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Ausgabe:

1938 Nr. 13

Spalte:

233-235

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Calvin, Jean

Titel/Untertitel:

institution de la Religion Chrestienne, Tome premier et second 1938

Rezensent:

Niesel, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 13.

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Wahrheiten zu setzen". Das aus ursprünglichen Lebens- I Die französische Übersetzung der Institutio ist für
tiefen stammende Ideal, das über St. Gallen und dem j die Geschichte der Reformation in Frankreich von be

ganzen Mittelalter schwebt, ist — so lesen wir
das übersinnliche Reich des Geistes, das durch heroisches
Leiden erreicht werden soll.

Doch man muß schon das Selbstverständnis des Mittelalters
, das auf überkommene Autorität sich gründet, als
„produktives Mißverständnis" wegdeuten, um es von
moderner Lebensphilosophie einer ihrer selbst müde gewordenen
Skepsis aus erklären zu wollen!

sonderer Bedeutung. Calvin hat sein Werk ursprünglich
ja, wie er selber sagt, für seine französischen Landsleute
geschrieben, um sie in der Erkenntnis Christi zu
fördern. Die Übertragung hat aber auch einen hervorragenden
Platz in der französischen Literaturgeschichte,
ähnlich wie die Schriften Luthers in der deutschen.
Sie leitet mit den Schriften Rabelais' die Epoche des
modernen Französisch ein. Insofern ist es nicht ganz

Genügt es den größeren Ansprüchen, die es erhebt, : unwichtig zu wissen, daß der Text von 1541 zu einem

nicht, so enthält das Buch doch im Einzelnen eine
Menge guter Beobachtungen und gelungener Schilderungen
, meist umso lebensnäher, je näher St. Gallen. Bei
Beschränkung auf schlichte Darstellung und den engeren
Bereich des deutschen Frühmittelalters könnte es
wirklichen Nutzen schaffen!
Göttingen. H. Dörries.

Selm er, Carl: An unrecorded old german Augustine rule

(repr. from the German Review vol. XII). New York, Columbia

University Press 1937. (19 S.)

Damit theologische Leser obigen Titels (sintemal das Heft bei dieser
Zeitschrift eingelaufen ist) vor gröblicher Enttäuschung bewahrt bleiben,
sei kurzweg verraten: es handelt sich nicht um etwas ,altgermanisches',
sondern um eine spätmittelalterliche, 1431 zu Indersdorf in Bayern geschriebene
und samt der lateinischen Vorlage für Weihenstephan bestimmte
deutsche Fassung der Augustines-Regel, wie deren zweifellos in j ^je vorhandene°Übersetzung"diese7 Kapitel nicht verwer

I Inn t,-,.l, 1-----1___l_ ----..... .. I, ,, I.,,, , Tia ni*»r In ihre*m Hpi ! TCf-riPTI I « . ■ .. -ö ' _

beträchtlichen Teile schon aus dem Jahre 1536 stammt.
Calvin hat damals die erste lateinische Institutio ins
Französische übertragen. Diese Übersetzung ist leider
bis heute nicht aufgefunden. Als Calvin die Institutio
1539 in erweiterter Form herausgab, hat er die erste
Ausgabe von 1536 weithin wörtlich in das neue Werk
übernommen. Ähnlich ist er bei der Übersetzung der erweiterten
Institutio verfahren. Dort, wo der alte lateinische
Text von 1536 in großen Stücken fortlaufend
zu Tage tritt, hat er ihn nicht neu übersetzt, sondern die
vorliegende Übertragung von 1536 verwertet. Das trifft
zu auf den Widmungsbrief an Franz I. und die Kapitel
5 und 10—16 der französischen Ausgabe von 1541, die
die Kapitel 4—6 der ersten Institutio enthalten. Kapitel
1—3 der alten Institutio sind dagegen so verstreut in
die zweite Ausgabe hineingearbeitet worden, daß Calvin

stinerkloster von Villa Nova in Pennsylvanien gefunden hat.

Göttingen. E- Schröder.

T)^tSch'ani!;och, geT Thp"deYinH- hD» ^"t^tl^^^M ! ten konnte, als er die Übertragung der Institutio von
Teil zum Abdruck gebrachte Papierhandschrift besitzt (auch sprachlich) | „„ . ö • u vnrmhm

kein weiteres Interesse, als daß sie durch Kauf den Weg in das Augu- l0^}nSt rranzosiscne vornahm.

Ute beiden vorliegenden Bände der neuen Ausgabe
— soeben ist auch der dritte (Kap. 7—11) erschienen —
bringen den Widmungsbriet und die ersten 6 Kapitel
der Institutio. Von diesen enthält abgesehen vom Widmungsbrief
also nur das fünfte weithin Text der ersten
Übersetzung aus dem Jahre 1536. Das ist zu beachten,
angesichts der Tatsache, daß der Herausg. dankenswerterweise
allenthalben durch Einfügung von Jahreszahlen

Calvin, Jean: Institution de la Religion Chrestienne. Texte
etabli et presente' par Jacques Pannier. Tome premier. - Tome
second. Paris: Socii'te' Les Beiles Lettres 1936 u. 1937. (XXXII
333 S. u. 415 S.) 8° = Les Textes Francais. Collection des Universites
de France publiee sous le patronage de l'Association Guillaume

CahMn, Johannes: Unterricht in der christlichen Religion: j j" den Text angezeigt hat, ob die"lateinische'Textgrund

bearb. von Otto Weber. Erster Band (Buch I und II). Neukirchen
(Kr. Moers): Buchhandlung des Erziehungsvereins 1936. (XIV, 624 S.)
8°. Subskrpr. RM 7— ; geb. 8.50.

Es ist sehr zu begrüßen, daß die im Jahre 1541 erschienene fran-

Institutio Religionis Christianae. Nach der letzten Ausgabe übers, und ! laße aus dem Jahre 1539 oder schon aus dem Jahre

1536 stammt. Diese Kennzeichnung der verschiedenen
Textteile ist für die Theologiegeschichte nicht unwichtig.
Die erste französische Übersetzung von 1536 wird auf
diese Weise aber nur in der Einleitung und im 5. Kapitel

zösische Übersetzung der Institutio, nachdem die Ausgabe von 1911 I herausgeschält und in den beiden noch ausstehenden

längst vergriffen ist, neu herausgegeben wird. Die Erstausgabe ist äußerst ; Bänden in Kapitel 10—16.

selten. Bisher waren nur 5 Exemplare bekannt. Der Herausg. kann Versehen bei dieser Kenn/eirhnnno- • in RH i Q 17 71 ■ «

mitteilen, daß die Nationalbibliothek in Paris ein weiteres besitzt. Nicht M539, z 7 voTunten (15361 9 ft V, ' !- 3 7 :

*u wissen schein, er, daß ein Exemplar in der Bibliotheque municipale J «gj-ßgl. > /6 vorZ 3d„fl^: [.536 ;

*u Bordeaux auf gefunden worden ist. _ . Xext von 1539 s „3 z ,3_24 T; - ' v

Soweit ohne direkte Vergleichung mit dem Or.ginaldruck der uns ' < « '«t von 1539 ^194 Z. 8 v u.

tader nicht zur Verfügung steht, eine Feststellung getroffen werden kann, • 4 v u lies 1539 S 227 Z 1 „

ZLTKtZ"dm' neX7 T Tp'"«;JZliT™ bis S' 228' 4 Text von 1539; u..w m MM

sorgfal,,K wiedergegeben ist. Die Zeichensetzung ist modern» ert wor- ejnze,nen Textstucke mQBte als wenn sje überha t vorgenommen wird

Abd Marginalien sind unter dem Text in kurs.ven Lettern zum bedeutend sorgfältiger erfolgen. Pt vorSenommen ™«J.

