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1958 Nr. 4

Kategorie:

Missionswissenschaft

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Neuerscheinungen

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Theologische Literaturzeitung 1958 Nr. 4

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intensivierte „theologische Selbstbesinnung der Mission" dazugekommen
. Sie bereitet sich vor in der „christologischen Konzentration
" der Gespräche von Jerusalem 1928 (S. 18), setzt sich
fort in Tambaram 1938 und drückt sich in Willingen auf doppelte
Wei£e aus — als Kritik an einer naiven nur-ekklesiologischen
Missionsbegründung (hier werden J. C. Hoekendijk's Anregungen
fruchtbar) und als christologische Neubegründung der Mission,
d. h. als „ihre Einordnung in das Offenbarungshandeln des dreieinigen
Gottes" (S. 30 ff.). Erst so, von Kreuz und Auferstehung
her, ergibt sich „sowohl die Möglichkeit der Mission als auch
ihre Notwendigkeit" (S. 3 3). Diese Erkenntnis wird, in Anknüpfung
an Fragen, die in Willingen ungelöst blieben, sowohl gegen
eine ontologische Inkarnationstheologie anglikanischer Observanz
als auch gegen Hoekendijk's kirchenfeindlichen Aktualismus
abgegrenzt und schließlich auch auf die zwar nicht erst jetzt entdeckte
, aber bisher oft theologisch allzu isoliert ausgesprochene
eschatologische Bezogenheit der Mission (Mt. 24, 14) angewendet
. Das Gesamtergebnis ist schlüssig: Wie es eine Existenzfrage
für die Mission ist, daß sie Kontakt halte mit der Kirche und
der Theologie, so auch umgekehrt. „In der Begegnung mit dem
Sendungsauftrag Gottes in Jesus Christus kommt die Theologie
zu sich selbst" (S. 47). Dieser Satz ist ebenso richtig wie mutig,

das letztere jedenfalls in der deutschen Situation; anderswo — in
Holland, England, Amerika — würde er längst nicht so provozierend
wirken wie bei uns, wo es freilich fraglich ist, ob er überhaupt
wirkt. Große Hoffnungen sind auf diesem Gebiet leider
nicht am Platze. Vor drei Jahrzehnten konnte ein Theologe vom
Range Karl Heims die mission6theologische Besinnung tätig mitbestimmen
. A. zeigt, daß es auch heute dergleichen geben könnte
— aber er kommt selbst von der Mission her, und die Frage ist
nun, ob seinem Ruf das Echo von der anderen Seite antworten
wird. —

In den fremdsprachigen Zitaten stören einige Druckfehler
(S. 18, 29, 44). Die knappe, aber nützliche Literaturübersicht der
englischen Ausgabe hätte auch in die deutsche Fassung übernommen
werden sollen.

Heidelberg H.-W. Gensichen

upsen, Focko: Das Missionskonzil in Afrika. Ein Markstein in der
ökumenischen Bewegung.
Evangelische Welt 12, 1958 S. 17—22.

a c k a y, John A.: Die christliche Mission in der gegenwärtigen
Weltstunde. Zur Weltmissionskonferenz in Ghana (Afrika).
Evangelische Welt 12, 1958 S. 1—4.

VON DEN THEOLOGISCHEN FAKULTÄTEN

Tübingen

Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen
wählte für das am 1. April 1958 beginnende neue Amtsjahr Herrn
Professor D. Karl E 11 i g e r zu ihrem Dekan.
Am 18. Februar 1958 starb der em. ord. Professor für Missionswissenschaft
D. Martin Schlunk - Tübingen im Alter von 83
Jahren.

Am 6. Februar 19 58 verlieh die Evangelisch-theologische Fakultät
Tübingen Herrn Professor Dr. Wilhelm Hahn- Heidelberg die
Würde des Doktors der Theologie ehrenhalber. („ . . . dem Lehrer
der Praktischen Theologie, der den künftigen Pfarrern ihren heutigen
Dienst mit Klarheit und Wärme vom Evangelium her durchleuchtet
; dem Forscher, der durch seine liturgischen Studien
Wesentliches zum Verständnis des evangelischen Gottesdienstes
beigetragen hat; dem Prediger, der in seiner Verkündigung gründliche
Auslegung, lebendige Gegenwartsbezogenheit und fesselnde
Gestaltung meisterlich verbindet.)

Im W. S. 1957/58 habilitierte sich an der Evangelisch-theologischen
Fakultät Tübingen Herr Dr. Otto Kaiser- Tübingen für das Fach
des Alten Testament« mit der Arbeit: „Der königliche Knecht.
Eine traditionsgeschichtlich-exegetische Studie über die Ebed Jahwe
Lieder bei Deuterojesaja."

