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Ausgabe:

1938 Nr. 2

Spalte:

32-34

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Biblia hebraica; 13. Heft 1938

Rezensent:

Walters, Peter

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 2.

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ein diesem Weltbild zuzuordnendes Gefühl der Gebor- j einigen Zeilen aus Euklid (143) zu mathematischen
genheit zu vermitteln, wie es die Lebensform der in der Fragmenten über (144—147), die ihrerseits von der
Gnade lebenden Menschen vermocht hatte. (Dyes, der Astrologie abgelöst werden (148—153). In dem letz-
Patient von heute, Die med. Welt 1931, S. 1040). Darum '< teren Bereiche ragt als Nr. 149 ein umfangreicher und
ist Berghoffs Satz zu dürftig, daß man dem Arzt die Be- | eigenartiger Traktat hervor, der schon in Class. Philol.
rechtigung nicht absprechen könne, sich auch mit meta- ] Bd. XXII 1927, S. 1—45 von dem gleichen Herausphysischen
Fragen zu beschäftigen. Er hätte weit stär- j geber (F. E. Robb ins) veröffentlicht worden war (s.
ker als es geschieht, herausarbeiten müssen, daß auch die J auch A. E. Housman ebenda S. 257—263). Gol. IX
irrationalen Seiten des Lebens genau so zur Tätigkeit , Zeile 20 wird die Lehre der acht Orte und deren eim-
des Arztes gehören wie die Betrachtung der Krank- i zelne Bezeichnungen dem Asklepios zugeschrieben, wie
heitssymptome. „Erst dann wird der Mensch zum Arzt, ähnlich bei Vettius Valens S. 334, 18 W. Kroll. Zu die-
wenn er mit seinen Kranken verbunden ist durch gemein- j sem Stück hat Ernst Honigmann eine inhaltreiche Studie
sames Verstehen in den letzten Fragen des körper- | über „Die Anaphorai der alten Astrologen" beigesteuert
liehen und seelischen Lebens" (L. Krehl), womit sich j (S. 301—321).

die kirchliche Praxis von ärztlicher Seite verteidigt sieht,
in konfessionell gebundenen Krankenhäusern nur Ärzte
des gleichen Bekenntnisses anzustellen. Gerade angesichts
der weltanschaulichen Auseinandersetzungen der
Gegenwart wäre eine Sammlung solcher ärztlicher Äußerungen
und Erfahrungen, wie ich sie an anderer Stelle
versucht habe (Protestantenblatt 1937 Nr. 32: „Arzt und
christliche Weltanschauung") besonders wünschenswert
gewesen. Doch ist der Ansatz des Berghoffschen Buches
auf jeden Fall zu begrüßen, weil es, wenn auch
mit noch unvollkommenem Unterbau, zu dem Ergebnis
kommt, daß mit dem Nachweis des Einflusses der Religion
auf die Heilkunde als eines wesentlichen Faktors
für ihre Entwicklung sich behaupten läßt: Nur in der
innigen Verflechtung der intellektuellen, religiösen und
sittlichen Kräfte liegt das Geheimnis des wahren Arztes.
Oder wie es Tumlirz in seiner „Psychologie der geistigen
Berufe" ausdrückt: daß der ideale Arzt eine wahre
Christusnatur sein müsse.

Quakenbrück. H. Vorwahl.

Michigan Papyri, Vol. III: Papyri in the University of Michigan
Collection. Miscellaneous. Papyri ed. by J. Q. Winter. Ann Arbor:
Univ. of Michigan Press 1936. (XVIII, 390 S., 7 Tafeln) 4°. Geb. $ 5 -.

Die Universität von Michigan hat unter den zahlreichen
, sehr wertvollen Studies, die sie bisher erschei-

Nr. 154—156 sind Zauberpapyri (S. 123—132), 157
und 158 zwei libelli aus der Decischen Verfolgung.
Daran schließen sich offizielle Dokumente, dann Petitionen
, Kontrakte u. ä., endlich als Nr. 201—221 Privatbriefe
aus der Zeit vom Ende des ersten bis zum
Ende des dritten nachchristlichen Jahrhundert.

Zuletzt folgen noch eine Anzahl sorgfältiger Indices
und sieben Tafeln mit Schriftproben.
Göttingen. W. Bauer.

Biblia hebraica. 13. Heft: Megilloth: Ruth. Rut. Praepar. Th. H.
Robinson. Canticum canticorum. Sir ha-sirim. Ecclesiastes. Qohelet.
Praepar. Fr(dr). Horst. Threni. 'Eikah. Praepar. Th. H. Robinson.
Esther. 'Ester. Praepar. Fr(ants) Buhl t- Nebst Verz. d. masoret. Termini
zu Kittels Biblia hebraica u. Sigla f. d. hebr Bibel-Hs. aus
Babylonien. Stuttgart: Priv. Württ. Bibelanstalt 1935. (60 + 4 S.,
1 Bl.) gr. 8°. RM 1.50.

Eines der großen, wenn auch nicht das hauptsächliche
, Anliegen der neuen BH ist die gleichmäßig exakte,
umfassende Verzeichnung des Textbestandes der wichtigsten
Version, der Lxx, um daraus, je nachdem, Vorlage
oder Deutung der Übersetzer als Hilfsmittel zur
Herstellung des bereinigten Urtextes ersichtlich zu machen
. Einzig hierauf richte ich die Prüfung des dünnen,
fünf verschiedne Schriften umfassenden Heftes.

