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Ausgabe:

1981

Spalte:

529-530

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Dein Reich komme 1981

Rezensent:

Mendt, Dietrich

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Seite 1

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529

Theologische Literaturzeitung 106. Jahrgang 1981 Nr. 7

530

Kirche bei Weber - der zwar auch zum Ausschuß gehörte, aber später
durch Betonung eines strikten Rechtsstandpunktes mit dem Chef der
Sicherheitspolizei und des SD, Heydrich, in Konflikt geriet -, bei
Ernst Rudolf Huber, Otto Koellreutter, Hans Gerber und Johannes
Poppitz, bei Erik Wolf sowie bei den katholischen Wissenschaftlern
Godehard Josef Ebers und Hans Peters. Dabei ist die Reihenfolge sehr
geschickt gewählt. Huber und Koellreutter gehörten zur „Gruppe der
nationalsozialistischen Bannerträger in der Rechtswissenschaft". Huber
galt als Vertreter der jüngeren, Koellreutter als einer der älteren
Generation. Beide betrachteten das Verhältnis von Staat und Kirche
ausschließlich vom nationalsozialistischen Staatsrecht her, ohne
..sich um eine theologische Grundlegung ihrer Auffassungen zu bemühen
" (221), wie es bei Gerber deutlich wird, der zwar auch zu den
..Bannerträgern" der älteren Generation zählt, aber auf der Basis
einer evangelischen theologischen Staatsethik ein positives Verhältnis
zum nationalsozialistischen Staat gewinnen wollte, wie sein Assistent
Johannes Poppitz auch. Wieder ganz anders wurde das Verhältnis
von Staat und Kirche von Erik Wolf und damit aus der Sicht der
Bekennenden Kirche gesehen. Dieser schloß sich Wolf sehr bald an,
nachdem er kurze Zeit mit dem Nationalsozialismus sympathisiert
hatte. Er arbeitete aktiv in der Badischen Landeskirche mit, übte verschiedene
kirchliche Funktionen aus und trat mit Rechtsgutachten
für verfolgte Mitglieder der Bekennenden Kirche (Martin Niemöller
und Constantin von Dietze) ein. Für ihn sind Staat und Kirche wesensmäßig
verschieden. Beide sind göttlich und ewige Ordnungen,
die weder gleichgesetzt noch einander entgegengesetzt werden dürfen.
Das Kirchenrecht habe bekenntnismäßigen Charakter, weshalb der
Staat der Kirche kein bekenntnisfremdes Recht aufzwingen kann. Im
übrigen sind deshalb auch staatliches und kirchliches Recht wesensmäßig
verschieden. Einen ähnlichen konsequenten Standpunkt vertritt
auf katholischer Seite Hans Peters, während der 1<535 von den
Nazis des Lehramtes enthobene Ebers, wie manche andere, anfänglich
zu hohe Erwartungen an das Konkordat geknüpft hatte und
vorübergehend an eine Zusammenarbeit von Staat und katholischer
Kirche glaubte.

Winter hat das vielschichtige Problem des Verhältnisses von Staat
und Kirche im faschistischen Deutschland aus der engeren Sicht der
Staatskirchenrechtler einer eingehenden Betrachtung unterzogen und
dabei unter Auswertung vielfältigen Materials sehr zur Aufhellung
dieser Thematik beigetragen, wofür ihm Anerkennung gezollt werden
muß. Natürlich werfen sich nach dem Studium dieser Arbeit weitere
wichtige, insbesondere wissenschaftspolitische Fragen auf, die einer
Antwort bedürfen. Auch für diese Anregungen ist dem Vf. zu danken.

Halle (Saale) Rolf Lieberwirth

Ökumenik: Missionswissenschaft

Lehmann-Habeck, Martin [Hrsg.]: Dein Reich komme. Bericht der
Weltkonferenz für Mission und Evangelisation in Melbourne 1980.
Darstellung und Dokumentation. Mit weiteren Beiträgen von W.
Arnold, P. G. Buttler, G. Hoffmann, H. Reiß, P. Sandner, J.
Schnellbach, V. Schmid. Frankfurt/M.: Lembeck 1980. 198 S. 8".
Kart. DM 19,80.

Die Rezension dieses Buches enthält ein subjektives Moment: der
Rez. war Teilnehmer der Weltmissionskonferenz, und für einen Teilnehmer
liest es sich anders . ..

