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Ausgabe:

1944

Spalte:

92-93

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Goslinga, Adriaan

Titel/Untertitel:

Dr Karl Gützlaff en het nederlandsche protestantisme in het midden der vorige eeuw 1944

Rezensent:

Hermann, R.

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Bewußtseins, von da zum Solipsismus und dann nfchl mehr
weiter führt. Ist nun einem Denken, das sich einmal mit Hume
und Kant beschäftigt hat, die Rückkehr zum vorkantischen
„Dogmatismus" nicht mehr möglich, so erscheint als einzig
gangbarer Weg der: das Erkannte zuerst hypothetisch anzunehmen
und dann die Erkenntnistheorie aus dem hypothetisch
angenommenen Erkannten abzuleiten. Das ergibt dann freilich
einen hypothetisch-kritischen Rationalismus. Doch bedeutet dieser
Rationalismus weder ein Aufgehen in Logik noch in rationaler
Psychologie. Die vom Vf. an die Spitze gestellte
Grundannahme ist im Gegenteil eine metaphysische Hypothese.
Aber eine solche muß nach der Meinung unseres Vf. jeder
machen, wenn nicht sein wissenschaftliches Streben, ja jeder
Versuch, sich mit anderen Wesen zu verständigen, sinnlos
sein soll.

Das Ganze ist also ein, und zwar ein neuer Versuch, die
Hauptprobleme der Erkenntnistheorie von der Seite des hypothetisch
Erkannten her zu prüfen. Das Wollen unseres Autors
dürfte damit umrissen sein. Die Durchführung selbst ist ausgezeichnet
durch eine ungemein große Fähigkeit, philosophische
Probleme verständlich zu behandeln, ohne dabei ihrer Tiefe
Abbruch zu tun. Wenn, wie der Vf. in seinem Vorworte sagt,
die Eile, mit der der Druck vollzogen werden mußte, ihn gehindert
hat, noch manche Verbesserung vorzunehmen, so darf
ihm doch gesagt werden, daß das Buch auch so, wie es vorliegt
, eine Musterleistung philosophischer Arbeit ist.

HcMdberg Robert J e 1 k e

Logstrup, K. F.: Den erkendelsesteoreliske Konflikt mellem
den transcendental-filosofiske Idealisme og Teoiogien.

Kebenhavn: Samlerens Forlafj 1942. (159 S.) 8°.
Was geht den Theologen die Erkenntnistheorie des Idealismus
an? Sie schließt — so antwortet der Vf. mit K. E. Schumann
, dessen Werk ,Der Gottesgedanke und der Zerfall der
Moderne' er kritisch (Ablehnung der Philosophie Rehmkes,
mit der Schumann arbeitet) aufnimmt und weiterführt — den
christlichen Gottesglauben aus, weil nach ihr das Subjekt
bei der Erkenntnis, seinen Gegenstand erst durch die Kategorien
zustande bringt. Das würde natürlich auch für die
Gotteserkenntnis gelten. Dem gegenüber bemüht sich der Vf.
zu zeigen, daß hinter der idealistischen Erkenntnistheorie eine
religiöse Voraussetzung steht: Bevor die Welt vom Ich ihre
Gestalt bekommt, ist sie ohne Form und Bestimmung, d. h.
sie ist nicht geschaffen. So leugnet der Idealismus Gott den
Schöpfer — es sei denn, man versteht darunter das schaffende
Ich. Gegen diese unbeweisbare Voraussetzung stellt der Vf.
die des christlichen Glaubens, daß die Welt und das Leben geschaffen
sind, also ganz unabhängig von unserer Kulturarbeit
ihre Bestimmung haben. Zu dieser Bestimmung des geschaffenen
Lebens gehört es, daß das Ich nicht allein ist, sondern
nur in der Gemeinschaft mit dem Du, die durch das Wort
entsteht.

