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Ausgabe:

1971

Spalte:

73-75

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Christianity in tropical Africa 1971

Rezensent:

Althausen, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 96. Jahrgang 1971 Nr. 1

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astorenmangel, bei dem Diasporacharakter der jungen Trotzdem versuchen eine Reihe der Redner und nicht
irchen, abgeholfen werden und die zerstreuten Glieder zuletzt der Herausgeber selbst, deutlich zu machen, welche
mit dem hl. Abendmahl versorgt werden können? Mehr als neuen, weiteren Aufgaben den Historikern und Theologen
ruher ist gerade dieser Ruf nach freiwilligen und unbe- in Afrika gestellt sein werden. Nach einem relativ kurzen
zahlten (aber ordinierten!) Helfern neben den hauptamt- ersten Teil: Historical Perspective mit fünf fast ausschließ-
. en Pastoren in unseren Tagen gehört worden, vor al- lieh berichtenden Beiträgen von Gray (London), Tufuoh
em in der Kirche von Südindien. (Accra), Grau (Peki, Ghana), Reardon (Belgien) und Price
Über die gängigen Methoden damals (und heute) fal- (Glasgow) beschäftigt sich der weitaus größte zweite Teil
en manche harte, aber hörenswerte Worte: ad Geld, ad mit The Analytical Perspective. Hier werden 10 Beiträge
Westliche Dominierung und „Tyrannei" und „westliche Kolo- gegeben: Low (University of Sussex) über die Märtyrer
nien" und Paternalismus, ad Institutionen und Missions- in Buganda; Bureau (Paris) Soziologische Fragen aus Came-
stationen und das, was unter dem Stichwort „Selbsterhal- run; Welbourn (Bristol) Psychologische Fragen von Scham
ung" weithin als gewisses Zeichen einer wahren Unab- und Schuld; Schuyler (Lagos) über Nigeria; Webster (Iba-
angigkeit der jungen Kirchen gesehen wurde. Für Allen da- dan, Nigeria) über Polygamie in den „unabhängigen Kir-
9egen ist das Merkmal echter Bodenständigkeit „die Fähig- chen" in Nigerien; Shepperson (Edinburgh) über Äthiopia-
eit, frei und ohne fremde Hilfe zu wachsen und sich zu nismus allgemein; Barrett (Nairobi) mit einem Einblick in
ren • statistische Untersuchungen besonders in bezug auf „unab-
Der gründlichen Darstellung der Allenschen Vorstel- hängige Kirchen" in Ostafrika (von denen inzwischen mehr
^n9en und Kritiken und Forderungen läßt der Vf. eine bekannt geworden ist: IRM 1/1970); Laroche (Tamale,
ntische Betrachtung des Ganzen folgen, die in sich eine Ghana) über die Begegnung mit den afrikanischen Religio-
mpfehlung zur Beachtung des Buches durch Theologen nen; Mulago (Kinshasa) über Grundprobleme einer Theoer
Gattungen darstellt: logie für Afrika; Mbiti (Kampala) über die kirchlichen
Zum Selbstverständnis Allens; Allens ekklesiologische Aufgaben auf dem Wege zu einer Theologie für Afrika,
onzeption im Licht des NT; Berechtigung und erneute Diese letzten Vorträge leiten organisch über zum dritten
j tuahtät der Kritik Allens an den kulturellen und kolonia- Teil: Trends and Prospects in African Christianity. Hier
den Interessen der Mission; Allens Missionstheologie und kommen noch einmal drei Redner zu Worte. Zwei bieten
as Problem einer einheimischen Theologie; Allens Um- soziologische Untersuchungen: Martin aus Dakar über
aang mit dem NT; Allens Beurteilung der Mission der Neu- Ehefragen und Long (Rhodesia) mit einer sehr interessan-
tig °le Aufnahme einzelner Gedanken Allens in der heu- ten Einzeluntersuchung über eine Gruppe der Zeugen Je-
en e1'' hovas in Zambia. Den Abschluß bildet das kritische und
Halle/Saale Arno Lehmann zugleich prospektivische Referat des Professors aus Ibadan,

Idowu, unter dem Titel: The Predicament of the Church
in Africa. Es darf angemerkt werden, daß unter 18 Red-
£ ... nern nur vier Afrikaner sind (laut Vorwort sprachen auf
eta, C. G.: Christianity in Tropical Africa. Studies pre- dem Seminar insgesamt 22 Redner, von denen fünf Afri-
sented and discussed at the seventh International African kaner sind) Heute würde ein Kongreß dieser Art anders
»eminar, University of Ghana, April 1965, edited with aussehen. Aber auch 1965 wurde deutlich, daß gerade in den
an Introduction. Foreword by D. Forde. Publ. for the 4 genannten Beiträgen besonders vorwärtsweisende Aus-
international African Institute. London: Oxford Univer- sagen gegeben werden.

