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Ausgabe:

1938 Nr. 9

Spalte:

166-168

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Doerne, Martin

Titel/Untertitel:

Neubau der Konfirmation 1938

Rezensent:

Haun, Fritz

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Seite 1, Seite 2

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^__ Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 9. 166

in der Fußwaschung und in ihrer Organisation, wonach Ganzheitspsychologie (Felix Krüger) und Existenzphi-

die Diener am Wort die Gemeinde mit Gottes Geist losophie das Verständnis Schleiermachers vielfach geför-

und Wort bauen; für ihren Unterhalt sollen die Glau- dert wird, ist zweifellos. Neumanns eigene Stellung-

Q'gen sorgen. Die Gemeinde soll ohne Flecken und nähme zu Schleiermacher trifft weithin mit der von

Runzel sein, darum bedarf sie des Banns und der Mei- , mir selbst wiederholt befürworteten zusammen. Das gilt

düng; wie sie rein ist, so muß auch ihr Erlöser völlig vor allem für das Verhältnis von „Reden" und Glaubens-

sundenfrei sein; diese Sündentreiheit wird begründet lehre sowie für den Sinn- und Oojekt-Gehalt der Lehre

mit der sündenfreien Menschwerdung Christi in der vom schlechthinnigen Abhängigkeitsgefühl.

Maiin. Der Vf. vergleicht die Christologie Mennos mit Zu den zwei Hauptpunkte betreffenden Abweichun-

der Melchior Hofmanns und der Schwenckfelds und zeigt gen bemerke ich hier in aller Kürze nur Folgendes:

die Unterschiede auf. Immer steht die Gemeinde im j 1. Neumann meint die von mir geforderte Umkeh-

Vordergrund, die in der Verfolgung durch andere Kon- ( rung der subjektiven und objektiven Seite der berühm-

fessionen ein Zeichen ihrer Echtheit sieht. Die letzten | ten Definition Schleiermachers vom Wesen der Religion

(„Beziehungsverhältnis des Menschen zu einer von ihm
geglaubten und im Glauben geahnten Überwelt, von der

derEids, die heute »och, den j **±ffii *S„?"
Mennoniten zu schaffen machen. _.....„ S0 S^ „Im;^ rvL~c im.» k~ntto in fnrmnW

Ausführungen gelten der Stellung zur Obrigkeit und zw
menschlichen Gesellschaft, den Fragen des Schwerts,

den ,;,„, ,ber auch die S^S* I JSÄÄ^Ä ÄÄÄE

•ich erkennen. Ein Namen- und Sachregister ist beigegeben.
Stuttgart-Berg. O. Bossert.

Neu mann, Joh.: Schleiermacher. Existenz, Ganzheit, Gefühl als

Grundlagen seiner Anthropologie. Berlin: Junker u. Dünnhaupt 1936.

(181 S.) gr. 8° = Neue Deutsche Forschungen, Bd. 98. KM 8-.
Diese für die Schleierinacher-Forschung sehr beacht-
m e Schrift beschäftigt sich mit Schleiermacher, dessen
Namen sie als Haupttitel führt, doch nur auf den 50
fetzten ihrer 180 Seiten. Gleichwohl ist der Titel nicht
irreführend, sondern berechtigt und sachgemäß.

Das ist sogleich aus dem Untertitel und aus der
im Kapitel I vorausgeschickten Problemstellung
zu ersehen. Denn dal3 der Untertitel die Fragen nach
Existenz, Ganzheit und Gefühl als Grundlagen der Anthropologie
Schleiermachers bezeichnet, ist ebenso zutreffend
wie die Hauptthese der Problemstellung, daß

nämlich Lehre von Gott und Lehre vom Menschen sich j ['Cl: I"^ JZisl' r>

_„„u r>.„^. I Umbiegung in rationale Deduktion. Gerade dadurch wird

psychologistisch-.ubjektivistische Mißverständnis aus- Unrichtig
ist übrigens, daß mir Girgensohns Werk: „Der
seelische Aufbau des religiösen Lebens" entgangen sei
(Vgl. das Vorwort zur 3. Auflage meines „Wesen und
Wahrheit des Christentums").

2. Die zweite Abweichung betrifft den § 5 der Glaubenslehre
Schleiermachers. Neumann bestreitet, daß hier
eine Umbiegung der Lehre vom schlechthinnigen Abhän-
gigkeits-Gefühl im Geist rationaler Deduktion
vorliege. Vielmehr bringe dieser § 5 die notwendige
entwicklungspsychologische Ergänzung zum § 4 und
bleibe ausnahmslos auf derselben Ebene der religiösen
Grundintention der Lehre Schleiermachers. Nun ist es gewiß
so, daß Neumanns Auffassung für einen Teil der
Ausführungen des § 5 zutrifft; aber doch nur für einen
Teil. In dem anderen Teil entstellt die Gefahr einer

gegenseitig bedingen: indem die Theologie nach Gott j jmmer wieder das Mißverständnis der Grundintention

fragt, fragt sie gleichzeitig nach dem Menschen, für , seibst veranlaßt.

den Gott Gott ist. Beides aber ist, wie Neumann sehr Nach diesen kritischen Bemerkungen muß aber der
mit Recht immer wieder betont, von der bisherigen wert des Buches im ganzen für das Verständnis Schleier-
Schleiermacher-Forschung längst nicht hinreichend be- machers nochmals um so stärker hervorgehoben werden.

