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Ausgabe:

1971

Spalte:

313-316

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Senghaas-Knobloch, Eva

Titel/Untertitel:

Frieden durch Integration und Assoziation 1971

Rezensent:

Bassarak, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 96. Jahrgang 1971 Nr. 4

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»Sinnvariation des societas-Begriffs" (S. 120/121) zu sprechen
. Gemeint ist wohl, daß der Ausdruck, das Wort (hier
Kirche, societas) für verschiedene Begriffe gebraucht wurde
und wird. Der Vf. schreibt meiner Ansicht nach richtig:
- . . . die Bezeichnung der Kirche als societas sinnwechselnd
zu interpretieren ..." (S. 149) und ebenso von
einem „Wandel in der Funktion des Kirchenbegriffs"
(S. 177).

Es ist auch zu bedenken, ob es nicht größerer Klarheit
förderlich wäre, von vornherein, statt von „Kollegialismus",
von mehreren kollcgialistischen Theorien zu reden, für die
sich der vieldeutige Ausdruck „Kollegialismus" eingebürgert
habe. Daß das die Ansicht des Vf.s ist, erfährt der Leser
auf S. 41: es gibt nicht einen Kollegialismus, und
„Aussagen über ihn sind immer auf einen bestimmten entwicklungsgeschichtlichen
Standort einzuengen . . . ", was
ergänzt werden kann: . . . nicht nur auf einen geschichtlichen
, sondern auch auf einen geographischen in der gleichen
Epoche.

Die Anschaffung des mit einem Sach- und einem Personenregister
ausgestatteten Buches kann Universitäts- und
solchen Bibliotheken empfohlen werden, die höheren kirchlichen
Behörden oder Instituten für (neuere) Geschichte,
Kirchen- oder Rechtsgeschichte angegliedert sind.

Halle/Saale Gottfried Langer

1 Nach der Fertigstellung der Arbeit erschien das Buch von Alexandra
Schlingensiepen-Pogge: Das Sozialethos der lutherischen
Aufklärungstheologie am Vorabend der industriellen Revolution.
Göttingen 1967. 209 S. 8°. Auch auf die Besprechung in der Deutschen
Literaturzeitung Jg. 91 (1970), H. 3, S. 253, sei hier aufmerksam gemacht.

Dombois, Hans: Sätze des allgemeinen Kirchenrechts (ÖR

19, 1970 S. 254—263).
Zeliauskas, Giuseppe: La giurisdizione personale nella dott-

rina e nella prassi canonica (Salesianum 32, 1970 S. 373

bis 405).

MISSIONSWISSENSCHAFT, ÖKUMENE

Studien zur Friedensforschung, hrsg. v. G. Picht u. H. E.
Tödt. 1. Picht, Georg, u. Heinz Eduard Tödt [Hrsg.]:
Studien zur Friedensforschung. Stuttgart: Klett [1969],
239 S. 8°. Kart. DM 22.80. 2. Senghaas-Knobloch, Eva:
Frieden durch Integration und Assoziation. Literaturbericht
und Problemstudien. Ebd. (1969). 199 S. 8°. Kart.
DM 19.50.

Risse, Heinz Theo, u. Reinhold Lehmann (Hrsg.): Den Frieden
planen. Möglichkeiten einer Friedenspolitik in Europa
. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag u. München: Kaiser
[1969]. 158 S. 8°. Kart. DM 6.80.

Die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft
in Heidelberg regt zu Untersuchungen, Vorträgen
und Diskussionen an, aus denen die „Studien zur Friedensforschung
" hervorgehen. Eine umfangreiche Reihe davon
ist geplant, wovon die beiden ersten Bände vorliegen. Ihr
Gesamtthema ist „Der Beitrag von Theologie und Kirche
zum Frieden". Etwa 70 Wissenschaftler unterschiedlicher
Disziplinen beteiligen sich verschieden intensiv an der Arbeit
. Als nicht-gouvernementale, auf Universalität angelegte
Organisationen können die Kirchen zu bedeutsamen Trägern
von Friedensarbeit werden, ist die Einschätzung, die
Tödt dem ersten Band vorausschickt (8). Bei dem gestellten
Thema sei die Kirche mehr im ökumenischen Verband
als in nationalstaatlichen Grenzen zu begreifen. Nur seien
die ökumenischen Gedanken in den Heimatgemeinden noch
wenig zur Wirkung gekommen (33). Die wissenschaftliche
Theologie habe die Friedensproblematik bisher kaum bearbeitet
(34), aber praktisch orientierte lebhafte Friedensarbeit
sei seit mehr als fünfzig Jahren von Kirchen und

christlichen Gruppen getrieben worden (8). In einem kurzen
Aufriß solcher Friedensbemühungen nennt Tödt die
Berliner Theologische Fakultät mit den Namen A. Deiss-
mann, A. Titius, J. Richter, F. Siegmund-Schultze und D. Bon-
hoeffer mit ihrem Beitrag zum „Weltbund für Freundschaftsarbeit
der Kirchen" und würdigt ausführlicher die Tätigkeit
der Christlichen Friedenskonferenz (63—65). Leider
ist der im allgemeinen nützliche Überblick nicht frei von
antisowjetischen Ressentiments.

