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Ausgabe:

1939 Nr. 2

Spalte:

44-45

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Loewenich, Walther von

Titel/Untertitel:

Die Geschichte der Kirche 1939

Rezensent:

Dörries, Hermann

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Theologische Literaturzeitung 1939 Nr. 2.

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Revue d'histoire ecclesiastique. Tome xxxiii, 1937. Louvain:
Bureaux de la Revue. (967 + 616 S.).
P. Galtier: Penitents et convertis. De la penitence
latine ä la penitence celtique geht von Gennadius (Eccle-
siastica dogmata) aus und beleuchtet durch zahlreiche
Beispiele die Existenz der sogenannten conversi, die
zwar in der Welt blieben, aber durch veränderte Kleidung
und asketisches Leben eine secreta satisfactio leisteten
, eine Art „tertiaires seculiers". die aber nicht rem
subjektiv war, vielmehr unter kirchlicher (priesterlicher)
Kontrolle stand; aber an der öffentlichen Buße nahmen
diese geheimen Pönitenten nicht teil. Diese Bußform bedeutete
keinen Gegensatz zur iroschottischen Beichte,
bereitete ihr vielmehr den Weg. — M. Hoc: Consulta-
tions et sermons sur les monaies au XVIIe s. macht bekannt
mit Gutachten, z. T. von Theologen, die sich mit
dem Münzwert befassen und zu zeigen versuchen, daß
derselbe aus verschiedenen Gründen kein objektiv stabiler
, sondern ein relativer ist, infolgedessen eine „riche
pauvrete" entstehen kann bei Leuten, die glauben, ihren
Reichtum nach der Zahl des Gulden berechnen zu können
. — J. Zeiller: La date du concile d'Aquilee (3
septembre 381) verteidigt das traditionelle Datum gegen
die Einwände von J. R. Palanque in seinem Buche:
,,S. Ambroise et l'Empire romain" 1933. — M. Richard
: Une scolie d'Origene indfiment attribiu'e ä
Denys d'Alexandrie weist die bei Harnack: Gesch. der
altchr. Lit. I 419 Dionysius zugeschriebene Schöbe dem
Origenes zu - PSG XII, 288 D—289 A (Selecta in Exo-
dum). — M. Richard: Une homelie de Theophile
d'Alexandrie sur l'institution de l'Eucharistie, spricht
die bei Migne PSG LXXVII, 1016—1029 stehende Ho-
milie in mysticam cenam dem Theophilus von Antiochien
zu und datiert sie auf den 29. März 400. — M. E s p o -
sito: Les heresies de Thomas Scotus d'apres le Colli-
rium fidei d'Alvaro Pelayo, druckt nach dem Mscr. der
Pariser Nationalbibliothek aus dem etwa 1341—44 verfaßten
Collirium fidei des Alvaro Pelayo den Passus
über die Ketzereien eines sonst nicht weiter bekannten
Schotten Thomas ab, der vermutlich eine Quelle des berühmten
Traktates De tribus impostoribus ist. — Ch.
Martin: Hippolyte de Rome et Proclus de Constan-
tinople ei? xo üyiov näa%a überrascht mit der Wiederentdeckung
der von Euseb h.e. VI 22 erwähnten Hippolytschrift
riepl toCi ndox« = PSG 59,735—746 = eine
Pseudo-ChrysostomushomiU, aber anderweitig als von
Hippolyt stammend bezeugt, wie nachgewiesen wird;
Proclus (PSG 65,796—800) hat sie benutzt. Sie ist
„la plus ancienne et la plus complete que nous posse-
dions encore relativement ä la celebration de la fete de
Päques dans l'eglise chretienne". — C. Callewae rt:
L'ceuvre liturgique de S. Gregoire. La Septuagesime et
l'Alleluia sucht die Autorschaft Gregors an diesen Stük-
ken des Offiziums nachzuweisen. — D. B. Capelle:
L' „ad te Domine" de la messe ambrosienne erklärt die
vor dem Gebete super sindonem in der ambrosianischen
Messe stehenden Worte: Paceni habete, [Resp.] Ad te,
domine aus den orientalischen Liturgien. Das ad te Do-
mine entspricht einem 2oi Kvqiv und ist Antwort auf ein
Corrigite vos ad orationem = tue xEtpaXa? rjuäy tü> Kvq(<p
xXi'vonev. Davor stand: EUyrvrv näaw — Pacem habete.
Irrtümlich wurde Ad te Doinine zu diesen beiden Worten
gesetzt. — G. M o 11 a t: Le droit de patronage en Nor-
mandie du Xle au XVe siecle gibt einen sehr eingehenden
und wertvollen Beitrag zur Geschichte des mittelalterlichen
Benefizialwesens; die Einzelheiten können hier
nicht angegeben werden, es handelt sich um den Ausgleich
zwischen den Faktoren Patronatsherr, Bischof,
Papst, Herzog, wobei der letztere immer mehr an Einfluß
und Rechten gewinnt. — C. Looten: Un avocat de
l'eglise anglicane: Richard Hooker (1554—1600) begründet
die These, daß es sich in Hookers Buch ,of the
laws of ecclesiastical polity' nicht um ein staatspolitisches
Werk handelt (polity bedeutet das Kirchenregiment),
vielmehr will er das Kompromis dei Common Prayer