Berlin. ü. Wobbermin.

Doerne, Prof. D. Dr. Martin : Neubau der Konfirmation. Grundzüge
einer Erneuerung kirchlichen Jugendkatechumenats. Gütersloh:
C. Bertelsmamn 1936. (VIII, 232 S.) gr. 8°. RM 6.50; geb. 8 —
Endlich einmal Einer, der die ganze Konfirmationsnot
an der Wurzel anpackt. Es geht hier nicht um „reformieren
" oder um Abstellen von Notdingen oder gar
dies Stichwort beherrscht nun aber in starkem Maße | um Abschaffung. Es geht mit der Konfirmation um die

achtet worden. Und mit gleichem Recht fugt Ne^umann
sofort hinzu, in der Lehre vom Menschen dürfe n cht
nach der isolierten Seele gefragt werden vielmehr müsse
der ganze Mensch ins Auge gefaßt werden. Denn d e
Religion will den ganzen Menschen im O
zeti des Daseins. Damit ist das Stichwort, »Ganzheit
" in den Mittelpunkt der Betrachtung ges eilt. Eben
dies Stichwort beherrscht nun aber in starkem Maße

die heutie-e Psvchologie, zumal ihre Lehre vom Gefu™, ganze Frage der kirchlichen Erziehung. So tragt D.
und weithin auch die heutige Existenz-Philosophie. Mit j Schrift auch den Untertitel: „Grundzuge einer Erneue-
diesen anderen Ganzheitsbetrachtungen muß sich deshalb ■ rung kirchlichen Jugendkatechumenats". Das ist immer
die religiös-theologische Ganzheitsbetrachtung auseinan- | Sache der Kirche gewesen und dazu ist sie — wenn sie
dersetzen Das hat in seiner Weise und mit den Mitteln die Taufgnade wirklich ernst nimmt — verpflichtet. Hier
seiner Zeit bereits Schleiermacher unternommen. Sein muß aiso aucn jede Besinnung auf eine Neuordnung
Entwurf muß aber in Berücksichtigung des inzwischen . der Konfirmation ansetzen. Es geht um die Eingliede-
erfolgten Fortschrittes der psychologischen und philo- , rung des kirchlichen Nachwuchses. In der Volkskirche —
sophischen Arbeit berichtigt, ergänzt und fortgeführt ! und w,n immer Volkskirche und lehnt jede Freiwilligwerden
; und mit der psychologischen Arbeit ist wieder j keitskirche ab — „kommt es entscheidend darauf an,
die medizinisch-neurologische auf engste zusamtnenzunehmen. daß der Kirche eine wirksame Eingliederung
Das ist die Aufgabe, mit deren Erhellung sich Neu- ; des getauften Nachwuchses in die Ordnungsmann
in den dem Schleiermacher-Kapitel vorangestellten gefüge gelingt, daß dieser Nachwuchs mit einem leben-
Abschnitten seiner Schrift beschäftigt. i digen Wissen um das Wesen und die Verpflichtung

Er setzt ein mit einer ,ExistentiaI-Analyse der Neu- evangelischer Kirchgliedschaft aufwächst" (S. 4). So ist
rose". Das ist darin begründet, daß Neuinann infolge , es q. alte lutherische Tradition. In sehr ausführlichen
seines Berufes als Psychotherapeut mit dem Phänomen . geschichtlichen Darlegungen und in klarer Auseinander-
der Neurose besonders vertraut ist. In diesem Phänomen ' setzung mit der gesamten Literatur weist D. im ersten
sieht er eben den Tatbestand, der in religiös-theologi- Kapitel den wahren Sinn der „lutherischen Konfirma-
Kber Sprache als Sünde bezeichnet wird: die Zerrissen- tion" nach und setzt sich im 2. mit allen Reformver-
heit des Menschen^ in der sich die Disharmonie in sei- , suchen und Erneuerungsbestrebungen bis in die Gegen-
nem Verhältnis zu Gott bekundet und auswirkt. wart auseinander. Sie scheitern alle daran und mußten

Daß durch die Darlegung dieses Abschnittes und 1 nach D. scheitern, weil sie am Wesen der Sache vorbei
durch die Ausführungen der folgenden Abschnitte über gingen oder die Sache aus „Zweckmäßigkeitsgriinden"