Herr Dozent Dr. Hartmut G e s e von der Evangelisch-theologischen
Fakultät Tübingen hat die ehrenvolle Berufung als Nachfolger
von Professor Dr. M. Burrows an der Yale-Universität in den
USA erhalten."

Mainz

Ab 1. April 1958 übernimmt Herr Prof. D. Dr. Stähl in das
Dekanat.

Promotionen : Pastor Eberhard P e u s c h, Dillenburg: „Cicero
und die Civitas Dei" (Referent: Prof. D. Hamel).

cand. theol. Denis I n m a n, MA. Ba, London: „Die Erwählungs-
lehre in der gegenwärtigen Theologie. Eine kritische Darstellung"
(Referent: Prof. D. Wiesner).

cand. theol. Dieter B e t z, Detmold/Lippe: „Lukian von Samosata
und das Neue Testament" (Referent: Prof. D. Braun).

Ehrenpromotionen : Die Evangelisch - Theologische Fakultät
hat Herrn Oberkirchenrat Bergmann - Speyer und Herrn Oberkirchenrat
W i ß m a n n - Darmstadt die Würde eines D. theol.
ehrenhalber verliehen.

Erlangen

Habilitation (18. XII. 57): Der Assistent am Seminar für Systematische
Theologie Dr. theol. Dr. phil. Wenzel L o h f f mit der
Dissertation: „Glaube und Freiheit. Das theologische Problem der
Religionskritik von Karl Jaspers" (Gütersloh 1957). (Referent:
Prof. D. Althaus.)

Promotionen: Pfarrer Richard Lösch, Michelstadt/Odw.:
„Die Theologie der Lehre Fichtes von Staat und Nation" (Referent
: Prof. D. Dr. Künneth).

Vikar Richard Kuhn, Wildungen: „Luthers Lehre von der Ratio"
(Referent: Prof. D. Maurer).

Vikar Eberhard W ö 1 f e 1, Erlangen, Assistent am Seminar für
Allgemeine Kirchengeschichte: „Luther und die Skepsis. Eine Studie
zur Kohelet-Exegese Luthers" (Referent: Prof. D. von Loewenich).

Mitteilung: Die Redaktion bereitet gegenwärtig den Druck einer Serie
von ca. 30 Selbstanzeigen in der Rubrik „Theologische Dissertationen
in Maschinenschrift" vor. Es wird um baldige Einsendung der Selbstanzeigen
gebeten, welche hier noch aufgenommen werden sollen. Denn
wenn der gegenwärtig vorbereitete Abdruck abgeschlossen ist, wird
vor 1959 voraussichtlich nicht an eine Fortsetzung gedacht werden
können.

BERICHTE UND MITTEILUNGEN
Zum neuen Nestle

Nestle Ed. 231 ist seinem Vorgänger so rasch gefolgt, daß die ihm
zugedachten Verbesserungsvorschläge nun nur noch hinterher kommen
können. Dem Charakter der Ausgabe entsprechend, betreffen sie mehr
die Textdarbietung, als 6eine Gestaltung.

Ich beginne mit grammatischen Beobachtungen. Von ifazisfi-
schen Fehlschreibungen ist die Ausgabe bemerkenswert frei. Ich finde
noch doxifuov in I Pctr 1,7 und zo doxifiiov in IK 1,3. Wie Chan-

*) Nestle, Eberhard, D.: Novum Testamentum Graecc. Cum
apparatu critico curavit. Novis curis elaboraverunt D. Erwin Nestle
et D. Kurt Aland, D. D. Ed. 23 Stuttgart: Priv. Württ. Bibelanstalt
1957; vgl. die Besprechung von H. Riesenfeld in ThLZ 3 (1958) Sp. 188.

traine5 gesehen hat, drückt das Suffix -eioc ein höheres Maß der durch
das einfache Adjektiv bezeichneten Eigenschaft aus. So heißt fieyaUiog
im Neugr. „erstaunlich, verblüffend". Gleiches gilt für xaSägcioq*

2) Pierre Chantraine, La formation des noms en Grec (Coli. ling.
38), Paris, 1933, 53.

a) Ob für diesen von den andern Beispielen abweichenden Akzent
alte Autorität vorliegt, kann ich nicht sagen. Auch sonst wissen wir
vielfach nicht, wieweit Ungleichheiten altes, manchmal ältestes Gut darstellen
, wie bei aSrXtpF, oder willkürlicher Gewöhnung entspringen.
Am freiesten davon sind die Namen für Handwerksbetriebe auf - ctov,
die meist auf Berufsnomina auf -eis zurückgehen, wie auch die Namen
für einen Amtssitz, auch auf -elnv. Mehr Schwanken herrscht bei
den Bezeichnungen gottesdienstlicher Stätten.