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Ausgabe:

1965

Spalte:

305-306

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Plattner, Felix Alfred

Titel/Untertitel:

Indien 1965

Rezensent:

Lehmann, Arno

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Seite 1

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305

Theologische Literaturzeitung 90. Jahrgang 1965 Nr. 4

306

gegessen", auch für einen Mann stehen — über alle Grenzen
hinweg. Damit verknüpft der Verf. in eindrücklicher Weise die
beiden so oft als Dogmatik und Ethik, als Kirche und Gesellschaft
, als Glauben und Leben auseinanderfallenden Bereiche
zur Einheit des Lebens der hörenden und gehorchenden, der im
Glauben nachfolgenden und so der Welt dienenden Gemeinde.

Rostock Heinrich Benckert

Berkefeld, Wolfgang: Sclbstentfremdung und Nächstenliebe (Abschied
vom Christentum? Hamburg: Furche-Verlag 1964 S. 140

—159).

Fuchs, Josef: Die Diskussion um die „Pille" (StZ Bd. 174, 89. Jg.

1963/64 S. 401—418).
Gollwitzer, Helmut: Zur weltpolitischen Lage (JK 25, 1964

S. 554—567).

G ü n t h ö r, Anselm: Kritische Bemerkungen zu neuen Theorien über

die Ehe und eheliche Hingabe (ThQ 44, 1964 S. 316-350).
Heitier, Walter: Ethik des naturwissenschaftlichen Zeitalters (Uni-

versitas 19, 1964 S. 621—629).
Hromädka, J. L.: On the Threshold of a Dialogue (Communio

Viatorum 7, 1964, S. 119—146).
J e n t s c h, Werner: Die Forderung nach Wahrhaftigkeit in einer von

Propaganda beherrschten Zeit (PB1 104, 1964 S. 478—488).
Kunstmann, Walter: Das boas obras (Igreja Luterana 25, 1964

S. 51-74).

Manthey, Franz: Sünde als religiöse Kategorie (ThGl 54, 1964
S. 3 50—3 57).

Maseberg, Eberhard: Der Staat und die Kirchen (Abschied vom
Christentum? Hamburg 1964 S. 125—139).

Mayer, Milton: Pcace and the American Church (Communio Viatorum
7, 1964 S. 147—154).

Mehl, Roger: Die Familie lebt. Eine Ehe- und Familienethik der
Gegenwart. Übers, v. E. Boland. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
G.Mohn [1964]. 136 S. 8° Lw. DM 14.80.

Scheuner, Ulrich: Christliche Verantwortung gegenüber den neuen
Mitgliedern der Staatengemeinschaft (ÖR 13/1964 S. 312—323).

Seeberg, Axel: Die Eigengesetzlichkeit in der Politik und die politische
Moral. Vorfragen einer christlidien politischen Ethik (Abschied
vom Christentum? Hamburg: Furche-Verlag 1964 S. 113—124).

Stelzenberge r, Johannes [Hrsg.]: Moraltheologie und Bibel. Drei
Vorträge beim Kongreß d. deutschsprachigen Moraltheologen 23.—
27. Sept. 1963 in Freising, geh. v. H. Haag, R. Schnackenburg und
J. Stelzenbergcr. Paderborn: Schöningh 1964. 98 S. gr. 8° = Abhandlungen
zur Moraltheologie, hrsg von J. Stelzenberger, VI. Kart.
DM 6.40.

Tank, Kurt Lothar: „Wadi auf, du verrotteter Christ". Anmerkung
zum Verhältnis von Provokation und Dialektik bei Bertolt Brecht
(Abschied vom Christentum? Hamburg: Furche-Verlag 1964 S. 88

—99).

V e c c h i o, Giorgio del: Persönlichkeit und Rechte des Menschen in
der Sicht der Rechtswissenschaft (Universitas 19, 1964 S. 715—724).

Vogler, Michael: Moraltheologische Gedanken zum Sakramentsbegriff
(ThGl 54, 1964 S. 297—303).

W i s s e r, Richard: Des Menschen Menschlichkeit (Neue Sammlung 4,
1964 S. 341—361).

MISSIONSWISSENSCHAFT UND ÖKUMENE

Plattner, Felix Alfred: Indien. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag
11963]. 238 S. m. 1 Kte. 8° = Die Kirche unter den Völkern, Bd. II.
Lw. DM 17.80.

Diese neue Buchreihe bietet eine Bestandsaufnahme der
kath. Kirche in äußerer und vor allem innerer Hinsicht. Die
Mitarbeiter sind Fachleute und zuverlässige Führer durch die
Weltkirche. Soweit man schon sehen kann, wird ein hohes
Niveau erstrebt und durchgehalten, bei der Darstellung aber
wird auf Lesbarkeit geachtet, die den vom Vatikanischen Konzil
dazu stark angeregten Bischöfen, Priestern und auch Laien die
Blickweitung und Kenntnisnahme nicht unnötig schwer macht.

