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1971

Kategorie:

Missionswissenschaft

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Neuerscheinungen

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Theologische Literaturzeitung 96. Jahrgang 1971 Nr. 1

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sich im Völkergemisch der Großstadt die völkische oder
stammesmäßige Identität am besten bewahren ließ. (Vgl.
S. 362ff.) So muß das Verhältnis von Christentum und Kultur
durchaus komplex gesehen werden. Aber die Verzahnung
bereitet Verlegenheiten und stellt den Christen viele
Aufgaben, die erst allmählich gesichtet werden. Ihre Mitverantwortung
für den afrikanischen Nationalismus, ein weitverbreiteter
Ekklesiozentrismus, das noch nicht überwundene
Mißverhältnis von Bildungsarbeit und Verkündigung,
ganz besonders der weithin Europa zugehörige Charakter
der Christenheit, die noch wenig ausgelotete Begegnung
mit den Religionen und die Bewahrung und Pflege in anderen
Situationen und Erdteilen vorfabrizierter Theologie
und Tradition werden von Idowu als wichtigste Hindernisse
für eine vollmächtige Existenz der Christenheit in Afrika
angesehen. Sie müssen in den Strukturen, Arbeitsformen,
theologischen Studien und auf jede erdenkliche andere Art
überwunden werden. Daß dies nicht nur eine Herausforderung
an die afrikanischen Kirchen, sondern an die ökumenische
Christenheit ist, dürfte klar sein.

Obwohl die Sammlung mehrerer Beiträge durch einen
Kongreß immer ein vielfältiges Bild bietet, konnte Vollständigkeit
nicht erwartet werden. Die geographische Eingrenzung
ist bereits im Thema gegeben. So fehlt auch die
Behandlung der alten Kirchengeschichte Nordafrikas bis
zum Einbruch des Islam. Auch Südafrika kommt nicht in
den Blick. Dabei hätte es als Sammelbecken der „unabhängigen
Kirchen" — ähnlich wie gewisse Grundlinien der nordafrikanischen
Geschichte — sicher manchen allgemeingültigen
Gesichtspunkt für die Behandlung bestimmter Fragen
bieten können. Noch wichtiger ist der Hinweis von Baeta
selbst und von Gray in seiner Übersicht über die Quellenlage
(S. 18ff), daß es dringend an Darstellungen fehlt, die
die Entwicklung und das Leben der Christenheit im tropischen
Afrika in soziale, historische, politische und andere
allgemeine Zusammenhänge hineinstellen. Trotz mancher
Bemühungen ist das auch dem Kongreß in Ghana nur andeutungsweise
gelungen. Das mag am Rande vermerkt sein,
nicht als Kritik, sondern weil es die Konturen des Bildes,
das dieser Sammelband bietet, verschärft.

Die Kirchengeschichtsschreibung Afrikas ist erst am
Anfang. Wie groß die Aufgabe ist, zeigt der Berichtsband
vom siebenten Internationalen Afrika-Seminar.

Berlin Johannes Althausen

Barnard, L. W.: God, the Logos, the Spirit and the Trinity
of Athenagoras (StTh 24, 1970 S. 70-92).

Bolewski, Hans: Ökumenische Theologie und kritische
Theorie (ÖR 19, 1970 S. 285-294).

Carder, W. G.: On the Beginnings of the Canadian Baptist
Foreign Mission to India (Indian Church History Review
3, 1969 S. 115-149).

Crönert, Heinz: Mut zur Armut. Ökumenische Überlegungen
und Ermunterungen (DtPfrBl 70, 1970 S. 333—336).

Dunstan, Alan: Zwischen Establishment und Freiheit. Der
anglikanische Pfarrer heute (DtPfrBl 70, 1970 S. 365—368).

Grillmeier, Alois S. J.: Konzil und Rezeption. Methodische
Bemerkungen zu einem Thema der ökumenischen Diskussion
der Gegenwart (Theologie und Philosophie 45,
1970 S. 321-352).

Hartmann, Arnulf: William of St. Augustine and His Time
(Augustiniana 20, 1970 S. 181-234).

Krüger, Hanfried: ökumenische Bewegung 1965—1968.
Stuttgart: Evang. Missionsverlag 1970. IV, 168 S. 8° =
Beiheft zur ökumenischen Rundschau, 12/13. DM 12.—.

de Margerie, B. S. J.: La penurie de clerge en Amerique
Latine (NRTh 102, 1970 S. 468-504).

