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Ausgabe:

1972

Spalte:

708-710

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Christen Afrikas auf dem Wege zur Freiheit 1955-1969 1972

Rezensent:

Krügel, Siegfried

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Theologische Literaturzeitung 97. Jahrgang 1972 Nr. 9

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dürfe, in der Nörmalsituation der Gemeinde kaum erfüllbar
zu sein. Therapeutisch mag diese Forderung zweckmäßig,
ja, notwendig sein (allerdings erlebte der Rez. in seiner
Lehrgruppe einen älteren, sehr kollegialen und geschickten
Leiter, der durchaus „mitmachte", wenn er selber durch die
Gruppe analysiert und attackiert wurde!). Aber wenn der
heutige Pastor sich allenthalben eines partnerschaftlichen
Arbeitsstils bedient und auf ein brüderliches Verhältnis zur
Gemeinde Wert legt, kann er in der seelsorgerlichen Gruppe
nicht einfach „draußenbleiben", als wollte er doch wieder
seine Autorität wahren, und sei es die des therapeutischen
Fachmannes. Um dieses bedenklichen Anscheins willen sollte
er sich lieber einen Gruppenpsychologen von auswärts holen
oder seinerseits nur außerhalb der eigenen Gemeinde
therapieren. Das Für und Wider kann hier leider nicht näher
erwogen werden, und wir müssen auch vom Hinweis
auf weitere Einzelheiten (z. B. Funktion des neutralen Beobachters
, Rollenspiel, Widerstand usw.) absehen.

Erwähnt werden muß aber noch, daß im 3. Teil „Spezielle
Konkretionen" (149ff) durch den Vf. die Arbeit mit Ehe- und
Familiengruppen vorgeführt wird und daß anschließend G.
Rückert, W. Pöhlmann und G. Bürckstümmer über Erfahrungen
berichten, die sie mit der gruppendynamischen Methode
im Sprach-, Exegese- und Religionsunterricht gemacht haben
. Wenn es sich dabei auch um erste und z. T. unfertige
Versuche gehandelt haben mag, so gibt es doch für den akademischen
Lehrbetrieb künftig gewiß noch manche positiven
Möglichkeiten, auch die unterrichtliche Stoffbewältigung
nicht mehr autoritär und leiterorientiert, sondern eben gruppenorientiert
zu gestalten.

Der 4. Teil „Zur theologischen Interpretation der Seelsorge
durch die Gruppe" (185—201) wirkt etwas wie ein
Anhang und bringt nur weniges zur Klärung. Auch das
scheint beabsichtigt und in der Natur der Sache zu liegen.
„Seelsorge ist nur dann sinnvoll, wenn sie therapeutische
Seelsorge ist" (189). Weil es in der Seelsorge ganz zentral
um den Menschen geht, um Reifungs- und Entscheidungshilfe
für ihn, ist „das spezifische Proprium der Seelsorge
anthropologisch bestimmt" (187); dies wird vom Vf. zugleich
christologisch begründet. Absolute Wahrheiten in der
Seelsorge vermitteln zu wollen, hieße einer theologischen
Gesetzlichkeit frönen, statt dem Menschen zu helfen. Damit
ist nicht ausgeschlossen, daß durch die seelsorgerliche Gruppe
existentielle Wahrheiten erkannt oder realisiert werden,
die durchaus theologische Qualität haben. Aber sie sind
nicht abstrakt formulierbar. „Die angemessenste Form einer
tradierten ,Theologie der Seelsorge durch die Gruppe'
wäre also der genaue und womöglich persönliche Bericht
vom Leben einer ganz bestimmten Gruppe aus dem ,Munde',
d. h. als Konsensus, dieser Gruppe" (197; Anmerkung vom
Vf. dazu: Vgl. die Identität von Bekenntnis und Geschichte
Israels). Am Schluß des Buches wird als „die zentrale Schriftstelle
seelsorgerlicher Kommunikation" Hebr 5,2 zitiert.

Dem Buch ist ein Geleitwort des Psychoanalytikers Hans
G. Preuß vorangestellt. Im Anhang finden sich ein Literaturverzeichnis
, Erklärungen wichtiger Fachausdrücke und ein
Register zu Sachen und Namen. Der Informationswert dieser
grundlegenden Publikation, für die dem Vf. allseitiger
Dank gebührt, wird dadurch noch erhöht.

Rostock Ernst-Rüdiger Kiesow

Bastian, Hans-Dieter: Das Gleichnis im Religionsunterricht
(Linguistica Biblica 1970 Heft 2 S. 12—13).

Bizer, Christoph: Homiletik und Didaktik (Wissenschaft und
Praxis in Kirche und Gesellschaft 61, 1972 S. 80—89).