Bei diesem Werk handelt es sich nicht um eine Geschichte
der Mission und Kirche, obwohl es an den durchaus nötigen
Rückblenden nicht fehlt. Hier geht es vielmehr um eine Beschreibung
und Durchleuchtung der kath. Kirche in Indien von
heute, und eben deshalb ist das Buch so wichtig und interessant,
auch für Evangelische.

Die Lektüre bestätigt, was sich der Autor vorgenommen
hat: keine Missionsromantik und Schönfärberei, Kampf allen
Illusionen, und auch unangenehme Wahrheiten werden nicht
verschwiegen. So wird offen geredet von streitenden Brüdern
und vom Versagen einzelner Missionare und der Mission. Mehr
als 20mal werden auch die Protestanten und ihre Arbeit erwähnt,
und stets in vornehmer Weise. Der „Skandal der Glaubensspaltung
" wird natürlich erwähnt, weil er gar nicht übersehen werden
kann. Aber der Verf. weiß, daß „in der Vergangenheit auf
beiden Seiten gefehlt worden ist" (226). Uneingeschränktes Lob
wird der prot. Arbeit auf dem Gebiete ärztlicher Hilfe gezollt.
Seelenfängerei aber darf es nicht geben, überhaupt keinen
„Guerillakrieg im Dschungel" (225).

Im 1. Kapitel wird die Gegenwartslage aufgezeichnet („Die
Fronten versteifen sich"). Dazu gehört zuerst die verfassungsrechtliche
Klarstellung des Christentums, „eine der wichtigsten
Religionen Indiens, welche seit bald 2000 Jahren in Indien
Heimatrecht hat" (Nehru), die Klärung neuerer Angriffe und
des Erbes eines „unheiligen Kolonialismus" und des Gott immer
nur suchenden Hinduismus, dieser Osmose zwischen Sozialordnung
und Religion.

Das 2. Kapitel „Zonen und Missionen" geht die einzelnen
Gebiete ab und schildert die geleistete Arbeit und die heutigen
Arbeitsvorgänge mit ihrem Licht und mit ihrem Schatten,
wobei auf alle möglichen Fragen eingegangen wird, so auch auf
die der Ausbildung einheimischer Priester und — natürlich —
auch auf die Kaste.

Das 3. Kap. bringt eine Weiterführung und Vertiefung der
Analyse: „Eine missionarische Kirche". Da finden sich viele
Zahlen und Angaben über den Aufbau der kirchlichen Organisation
, über das Schulwesen (seit 1945 hat sich die Zahl der
kath. Hochschul-Colleges von 30 auf 70 erhöht), über die bedeutende
Wirksamkeit der Schwestern (1962: indische 19816,
ausländische 2088, und der Zuwachs beträgt 1841 jährlich),
ferner über die Laienschaft, der u. a. Mangel an Missionsgeist
und Fremdheit im eigenen Lande angekreuzt werden. Dankenswert
ist sodann das Unterkapitel „Sind die Hindus tolerant?"
S. 195 ff. „Die Toleranz hat ihre Grenze vor der Konversion"
(199).

Das 4. Kapitel „Kontroverse oder Dialog?" gliedert sich
so auf: Theologie statt Statistik (Erziehung zum indischen
Christen), Reis-Christen? (Die Frage der Paria-Bekehrung),
Neue Horizonte (Die Schulung der Führungskräfte). Man errät
richtig, daß auf diesen Seiten viel Stoff, auch Kritik, aber auch
gute Einsichten angeboten werden. Auch hier wird der Ruf nach
einer „indischen Theologie" laut, wie das auch auf der evangelischen
Seite der Fall ist.

Man kann dieses Buch nur uneingeschränkt der Beachtung
empfehlen, auch die beigegebenen wenigen Statistiken.

Ein wirklicher und immer wieder zu beklagender Mangel
ist es, daß ein Index fehlt. Man möchte den Verf. und den
Verlag fragen, warum sie die Auswirkung dieser bedeutsamen
Buchreihe dadurch einschränken, daß sie, ohne Index, dem
wissenschaftlichen Benutzer, der sich z. B. über die Priester und
die Hierarchie, über die Kaste oder über die vielen beachtlichen
Sozialdienste orientieren will, die Ausnutzung des Buches erschweren
.

Hulle/Saale Arno Lehmann

Brunn er, Paul, S. J.: L'euchologe de la Mission de Chine. Editio
prineeps 1628 et developpements jusqu'ä nos jours (Contribution
ä l'histoire des Livres de Prieres). Münster: Aschendorff [1964]. XII,
368 S. gr. 8° = Missionswissenschaftl. Abhandlungen u. Texte,
hrsg. v. J. Glazik, 28. Kart. DM 50.—; Lw. DM 53.—.

Der Leser dieses Buches möge, zumal wenn er die französische
Sprache nicht vollkommen beherrscht, mit seiner Lektüre
am Schluß beginnen. Dort findet er eine deutsche und eine
englische Zusammenfassung der Forschungsergebnisse des Verfassers
, sodann eine im Druck vorzügliche Wiedergabe des
chinesischen Textes des Gebetbuches nach seiner Erstausgabe
von 1628 und dessen französische Übersetzung. Diese Gegenstände
, dazu ein Index, füllen die zweite Hälfte der Monographie