Mumm, Reinhard: Was trennt uns denn noch? Unwägbarkeiten
im evangelisch-katholischen Dialog (Lutherische
Monatshefte 9, 1970 S. 339-341).

Nickel, Edgar: Die Mischehe. Stein des Anstoßes — oder
Baustein der Ökumene? (Alt-katholische Kirchenzeitung
14, 1970 S. 41).

Padberg, Rudolf, und Peter Stolt: Ist „Sachkunde - Religion
" ökumenisch konzipiert? (Der Evangelische Erzieher
22, 1970 S. 247—251).

Pape, Carlos: El ecumenismo en Chile (Teologia y vida 9,
1970 S. 55-58).

Ramirez, Gustavo Perez: Päques en Amerique latine:
liberation (Communion 24, 1970 S. 18—28).

Samartha, S.J.: The World Council of Churches and Men of
Other Faiths and Ideologies (ER 22, 1970 S. 190—198).

Sasse, Hermann: Abendmahlskonsensus mit Rom? (Lutherische
Blätter 22, 1970 S. 56-59).

Ullmann, Wolfgang: Das filioque als Problem ökumenischer
Theologie (KuD 16, 1970 S. 58—76).

VON PERSONEN

Erdmann Schott zum 70. Geburtstag

am 8. Dezember 1970

Hochverehrter Herr Kollege!

In Ehrerbietung und Dankbarkeit gratulieren wir Ihnen
zu Ihrem siebzigsten Geburtstag. Wir grüßen Sie an
diesem Tage in dem Bewußtsein, daß Ihr Lebenswerk und
seine Ausstrahlungen keine Sache der Vergangenheit, sondern
unter uns so lebendig und gegenwärtig sind wie nur
je zuvor.

Sie gehören zu der Gruppe jener Schüler Rudolf Hermanns
, die zwar untereinander und mit ihrem Lehrer durch
gemeinsame Interessen und bedeutende Leistungen auf dem
Gebiet der Lutherforschung verbunden sind, aber nie in
Versuchung waren, eine theologische Partei zu bilden und
nie die notwendige Konzentration auf wissenschaftliche Aufgabenstellungen
verwechselten mit unfruchtbarer Einseitigkeit
. So ist gerade Ihr Wirken in exemplarischer Weise die
freie und originelle Weiterführung früh empfangener Impulse
und zugleich der Ertrag eines theologischen Denkens
von großer Spannweite und Aufgeschlossenheit. In den Arbeitsergebnissen
und Erfolgen des seit Ihrem 65. Geburtstag
vergangenen Jahrfünfts spiegeln sich diese Wesenszüge
Ihrer gesamten Wirksamkeit eindrucksvoll wider.

Zwei selbständige Publikationen, die in diesem Zeitraum
erschienen, „Taufe und Rechtfertigung in kontroverstheologischer
Sicht" und „Rechtfertigung und Zehn Gebote
nach Luther", lassen zwei systematische Hauptrichtungen
Ihrer Orientierung am Erbe Luthers anschaulich werden:
Das Interesse am interkonfessionellen Dialog und die Mit-
verantortung für die kirchliche Praxis. In Ihrer nicht ermüdenden
Bereitschaft, sich mit aktuellen Fragestellungen auseinanderzusetzen
, zeigt sich die strenge Wirklichkeitsbezo-
genheit Ihrer Theologie. Die tiefste Wurzel für die Aktualität
Ihres Denkens liegt dabei in einem stets bewiesenen untrüglichen
Sinn für das Wesentliche. Schon die nachhaltige
Wirkung Ihrer Erstlingsarbeit über „Fleisch und Geist nach
Luthers Lehre", die die Bemühungen um eine theologische
Anthropologie bis heute wesentlich mitbestimmte, hat das
aufs einurdckvollste bestätigt. So muß es eine besondere
Genugtuung bereiten, daß dieses Buch seit dem vergangenen
Jahr, mehr als vier Jahrzehnte nach seinem ersten Erscheinen
, in einem Neudruck vorliegt und damit auch der
jüngeren Generation für ihre Studien zur Verfügung steht.

Auch Ihre akademische Arbeit hat in den vergangenen
fünf Jahren nicht an Intensität verloren. Ihre Vorlesungen
und Oberseminare nehmen unter den Lehrveranstaltungen
unserer Fakultät einen hervorragenden Platz ein und die-