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Ausgabe:

1958 Nr. 12

Spalte:

885

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Ziegenbalg, Bartholomäus

Titel/Untertitel:

Alte Briefe aus Indien 1958

Rezensent:

Rosenkranz, Gerhard

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885

Theologische Literaturzeitung 1958 Nr. 12

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inneren Wirrwarrs. Man hat nicht den Eindruck, daß damals so
etwas wie ein Kairos war. Der Propagandabereich war nur mehr
klein, und in diesem Bereich wurde ein Teil der Arbeit überhaupt
nicht auf die eigentliche Heidenmission verwendet.

Münster/Westf. Thomas Ohm

/hmann, Arno, Prof. D.: Alte Briefe aus Indien. Unveröffentlichte
' Briefe von Bartholomäus Ziegenbalg 1706 bis 1719 hrsg. Berlin:
Evang. Verlagsanstalt [1957]. 552 S. gr. 8°. DM 28.—.

Im Januar 1956 teilte G. Werther, Assistent am Religionsund
Missionswissenschaftlichen Institut der Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg, in der „Wissenschaftlichen Zeitschrift"
seiner Universität mit, der Direktor des Instituts, Professor A.
Lehmann, habe „dank eines Forschungsauftrages des Staatssekretariats
für Hochschulwesen" die Möglichkeit bekommen, die im
Missionsarchiv der Francke6chen Stiftungen in Halle vorhandenen
Briefe Bartholomäus Ziegenbalgs zu katalogisieren. Er fügte eine
chronologische Aufstellung der Briefe bei. Die weitere Mitteilung,
A. Lehmann bereite die Herausgabe der Korrespondenz vor, erfüllte
alle, die um den bisher nur sehr unvollständig veröffentlichten
, wissenschaftlich kaum verwerteten Schatz der Briefe wußten
, mit besonderer Erwartung. Die Erwartung wuchs, als die Bedeutung
der Briefe aus ihrer Auswertung erkennbar wurde, die
ihr A. Lehmann zunächst (1956) in seinem Buch „Es begann in
Tranqucbar" (vgl. unsere Besprechung inThLZ 1957, Sp. 150) hatte
zuteil werden lassen. Nun liegt, vom gleichen Verfasser besorgt,
unter dem Titel „Alte Briefe aus Indien" eine Auswahl der
Korrespondenz vor. Nur solche Briefe wurden ausgelassen, „die
inhaltlich ganz oder fast denselben Inhalt boten wie andere am
gleichen Tage an andere Personen verfaßte Schreiben." Die
Empfänger der Briefe lebten in Deutschland, England und Dänemark
. In England sind keine Originale erhalten, in Dänemark
nur fünf, von denen drei im Nachtrag veröffentlicht werden. Die
übrigen Briefe — es sind über 250 — stammen fast alle aus dem
genannten Missionsarchiv.

Die Briefe sind kennzeichnende Dokumente der Schreibseligkeit
und des umständlichen Schreibstils ihrer Zeit. Ihre Lektüre
ermüdet den, der heute etwa noch Erbauung in ihnen suchen
wollte. Dafür ist ihre Herausgabe auch nicht bestimmt, wie Lehmann
im Vorwort ausdrücklich bemerkt. Ihre Herausgabe soll eine
„Studienhilfe" sein. Als solche geben sie allerdings gerade durch
ihre Eigenart und dadurch, wie sie oft ein Ereignis in mehrfacher
Wiederholung facettenhaft spiegeln, dem Forscher, dem es darum
zu tun ist, die Persönlichkeit und das Werk des ersten deutschen
evangelischen Missionars, der am 9. Juli 1706 indischen
Boden betrat und 1719 gestorben ist, das Indien von damals, das
Wachsen der christlichen Gemeinde und die Kräfte, die in der
Heimat das Missionswerk trugen, kennenzulernen, faszinierende
Einblicke. Nicht nur für den Missionswissenschaftler, sondern
ebenso für den Religionswissenschaftler, den Indologen, den
Geographen, den Völker- und Sprachkundler ist die Briefsammlung
von bedeutendem Wert. Für die ausgezeichneten Register,
die die umfangreiche Verwendbarkeit der Briefe erkennen lassen
und erleichtern, sei besonders gedankt. Das Buch erfüllt unsere
Erwartung.

Tübingen Gerhard R o s en k ra n z

V i c e d o m, Georg F.: Missio Dei. Einführung in eine Theologie der
Mission. München: Kaiser 1958. 104 S. gr. 8°. Kart. DM 6.80.