Für einen Nichtteilnehmer wird der zweite, dokumentarische Teil
lfn Vordergrund stehen. Hier hat er alles beisammen an wichtigen
Texten, was Melbourne bestimmt hat: Vier der sieben Referate, die
,m Plenum gehalten wurden, die Botschaft, die ausführlichen Sektionsberichte
(57 Seiten) und die Erklärungen der Konferenz zu den

Ureinwohnern Australiens, zu El Salvador und Lateinamerika und
zu Südafrika, schließlich ein „Bekenntnis", nämlich ein Schuldbekenntnis
angesichts des Schweigens der Konferenz zu manchen weltpolitischen
Ereignissen - und dazu eine Erklärung der Kirchen im
südpazifischen Raum zur Bedrohung des Pazifik mit Kernwaffen wie
eine besondere Resolution zur „Vision des Reiches" durch Frauen.
Dem Leser wird dabei auffallen, daß die Sektionsberichte ebenso
„richtig" und allgemein gehalten sind wie die Erklärungen aktuellen
und einseitigen Charakter haben. Und er wird daraus schließen, daß
die Konferenz sowohl verantwortlich theologisch wie auch aktuell-
gemeindepraktisch-politisch gehandelt habe. Wenn er die Geschichte
der ökumenischen Bewegung kennt, wird er bedauernd oder erleichtert
feststellen, daß es gegenüber Bangkok 1972/73 keinen Fortschritt
gegeben hat, sondern lediglich Bestätigung und Ergänzung: „Heil
heute" ist nichts weiter als die aktuell und punktuell greifbare Gegenwart
des kommenden Reiches Gottes. Die eschatologische Dimension
- so ist in Melbourne unter dem Thema „Dein Reich komme"
deutlich geworden und auch deutlich gemacht worden - ist unangetastet
. Sie füllte eine ganze Sektion, die Sektion III „Die Kirche
bezeugt das Reich", von insgesamt vier Sektionen.

Der Brief an die Christen der Welt, d. h. die „Botschaft der Konferenz
" und die verschiedenen Erklärungen signalisieren die Atmosphäre
in Melbourne deutlicher als die Sektionsberichte, am klarsten
wird sie eingefangen in den einführenden Artikeln, wobei Viola
Schmid den Satz eines Journalisten zitiert, der am genauesten beschreibt
, was die Konferenz auszeichnete: „Das Ergebnis ist das Erlebnis
!" In diesen Artikeln wird der Finger an den Lebensnerv der
Konferenz gelegt, die Herausforderung durch die Armut, durch die
zwei Drittel der Menschheit, die unter dem Existenzminimum leben.
Martin Lehmann-Habeck, Herausgeber des Bandes, sagte in Melbourne
, daß er begriffen habe, daß „Armut nicht eine Kategorie der
Ethik, sondern der Christologie" sei (dieses wichtige Zitat fehlt in
dem Buch, auch in Lehmann-Habecks kurzem einführenden Artikel
). Die Verantwortung der abendländischen Christen und ihrer
Mission für Hunger, Verfolgung, Unterdrückung, Rassendiskriminierung
wurde immer wieder angesprochen - und auch begriffen.

An dieser Stelle setzt die Kritik eines Rez. ein, der gleichzeitig Teilnehmer
war. Die Kritik: Die begleitenden Artikel sind ausschließlich
von westdeutschen Autoren geschrieben. Ein Stimmungsbild aus der
Sicht eines Vertreters der Jungen Kirchen, der Kirchen, die ein so
starkes Selbstbewußtsein entwickelt haben in Melbourne, fehlt. Es
wäre eine wichtige Ergänzung gewesen. Sicher hätte auch ein Beitrag
aus einem der sozialistischen Länder die Palette des Bandes bereichern
können, wenn denn in Australien wirklich „das Ergebnis das
Erlebnis" gewesen ist.

Die Hoffnung: Daß ein zweiter Berichtsband erscheinen möge, der
die Dokumente und Referate ergänzt durch die Gebete, die in Melbourne
gebetet, die Lieder, die dort gesungen, die Geschichten, die
dort erzählt worden sind! In Englisch liegt er schon vor, in der Nummer
„Oktober 1980 - Januar 1981" der „International Review of
Mission", der Zeitschrift der Abteilung für Weltmission und Evangelisation
des Weltkirchenrates, die unmittelbar für die Weltmissionskonferenz
verantwortlich war.

Dresden Dietrich Mendt

Berger, Heinrich: Mission und Kolonialpolitik. Die katholische Mission
in Kamerun während der deutschen Kolonialzeit. Immensee:
Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1978. XXVII,
358 S. gr. 8' = Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft, Supple-
menta XXVI. Kart. sfr46.-.

Ziel dieser Arbeit ist es, anhand einer Fallstudie über die 25 Jahre
Missionsarbeit der Pallottiner in Kamerun von 1890 bis 1915 die
These von der Verbindung zwischen Kolonialismus und katholischer
Mission zu untersuchen, genauer die Frage, ob es stimmt, daß die katholische
Mission „eine besondere Form kolonialer Expansion dar-