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1939 Nr. 3

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87

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Textus antenicaeni ad primatum Romanum spectantes 1939

Rezensent:

Campenhausen, Hans

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87

Theologische Literaturzeitung 1939 Nr. 3.

83

[Vogels, Henricus:] Textus Antenicaeni ad primatum Romanum
spectantes ed. Bonn: Hanstein 1937. (39 S.) gr. 8° = Florilegium
patnsticum. 9. RM 1.60.

Rauschens Zusammenstellung der den „römischen
Primat'' in vornicänischer Zeit betreffenden Texte hat
durch Heinrich Vogels eine Neuauflage erfahren. Die
Texte werden wieder ohne Lesarten, aber nach den
neuesten Ausgaben geboten, und sind dadurch z.T. verbessert
. Außerdem ist die Auswahl verändert worden:
mancherlei ist fortgefallen, anderes neu hinzugekommen.
Da der Begriff des Primates selbst für den in Betracht
kommenden Zeitraum anachronistisch ist, kann man rückschauend
über das, was vorzüglich wichtig ist, natürlich
verschiedener Meinung sein. Ich bedaure z. B. den
Fortfall des Papiaszeugnisses über Petrus und Markus
und könnte andererseits den neu aufgenommenen Text
I. Kor. 14,33—36 in diesem Zusammenhang entbehren.

Weggefallen ist ferner: Eus. V 23,1-13 (das Meiste über den
Passahstreit); III 1 (Origenes über Petrus und Paulus); II 14,5 —6 (Petrus
und Simon Magus) ; Porphyrios und Petrus v. Alexandrien über
Petrus und Paulus. Neuhinzugekommen : I. Petr. 5,13 ; Matth. 20, 20—28
= Mark. 10, 35—45 ; I. Clem. 6, 57. 63 ; Clem. Alex., Adumbr. in I. Petr.;
die Sententiae episc. numero LXXXVII; Eus. VI 36, 4 (Origenes .de
orthodoxia sua"). Die Zusammenstellung ist an einigen Stellen geschickter
und auch „historischer" geworden. Im N.T. stehen nicht mehr
die Johannestexte voran und Paulus am Schiuli, sondern umgekehrt; die
Zeugnisse für die römische „series episcoporum" sind in einer Gruppe
zusammengefaßt.

Leider sind die spärlichen Hinweise auf die Literatur jetzt so gut
wie völlig fortgefallen. Stehen geblieben sind sie für die Frage der sog.
„zweiten Fassung" von Cyprian, De un. 4 f.. und das ist schlimm genug,
weil die ganze seit Rauschen erschienene Literatur, zur Frage nicht berücksichtigt
ist und somit der völlig falsche Eindruck entstehen muß,
die Diskussion wäre seit Hugo Kochs Buch über Cyprian und den römischen
Primat (1910) stillgestanden oder bedeutungslos geblieben.

Als bequeme Zusammenstellung der geläufigsten Texte
für die Anfänge der Primatsfrage wird die neue Auflage
manchem willkommen sein. Dem Forscher bringt
sie nichts Neues.

Greifswald. H. v. Campenhausen.

Salvatorelli, Luigi: Storia della Letteratura Latina Cri-
stiana delle Origini alla Metä del Vi secolo. Milano: Dr. Francesco
Vallardi 1936. (XII, 329 S.) gr. 8°. L. 40-.

Das Buch hat nicht die Absicht, selbständige kritische oder ästhetische
Untersuchungen durchzuführen Es will nur ein Hilfsmittel sein
zur Orientierung über die einzelnen Schriftsteller und ihre Werke und
dabei den Stand der neueren Forschung wiedergeben. Für die Literatur
wird auf Schanz und Bardenhewer verwiesen; von den späteren Erscheinungen
bis 1935 wird eine verständige Auswahl geboten. Einzelheiten
anzuführen erübrigt sich; im Ganzen ist die gestellte Aufgabe
sachlich und gefällig erfüllt.

Greifswald. H. v. Campcnhausen.

Obermann, Julian: Studies in Islam and Judaism. The arabic
original of Ibn Shähin's book of comfort. Known as the Hibbür Yaphe
of R. Nissim B. Ya'aqobh. New Häven: Yale University Press o.}.].
(LIX, 183 S., 156 Taf.) 4° = Yale Oriental Series-Researches XVII.

Frz. Fr. 400-.

Das vorliegende 1Q33 gedruckte Werk ist erst 1938
zur Besprechung in meine Hände gelangt- Es wird in der
vorliegenden Ausgabe nach einer Handschrift des jüdisch
-theologischen Seminars von Amerika der arabische
Text eines Werkes geboten, das bisher ganz nur
in hebräischer Übersetzung vorlag. Es ist das eine Sammlung
von Erzählungen, die auf biblischem, talmudischem
und anderem rabbinischen Material, darüber hinaus aber
auch auf außerrabbinischen Quellen wie arabischen
Sprichwörtern und Koranversen wie auch bisher nicht
identifiziertem Erzählungsstoff beruht und in zwei Formen
unter dem Titel „Hibbür jafeh" bzw. „Ma'asijjot
seba-Talmud" gedruckt ist. Ein Teil des arabischen Textes
ist von Harkary in der „Steinschneider Festschrift"
hebräischer Teil S.9—26 veröffentlicht. Kapoport ist
der erste gewesen, welcher diese Zusammenstellung dem
K. Nissim zugeschrieben hat. Seiner Meinung haben sich
andere angeschlossen, während es auch nicht an solchen
gefehlt hat wie beispielsweise Margoliouth und zuletzt der

