt der große Bruder Karl
Barth (29-68). Dabei wird zuerst das Ja zu Karl Barth dargelegt: Aus
der Erfahrung der Krise die Betonung der Offenbarung gegenüber nur
historischer Exegese, gegenüber der Einordnung des Christentums in
die Ethik und in die Religiosität. Schwarz sieht das Zentrum des
„Nein" zu Karl Barth in der Eschatologie Hartensteins, der sich darin
Cullmann annäherte, verbunden mit den Fragen des praktischen
Dienstes, von woher er E. Brunners Anliegen bejahte. In diesem Teil
sind biographische Einzelheiten mit beleuchtet.

Der zweite Teil - Entfaltung der Theologie Hartensteins - versucht
ohne konkrete Situationsanknüpfung das Ganze nachzeichnend zu
bringen. Hartenstein erweist sich als Erbe der biblizistischen Schwaben
, deren Apokalyptik er einer „christologischen Konzentration"
(75) und einer „Seelsorgerlichen Intention" (76) aussetzt. Er kommt
zu einer „reichsgeschichtlichen Auslegung der Offenbarung" (83),
und insgesamt bleibt es bei der „heilsgeschichtlich zentralen Position
der Gemeinde" in der Zeit zwischen Auferstehung und Wiederkunft.
Was bei ihm an heilsgeschichtlicher Periodisierung bleibt, dient vor
allem dazu, die Kirche aus allen Synthesen mit Staat und Gesellschaft
herauszurufen zu ihrem eigenen Auftrag.

Der Weg der Gemeinde wird dann unter den Stichworten Missio,
Unio, Passio beschrieben. Die heilsgeschichtliche Begründung der
Mission verlangt eine andere Zuordnung von Mission und Kirche, die
im Wesen und in der Funktion eins sind. Die Religionskritik der Offenbarung
führt zur missionarischen Begegnung mit dem Heidentum.
Hier ist dann auch der Ort, über die Zuordnung von Volk und Kirche
nachzudenken. Die Praxisorientierung im Denken Hartensteins steht
H. Kraemer nahe; wie bei ihm ist der Kern aller missionsmethodischen
Fragen zuerst in einer Anweisung an den Zeugen (missionarische
Ethik 172) zu formulieren. - Das so der Geschichte kritisch
gegenüberstehende dynamisierte Verständnis von Kirche verlangt
nach einem positiven Erfahrungshorizont, nämlich nach der Einheit,
in der sich der geistliche Charakter der Kirche über Volks- und
Staatsgrenzen hinaus erweist (189ff); die Gründung des Ökumenischen
Rates ist zwar nur ein Zeichen, „eine Dienerin am Geheimnis

der Einheit des Leibes Christi" (193) aber doch Signal für Heilsgeschichte
. Aber Geschichte, Gestalt wird das Heil einstweilen doch
nur im Leiden, in der Heiligung, im Gebet (198ff).

Ein dritter Teil zeichnet Konkretisierungen dieser Missionstheologie
, im wesentlichen um zwei Knotenpunkte herum: den Anfang
des „Dritten Reiches" als die Mission ihren Ort im Kirchenkampf
finden mußte, und am Neubeginn ökumenischer Beziehungen
nach 1945. Zu beiden Bereichen macht der Vf. eine intensive Mitwir-
kung Hartensteins deutlich. Die Mitwirkung von Hartenstein an der
deutschen Erklärung in Tambaram gehörte eigentlich auch in dies
Kapitel, ist aber schon im vorigen behandelt worden (179-188).

Mit diesem Aufriß hat der Vf. bereits deutlich gemacht, daß er die
Theologie von Karl Hartenstein als relevant ansieht. Ein letzter Teil
skizziert Kritik an Hartensteins Position und stellt der Kritik Gegenfragen
von Hartensteins Position aus gegenüber; so wird sie nicht
apodiktisch vertreten, sondern in einen Dialog hineingenommen,
und es wird plausibel gemacht, daß sie nicht als Ganze widerlegt oder
veraltet ist, sondern daß das Verständnis von Mission „im Blick aufs
Ende" uns auch heute etwas zu sagen hat. Das ist dem Vf. beim Rez.
gelungen. Wer sich darin weniger beeindrucken läßt, wird doch von
der gründlichen, material- und detailreichen Studie zur Geschichte
der Mission und ihrer Theologie Nutzen ziehen können.

Erlangen Niels-Peter Moritzen

Kasdorf, Hans: Christian Conversion in Context. Foreword by
A. F. Glasser. Scottdale-Kitchener: Herald Press 1980. 217 S. 8
$7.95

Der mennonitische Missiologe versteht unter „Bekehrung" die
religiösen und ethischen Prozesse der geistlichen Wandlung des Menschen
, die seine Wertvorstellungen, Beziehungen und Einstellungen
zu Gott, zu sich selbst und zu anderen Menschen (einschließlich der
Kirche) verändern und jeweils in einem soziokulturellen Kontext geschehen
. Diese kontextuelle Bekehrungstheologie bezeichnet K. als
„Ethnotheologie" und meint damit eine theologische Anthropologie,
die unter missionarischer Zielstellung Elemente der Kulturanthropologie
verarbeitet. So kann K. ein differenziertes, jedem Schematismus
abgeneigtes, für soziale Fragen offenes Verständnis von Bekehrung
entwerfen, ohne den evangelikalen Ansatz aufzugeben: Bekehrung ist
unerläßlich und weder durch den Dialog zu ersetzen noch in der
„zweiten Generation" zu entbehren. Die Probleme der letzteren sind
ohne sie unlösbar, denn „Gott hat keine Enkel und Urenkel". - Eine
deutschsprachige Ausgabe dieses Buches soll im Verlag der Liebenzeller
Mission erscheinen.

E. W.

Referate über theologische Dissertationen
in Maschinenschrift

Niemann, Hermann Michael: Untersuchungen zur Herkunft und Geschichte
des Stammes Dan. Diss. theol. Rostock 1979, III, 408 S.

Die Diss. ordnet die zunächst jeweils für sich untersuchten Texte
nach dem Alter des in der Exegese gewonnenen historischen Bezugspunktes
. So werden nach der Einleitung (S. 1—III) im 1. Kap.
Ri 1,34.35a (S. 1-9), im 2. Kap. Ri 5,17a/? (S. 9-27) und im 3. Kap.
Ri 17-18 (S. 27-87) untersucht. Dieses Kap. bietet neben der versweise
vorgehenden Exegese einen Exkurs zu dem Problem „Michas
Levit und der Dan-Priester Jonathan, der Sohn des Gersom, des Sohnes
Moses/Manasses" (S. 58-67) sowie im Ergebnis der Exegese die
detaillierte Darstellung und Charakterisierung einer danitischen
Grunderzählung und dreier späterer Bearbeitungen der Grunderzählung
mit einem je eigenen Profil (S. 71-78) und schließlich „Erwägungen
zur Datierung der Nordwanderung". Im 4. Kap. wird
Ri 13-16 untersucht (S. 87-127), wobei einem Exkurs über die Pro-