Der geringe Raum verbietet, ausführlicher auf die scharfsinnige
, gedanken- und kenntnisreiche Kopenhagener Doktorabhandlung
einzugehen, obwohl sie es verdiente. (S. 17, Z. 11
v. u. ist durch Zeilenausfall der Sinn gestört.)

Münster (Westf.) E. Haenchen

Martinetti, Piero: Oesu Cristo ad il Cristlanesimo. Mailand:
Edizione della Rivista di Filosofia 1943. (541 S.) 8°.

Der kürzlich verstorbene Mailänder Philosophieprofessor,
dem wir schon zwei große Werke über die Einführung in die
Metaphysik (Erkenntnistheorie) und über die Freiheit verdanken,
von kleineren Werken über Glaube und Religion, Geistliches
Brevier, Essays und Reden abgesehen, legt uns in seinem letzten
Werk eine Geschichte des Christentums vor, die mit seinen
früheren Werken auf den Index gesetzt wurde.

Nach einem Aufriß der Geschichte und Theologie des Judentums
geht der Verfasser zu einer Charakteristik der Evan-

felien über, bringt dann ein kurzes Leben Jesu, kommt zu einer
childerung des Urchristentums, beschreibt die Entwicklung des
Dogmas bis zur Reformation, mit Ausblicken auf die weitere
Ausgestaltung der religiösen Gedankenwelt bis Kant und Tolstoi
, und schließt mit einem Ausblick auf die Gegenwart, der
das eigentlich Neue des Buches bringt.

Der deutsche Leser halte sich gegenwärtig, daß solche
Synthesen aus der Vogelperspektive in italienischer Darstellung
etwas ganz Neues sind. Dort ist man eben nur an katholische,
evangelische oder freidenkerische Behandlung der Materie, nicht
aber an eine kritische und objektive Methode gewöhnt, die rein
wissenschaftlich vorgeht und sich um Kirche und Dogma nicht
kümmert. Dem Verfasser kam es offenbar auf die Herausarbeitung
der großen Linie vor Allem an und das ist gut so.

| Die deutsche Theologie kennt er ausgezeichnet und stützt sich
i auf Bousset, Geffken, Gressmann, Hölscher, Jülicher, Kittel
j Knopf, Schweitzer, Schlatter, Weinel und Wernle. Er ist auch
i mit den Engländern und Franzosen vertraut, so mit Charless
j „Critical History of the Doctrine of a future Life", Jackson
und Lakes „ßeginnings of Christianity", Toutains „Cultes payens
dans 1'Enjpirc romain", Royce „The Problem of Christianity''»
In einem letzten konstruktiven Teil über die Möglichkeit
des Christentums in der modernen Welt stellt Martinetti die zwei
bekannten Strauli'schen Fragen: Sind wir noch Christen, haben
wir noch Religion? Aber er beantwortet sie beide bejahend. Er
unterscheidet ein kirchliches und ein geistiges Christentum. In
jenem sieht er eine Entartung und Verfälschung des Christentums
Christi. Dem Protestantismus speziell, der mit der po-
, lytheistischen Tendenz des Katholizismus und seiner politischen
Hierarchie gebrochen habe, wirft er vor, sich auch nicht von
dem alten dogmatischen Apparat und dem intoleranten Suprana-
turalismus befreit zu haben. Er steht Tröltsch und Schweitzer
sehr nahe und hat unbedingtes Vertrauen in den Wert und die
Wirksamkeit des Urchristentums in der Welt, zu dem zurückzukehren
, oder doch sich ihm anzunähern, immer wieder versucht
werden muß. Der Glaube an eine transzendente, sittliche
Weltordnung, die Achtung vor der Persönlichkeit, die Freiheit
und Aufrichtigkeit der religiösen Überzeugung sind für ihn
das Wesentliche des Christentums Christi. An eine Durch-
j Setzung des Christentums in der Welt ist nicht zu denken;
j zu ihr wird es immer im Gegensatz stehn. Eine wirkliche Aus-
j söhnung des christlichen und des Weltgeistes hat es nie
! gegeben. Aber wohl gab es immer Männer, die das Evangelium
Christi im Gegensatz zur Welt gelehrt und gelebt haben. Verbreitung
und äußerer Triumph des Christentums sind ohne
Bedeutung. Der Glaube lebt in den Herzen, nicht in der Welt.
Er ist nicht eine theoretische Spekulation, sondern eine auf rieh-
tige Hingabe der ganzen Persönlichkeit, die zu einem neuen
Adam wird, der das göttliche Ebenbild des Menschen verwirklicht
. In dieser menschlich-göttlichen Gemeinschaft, die sich
auch als Liebe zu allen Mitgeschöpfen, in dem Bewußtsein unserer
wesentlichen Einheit auswirkt, entsteht das über die Welt
weit in die Ewigkeit hineinragende Gottesreich.

