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1963

Kategorie:

Religionswissenschaft

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893

Theologische Literaturzeitung 88. Jahrgang 1963 Nr. 12

894

Diancecht; gallische Minerva = irische Brigit; gallischer No-
dens = irischer Nuadu u. a.).

In ßeiner Arbeit setzt sich der Verf. mit einer Reihe traditioneller
Thesen auseinander, wonach die Kelten überhaupt kein
Pantheon großer bedeutender Gottheiten gekannt hätten, sondern
nur eine unübersehbare Vielzahl ungeordneter und niedrigster
Lokalgottheiten; oder wonach die keltische Kultur ursprünglich
nur einen recht abstrakten und unbestimmten .großen
Gott' gehabt habe, dessen Persönlichkeit, Attribute und
Funktionen sich sekundär durch den Einfluß de6 römischen
Polytheismus in einzelne Sondergestalten aufgespalten habe.
Dagegen setzt de Vries seine wohl begründeten Thesen: a) Die
jahrhundertealte christliche Tradition hat großes Interesse daran
gehabt, die keltischen Götter zu irrealen Wesen und blassen
Schemen werden zu lassen, was sie ursprünglich in keiner Weise
waren, b) Die keltische Religion ist nicht ein chaotischer Wirrwarr
aufgesplitterter Lokalgottheiten gewesen, sondern wie die
anderen indogermanischen Religionen auch ein voll ausgebildeter
anthropomorpher Polytheismus, c) Das keltische Pantheon
kennt in der Tat einige große Gottheiten, wie Cäsars durchaus
ernstzunehmender Bericht deutlich werden läßt. Diese Gottheiten
werden oftmals als Götterpaare oder Göttertriaden zusammengestellt
, d) Die auffallende Anzahl von weiblichen und
mütterlichen Gottheiten (Göttinnen der Jagd und des Waldes,
der Quellen und Flüsse, der Fruchtbarkeit und des Krieges) sind
als ein Spiegelbild der gehobenen Stellung der Frau innerhalb
der keltischen Gesellschaft zu bewerten, e) Hinter der Vielheit
der Götterwelt wird immer wieder der Zug zur Einheit deutlich.
Die einzelnen keltischen Stämme, die sich keineswegs nur zersplittert
und feindlich gegenüberstanden, sondern gerade durch
gemeinsame Feste unter der Leitung eines Oberdruiden sich
verbunden wußten, haben bei ihren gemeinschaftlichen Stammesfeiern
ihren einheitlichen Glauben an gemeinsame große Götter
unter Beweis gestellt, wovon u. a. die Jupitergigantensäulcn
Zeugnis ablegen, f) Die Struktur des keltischen Pantheons ist
wie in den anderen indogermanischen Religionen dreiteilig.

In den letzten wesentlich kürzer gehaltenen Paragraphen
beschäftigt sich der Verf. mit Fragen, die den Kult mitsamt dem
grausamen Opferwesen, das sakrale Königtum und die Vorstellungen
von der Totenwelt und vom Weltende betreffen.
Man spürt deutlich, daß für den Verf. die Problematik weniger
bei der Darstellung des Kultes als vielmehr bei der Interpretation
der Götterwelt liegt. An weiterführenden Erkenntnissen
sei folgendes hervorgehoben: Während der Verf. Cäsars Bericht
über die Existenz von geschnitzten Götterbildern zustimmt,
vermutet er entgegen Cäsars Schweigen, daß es schon weit vor
unserer Zeitrechnung bei den Galliern Tempelgebäude aus Holz
gegeben habe. Damit will der Verf. der These einer primitiven
keltischen Religiosität in vorrömischer Zeit entgegentreten.
Auch geht er von der alten viel vorgetragenen These ab, wonach
die Druiden nichts anderes seien als Schamanen, Zauberer
und Magier, und wendet sich wiederum den Berichten der
klassischen Schriftsteller zu, die die keltischen Priester als hochgebildete
Menschen ansehen und wertmäßig auf eine Stufe mit
den Pythagoräern und den indischen Gymnosophen stellen.
Hauptsächlich wiederum von Cäsar ausgehend sieht de Vries im
Aufbau der Druideninstirution eine 6traff gelenkte Form von
.Kirche' mit einem Oberhaupt an der Spitze, die in politischen,
juristischen und religiösen Fragen das einigende Band der keltischen
Stämme bildete, und erblickt in ihrer alljährlichen Zusammenkunft
im Gebiete der Carnutes einen Beweis für ein fest-
umrissenes von allen Stämmen gemeinsam verehrtes keltisches
Pantheon. — Wie das sakrale Königtum der Kelten in Gallien,
auf den britischen Inseln und Irland auf dem Hintergrund
religionsgeschichtlicher Parallelen erklärt wird, so auch das bei
den Kelten auftauchende Problem der Seelenwanderung. Der
Verf. glaubt, daß die Vorstellungen über den Tod, die Hadesfahrten
, die Vorstellung von einer Insel der Seligen und das
Weltbild der Kelten in den gröbsten Umrissen sich nicht
wesentlich von den Vorstellungen der indogermanischen Völker
unterschieden hätten.

