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1974

Kategorie:

Missionswissenschaft

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Neuerscheinungen

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gestrill, die, was ihr«: Abmessungen betrifft, nach neuesten
Erkenntnissen der Wissenschaft des Spatem in Südindien
nur für das erste nachchristliche Jh. nneliweisbar seien
(VIII). Aber auch ohne Berücksichtigung dieses archäologischen
Arguments gibt M. zu erkennen, daß er als Historiker
keinen Anlaß sieht, die Mylapore-Traditinn in den Hereich
der Legende zu verweisen.

Von ungleich größerer Aktualität ist der zweite Teil des
Buches („Other Tradition! of the Christians <if St. Thomas"),
in dem M. Ursprung und Frühgeschichte der Thomas-
c.hristen aufzuhellen bemüht ist (Kap. 5) und dein sozialen
und ,,sozio-ekklesialen" (Kap. 6) sowie dein liturgischen und
religiösen Leben (Kap. 7) dieser Kirche nachgeht. Ausgewertet
werden wieder die portugiesischen und — christlichen
wie nichtchrisllichen — indischen Quellen des 16. Jh.s
sowie ,,Chaldean books" (87). M. präsentiert eingangs die
These, die er in diesem Teil zu belegen unternimmt: „In the
Kilh Century the l'ortuguese found the Community of the
Christians of St. Thomas living its live in a peculiar social and
eeclesiastical environment, with their own peculiar cusloms
and usages, possessing its own ancient traditions ..." (86).
Es gab einen durchaus eigenständigen ,,inode of existenee
of the Community" (ebd.). Dies feststellen zu müssen waren
die Portugiesen .,not a litlle puzzled" (180). Urteile wie das
des Jesuitenpaters Carneiro (Mitte des 16. Jh.s) waren
rühmliche Ausnahmen: „Both you and we hold to the same
faith; the differenec of custnms matters little" (ebd.). Aufs
Ganze gesehen traf die Einschätzung des Erzbischofs Boz
(Anfang des 17. Jh.s) zu, daß die Portugiesen alle Abweichungen
vom lateinischen Bitus schlicht als „heretical
and superstilious" (ebd.) verslanden. Sie waren deshalb von
Anfang an eifrig bemüht, die Thomascliristcn „conform to
the Porluguese manners and modes" (ebd.) zu machen.

Was IL, in den Kapiteln 6 und 7 der portugiesischen
Engstirnigkeit und Anmaßung entgegenstellt, hat, über
historische Kirchenkunde hinausgehend, die Qualität einer
Morphologie in nuce. Wenn einstmals Werner Klerts im
posantes Werk eine breite gegnerische Front — von Karl
Barth bis Hermann Sasse — zu einein prinzipiellen Anathema
über jede theologische. Morphologie veranlaßle. so zeigt sich
bei M., wie wenig Kirche und Theologie der Uritten Welt
heute noch daran denken, den Ge- oder Verbotstafeln
westlicher Theologen Beachtung zu schenken. M. will einen
historisch fundierten Beitrag im Bingen der Christen seines
Landes um die Findling oder Bückgewinnung ihrer Identität
leisten. Darum erstellt er aus den Quellen eine Dokumentation
der „spontaneity", mit der die Thnmaschristen sich
einst ihrer Umgebung anpaßten (XII), also eine bodenständige
Kirche wurden. Indem M. diesen Vorgang fast uneingeschränkt
positiv bewertet, gibt er ein weiteres Mal zu
erkennen, daß westliche Verdikte - in diesem speziellen
Fall etwa diejenigen, die sich aus dem Knsmopolilismus
Hoekendijks herleiten die Dritte Well gegenwärtig kaum
mehr beeindrucken.

Die Portugiesen suchten ihre konformistischen Ziclvor-
slellungen durch Anwendung von Druckmitteln zu verwirklichen
. Dadurch „erstickten" sie die Spontaneität und
bewirkten, daß vom Ende des 16. Jh.s an die Thomas-
christen „became less and less adaptive" (ebd.). Ober die
Schwere des Vorwurfs, den M. damit erhebt, sollte sich der
Leser ebensowenig im unklaren sein, wie er es über seine
Berechtigung sein kann. Es ist nur folgerichtig, wenn das
Buch mit dem Ausdruck der Hoffnung schließt, daß es
gelingen möge, die einst unter Beweis gestellte „exlra-
ordinarv spontaneity" aufs neue wirksam werden zu lassen
(181).