Was V. in seiner Arbeit vorbringt, ist ihm sichtlich Herzens-
anliegen. Er will vernehmbar machen, „was die Bibel uns über
den Sinn der kirchlichen Arbeit und über die Mission zu sagen
hat" (S. 6). Das geschieht in fünf Hauptteilen: Missio Dei, die
Herrschaft Gottes, die Sendung, das Missionsziel, die Gemeinde
des Heils. Der Titel des Ganzen wie des ersten Teiles will 60
verstanden sein, daß von V. das gesamte Wirken Gottes in Gericht
und Gnade unter den Gesichtspunkt der Sendung gestellt
und die Heidenmission als missio continuata in diesem umfassenden
Rahmen gesehen wird; dafür wird eine Fülle biblischer Belege
bereitgestellt. Dieser Ansatz ist ein zweifellos interessanter
und fruchtbarer und führt zu beachtlichen Einsichten wie diesen,
daß es Mission auch geben würde, wenn es den Missionsbefehl
nicht gäbe (S. 64), daß „das Wort und die Gemeinde eine unlösliche
Einheit sind" (S. 69) und daß „die Kirche gerade dann am
stärksten auf ihre Umwelt einwirkt, wenn sie selbst gar nichts
anderes sein will als eine durch diese Missionsmittel (Wort und
Sakramente) entstandene Gemeinde des Herrn" (S. 95). Nun ist
aber diese biblizistisch gehaltene „Einführung in eine Theologie
der Mission" durchzogen von Polemik gegen die heutige Theologie
als „im Blick auf die Mission steril und immun geblieben"
(S. 10). V. übersieht, daß die Theologie heute weithin vom Bewußtsein
ihrer missionarischen Verantwortung beseelt ist, das
z. B. die Theologie Bultmanns, man mag 6ie noch so radikal ablehnen
, unbestreitbar prägt. Auf der anderen Seite hat die Auseinandersetzung
mit den Holländern Hoekendijk, van Ruler,
Blauw V.s eigene Theologie nicht zu ihrem Vorteil beeinflußt
und in ihrer Einheitlichkeit gestört. So wird die Rechtfertigung
aus ihrer zentralen Stellung entfernt und „von dem Gesamthandeln
Gottes mit den Menschen umschlossen" (S. 18) gedacht. Damit
dürften nicht ohne weiteres eindeutige Unterscheidungen
zusammenhängen wie die zwischen dem Wirken des Auferstandenen
und dem des dreieinigen Gottes (S. 49), zwischen dem
Evangelium von Jesus Christus und dem Evangelium vom Reich
(S. 55) oder gar zwischen Gott dem Vater (Jesu Christi) und der
Gottheit (S. 24). Nicht ganz klar wird das Verhältnis von Jünger
, Apostel, Zeuge, Kirche (S. 57; 61 ff.), unbedacht sind manche
Bedingungssätze, z. B., daß die Gemeinschaft von der Botschaft
durchdrungen werden muß, „wenn der einzelne gewonnen werden
soll (damit hängt die Hochschätzung der pädagogischen Aufgabe
der Mission zusammen), daß Gott sein Werk immer soweit
tut, „als sein Bote Instrument geworden ist. . . und sich dem Tun
Gottes unterordnet" (S. 85). Daß „immer zum Hören das Vorbildhafte
treten" (S. 85) muß, ist zwar Forderung an den Boten,
bedingt aber nicht das Wirken Gottes. Überraschend ist, daß als
zweiter Teil des Missionsbefehls der Wunderauftrag proklamiert
wird (S. 8 8 ff.), und nicht recht einsichtig, warum vom anderen
Reich gesprochen wird, wo das Gegenreich oder das Reich Satans
gemeint ist. Sicherlich hätte V.s Entwurf gewonnen, wenn er
nicht nur mit den genannten Holländern, sondern auch mit deutschen
Theologen sich auseinandergesetzt hätte. Diese aber werden
V.s Anklagen als Fragen zu verstehen haben, denen Beachtung
gebührt.

Mainz Walter Holsten

H a rms. Hans Heinrich: Zehn Jahre ökumenischer Rat der Kirchen.
Die Zeichen der Zeit 1958 S. 261—267.

Das Kommunique über die ökumenische Konferenz in Utrecht.
Ökumenische Rundschau 7 (1958) S. 186—187.

Lacocque, Andre: Israel, pierre de touche de I'oecumenisme.
Verbum Caro XII, Nr. 48, S. 331—343.

M a r g u 11, Jochen: Nicht unsere, sondern Christi Mission. Zum Problem
der ökumenischen Diakonie und der gemeinsamen Missionsaufgabe
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Ökumenische Rundschau 7 (1958) S. 176-186.

Meyer, Heinrich: Die diristliche Mission in dieser Stunde. Zur 5. Weltkonferenz
des Internationalen Missionsrates in Achimota (Ghana)
(28. 12. 57 — 8. 1. 58).
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Raaflaub, F.: Rückschau auf die Internationale Missionskonferenz
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— Ökumenischer Rat der Kirchen 1948—1958.
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— „Über-Kirche" und ökumenische Bewegung.
Ökumenische Rundschau 7 (1958) S. 157—176.

Wiegräbe, Paul: Ein Afrikaner zwischen den Zeiten.
Die Zeichen der Zeit 1958 S. 276—285.