s'ty Press 1968. XIII, 449 S. 8". Lw. 55 s. Insgesamt lassen sich etwa folgende Grundlinien der
. Funf Jahre nach Ende der Kolonialzeit in den meisten historischen und theologischen Reflexion herauslesen. Durch
■-andern Afrikas versucht das siebente Internationale Afri- den Einfluß des Christentums wird im 18. und 19. Jahr-
Ka-Seminar, ein Afrikanisten-Kongreß, eine Standortbestim- hundert der Sklaverei in Afrika ein Ende bereitet. Mag
mung der Christenheit in Afrika vorzunehmen. Der inter- man auch die komplexe und vielfältige Verflochtenheit der
national bekannte Professor der Theologie, Christian Baeta/ Motivation von Mission und Kolonialismus herausstellen,
lßCra' Enrendoktor der Humboldt-Universität Berlin, hat das Faktum der Sklavenbefreiung hat eine so hervorragen-
° von 22 Beiträgen der Konferenz übersichtlich zusammen- de Bedeutung, daß möglicherweise hierdurch vor allem eine
9estellt, mit Quellenangaben versehen lassen und jeweils bleibende Bedeutung des Christentums für Afrika von An-
eine Zusammenfassung in der anderen Sprache (Englisch fang an gewährleistet wird. (Vgl. u. a. besonders Idowu
°Qer Französisch) hinzugefügt. Besonders dankenswert ist s. 419f.) Dennoch darf nicht übersehen werden, daß die
le Tatsache, daß der Herausgeber jeden der drei Teile mit Europäer die Botschaft des Christentums selbst am stärkerer
Übersicht über die Diskussion beginnt, die die nach- sten kompromittiert haben. Ihr Verhalten, aber vor allem
Agenden Beiträge ausgelöst haben. Es wird empfohlen, auch ihr Paternalismus und ihre Ignoranz der afrikanischen
■ese Darstellungen erst nach der Lektüre der Einzelunter- religiösen und kulturellen Gegebenheiten haben den un-
Suchungen zu lesen. vermeidlichen Kulturkonflikt erschwert und zu einer gro-
Das Kongreßthema ist so weit gefaßt, daß jeder Redner ßen Gefahr für Afrika werden lassen. Das machen z. B. die
en Gegenstand seines Vortrags selbst wählen konnte. Be- soziologischen und psychologischen Beiträge des hier zu
mgung war lediglich ein möglichst enger Bezug zur Grund- besprechenden Buches sehr deutlich. In diesem Zusammen-
Pr°blematik. Es war nicht anders zu erwarten, als daß die hang sind auch die „unabhängigen Kirchen" zu betrachten,
rage nach dem Einfluß und der Bedeutung des Christen- denen eine Reihe Beiträge gewidmet sind. Diese Kirchen
unis für das tropische Afrika sich immer wieder mit der sind den Sekten und Abspaltungen in Europa und Amerika
^Iissionsgeschichte dieser Gebiete auseinandersetzen mußte. nicht ohne weiteres vergleichbar. Man muß sie vor allem als
bo gehört dieser wichtige Austausch zwischen Historikern ein Stück afrikanischer Christenheit ansehen. Die Gesamt-
und Theologen wohl in die erste Phase der Geschichte jun- afrikanische Kirchenkonferenz und der Ökumenische Rat
9er Kirchen dieses Kontinents nach Erlangung der Unab- der Kirchen haben dem in den letzten Jahren Rechnung
arigigkeit, die Phase der Ablösung von der Vorgeschichte. getragen. So ist der Dialog mit diesen Gruppen im Gange.
Ur Sclbstfindung ist es nötig, klarzustellen, woher man Von ihm hängt viel ab für die Christenheit in Afrika. Frei-
°mmt. Antikolonialismus, Nationalismus und Befreiungs- lieh ist das Bild, das der afrikanische Alltag nach der Kul-
ewegungen in Gesellschaft und Kirche bestimmen die turbegegnung bietet, sehr vielfältig. Martin untersuchte
zenerie und sind somit auch immer wieder die Gesprächs- z. B. christliche Familien in Dakar und stellte fest, daß die
Partner dieses Buches. christliche Eheschließung am meisten da vorkommt, wo