Am genauesten zu kontrollieren ist die Bearbeitung
von Ruth, weil die vorzüglichen Arbeiten von A. Rahlfs

nen ließ, in der humanistischen Reihe als Band XXIV w" Z ««^'^'^«« CYT ^s

Zennn Panvri in der Ausgabe von C. C. EdVar 1931 Y?n l?22' die Probeausgabe nebst begleitender Studie

über den gr. Text, alles Erforderliche aus Meisterhand
darreichen. Dies eine Beispiel zeigt zugleich, wie ungleich
das Ergebnis für die einzelnen Bücher des ATs
bleiben muß, weil die wenigsten eine solche Durchackerung
von © erfahren haben.

In Ruth ist nun das Ergebnis, daß, neben B 509
Aeth, hier auch Lucian vororigenianisch ist, während
A fast durchweg mit Or geht. Also kann man hier

Zenon Papyri in der Ausgabe von C. C. Edgar 1931
herausgebracht. Diese werden als Michigan Papyri Vol. I
bezeichnet (enthaltend Nr. 1—120). Humanistic Ser.
XXVIII ist = Michigan Papyri Vol. II 1 und enthält
Pap. from Tebtunis (Nr. 121—128 nach weiterlaufender
Zählung herausgegeben von A. E. R. Boak 1933). Die
Nr. 129 und 130 finden sich in Hum. Ser. XXII unter
dem Titel: A Papyrus Codex of the Shepherd of Hermas
1934 (herausgegeben von C Bonner und in im- ursorünfflTche und sekundäre ©LA scheiden
serer Zeitschrift besprochen 60 1935, 51^ jetzt (1936) Ä dfc

is hinzugekommen Hum. Ser. XL = Mich Pap. III I dem |uch eine andere Textg.estait bieten> und

ffiLSLS'-teSSS^^.?; Et£ ««»»«t nicht einmal dem Spezialisten etwas. Weite?

Unterstützung zahlreicher, S. XIV sowie in der Preface
namhaft gemachter, Helfer).

Von den 91 Stücken dieses Bandes war ein gutes
Drittel (32) schon an verschiedenen anderen Stellen
veröffentlicht worden. Ihre Aufnahme in den neuen Zu

hat Rahlfs gezeigt, daß die Asterisken und Obelen u.
U. unvollständig oder korrupt überliefert sind, und besonders
, daß sie in Syrhex — Sarrav G fehlt in Ruth. —
mißbräuchlich für Abweichungen des lueianischen und

vciuiicnaiieni wuiucn. une rtuinainnc in ucn neuen z_u- ____ « „H-,,« ta„i-^„ a„± j i n„ ___

sammenhang rechtfertigt sich nicht nur von den Bedürf- *0f^.^^^f^„T.^f verwendet werden.' Da nun
nissen des Lesers aus, der die Papyri bequem benützen j td* s,e'<ufj3™ in inKdfr ÄnL^+

mör-htP- h;,p Tpv+p sirJi ■„ „;Jw R»,ipi,,,n«T ^ I ten des Urtextes darstellen, so muß der Apparat zu

möchte; die Texte sind auch in vieler Beziehung verbes
sert worden.

Die Reihe hebt an mit sechs atl. Bruchstücken

SOI, will er sie überhaupt bringen, in jedem Fall Warnungen
beifügen, um Verwirrung zu verhüten.

131^(GenM3^7 Wy (prov^^—13)8353(Pred' 6 ' 1) Rahlfs' sorgfältig nach allen Seiten gesicherte Nachweisungen sind
3—5; 8—11). 136 (Jes. 26, 9—10). Um vieles umfangreicher
sind die beiden nun folgenden Fragmente aus
dem N.T.: 137 (Mt. 26,19-52) und 138 (AG. 18,
27—19,6. 19,12—16), erstmalig veröffentlicht in Harvard
Theol. Rev. 19, 1926, S. 215—226; 20, 1927, S.
1—19. Sie gehören beide ins dritte Jahrhundert und
erwecken unsere Teilnahme nicht nur durch ihr Alter,
sondern vor allem durch den Umstand, daß sie die sogenannte
westliche Textform zeigen.

Klassische Bruchstücke (No. 139—142) leiten mit

weder durch Pretzl (Biblica 1926) noch durch Procksch (ZatW 1936, S.
87 ff.) entkräftet. Beide suchen auf verschlungenen Wegen das von der
Luciangruppe ausschließlich überlieferte Sondergut als origenianisch zu
erweisen. In Procksch' an Kombinationen reichen „Tetraplarischen Studien"
kann der erstrebte Nachweis schon darum nicht zum Ziel führen, weil
er, ohne die Warnungen von Rahlfs, den er doch häufig zitiert, zu beherzigen
, unbesehen Brooke-McLean folgt, die statt der (nach R. „unechten
") Asterisken des Syrhex Obelen, also das Gegenteil, setzen. Deren
Willkür geht auf Lagardes Bibl. Syr. zurück; bei ihm kommt sie daher,
daß sein Vorgänger Rortlam konjizierend für die überlieferten Asterisken
Lemnisken gesetzt hatte. Fields Hexapla bietet das Richtige. All das
war Rahlfs zu entnehmen (S. 61 f. und Note 1 sowie §9j, § 37 4).