Mit dieser positiven Wendung schließt das im übrigen
sehr kritische Werk, von dessen Originalität in der Einzelausführung
wir unmöglich einen Begriff geben konnten. Es ist
zum Vermächtnis des Verfassers geworden und verdient als Abschluß
seiner Lebensarbeit das weiteste Interesse religiös und
wissenschaftlich interessierter Kreise.

Territet-Montreux Ed. Platz hoff-Lejeune

MISSIONSWISSENSCHAFT

O o s I i n g a, Prof. Di. A.: Dr. Karl Gützlaff en het Nederlandsche
Protestantisme in het midden der vorige eeuw. S-Oravcn-
hage : Boekencentrum N. V. 1941. (108 S.).

Das Buch behandelt in Originalforschung die mancherlei
Ereignisse und Auseinandersetzungen, die sich in Holland,
vornehmlich in der „Vereeniging ter Bevordering des Chri-
j stendoms onder de Chinezen", ab 1850 zugetragen haben.
Im Jahre 1850 kam nämlich Gützlaff, dieser eigenartige, aus
Pommern stammende, aber fast zur internationalen Gestalt ge-
| wordene Chinamissionar auf eigene Hand, zum früheren Aus-
j gangspunkt seiner Sendung zurück, nach Holland; und es
I entstand unter dem zündenden Einfluß seiner Rede jene „Vereeniging
"', die aber im Jahre 1859 bereits zum letzten Male
tagte. Die Darstellung beruht auf genauer Quellenkunde (Ver-
sammlungsprotokollen, Briefen, Artikeln etc. der damaligen
Zeit), und reiht, mit vielen Einzelheiten, Ereignisse, Debatten
und Verlauf aneinander an. Es fällt von diesem Jahrzehnt
holländischer Missionsproblematik ein doppelter L'chtkegel, sowohl
auf die von dem bereits 1851 in China gestorbenen Gützlaff
gegründete „Chinesische Union" (Bekehrung Chinas durch Chinesen
), wie auf die Mannigfaltigkeit der theologischen uno
kirchlichen Richtungen damals Li Holland (so die altliberale
Groninger Schule, die Erweckungsbewegung, die streng kal-
vinischen „Afgeschiedenen", die reformierte Rechtgläubigkeit
! usw.). Dies letztere Bild vom Niederländischen Protestantismus
| bleibt aber im wesentlichen um die Missionsfrage in jener
„Vereeniging" konzentriert, sodaß die eigentliche Bedeutung
] der Schrift auf dem Gebiet der Missionsgeschichte liegt. Sie
j zeigt auf, wie der Missionseifer des (theologisch übrigens wenig
: gebundenen) Gützlaff es wohl vermochte, die verschiedensten
Geister und Gegner um das Missionsinteresse herum zu sammeln
— insbesondere spielt die ehrwürdige Gestalt des Gronin-
! ger Professors Hofstede de Groot eine Rolle - , wie aber im
I Laufe der Zeit (natürlich neben anderen Ursachen) trotz man-