M.s Darlegungen haben spezifisch indische Vorgänge im
Auge, sind nber zugleich für die gesamte1 Ökumene relevant.
Denn gerade die Portugiesen haben durch rund ein halbes
Jahrtausend an den Grundlinien ihrer Kolonialpolitik festgehalten
auch in anderen Teilen der Well. Selbst wenn

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es in Angola und Mocambique keine militärische Gewaltanwendung
und keine wirtschaftliche Ausbeutung gehen wird
bleibt immer noch, daß die Kolonialmacht Portugal die
einheimischen Völker ihrer Spontaneität, ihrer kulturellen
Kreativität, ihrer Identität beraubt hat.

Das Buch zeigt, daß in der Dritten Welt eine Theologen-
gencration herangewachsen ist, die ihre wissenschaftliche
Befähigung eindrucksvoll demonstriert und sich auch darauf
versteht, Forschung so zu treiben, daß damit echte Beiträge
zur Lösung akuter Existenzprobleme der Kirche geleistet
werden.

Die beigegebenen Karlen- und Planskizzen sind für das
Verständnis hilfreich. Zu bemängeln igt an dem Buch
lediglich die Fülle der Drin k fehler.

I.eipilg Siegln«*! Krilgul

Albcrs, Erust-Augusl : Missionsarbeit unter weißen Afrikanern
(Missionsblatt 65, 1973 S. 124—181).

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Betz, Ulrich: Evangelikaie in Deutschland (ÖB 22, 1973
S. 309-318).

Beyerhaus, Peter: Das Ncuerwachen der evangelikalen

Missionen (LB 23, 1973 S. 302-313).
Beycrs-Naud , Christian-Fredcrik: Schwarzer Zorn und

weiße Gewalt in einer unwirklichen Gesellschaft (ZEF 17

1973 S. 4-16).

Bläser, Peter: Zum anglikanisch/römisch-katholischen Gespräch
(Catholica 27, 1973 S. 31-44).

Boeckler, Bichard: Herausforderung an die Ökumene.
„Hechenschafl über die Hoffnung, die in uns ist" (ÖB 22,

1973 S. 75-79).
Bonino, Jose Miguez: Unidud cristiana y rcconciliaciön
social: Coincideneia y lensiöon (Ciiadernos de Tclogia 2,

1972 S. 109-123).

Brandenburg, Albert: Schwerpunkte einer ökumenischen
Theologie (Catholica 26, 1972 S. 345-353).

Brandt, Hermann: Die Evangelische Kirche lutherischen
Bekenntnisses in Brasilien (Kl.KB) und die Feiern zum
150. Jahrestag der Unabhängigkeit Brasiliens am 7.
September 1972 (ZEF. 17. 1973 S. 43-49).

Das Christusbild in den Kirchen (EvErz 25, 1973 S. 460
467).

Dimitrijevic, Dimilrije: Priesterainl und Amtsstruk turen
(IKZ 63, 1973 S. 62-93).

Duchrow, Ulrich: Die ganzhfBlieben Nöte des Mensehen, die
Heilsinacht des Evangeliums und der Partikularismu«
kirchlicher Institutionen (ZEE 17, 1973 S. 65—74).

Fries, Heinrich: Was heißt Anerkennung der kirchlichen
Ämter? (StZ 98, 1973 S. 507-515).

Gensichen. Hans-Werner: Botschafter der Versöhnung
(LB 23, 1973 S. 314-324).

Goertz, Hans-Jürgen: Amt und Ordination in „Glauben und
Kiri licnvcrfassung". Ein Iii rieht mit Konsequenzen für
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" (Una Sancta 28, 1973 S. 286-302).

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St. Louis — London: Concordia Publishing House [19731«
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Hellberg, Carl-Julian: Mission - früher und heute (LB 23.

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Hoffinann, Joseph: l.'horizont neciiiuenique de la reforin'

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du present (Nouvelle Bevne Theologique 95.1 973 S. 976 bi«

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Theologisch« Literalurzeitung 99. Jahrgang 1974 Nr. 7