Überblickt man das gesamte in 6trenger Sachlichkeit abgefaßte
Werk, dem es offensichtlich darauf ankommt, ,.etwas von

der ursprünglichen Würde der keltischen Religion aufzuzeigen",
so muß man zu dem abschließenden Urteil kommen, daß es trotz
aller durch das Quellenmaterial bedingten Lücken und offenbleibenden
Ergebnisse vor allen Dingen durch die Methode des
Vergleichs der römischen, gallischen und irischen Götternameft
einerseits und des keltischen Pantheons mit den Göttern der
indogermanischen Religionen andererseits, aber auch durch
diffizile Einzeluntersuchungen in der Erforschung der keltischen
Religion und Kultur einen großen Schritt nach vorn bedeutet.

Jena Theodor Loh mann

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NEUES TESTAMENT

B11 s s, F., and A. Debrunner: A Greek Grammar of the New
Testament and Other Early Christian Literaturc. A Translation and
Revision of the 9'h—10"1 German edition incorporating supplcmen-
tary notes of A. Debrunner t W Robert W. Funk. London: Cambridge
University Press; Chicago/111.: University of Chicago Press
1961. XXXVIII, 325 S. 4°. Lw. 35S.
Nach den Worten des Bearbeiters der engl. Ausgabe des Blaß-
Debrunner ist diese — auf der Grundlage von Notizen für eine neue
deutsche Ausgabe, die ihm Debrunner übergab — eine begrenzte
Durchsicht der 9./10. deutschen Auflage, in der die Tilgungen, Verbesserungen
und Zusätze vorgenommen sind, die durch diese Notizen
angezeigt waren oder sich in Plan und Absicht des Werkes einfügten
(P- xiii). In den folgenden Sätzen wird einerseits die konservative
Behandlung de6 Debrunnerschen Textes herausgestellt, andererseits
aber gesagt, daß die engl. Fassung die deutsche in vielen Einzelheiten
beträchtlich modifiziert (ebd.).

Das letzte beschränkt sich nicht nur auf das Einfügen von Hinweisen
auf weitere englisch- und deutschsprachige Grammatiken und
Lexika und auf mannigfache inhaltliche Bereicherungen, die nicht
selten auf die Mitarbeit von P. Katz zurückgehen1 — sein Name begegnet
öfters, über die im Vorwort (p. xv) angeführten § § hinaus,
mehrfach z. B. in § 39, wo Katz u. a. die Hoffnung ausspricht, daß
künftige Ausgaben des Neuen Testaments nach dem Vorgang der
neueren Editionen der LXX die Eigennamen, die nicht als deklinabel
verstanden werden, ohne Spiritus und Akzent schreiben; er ist damit
freilich in der vorliegenden Grammatik nicht durchgedrungen, was
jedenfalls in der durch Debrunner gegebenen Vorlage begründet ist
(s. z. B. § 39, 3). Auch J. A. FitzmyeT bezeugte dem Werk besonders
durch sachliche Hinweise sein tatkräftiges Interesse; für C.-H. Hunzinger
wird das hinsichtlich der Übersetzung ausgesprochen (p. xiv f.),
usw. Nicht nur das Literaturverzeichnis2 (das z. T. aus den früheren
Zusätzen Debrunners in der deutschen Ausgabe ergänzt wurde), sondern
auch die einzelnen §§ weisen in Fülle neueste und gelegentlich
ältere oder doch etwas zurückliegende Spezialliteratur, Aufsätze und
Monographien (etwa auch Dissertationen zur nichtbiblischen Philolo-

') Vgl. auch seine eingehende Rezension der 9. Aufl. in ThLZ 82
(1957), Sp. 110-115.

') Neu ist hier z.B. die einschlägige Diss. (1953) des Bearbeiters.