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1965

Kategorie:

Missionswissenschaft

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Neuerscheinungen

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791

Theologische Literaturzeitung 90. Jahrgang 1965 Nr. 10

792

Darstellung der Geschichte der Neuendettelsauer Mission in
Neuguinea angelegt und eine wesentliche Lücke in der Neuguinea
-Literatur geschlossen worden.

Leipzig Herbert Stande

B i j 1 e f e 1 d, W.: Anmerkungen zur Begegnung zwischen Christentum

und Islam in Westafrika (EMZ 22, 1965 S. 49—57).
C r o w, Paul A. Jr.: The Lord's Supper in Ecumenical Dialogue (Theo-

logy Today 22, 1965 S. 39—58).
D i n k 1 e r, Eridi: Theologische Aufgaben der ökumenischen Arbeit

heute (ÖR 14, 1965 S. 116—132).
Form an, Charles W.: The Definition of Ecumenics (Theology Today

22, 1965 S. 1—10).
G r o o t, Jan: Inwieweit fördert der Weltkirchenrat die Einheit der

Christen? — Eine katholische Antwort (Concilium 1, 1965 S. 307—

310).

L e G u i 11 o u, Marie-Joseph : Mission — Hemmschuh oder Motor des

Ökumenismus? (Concilium 1, 1965 S. 264—271).
Hammelsbeck, Oskar: Säkularisation — Wegbereiterin für die

Einheit der Kirchen? (ZEE 8, 1964 S. 1—13).
Herbert, Karl: Wandlungen der Kirchen in Südamerika (EvDiasp 36,

1965 S. 1—9).

Hornig, Ernst: Die Bedeutung der ökumenischen Bewegung für die

Ortsgemeinde (PB1 105, 1965 S. 259—270).
Hutten, Kurt [Hrsg.]: Die Bedeutung der Gnadengaben für die

Gemeinde Jesu Christi. Marburg: Ökumenischer Verlag Dr. R. F.

Edel 1964, 125 S.

Klein, Norbert Hans: Sokagakkai. Zu Geschichte und Lehre (EMZ
22, 1965 S. 72—87).

Kloppenburg, Heinz: Nyborger Mosaik (JK 25, 1964 S. 629—
638).

Loch mann, J. M.: Prag und die Ökumene (ÖR 14, 1965 S. 132—
137).

S. 227—233).

L o v y, Rene-Jacques: Christsein in Frankreich (DtPfrBl 65, 1965

5. 227—233).

Moritzen, Niels-Peter [Hrsg.]: Geistige Nahrung für junge
Kirchen. Der Fonds für theologische Ausbildung. Ein Rechenschaftsbericht
. Stuttgart: Evang. Missionsverlag [1965]. 79 S. 8° = Weltmission
heute. Eine Schriftenreihe z. evang. Missionszeitschrift,
hrsg. v. T. Müller-Krüger u. G. F. Vicedom, 24/25. DM 3.80.

O u 11 e r, Albert C: Scripture, Tradition and Ecumenism (Scripture
and Ecumenism, hrsg. v. L. J. Swidler, Pittsburgh 1965 S. 9—22).

P a 1 a z i o s, Rafael Muiios: Religionsfreiheit in Spanien (Erbe und
Auftrag 41, 1965 S. 213—222).

P a t o n, David M.: Christliche Friedensbewegung und Ökumenischer
Rat der Kirchen (ÖR 14, 1965 S. 137—141).

Schweigart, Hans Günther [Hrsg.]: Weltweite Christenheit. Ein
Quellenheft zur Ökumene und Weltmission. Göttingen: Vandcn-
hoeck & Ruprecht [1965]. 106 S. gr. 8° = Unser Glaube. Unterrichtswerk
f. d. evang. Unterweisung, hrsg. v. M. Rang, Ausgabe A,

6. Kart. DM 2.80.

V i s c h e r.Lukas: Inwieweit fördert der Ökumenische Rat der Kirchen
die Einheit der Christen? Eine Antwort von Seiten dest Weltrates
(Concilium 1, 1965 S. 310—314).

Referate über theologische Dissertationen in Maschinenschrift

Staats, Reinhart: Der Traktat des Gregor von Nyssa ,De Institute
Christiano'. Beweis seiner Abhängigkeit vom Großen Brief des
Symeon von Mesopotamien. Diss. Göttingen 1964, 126 S.

Der Altphilologe und Neuhumanist W. Jaeger hatte nach seiner
Ausgabe des Traktates ,De Instituto Christiano' von Gregor von Nyssa
(Greg. Nyss. Op. ed. Jaeger t. VIII, 1, Leiden 1952, pp. 1—89) eine
bedeutende These aufgestellt: im Traktat, dem reifen Alterswerk des
Nysseners, erfahre die griechische Paideia ihre Transformation in die
Paideia Christi, hier kulminiere die Synthese von Antike und Christentum
. Nun stellt jedoch der sog. Große Brief des Messalianerführers
Symeon von Mesopotamien (= Ps. Makarios) zum Traktat eine merkwürdige
Dublette dar: etwa jedes fünfte Wort ist gleich und doch
sagen Gregor und Symeon je eigenes. Die Frage der Abhängigkeit war
bislang ungelöst. Jaeger behauptete ohne ein Beweisverfahren die
Priorität des Gregortraktates und damit die Ablängigkeit des Makarios
,in toto' (Two Rediscovered Works of Ancient Christian Literature:
Gregory of Nyssa and Macarius, Leiden 1954).