! Book und der 39 Artikel Elisabeths (1562) verteidigen
1 gegen die Angriffe der Anglikaner der äußersten Linken,
der „puritains, ferus du calvinisme genevois, ennemis
jures de la via media inauguree par l'opportuniste Par-
: ker". — L. Antheunis: Note sur John Harris, secre-
taire prive du chancelier Thomas Morus (1510?—1579)
schöpft hauptsächlich aus Stapleton Vita Thomae Mori,
1612 und zeigt den treuen Diener seines Herrn, nach
| dessen Tode den Lehrer in Bristol und Humanisten in
! Löwen. — R. Favre: Credo in filium dei, mortuum et
i sepultum bietet eine dogmengeschichtliche Untersuchung
über die Vorstellung vom Tode Christi bei Tertullian,
Novatian, Gregor von Elvira, Hilarius von Poitiers, Pa-
cian, Ambrosiaster, Ambrosius, Rufin, Hieronymus, Gau-
dentius von Brescia, Augustin, Leporius- Ergebnis: nirgends
findet sich die Vorstellung einer hypostatischen
Einigung des Logos mit dein Leibe des toten Christus.
Vielmehr findet in verschiedener Weise eine Trennung
der Gottheit vom Leibe Christi statt. — L. Gougaud:
Inventaires de manuscrits provenant d'anciennes biblio-
j theques mouastiques de Grande-Bretagne gibt die Literatur
an zur Geschichte der englischen Klosterbibliotheken
(wohin ihre Mscr. gekommen sind). — D. van den
Eyndc: L'inscription sepulcrale de Novatien referiert
über Mohlbergs vor der Accademia Pontificia 1937 gehaltenen
(inzwischen auch im Druck erschienenen) Vortrag
über die 1932 entdeckte Grabinschrift: Novatiano
, beatissimo Martyri Gaudentius dioconus fecit = aut den
I bekannten Schismatiker Novatian zu beziehen. — M. Richard
: Testimonia saneti Basilii identificiert die beiden
bei Ed. Schwartz: Acta concil. oecum. II 4,125 und 95
sich findenden Basilius-Zitate mit Origenes reecl &q%ö>v
bezw. Ruf ins Übersetzung desselben Hb. II cp. 6, 2u. 3;
von dort sind sie vor 458 ü. d. T. saneti Basilii episcopi
Cappadocis sermo de incarnatione domini verbreitet worden
. — G. Constant: L'etat de l'eglise au comraen-
cement du XVe et du XVIe siecle d'apres deux ecrits
du temps vergleicht die Schrift des Nicolaus von Cle-
[ inanges: de corrupto Ecclesiae statu (genauer: de ruina
et reparacione ecclesiae, neu hrg. von A. Coville 1936,
i Kritische Ausgabe mit Heranziehung auch der französischen
Übersetzung von 1564) mit dem Consilium delec-
torum cardinalium 1537 (abgedr. in Bd. XII des Con-
cilium Tridentinum), um festzustellen, daß die alten
Mißbräuche aus der Zeit des großen Schismas auch in
i der Reformationszeit noch bestanden.

Wie immer sind die Comptes rendus, die nach den
einzelnen Ländern geordnete Chronik und die Bibliographie
von einer für die Kirchengeschichte anderweitig
unerreichten Güte.
Heidelberg. W. Köhler.

{ Loewenich, Walther von: Die Geschichte der Kirche. Von

den Anfängen bis zur Gegenwart. Witten: Westdeutscher I.utherver-
lag 1938. (XV, 506 S.) 8°. RM 6.50.

Trotz H. v. Schuberts Grundzügen der Kirchenge-
schiebte (10. Aufl. hrsgeg. u. ergänzt von E. Dinkfer,
Tübingen 1937) fehlt es noch an einer Kirchengeschich-

i te, die „so knapp wie möglich und so ausführlich wie
nötig" den Gegenwartsfragen zu einer „Klärung durch

! die Geschichte" zu verhelfen sucht. Bei dem Buche L.s,

' das diese Lücke ausfüllt, handelt es sich nicht einfach
um eine Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse,
sondern zugleich um den Versuch, an der Verständlichkeit
der Darstellung das eigene theologische Verstehen

1 zu erproben. Da ferner der Verf. sich bewußt ist, daß
mit der Erweiterung des Leserkreises die Verantwortung
für die Zuverlässigkeit und die Sorgfalt der Arbeit nicht
ab-, sondern zunimmt, so kann das Buch, auch ohne
die reife Frucht eines langen Gelehrtenlebens zu sein,
beanspruchen als wissenschaftliche Leistung gewürdigt
zu werden.

Wenn es eine Frage ist, die als die entscheidende
durch die Jahrhunderte hindurchverfolgt werden soll,
die „nach dem Verhältnis von Kirche und Welt", so