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Ausgabe:

1938

Spalte:

55-57

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Kurzgefaßte Geschichte des Methodismus von seinen Anfängen bis zur Gegenwart 1938

Rezensent:

Laun, Justus Ferdinand

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 3.

die am meisten gepriesenen Tugenden, Unsittlichkeit und
Stolz, Zorn und Zuchtlosigkeit die am meisten verabscheuten
Laster darstellen. Auch die Entwicklung vom
klassischen über das mönchische zum ritterlichen Ideal
spiegelt sich in den Hymnen wieder.

Ich habe dies fleißige Buch mit Interesse gelesen,
es wird ja neben den Hymnologen auch die Ethiker angehen
.

Okarben (Oberhessen). J. F. I.aun.

Stier, Lic. Dr. Johannes: Luthers Glaube und Theologie in den
Schmalkaldischen Artikeln. Gütersloh: C. Bertelsmann 1937.
(69 S.) 8°. Kart. RM 2-,

Das Büchlein will, wie der Verf. im Vorwort darlegt,
in einer Einführung in die Schmalkaldischen Artikel dem
lutherischen Kirchenvolk die doppelte Lehre
dieses Bekenntnisses von der Bedeutung der Rechtfertigungsbotschaft
für das Ganze des christlichen Glaubens
und von dem Erfordernis einer alle ihre Aussagen nur
vom Glauben an Christus gewinnenden Theologie fest
einprägen. Stier tut es, indem er nach einer historischen
Einleitung und einer Übersicht ein der Reihenfolge und
dem Wortlaut der Ausführungen Luthers sich anschließendes
kompendiarisches Referat erstattet, das er, besonders
, wo die ihm wichtigen dogmatischen Belange es
ratsam erscheinen lassen, durch theologische Erläuterungen
erweitert und am Schluß mit 66 Anmerkungen versieht
. Bewahrsame gebildete Gemeindeglieder, die die
heute gewiß seltene Hingabe aufbringen, ein solches in
seiner theologischen Rüstung doch immer wieder auf
Theologen blickendes Werkchen gründlich, zu studieren,
werden eine ihnen recht nützliche Übersicht über das
Ganze und den Inhalt der zahlreichen Artikel im einzelnen
erhalten und sich auch durch tiefer schürfende Hinweise
besonders zum Verständnis der mit dem Vf. am
Herzen liegenden Hauptsachen belohnt sehen. Widerrät
die praktische Abzweckung des Büchleins an dieser Stelle
auch ein Eingehu auf einige Interpretationen und Erläuterungen
, die in Frage zu stellen wären, so soll doch im
Hinblick auf das Verfahren Stiers eine Beobachtung ausgesprochen
werden. Mich dünkt, gerade die Schmalkaldischen
Artikel widerstreben weithin dem Versuch einer
fortlaufenden knappen Inhaltsangabe mit begleitender
Glossierung, wie St. sie darbieten will. Die impulsive
Art Luthers spricht in ihnen oftmals in Sätzen das Wesentliche
aus, denen er innerhalb breiterer, nicht streng
systematischer Ausführungen formell einen beherrschenden
Platz nicht angewiesen hat, die er auch mit anderen
Sätzen nicht ausdrücklich oder deutlich in ein Verhältnis
gesetzt hat. Die 'tiefer dringende, weiter ausholende
Analyse vermag dann erst Zusammenhänge zu
klären, die den theologischen Gehalt im einzelnen voll
erschließen. Darum ist eine solche exegetische Analyse

— der unserer neutestaimemtlichen Kommentare analog

— nicht zu entbehren, will man der Aufgabe genügen,
die uns ein Dokument wie die der Schmalkaldischen Artikel
stellt. Neben manchem Andern erfordert sie dann
auch die Heranziehung der Fülle des Schrifttums Luthers.

Jena. Waldemar M a c h o 1 z.

Nu eisen, John L., D. Dr., Theophil Mann und J. J. Sommer:
Kurzgefaßte Geschichte des Methodismus von seinen Anfängen
bis zur Gegenwart, 2. durchgesehene u. erweiterte Auflage. Bremen:
Verlagshaus der Meth.-Kirche 1929. (XI, 875 S.) 8°. geb. RM 9.50.

Es ist erstaunlich, daß dies wichtige Werk in seiner
1920 erschienenen 1. Aufl. in der Th.L.Z. keine Besprechung
erhalten hat, umso erstaunlicher, als dies seit
L. S. Jajsobis Werk (Geschichte des Methodismus,, Bremen
1870) die erste moderne in Deutschland erschienene
Geschichte des Meth. ist. Ich bedaure darum besonders,
daß diese Besprechung der 2. Auflage durch meine
Schuld wiederum so lange verzögert worden ist.

