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Ausgabe:

1957 Nr. 4

Spalte:

307-308

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Plattner, Felix Alfred

Titel/Untertitel:

Christliches Indien 1957

Rezensent:

Lehmann, Arno

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Seite 1

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307

Theologische Literaturzeitung 1957 Nr. 4

308

Epagneul, Michel-Dominique: Du röle des diacres dans l'Fjglise
d'aujourd'hui.

Nouvelle Revue Theologique 89, 1957 S. 153—168.

Fendt, Leonhard: Der Erfolg in der kirchlichen Praxis.
Monatschrift für Pastoraltheologie 45, 1956 S. 452—457.

F r i c k, Robert: Bibelstunden über das Evangelium Johannis (Joh. 15).
Monatschrift für Pastoraltheologie 45, 1956 S. 486—492.

Hahn, Wilhelm: Der Seelsorgedienst der Kirche am kranken Menschen
. Seine Begründung und seine Aufgabe.
Monatschrift für Pastoraltheologie 45, 1956 S. 458—470.

— Die Verantwortung der Kirche in der Gegenwart und die überkommenen
Formen der theologischen Ausbildung.
Monatschrift für Pastoraltheologie 46, 1957 S. 88—98.

H i d d i n g, K. A. H.: Godsdienstphaenomenologie.
Nederlands Theologisch Tijdschrift 11, 1956 S. 1—17.

J ä n i c k e, Hans: Kirche auf dem Wege.
Die Zeichen der Zeit 11, 1957 S. 83—88.

Karnetzki, Manfred: Der Ort der Taufe im Leben der Gemeinde.
Evangelische Theologie 17, 1957 S. 52—64.

Langner, E.: Begegnung im Humanen: Die neue seelsorgerliche Situation
.

Deutsches Pfarrerblatt 57, 1957 S. 26—28.
L ü t h i, Walter: Die Heimkehr zum Fe6t. Bibelarbeit, gehalten am
Deutschen Evang. Kirchentag 1956 in Frankfurt. Basel: Reinhardt
[1956]. 64 S. 8°.

MISSION SW1SSEN SCHAFT

PI a 11 n e r, Felix Alfred, u. Moosbrugger, Bernhard: Christliches
Indien. Eine Fahrt durchs Land der Hindus, auf den Spuren katholischer
Missionare. Zürich/Freiburg i. Br.: Atlantis Verlag. 144 S.
mit 100 Großaufnahmen. 4°. DM 24.—.

Der große Wert dieses Werkes liegt in den 100 unwahrscheinlich
guten Großphotos: man hatte einen Photographen mit
auf die Reise genommen! Das Resultat ist entsprechend und vorbildlich
für die ev. Mission. Einige Bilder zeigen „Land und
Leute". Die meisten aber führen ein in die kath. Missionsarbeit
und die kath. Kirche Indiens, bis hin zu Aufnahmen von den
Feierlichkeiten in Goa aus Anlaß des 400. Todestages Franz
Xavers. Auf den Bildern 96 und 100 ist auch der 1. indische Kardinal
, der Erzbischof Valerian Gracias von Bombay, zu sehen,
der „Sohn einer armen Frau, die nicht lesen und schreiben
konnte". Ich kenne kein Bilderbuch aus der Mission, das dem
vorgelegten Werk auch nur annähernd gleichkäme.

In dem gut lesbaren Text gibt F. A. Plattner neben einer
skizzenhaften Einführung in die Geschichte der kath. Mission in
ganz Indien recht gute Einblicke in die gesamte Arbeit auf den
Dörfern wie in den Colleges, in die Arbeitsmethoden und Probleme
und nennt Zahlen der einheimischen Priester (4110 von
5575) und der vielen indischen Schwestern (10 000 von 12500).

Die protestantische Missionsarbeit findet gute Erwähnung;
auf dem Gebiet der ärztlichen Mission wird ihre sehr viel größere
und „großartige Leistung" hervorgehoben. Mängel der eigenen
Arbeit werden nicht verschwiegen („übertriebene Anglei-
chung" S. 28; bedenkliche Methoden und „Europäisierung"
S. 50/51; Problematik der Mas6enbekehrungen S. 5 3). Von den
kath. Kreisen wird der Wunsch bezeugt, „daß ihr Stammland
Goa in freier Entscheidung sich an ihr Vaterland Indien anschließen
werde" (S. 55).

Nur drei Mängel fielen mir auf: es gibt mehr als nur 40>
Millionen Parias (S. 87); S. 37 muß es heißen „Kattamarams" und
S. 112 und 119 „Adivasis".

Halle/S. Arno Lehmann

Referate über theologische Dissertationen in Maschinenschrift

Moeller, Bernd: Die Anfechtung bei Johann Tauler. Diss. Mainz
1956, V, 75 S.

Luther beruft sich in den ersten Jahren der Reformation mehrfach
mit besonderem Nachdruck auf den Mystiker Johann Tauler und seine
Anfechtungs-Erlebnisse. Eine eingehende Darstellung des Taulerschen
Anfechtungs-Verständnisses fehlt bisher.

In einer Voruntersuchung wird versucht, die heimliche Systematik
der Taulerschen Verkündigung herauszuarbeiten, eine Systematik der
Frömmigkeit, nicht des Dogmas.