Gilhaus, Hermann: Alles hat seine Zeit. Für Tage, die wir
nicht vergessen. Meitingen—Freising: Kyrios-Verlag
[1972]. 35 S. kl. 8° = Meitinger Kleinschriften, 16.

Magaß, Walter: Thesen zur Sprache der Kirche (Linguistica
Biblici 1970 Heft 1 S. 8-10).

Mourits, Harry, A. A. {Hrsg.]: Wer ist in Gottes Namen
dieser Jesus? 25 Betrachtungen. Mit einem Vorwort v. M.
Plate. Übers, v. R. van Wezemael u. K. Janssen. Freiburg—
Basel—Wien: Herder [1971]. 188 S. 8°.

Neidhart, Walter: Möglichkeiten einer christlichen Jugendarbeit
in der Gegenwart (ThZ 28, 1972 S. 87-95).

Seckler, Max: Hoffnungsversuche. Freiburg—Basel—Wien:
Herder [1972]. 192 S. 8°. Kart. DM 16,-.

Winkler, Klaus: Pastoralpsychologische Aspekte der kirchlichen
Beerdigung (Wissenschaft und Praxis in Kirche und
Gesellschaft 61, 1972 S. 90-96).

MISSIONSWISSENSCHAFT, ÖKUMENE

Althausen, Johannes: Ohristen Afrikas auf dem Wege zur
Freiheit 1955—1969. Zusammengestellt und mit einer Einführung
versehen. Berlin: Union Verlag 1971. 311 S.,
1 Taf. 8°. Lw. M 14.80.

Zur rechten Zeit erscheint im Union Verlag diese Dokumentation
, für deren Erstellung der Leiter des Ökumenischen
Instituts Berlin verantwortlich zeichnet. In acht Kapiteln
werden 38 Dokumente deutsch in Auswahl dargeboten
. Besonderes Gewicht ist auf Dokumente der Versammlungen
der AACC (Gesamtafrikanische Kirchenkonferenz)
und der AALC (Gesamtafrikanische Lutherische Konferenz)
gelegt. Daneben kommen zahlreiche andere Stimmen zu
Gehör, auch solche der römisch-katholischen Kirchen in
Afrika. Es wird eine Fülle ebenso komplizierter wie interessanter
, hochaktueller Probleme angesprochen; wir nennen
die Themen einiger Dokumente:

Über das Verhältnis von Christentum und Kultur (67)

Der Glaube unserer Väter (74)

Afrikanische unabhängige Kirchen und Bewegungen (76)
Der Begriff der Sünde im afrikanischen Denken (91)
Die Begegnung des Christentums mit dem Islam (101)
Geister- und Ahnenglaube als Versuchung für die
Christen (103)

Die Kirche und das Problem der Polygamie (135)

Heim und Familienleben (139)

Das Großstädte-Programm für Afrika (161)

Freiheit und Einheit in der Gesellschaft (168)

Die christliche Gemeinde in den Hochschulen Afrikas (171)

Kirche und Nationalgefühl (192)

Afrika und internationale Fragen (195)

'Die Rassentrennung in Südafrika (209)

Der Weg von der Gewaltlosigkeit zur Gewalt (226)

Die lutherische Lehre von den zwei Reichen und die

Apartheid (245)

Christliche Existenz im politischen und internationalen
Bereich (277)

Mit Christus am Werk in Afrika heute (290)

Derartige Dokumente systematisch ordnen zu wollen,
bleibt natürlich immer ein Unterfangen, das nur bis zu
einem gewissen Grade gelingen kann. Wichtiger ist es, die
Problemlage im einzelnen zu verdeutlichen und gleichzeitig
im Querschnitt einen Überblick über die Fragestellungen
im ganzen zu vermitteln.

Der Herausgeber war sich der hier vorliegenden Schwierigkeiten
voll bewußt: „Bei der großen Fülle der Texte ist
es nicht möglich, die verschiedenen Typen und Richtungen
kirchlichen Lebens in Afrika gleichmäßig zu berücksichtigen
. Die Leitlinien wurden daher vor allem von den
großen Herausforderungen und Fragen bestimmt, die auf
die Christen dieses Kontinents im Jahrzehnt der Wende von
einer alten zu einer neuen Zeit zukommen. Die Kapitelüberschriften
machen das thematisch deutlich. Es war allerdings
mitunter schwierig, die vielschichtigen Texte an der richtigen
Stelle einzuordnen" (20).

Es ist A. geglückt, die acht Kapitel sachgerecht, klar und
aussagekräftig wie folgt zu thematisieren: