Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1938 Nr. 23

Spalte:

425-426

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Zeitschrift der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte; 41. und 42. Jahrg. 1938

Rezensent:

Fleisch, Paul

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

425 Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 23. 42C>

Spindler, einem später aus dem Amt entlassenen Sepa- j verkennbar die Fakultät vielfach dem eigentlichen Le-
ratisten, dessen Eigenart in schroffem Gegensatz stand I ben der lutherischen Landeskirche in einer gewissen
au Kirchenmännern wie Hedinger, seinen Studiengang Distanz gegenüber gestanden, besonders in der Erwek-
in Tübingen und die Eigenart seiner theologischen Stel- kungszeit. Wertvoll ist die beigegebene Liste der Perso-
lungnahme. M. wendet sich gegen Ritschis absprechen- nahen der Dozenten. In einigen Fällen bestehen freilich,
des Urteil, als sei Bengel kein originaler Theologe ge- j wohl infolge von Druckfehlern, Differenzen zwischen
wesen. Demgegenüber zeigt M., wie Bengel gegenüber ! Liste und Text. M. Peters schildert das berühmteste
dem Spiritualismus, Perfektionisinus, Separatismus und Glied der Universität aus ihrer Anfangszeit, Albrecht
Chiliasmus auf Grund seiner Erfahrungen mit der Bibel ; von Haller, als Christ, eindrucksvoll, wenn auch vielfür
sein heilsgeschichtliches Denken neue Wege fand ; leicht ein wenig breit, und Edgar Hennecke untersucht
und wies. Auch der Leiter des landeskirchlichen Ar- , die Kirchen in und um Göttingen im Zusammenhang mit
chivs R. Geiges wendet sich Bengel zu. Er schreibt i dem Aufkommen und der Entwicklung des Orts zur
über „Württemberg und Herrnhut im 18. Jh. Joh. AI- j Stadt unter den Stichworten: Königs- oder Reichsgut,
brecht Bengels Abwehr und der Rückgang des Brüder- gerstliche Oberherren, weltliche Grund- und Landeshereinflusses
in Württemberg". Damit führt G. seine fri't- , ren und städtischer Aufstieg. Der Alufsatz des Herausheren
Studien fort und hinaus über das neue Bengel- ■ gebers, Philipp Meyer, über die Inspektionseinteilung
buch K. Hermanns, das mit der Denkendorfer Zeit Ben- j des Göttinger Landes im Wandel der Zeit bietet nicht
gels abschließt. Wir erfahren, wie lange der durch seine | gerade ein Bild kirchenregimentlicher Weisheit in der
Schüler über Herrnhut wohl unterrichtete, mit Zinzendorf ! fortlaufenden, oft aus recht zufälligen Gründen erfol-
durch dessen Besuch und Briefwechsel vertraute nüch- | genden Umgestaltung, wovon sich nur der Plan um
ferne Bibelgelehrte mit seinein endgültigen Urteil über ( 1800 und der von Uhlhorn verfolgte vorteilhaft abheben,
die Brüdergemeine zuwartete, wie tiefgehend aber und j Braunschweigische Verhältnisse, die aber wegen des da-
wie entscheidend dieses Urteil für Württemberg und die j mals gleichen Geschicks auch Rückschlüsse auf das Göt-
Brüdergemeine war. Wir sehen hinter die Kulissen durch j tinger Land gestatten, schildern Friedrich Spanuth, Quel-
die mitgeteilten Briefauszüge aus dem Herrnhuter Uni- | len zur Durchführung der Reformation im Braunschweig-
täts- und dem Bengelschen Familienarchiv. Karl Aliil- i Wolfenbütteischen Lande 1551 bis 1568, und Wolters,
ler schenkt uns im Jahr seines 60j. Licentiatenjubiläums [ Pastoren-Büchereien 1572. Ersterer veröffentlicht I. das
einen Lebensabriß seines Ahnherrn „Prälat Joseph Fried- Verhör der Geistlichen in Wolfenbüttel 1551 und II.
rieh Sendling, derVater des Philosophen" (1737—1813). j das Examensprotokoll 1568, d. h. eine Urkunde der
Wir erhalten einen Einblick in das geistige Schaffen die- i Rekatholisierung und eine der endgültigen Einführung
ses Orientalisten im schwäbischen Pfarrstande und seinen i der Reformation. Das Bild, das dadurch besonders deut-
Verkehr mit Joh. David Michaelis. Als weiteren Orien- j lieh wird, daß einige Namen beide Male vorkommen,
talisten lernen wir neben Schnurrer und H. E. G. Pau- I ist nicht erhebend. Offenbar haben manche Pastoren
lus den Lehrer Sendlings, Joh. Jak. Baur kennen. Auch j je nach dem Wunsch der weltlichen Obrigkeit bald
bei Sendling ist Bengels Einfluß auf die württembergi- J katholisch, bald evangelisch amtiert. Nur wenige sind
sehen Theologen zu erkennen. Sendlings Verdienst ist i „Konfessoren" gewesen. Daß einer von diesen 1572
es, der im Norden einsetzenden neuen wissenschaftli- | auch eine der besten Büchereien hat, ist anzumerken.
Chen Arbeit am A.T. in Württemberg den Weg mitge- I Die von Theodor Wotschke veröffentlichten Briefe
bahnt zu haben. Kaspar Hermann Sandhagens an Abraham Calov, die die

Das vorliegende Heft ist die einzige Veröffentlichung enge Verbindung dieses aus Franckes Bekehrung be-
des Vereins im Jahr 1938, da als weitere Verausgabe kannten Mannes zu den Orthodoxen in Wittenberg zei-
dfe schon länger angekündigte geschichtlicht: Karte von ' gen und zugleich seine Abneigung gegen Helmstedt, geWürttemberg
im Herbst geliefert wird. i ben einen interessanten Einblick in die „kirchenpolitische"
stntt^rt Rfm O. Bessert. , Lage im damaligen Lüneburgischen. Erwähnt sei endlich

- ^ ' ■■----——. - ; .—77. r- | auch die Auseinandersetzung Hermann Wiekes mit Hans

Zeitschrift der Gesellschaft für niedersachsische Kirchenge- Naumann über die Frage: , Wollte der Dichter des He-
schichte unter Mitwirkung von D. Karl Wagen mann (Vizeprasi- . ,jand nichts ander j Künder germanischen Lebens-
dent im Landeskirclienamt i. R. in Hannover) und D. Hermann Dor- ; fQhj ■ ?« _ ... :„ -.iJL Irf "rHL" S
ries (Professor der Kirchengeschichte in Göttingen hrsg. von Lan- ; Kelunli */>lle? allem Sind auch diese beiden
tekircheÄhilipp Mey« ta Adelebsen. 4.. Jahrg. (Heft 1936) Hefte der Zeitschrift eine reiche Gabe. Als Bitte an den
und 42 Jahn: (H 1937) Braunschweig: Oesellschaft für nieders. Herausgeber mochten wir aussprechen, daß er auf eine
Kirchengeschichte 1936/1937. (303 und 330 S.) gr. 8°. gleichmäßige und korrekte Bezeichnung der alten Teilfürstentümer
hinwirken möge. Es ist sonst zu fürchten,
daß bei nicht ganz sachkundigen Lesern immer wieder
einmal Verwirrung angerichtet wird.

Hannover. Paul fleisch.

H. 1936 bringt neben der Fortsetzung der Reihe
der Generalsuperintendenten in den verschiedenen Landesteilen
der hannoverschen Landeskirche und zwar diesmal
der Generalsuperintendenten in Grubenhagen und

auf dem Harz von Rud. Steinmdz, einer Übersicht über cornus Cnnfp«inniim ^ ! «-:-—-

das Alter und den Bestand der Kirchenbücher der Landes- *E" Z^ÄÄ Ab*
kirche von E. Lochmann und einer für den Leserkreis teilunjJ 17. Angii!<anismus. Bd.i: Die Kirche von Enzianh"
der Zeitschrift besonders wertvollen Zusammenstellung ihr Gebetbuch, Bekenntnis und kanonisches Recht Bearbeitet von
von Literatur zur Einführung in die Kirchengeschichte C. Fabricius. Berlin: W. de Qruyter & Co 1937 (CXLVIII
Niedersachsens von Professor Joh. Meyer drei Auf- 684 s.) Lex. 8°. Subskr.-Pr. RM 16-'
Sätze, die das Gebiet Bremen-Verden behandeln. H. Ent- Dieser jüngst vollständig gewordene Band des Corpus
holt legt das Verhältnis zwischen dem Erzbistum und Confessionum bietet die Urkunden der Kirche von Ene-
der Stadt Bremen dar, H. Wohltmamn beschreibt die Ge- land (im engsten Sinne des Wortes), soweit sie offiziellen
schichte der Kirchen in Stade und K. u. Schmidt be- Charakter tragen. Ein zweiter soll den kirchlichen Richlinde
» Willehad und die Christianisierung von Bremen- tungen in ihr und dem Anglikanismus außerhalb der ProVerden
. In H. 1937 steht als im Jubeljahr der Georgia vinzen Canterbury und York gewidmet sein. Der vor-
Augusta Göttingen im Mittelpunkt Joh. Meyer gibt liegende Band enthält (alles im Urtext und in deut-
eine Geschichte der Göttinger theologischen Fakultät scher Übersetzung):

für die ersten 3 Halbjahrhunderte ausführlich, für das 1. Das Common Prayer Book (CPB.) und zwar

' *~ * uiw w ji-v-.m w ■ '---J-------- . a |* * --- ----------- ---J--- ^—» "-'•/ U11V1 IWal

letzte aus begreiflichen Gründen eine mehr farblose die Ausgaben von 1662 und 1928 in ihrem vollen Wort-
Übersicht. Dabei zeigt sich eine gemeinsame Linie zwi- laut. In dem Abdruck des CPB. von 1928 ist nach
sehen Fakultät und Landeskirche in der gemäßigten Hai- ; englischem Vorgang jeweils am Rande vermerkt, ob eine
tung und der geschichtlichen Ausrichtung, vielleicht in- ; Abweichung von 1662 vorliegt oder nicht. Das Buch
folge wechselseitiger Einwirkung. Andererseits hat un- ermöglicht also ein genaues Studium der Neuerungen