ruck gebracht. _ , Wir hoffen, daß die in schönem Druck dargebotene Neuaus^abe

«tehtÄ Sl"d e!"!^,Ve^n unterlaufen: z.B. Bd. I S. 3. Anm 1 bald vo]lständiK VQrlj wM md , d g^e

Anm "9'Cht °ng,"al(; £ 'l' oom* ' "? n1 ■ Hon Ii'- I 22 de" die Mängel beseitigt wrde"' die wir gezeigt haben, um dem

2, im Or.g.: Matt. 24 ; S. 22, Anm. 1, im Ong. Horn. 11 S. 22 | bedeutsamen Werke ,b dj

Anm. 5, im Orig.: Ii. 5. c. 18; S. 33 hinter Anm. 2 im Ong.: Au dict 1

lleu; S. 33, Anm. 5, im Orig.: Luc. 2; Anm. 7: 2. Cor. 2; Anm. 8: I In demselben Jahre, in dem die französische Übertragung der In-

1-Cor. 14; S. 34, Anm. 1, im Orig.: 1. Jean 3. | stitutio in ihrer zweiten Form in neuer Ausgabe zu erscheinen begann

Da die ursprünglichen Marginalien nicht die Fundorte aller Zitate ^ kam auch der erste Band der Institutio von 1559 in deut-

angeben, die im Texte vorkommen, werden sie in den Fußnoten durch , scher Sprache, neu übersetzt von dem Professor für reformierte

Angaben, die in gewöhnlichen Lettern gesetzt sind, ergänzt. Diese sind ! Theologie in Qöttingen, heraus. Die neue Übersetzung tritt an die

Heist - ebenso wie die Zutaten zu den im Original vorhandenen Mar- | Stelle der vergriffenen Übertragung von Prof. E. F. K. Müller, unter-

Binalien — der Neuausgabe der lateinischen Ausgabe der Institutio von scheidet sich von ihr aber dadurch, daß sie den Text nicht nur im Aus-

]559 in den Opera selecta Calvini, Bd. III — V, München 1928ff-, ent- zuge, sondern vollständig darbietet. Wir bekommen hier also in der

Uomnien (Druckfehler: Bd. 1, S. 18, Anm. 1 lies: Migne, 35, 1501; neueren Zeit zum ersten Male Calvins Hauptwerk ganz in deutscher

b- 20, Anm. 3 lies: U. ch. XXVIII, 135). i Sprache geschenkt. Bisher gab es nur eine zwar gute, aber doch recht

Buchstaben im Text verweisen auf erläuternde Anmerkun- altertümliche vollständige Verdeutschung aus dem Jahre 1572. Außerdem

Sen, die am Schluß eines jeden Bandes abgedruckt sind. Sie enthalten hat F. A. Krummacher vor 100 Jahren die beiden eisten Bücher der

"iteressante Sätze und Worte der lateinischen Textgrundlage und man- Institutio deutsch herausgegeben.

cn.eilei theologische und historische Randbemerkungen, die dem Ver- | Weber hat die vorhandenen Übersetzungen verwertet, aber sprach-

swndnis des Textes dienen sollen. Im 2. Bande hat nicht der Heraus- lieh doch ein einheitliches Qanzes geschaffen. Die Übertragung muß

Seber, sondern der um die Erforschung der Calvinischen Theologie wohl j in dem vorliegenden l. Bande, der Buch 1 und 2 der Institutio enthält,

v<?rdiente Genfer Pastor Max Dominica diese Anmerkungen beige- j als durchaus gelungen bezeichnet werden. Sie liest sich gut und gibt

steuert. Es ist sehr erfreulich, daß er für die Mitwirkung an diesem ] den Urtext genau wieder. Man kann dem Verf. für seine Mühewaltung

ei1 der Editionsarbeit gewonnen worden ist. i "ur dankbar sein.