Sachkundig referiert Eberhard Menzel über Mißerfolge
und Teilerfolge der Abrüstungsbemühungen seit 1945 mit
5 bedeutenden bisher erreichten Etappen: 1. Antarktis-Vertrag
vom 1. 12. 1959 über Entwaffnung und Entnukleari-
sierung (sie!), 2. Verbot von Kernwaffenversuchen in der
Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser vom 5. 8. 63,
3. Vertrag über Erforschung und Nutzung des Weltraums
vom 27. 1. 67, 4. Verbot von Kernwaffen in Südamerika
vom 14. 2. 67, 5. Vertrag über Nichtverbreitung von Atomwaffen
vom Jahre 1965, dessen Ratifizierungsprozedur noch
läuft. Zuletzt skizziert Vf. die Erörterungen über ein europäisches
Sicherheitssystem mit den zutreffenden Beobachtungen
, es gehe dabei darum, einen dritten Weltkrieg zu vermeiden
, das heiße aber, es gehe „um die Erhaltung des
militärischen und notwendigerweise auch des politischen
Status quo" (94). — Von einer „Provokation zum Frieden
im Gespräch zwischen Theologie und Völkerrecht" handelt
Ulrich Duchow. Er gewinnt der theologischen Position der
klassischen „Zweireichelehre" beachtliche Aspekte ab, die
daran erinnern, dafj immerhin für Luther „das eigentliche
Mittel der Politik nicht die Gewalt, sondern die Vernunft"
sei (106). — „Friedensforschung im Banne der Abschrek-
kung" diskutiert Dieter Senghaas, wobei das Thema vielleicht
etwas zu journalistisch aufgemacht ist. Zu dem noch
zu referierenden Band 2 sei hier ein Satz zitiert, der zugleich
zeigt, wie gegensätzlich Methodenfragen auch schon
in der Friedensforschung sind: „Die bisherige Integrationsforschung
scheint mir gleichsam die empirische Kleingrup-
penforschung der internationalen Beziehungen zu sein . . .
erhalten wir dort Antwort auf unsere Fragen nach den
Nervpunkten des Unfriedens?" (126). — Sehr nützlich ist
Claus Westermanns Bericht über den Frieden (Shalom) im
Alten Testament. Die nüchterne Untersuchung ist allen
dringend zu empfehlen, die dazu neigen, „Shalom" zu d e m
biblischen Friedensmodell emphatisch zu steigern. — Am
Schluß des Bandes diskutieren Günter Freudenberg und
Hermann Timm in zwei Beiträgen ihre unterschiedlichen
Auffassungen über Kants Lehre und Schrift vom ewigen
Frieden.

Der 2. Band ist eine Monographie. Der Literaturbericht
referiert und diskutiert vornehmlich englischsprachige Werke
. In drei Teilen zu je drei Hauptkapiteln werden die
Probleme vorgeführt: I. Programmatiken erweiterter internationaler
Kooperation und neuer internationaler Strukturen
(a) Funktionalismus, (b) Weltregierung, (c) Regionalismus
: ein Mittelweg?; II. Empirische Bestandsaufnahme

(a) Daten und Trends von internationalen Organisationen,

(b) Strukturen und Funktionen von internationalen regionalen
Organisationen — Regionale gouvernementale Organisationen
, (c) Anspruch der Universalität: Die Vereinten
Nationen; III. Theoreme der Integrationstheorie (a) Einleitung
, (b) Integration durch die Dynamik des Kontakts, (c)
Zur Diskussion einer allgemeinen Integrationstheorie. Die
Darstellung ist kenntnisreich und interessant, obgleich für
den Nicht-Fachsoziologen terminologisch ein wenig beschwerlich
. Man vermißt neben der Darstellung und Kritik
der etablierten Programme oder der Programme der Etablissements
eine Auseinandersetzung mit den oder über die
Friedensbewegungen der Massen und den Instrumentarien,
die sie sich geschaffen haben (ich denke nur an den Weltfriedensrat
!). Die Organisation der Friedenskräfte und Ihre
Pression auf die Staatsführungen ist von nicht zu unter-