Rein formal läßt sich zeigen, daß der Gedankenablauf innerhalb der
allermeisten Predigten Taulers den mystischen Weg des Menschen zu
Gott nachzeichnet. Dieser Weg wird dargestellt meist mit Hilfe des drei-
taktigen Schemas vom anfangenden, zunehmenden und vollkommenen
Menschen, d. h. es wird die Entwicklung des Menschen von der sündigen
Ungelassenheit und Kreaturliebe bis zur unio mystica verfolgt. Man
kann also von einer Konzentration der Taulerschen Mystik auf die unio
mystica reden. Im Hintergrund dieser Grundstruktur steht die neuplatonisch
-scholastisch-mystische Ontologie, die die Rückkehr alles Geschaffenen
zum Schöpfer lehrt.

In Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Wentzlaff-Eggebert
wird diese „Konzentration" aufgewiesen an der Begründung der Ethik
bei Tauler, die an drei Beispielen gezeigt wird: 1. An der Stellung Taulers
zur katholischen Werktheorie, 2. an seiner Hochschätzung des weltlichen
Lebens und seiner Zurückhaltung gegenüber Klerus und Mönch-
tum, 3. an seiner Darstellung des ethischen Verhaltens dessen, der die
unio mystica erlebt hat und damit zu einem neuen Leben gekommen ist.
An allen drei Beispielen läßt sich zeigen, daß es bei Tauler keine Ethik
neben der Mystik (so Wentzlaff-Eggebert), sondern nur eine Ethik im
Dienst der Mystik gibt.

Aus der Voruntersuchung wird deutlich, daß auch die Anfechtung
bei Tauler ihren Platz innerhalb dieser „heimlichen Systematik" hat.

Es gibt nach Tauler Anfechtung des Menschen durch den Teufel und
durch Gott. Die Absicht des Teufels ist es, den Menschen vom Weg zu
Gott abzubringen — Gott will ihn zu sich ziehen, wenn er den Menschen
angreift.

Der Teufel versucht, die Kreaturliebe des Menschen zu wecken und
zu unterstützen. Den anfangenden Menschen veranlaßt er zur Bequemlichkeit
und zur Sinnlichkeit — Tauler führt in erster Linie Vergehen
gegen die Klosterdisziplin an —, den zunehmenden Menschen zum Hochmut
und zur .falschen Süßigkeit'; den vollkommenen, schon mit Gott
geeinten Menschen bläst er ein, ,sie seien selber Gott'.

Auf die teuflische Anfechtung gibt es zwei Antworten: Nachgeben)
oder Widerstand. Während die Abfallenden für immer verloren sind,
ist für die Überwinder die Anfechtung geradezu nützlich. Denn eigentlich
dienen die teuflischen Angriffe dem Menschen und schaden ihm.
nicht; letzten Endes ist der Teufel Gottes Werkzeug, sein „jagehund".

Daraus ist zu schließen, daß Böses und Sünde bei Tauler zwar mehr
Realität haben als etwa bei Seuse und Eckhart. Die Fähigkeit, Gott
wirklich ernsthaft Widerstand zu leisten, besitzt der Teufel allerdings
nicht.

Entgegen der eigentlichen Tendenz der Scholastik nimmt Tauler
eine Anfechtung des Menschen durch Gott an. Sie wirkt der Kreaturliebe
des Menschen entgegen.

.Äußere Anfechtung' beschreibt Tauler in erster Linie als die Verachtung
und Entehrung der Frommen durdi die Weltmenschen.

Die .innere Anfechtung' wird beschrieben als Anfechtung des Gewissens
und als Anfechtung der .Dunklen Nacht der Seele'.

Die Gewissensanfechtung besteht darin, daß Gott den Menschen,
der seine eigentliche Bestimmung erkannt und sich auf den Weg zu Gott
begeben hat, seine Sünden erkennen läßt. Der Mensch gerät in Gefahr
zu verzweifeln. Gott will ihn seine Nichtigkeit erkennen lassen.

Die Anfechtung kommt auf ihren Höhepunkt, wenn der Mensch-
sich restlos von den Kreaturen geschieden hat und nur nach Gott .aufgespannt
' ist: Jetzt entzieht sich ihm Gott. An dieser Stelle schlägt
Tauler Luther verwandte Töne an.

Die göttliche Anfechtung dient der Prüfung und Reinigung des
Menschen, und sie lehrt ihn Gelassenheit. Daher spricht Tauler vom
großen Nutzen des Leidens und von seiner unabdingbaren Notwendigkeit
zur Erlangung der Seligkeit. So kommt es schließlich geradezu zu
einer Sehnsucht des Menschen nach dem Leiden und zur resignatio ad
infernum.

Dem Menschen, der so auf die Anfechtung antwortet, wirj Gott
„on allen zwifel" die unio schenken. Tauler betont allerdings die metaphysische
Notwendigkeit des Übergangs vom Leid zur Freude nicht
derart scharf wie etwa Meister Eckhart.

Abschließend wird eine Auseinandersetzung mit der wichtigen Arbeit
von Käte Grunewald und mit einzelnen Thesen der Tauler erwähnenden
modernen Luther-Forschung geführt. Es scheint, daß man
Tauler nicht das Mystikertum absprechen kann. Man kann ihn aber audr
nicht zu rasch als Pelagianer oder Pantheisten verstehen. Vielmehr dürfte
er letzten Endes auf dem Boden des orthodoxen Thomismus stehen.