! Herausgeber des Werkes, Obermann selbst (in der Zeitschrift
für Semitistik 1927), die diese Autorschaft bestritten
haben. Der Herausgeber ist von seiner Meinung
zurückgekommen und hält jetzt mit voller Überzeugung
den R. Nissim von Qairawän für den Verfasser dieses
Faragbuches. Diese und ähnliche Fragen sind aber in der
vorliegenden Ausgabe nicht behandelt, sondern werden

i für einen zweiten Band, der auch die für Nichtarabisten
unbedingt notwendige Übersetzung bringen soll, aufgespart
. Dieser erste Band bringt außer einem über seine
Anlage orientierenden Vorwort ein vollständiges Facsi-
mile der gesamten Hs., welches eine Beschreibung derselben
, die nicht gegeben wird, ersetzt, ferner eine Umschreibung
des in hebräischen Lettern abgefaßten Textes
in arabische Lettern — abgesehen von den Wörtern und

j Sätzen, die hebräisch sind, und unter diesem arabischen

! Texte zwei Serien von Anmerkungen. Die obere durch
die Buchstaben des Alphabetes geleitete Reihe bringt
Quellenangaben und parallele Stücke, die untere mit den
arabischen Zahlen bezifferte bringt Material zur Herstellung
des Textes, wie es vor allem ans der hebräischen
Überlieferung sich ergibt. Ein erster Index bringt unter

I A eine Zusammenstellung der Quellenstellen, unter B
eine solche des nicht identifizierten Matcriales. Ein zweiter
Index bringt ein Verzeichnis der Namen, Personen,
Termini und von Verwandtem und zwar in arabischer
und hebräischer Sprache. Auf 25 Seiten werden außerdem

, noch Addenda et Corrigenda geboten. Daß dieses Material
so umfangreich ist, hängt sicherlich damit zusammen
, daß, wie der Herausgeber S. XIV mit Recht be-

| merkt, das philologische Studium des Jüdisch-Arabischen
noch in seinem Kindheitsstadiuin ist. An die Sicherung

I des Textes und an die Aufhellung seiner Quellen ist eine
ungeheuere Arbeit und Sorgfalt verwandt, bei der auch

| andere wie Torrey und Schaade wie auch üinzberg
ihr Wissen und Können zur Verfügung gestellt haben.
Die weitere Arbeit an dem Werke wird hauptsächlich
dem bisher nicht identifizierten Material nachzugehen
haben. Auf dieses Material wie auch auf die Einleitungsund
Überlieferungsfragen einzugehen wird erst dann
angebracht sein, wenn der in Aussicht gestellte zweite
Band vorliegt.

I

Goslar am Harz. Hugo Duensing.

Jahrbuch für brandenburgische Kirchengeschichte. Jg. 32. Berlin
: Warneck in Komm. 1937. (54 S., 5 Taf.) gr. 8°. RM 4—.
Dieser Band bringt zuerst den Schluß der sorgfältig commentierten
1 Zusammenstellung von Theodor Wo t sc hke „Ein Jahrhundert
; W i 11 e n b e r g e r Ordinationen für Brandenburg." — Der
Aufsatz von Robert Stupperich „Aus dem kirchlichen Leben
j der Mark in den Tagen des Soldaten königs. Nach unver-
. öffentlichen Briefen aus den Manuscripta Jenensia des Joh. Franz Bud-
I deus" ist ein Musterbeispiel dafür, wie Briefe, die in extenso abzu-
! drucken sich nicht lohnen würde, auszubeuten sind. Aus Briefen von
j Freunden, Schülern und Verehrern aus Berlin und anderen Städten der
; Mark an den Jenaer Professor fällt besonders auf die Kirchcupolitik
I Friedrich Wilhelms L, seine Unionsbestrebungen, seine Fürsorge für die
j Universität Halle, aber auch für das niedere Schulwesen helles Licht. —
Richard Rudioff behandelt unter dem Titel „Zwei märkische
I Polizeiverordnungen" die der Stadt Werben vom 29. Dez. 1612
J und die der Stadt Havelberg vom 25. April 1655. Beide sind in Riedels
Cod. Dipl. Brandenburgensis abgedruckt. Sie illustrieren den
i Kampf der städtischen Behörden gegen allerlei eingerissene Unsitten bei
Geburten, Taufe, Hochzeit und Bestattung und zeigen, daß die Behör-
' den sich nicht nur für die materielle Wohlfahrt der betr. Städte verantwortlich
, sondern auch als Kirchenpatrone verpflichtet fühlten, gegen
übermäßigen Aufwand bei solchen Gelegenheiten und gegen die Entleerung
der kirchlichen Akte einzuschreiten. — Endlich bietet Rudolf
| Kayser unter der Überschrift „Hermann Rossel. Zum Gedächt-
I nis an einen Frühvollendeten" ein wann empfundenes Lebensbild dieses
Lieblingsschülers Neanders, der am 23. Jan. 1820 zu Aachen geboren
wurde und schon am 23. März 1846 einem vom Vater ererbten Lungenleiden
erlag. Von seinem Lehrer übernahm er das Leitmotiv, daß
nicht Kirchenpolitik, Lehrentwicklung und -unterschiede, sondern die
I führenden religiösen Persönlichkeiten, deren Eigenart es herauszustellen
gelte, die Kirchengeschichte machen. Das brachte ihn wie seinen Lehrer
| in Gegensatz zur Tübinger Schule, zu Hegel, D. F. Strauß u. F. Chr.
Baur. Und wie jener wandte er sich der Schellingschen Philosophie zu.
Zwickau i. S. _ O. Cleinen.