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Ausgabe:

1959

Spalte:

133-134

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Miller, D. G.

Titel/Untertitel:

The Nature and Mission of the Church 1959

Rezensent:

Holsten, Walter

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133

Theologische Literatvirzeitung 1959 Nr. 2

134

eines Glaubensbekenntnisses". Dann brachte Willingen einerseits
,,lebhafte Kritik an der ekklesiologisdien Orientierung der
Mission", andererseits die „Neubegründung des missionarischen
Handelns von der Schrift her". Zugleich tauchten Fragen auf, die
unbeantwortet blieben. N. Goodall hat in dem offiziellen Bericht
über Willingen („Missions under the Cross") vier Fragen
genannt, deren jede eine Anzahl sich angliedernder Fragen einschließt
: 1. die Frage: Geschichte und Heilsgeschichte; 2. die
Frage: Mission und Eschatologie; 3. die Frage nach der „Bedeutung
der Lehre vom Heiligen Geist für das Wesen der Kirche und
des Amtes"; 4. die Frage nach dem „theologischen Unterschied
zwischen äußerer Mission und der missionarischen Verantwortung
der Kirche im allgemeinen". A. fügt als fünftes die Frage nach
der „rechten Zueinanderordnung von Kirche und Mission" hinzu
. Für sie ist die grundlegende Erkenntnis gewonnen: „Die Sendung
geht von dem dreieinigen Gott aus, der sich geoffenbart
hat, d. h. von dem Gott, der sich nicht nur hinsichtlich seines
Sendungswillens, sondern auch hinsichtlich dessen Durchführung
festgelegt hat." Von hier aus muß die Entwicklung weitergehen.
Es ist das wahrlich eine Wegweisung für die tastenden Versuche,
mit denen heute beide Partner in Deutschland zueinander zu
kommen suchen. Ob es bereits zwischen Mission und Theologie
zu einer „fruchtbaren Wechselbeziehung" gekommen ist, wagt
A. nicht zu entscheiden. Er stellt fest: „Es kommt nicht nur darauf
an, daß die Theologie sich mit der Mission beschäftigt — wo
und wie es ihr angemessen erscheint, sondern, daß die Mission
die Theologie beschäftigt." Das klingt reichlich formal. Aber mehr
läßt sich auch heute, nachdem wieder bald vier Jahre vergangen
sind, nicht sagen, weder im Blick auf das deutsche noch auf das
anglo-amerikanische missionstheologische und aligemein-theologische
Schrifttum. Möchten darum alle, die es angeht, den Aufruf
hören, mit dem A. schließt: Die Theologie „muß darauf bedacht
sein, mit dem in aller Welt gepredigten und an das Ziel
und Ende von Raum und Zeit drängenden Worte Gottes auf dem
Plan zu sein; denn hinter diesem geoffenbarten und gesandten
Wort steht der eine Herr — der Herr der Kirche und der Mission —
der Herr auch aller rechten Theologie, dem zu dienen in Wahrheit
ihre unaufgebbare Freiheit ausmacht".

Tübingen Gerhard Ro s en k ra u z

Miller, D. G.: The Nature and Mission of the Churdi. Ridimond'
Virginia: John Knox Press [1957]. 134 S. 8°. $ 1.25.

— A Leader's Guide by John Brewer Spragens for use with „The Nature
and Mission of the Churdi" by D. G. Miller. 27 S. 8°. $ —.50.

M.s Buch ist eine leicht faßliche, aber nicht oberflächliche
Darstellung der wesentlichen Fragen um Kirche und Mission
(die Natur der Kirche; das Leben der Kirche; die historischen Wurzeln
der Kirche; der Herr der Kirche; der Glaube der Kirche; die
Mission der Kirche; die Gestalt der Kirche; die Reinheit der Kirche
; der Gottesdienst der Kirche; die Einheit der Kirche). Sie
will von verschwommenen und abwegigen Vorstellungen über
Kirche und Mission zu biblisch begründeten und präzisen Aussagen
führen. Diese Aussagen sind oft glänzend und einprägsam
formuliert. Offensichtlich ist das Buch als Textbuch, als Besprechungsgrundlage
für Sonntagsschul- und ähnliche „Klassen" gedacht
und ist daher weniger auf die Behandlung von Problemen
als auf die Darbietung von Ergebnissen bedacht, die jedoch gut
fundiert sind. Die Kirche wird unter dem doppelten Gesichtspunkt
der Ehre Gottes und der Rettung der Welt gesehen. Wenn
die Welt ausgezeichnet ist durch zerbrochene Beziehungen, so ist
Pfingsten die Zeit, die Kirche der Ort der wieder hergestellten
Harmonie dieser Beziehungen. Wenn demgemäß neben dem Begriff
der „Familie Gottes" der der fellowship starke Geltung gewinnt
, so wird doch nachdrücklich deren Einzigartigkeit herausgestellt
und christliche fellowship nicht nur horizontal, sondern
auch vertikal verstanden. Dabei ist immer streng die Souveränität
und Initiative Gottes gewahrt, so in der Bundschließung des
AT, den „historischen Wurzeln der Kirche" wie in dem Endsieg
Christi und in der Einheit der Kirche, in der Predigt und in den
Sakramenten. Gleichzeitig aber ist der Kirche Selbstbewahrung
verwehrt, es ist ihr der Dienst des Gottesknechte6 an der Welt
aufgetragen; es gehört zu ihrem Wesen, nicht sich selbst als das
Zentrum zu sehen, sondern missionarisch gesinnt und tätig zu
sein. Damit wird der Begriff der äußeren Mission unsachgemäß.
Innerhalb dieses Gesamtverständnisses der Mission wird eine
Mehrheit von Missionsmotiven tragbar. Theologische Einzelfragen
zu stellen, wäre möglich, aber angesichts des Zweckes, den
das Buch gut erfüllt, verfehlt. — A Leader's Guide by
John Brewer spragens for use with the nature
and mission of the church gibt bis in äußerliche
Einzelheiten (z. B. Sitzordnung u. a.) gehende Anweisungen,
wie Millers Buch praktisch zu verwerten ist.