Fußend auf den Arbeiten zur Messalianerfrage von H. Dörries
und angeregt durch die freilich bislang unbewiesene Gegenthese von
J. Gribomont (Le De Instituto Christiano et le Messalianisme de Gr£-
goire de Nysse, Studia Patristica V, 3, Berlin 1962, 312—322) tritt Vf.
den Gegenbeweis an. Einige Beweispunkte wurden schon veröffentlicht:
R. Staats, Der Traktat Gregors von Nyssa ,De Instituto Christiano' und
der Große Brief Symeons, Studia Theologica 17, 2, 1963, 120—128.
Das Beweisverfahren umfaßt 50 voneinander unabhängige Punkte verschiedenen
Gewichtes, die sich nach folgenden Gesichtspunkten ergaben
: a) die Konkretheit des Großen Briefes als einer hingeworfenen
Kampfschrift im Gegensatz zum Traktat als einem Grundriß theologischer
Belehrung spricht für seine Priorität (3 Beweise); b) der Große
Brief enthält biblische Anspielungen und Zitate, die als solche im Traktat
unkenntlich sind (8 Beweise); c) in Gregors Text locker eingefügte
biblische Zitate und Anspielungen haben in Symeons Text ihren festen
Platz (19 Beweise); d) einzelne Begriffe sind fester in Symeons als in
Gregors Text eingefügt (8 Beweise); e) Symeons sprachliche und gedankliche
Eigentümlichkeiten finden sich im Traktat (3 Beweise); f) die
zahlreichen grammatikalischen Fehler im Traktat (meist in Übereinstimmung
aller HSS) lassen sich aus der Abhängigkeit Gregors erklären
(6 Beweise); g) gedanklichen Inkonsequenzen im Traktat steht ein
verständlicher Gedankengang im Großen Brief gegenüber (2 Beweise);
h) ein Beweispunkt unabhängig von den beiden zur Diskussion stehenden
Texten: Vf. sucht zu zeigen, daß bei Gregor auf Grund seiner
Theologie eher eine Umschrift denkbar ist als bei Symeon. Gregor ist
vielen theologischen Vätern verpflichtet, besonders den Alexandrinern,
auch der Antike. Er ist Eklektiker im guten Sinne. Warum sollte er
nicht ebenso in die Schule des Messalianertheologen Symeon gegangen

sein? — Das Beweisverfahren erhellte zugleich die Tendenz des Traktates
, allzu radikal messalianisierende Mönche durch Umschrift eines
ihrer Hauptdokumente auf den rechten Weg zurückzuholen. Während
andere — wohl Amphilochius und seine Gefolgsleute — gegen Symeon
den Vorwurf des Irrlehrers erheben (darauf weist das rj/iäs. . vjrenoyxa
fiaraiöirjrogrpgovorvrcti im Großen Brief aus II Pt 2, 18, vgl. Two Red.
W. 234, 25 ff.; 291, 8 ff.), bescheinigt Gregor den Messalianern im
Traktat die Rechtgläubigkeit: „Wir wissen wohl, wie eure Richtschnur
der Frömmigkeit am orthodoxen Dogma des Glaubens festgemacht
ist..." (Greg. Nyss. Op. VIII, 1, p. 42, 5—17).

Auf der Suche nach weiteren Zeugnissen über die Beziehungen
Gregors zu den Messalianern (die Charakteristik der Asketen nach ,De
Virg.' 23 paßt, wie schon J. Danielou hervorhob, auf die Messalianer)
entdeckte Vf. in der Rede ,In Suam Ordinationem' ein Hoheslied auf
sie, die aus Mesopotamien kommend die urchristliche Geisterfahrung
erneuerten (MSG 46, 549B—553). Das von Gregor dort benutzte
Gleichnis vom Dürstenden, der Wasser findet, kehrt bis in den Wortlaut
in einer Homolie des Makarios wieder (H. 12, 12; MSG 34, 564
B—C). Die Frage der Abhängigkeit stellt sich in ähnlicher Weise wie
bei Traktat und Großem Brief. Schließlich wurde ep. 1 neu interpretiert
. Die heftige Begegnung mit Helladius, über die Gregor bei Flavian
von Antiochien Klage führt, gründet nach der These Verfs. in der
Messalianerfreundlichkeit des Nysseners. Helladius behandelte ihn deshalb
wie einen Exkommunizierten, und Gregor klagt gegenüber Flavian,
jener habe kein Recht dazu, da er nicht kirchlich verurteilt sei: *jirt(
xavövec xaiV rjfiwv ärryvdnfttjoav; jioi'a ervofxo; enioxöjiov änotpaoit;
trjv xaff fjficöv xoinic txvgcaasv. ;».

So hat der Prioritätsbeweis für den Großen Brief Symeons im Gefolge
, daß Gregors theologische Persönlichkeit von einer neuen Seite
her gesehen werden muß. Gregor wurde im Traktat den Messalianern
ein Messalianer. Aber wurde er es nur hier? Vf. vermutet tiefer liegende
Beziehungen. — W. Jaegers These, im Traktat kulminiere die
von Gregor vollzogene Synthese von Antike und Christentum, wird
zugleich als hinfällig erwiesen (gerade den Begriff der „Synergie des
Heiligen Geistes", auf den W. Jaeger alles Gewicht legte, hatte Gregor
nicht eigens formuliert, sondern der Vorlage entnommen). Auch für die
Chronologie ergeben sich neue Aspekte. Die Umschrift Gregors beweist
, daß die Tätigkeit Symeons schon die 2. Hälfte des 4. Jh.'s ausfüllt
. Wurde bisher Euagrius Pontikus als erster christlicher Mönchsschriftsteller
genannt, so tritt ihm nun Symeon an die Seite, wenn wir
nicht gar ihn selbst an die erste Stelle setzen müssen.

Die Arbeit erscheint in erweiterter Form im Drude.