Der Methodismus wird in Deutschland immer noch
nicht genügend beachtet. Alte Vorurteile wirken hier
hemmend. Man vergißt, daß er neben dem Baptismus

Amerika die größte Kirche geschenkt hat. Der bedeutende
engl. Historiker W. E. H. Lecky urteilt in seiner
„History of England in the 18th Century" (dtsch. v. F.
Löwe, Lzg. 1879, Bd. II, Kap. 9, S. 685ff.), daß
es der methodistischen Erweckung und ihrem sich durch
das ganze englische Volk, besonders die unteren Schichten
verbreitenden Einfluß zu verdanken ist, daß England
vor der Infektion durch die Franz. Revolution bewahrt
geblieben ist. Bekannt ist ja auch der entscheidende Ein»
; fluß des Methodismus auf die engl. Arbeiferbewegung
— viele Arbeiterführer sind Laienprediger gewesen, z. T.
j heute noch. Daher hat wohl der Marxismus, obwohl
1 Marx in London lebte, in England bisher den geringsten
Wiederhall gefunden und die engl. Arbeiterschaft ist noch
heute christlicher als jede andere der Welt. Dazu kom-
I men die wichtigen Rückwirkungen der meth. Erweckung
i auf den Kontinent, besonders auf die deutsche Erwck-
I kung des 19. Jahrhunderts. Solange in der deutschen
I Theologenschaft der Ausdruck „Methodismus" noch als
eine negative Bezeichnung in verächtlichein Sinne ge-
I braucht wird, haben wir den Sinn, die Art und die weltgeschichtliche
Bedeutung der methodistischen Erweckung
| noch nicht verstanden.

John L. Nuelsen, bis vor kurzem Bischof des mitteleuropäischen
Sprengeis der Bischöfl. Methodistenkirche,
hat sein Werk nicht allein verfaßt. Von ihm stammen al-
j lerdings wichtige Abschnitte, nämlich der 1. Teil: Ge-
j schichte des brit. Methodismus bis zum Tode Wesleys,
I der 3. Teil: Gesch. des amerikanischen Meth. und der
5. Teil: Lehre und kirchengeschichtliche Bedeutung des
M. sowie die allgem. Statistik. Der 2. Teil Gesch. des
brit. M. vom Tode Wesleys bis zur Gegenwart, sowie die
I Abschnitte aus dem 4. Teil über den M. in Frankreich,
Italien, Spanien, Portugal, Norwegen, Dänemark u. Nord-
I Osteuropa wurden verfaßt von Prediger Theophil Mann,
| Dozent am Meth. Predigerseminar in Frankfurt a./M.,
während die übrigen Abschnitte des 4. Teils, der in der

1. Auflage ganz von dem inzwischen verstorbenen Pre-
I diger J. J. Sommer verfaßt wurde, jetzt von dessen Sohn,

Prediger Dr. J. W. E. Sommer, Direktorund Dozent an demselben
Seminar und bekannt durch seine Mitarbeit in der
ökumenischen Bewegung, bearbeitet worden sind. Diese
behandeln die wichtigen Abschnitte über den M. in Deutschland
und in der Schweiz. Der M. in Schweden wurde
von Dir. Dr. J. Julen, Göteborg, und der M. in Südosteuropa
von Dr. Otto Melle, dem früheren Direktor des
I gen. Seminars, jetzigen Nachfolger Nuelsens als Bischof,
dargestellt. Daraus geht schon hervor, daß die Gesch.
des M. auf dem europäischen Kontinent (4. Teil) in der

2. Auflage besonders sorgfältig behandelt wurde. Der
I Hauptunterschied zwischen der 1. u. 2. Aufl. liegt in

der Behandlung der Nachkriegszeit, in der Darstellung
I der meth. Einigungsbestrebungen (die durch die inzwischen
am 20. Sept. 1932 vollzogene Vereinigung
der engl. Zweige gekrönt worden sind), der Mitarbeit
der Methodisten an der ökumen. Bewegung, weiteres
über Jugend-, Schul- und Hochschularbeit, Ausbildung
| der Prediger und Diakonissen, Sozialarbeit, Außere Mis-
I sion und Statistik. Neu ist auch die statische Tabelle
i sämtlicher meth. Kirchen des Brit. Weltreichs.

Die Darstellung ist wohlabgewogen und überzeugend.
I Es ist kein Tendenzwerk. Die vielen Zitate aus Quellen
j und Einzelschilderungen machen die Darstellung sehr
! anschaulich und fesselnd. Es wird nicht versucht, die
Fehler John Wesleys und die Schwächen und Verirrun-
I gen der Bewegung zu verschleiern. Mit erfreulicher Klarheit
ist die historisch so wichtige Tatsache herausgear-
[ beitet (Kap. III), daß die luth. Rechtfertigungsichre im
j pietistischen Verständnis der Brüdergemeinde und durch
! deren Vermittlung die entscheidende Wandlung bei den
Brüdern Wesley hervorrief. Der deutsche Pietismus hat
j an der Wiege des engl. M. gestanden. Die kritischen
■ Punkte der meth. Frühgeschichte sind klar herausgearbeitet
: Der Beginn der Predigt im Freien (Kap. IV), die
i Haltung der Führer gegenüber den enthusiastischen Er-