Mainz Walter Holsten

Brennecke, Gerhard: Gemeinde Christi im Aufbruch des schwarzen
Kontinents.

Die Zeichen der Zeit 1958 S. 441-^46.
Clowney, Edmund P.: Secularism and the Christian Mission.

The Westminster Theological Journal XXI, 1958 S .19—57.
Jäschke, Gotthard: Johannes Lepsius. Zum hundertsten Geburtstag

am 15. Dezember.

Die Zeichen der Zeit 1958 S. 447-450.
Visser't H o o f t, W. A.: „Über-Kirche" und ökumenische Bewegung
.

Die Zeichen der Zeit 19 59 S. 3—15.

Referate über theologische Dissertationen in Maschinenschrift

Boc b:nger, Erich: Die Anschaulichkeit des Religionsunterrichts als
pädagogisches und theologisches Problem. Diss. Tübingen 1958. 202 S.

Die Arbeit gibt einen Beitrag zum Problem der Methode im Religionsunterricht
. Der religionspädagogischen Theorie ist heute die Aufgabe
gestellt, jene Skepsis methodischen Fragen gegenüber zu überwinden
, die seit der neuen theologischen Grundlegung des Religionsunterrichts
in den zwanziger Jahren zu beobachten ist. Natürlich darf
die methodische Besinnung nicht auf Kosten der Frage nach der theologischen
Richtigkeit gehen. Aber die Methodenfragc läßt sich auch

durch äußere und innere, unmittelbare und mittelbare Anschauung der
Sache selbst begegnen (Kap. 1).

Aber wenn die Schüler Gelegenheit bekommen, selbst zu sehen,
sehen sie nicht notwendig auch richtig. Die Frage: wie sieht man
richtig? behandelt das 2. Kapitel. Im Anschluß an Pestalozzis und Herbarts
Unterscheidung zwischen roher und reifer Anschauung wird der
Begriff anschaulicher Erkenntnis erörtert. Voraussetzung für anschauliche
Erkenntnis ist aufmerksames, intensives Anschauen. Soll eine
richtige Anschauung zustande kommen, 6o muß das Ganze eines Gegenstandes
in seinem Wesen, die Teile in ihrem Bedeutungszusammenhang

nicht an die Peripherie verweisen, weil sie mit der bachrrage unmittel- „„. , j i-i- n -l a j. t- u .. • j

u......u.„ .•„♦ L. M„ Dm«1i A~ d.1<^__.»<4,M u.uu A~. ?tsehen werdcn- Dle Bemühung um nAtige Anschauung fuhrt in den

bar gegeben ist. Für die Praxis des Religionsunterrichts heißt das: ein
Unterricht, der aus psychologischen Gründen die Sache verfälscht, ist
schlecht; aber ein dogmatisch einwandfreier Unterricht, in dem die
Klasse nichts versteht, ist nicht besser.

Zur Erörterung der Methodenfrage am konkreten Fall ist das
Anschauungsprinzip besonders geeignet, weil es die Forderung der sachlichen
Richtigkeit selbst unmittelbar enthält, und weil seine psychologische
Begründung — Kinder denken nicht in abstrakten Begriffen —
auch im rcligionspädagogisdien Raum allgemein anerkannt ist.

Im 1. Teil der Arbeit (Kap. 1 u. 2) wird das didaktische Anschauungsprinzip
inhaltlich bestimmt. Die 1. Forderung lautet: die Schüler
sollen selbst anschauen. Im Gegensatz zu einem abstrakten Wort-
tinterricht will ihnen der anschauliche Unterricht ermöglichen, daß sie

hermeneutischen Zirkel: man muß schon eine richtige Anschauung von
einer Sache haben, um sie richtig anschauen zu können. Ferner zeigt
sich, daß der Akt der Ansdiauung in verschiedener Weise auf Denkakte
bezogen und von ihnen abhängig ist: Urteile, also Denkakte, gehen
dem Anschauen voraus und determinieren die Art und Weise des Anschauens
; der Anschauungsakt zielt im pädagogischen Raum immer auf
ein Urteil über Wesen und Bedeutungszusammenhang einer Sache; jede
unterrichtliche Anschauung hat repräsentative Funktion.

Dieses Anschauungsprinzip wird im 2. Teil der Arbeit auf den
Religionsunterricht angewandt.

Das 3. Kapitel nimmt die Auseinandersetzung M. Stallmanns (Die
bibl. Geschichte im Unterricht, ZThK 19 54) mit M. Rang (Handbuch
für den bibl. Unterricht) über ein anschauliches Verstehen der biblischen