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Ausgabe:

1938 Nr. 12

Spalte:

220

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Langosch, Karl

Titel/Untertitel:

Wilhelm Meyer aus Speyer und Paul von Winterfeld 1938

Rezensent:

Klapper, Joseph

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Seite 1

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219

Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 12.

220

chische Überlieferung in hohem Maße verdorben ist,
besonders auch starke Lücken aufweist. Das ergibt sich
einmal aus den griechischen Katenen und Scholienkommentaren
zu den Evangelien, deren Verfasser noch das
unbeschädigte Werk des Origenes vor sich gehabt haben
und durch reichliche Auszüge von seinem Urbestand
zeugen. Vor allem jedoch ist es zu ersehen aus der mit
Tomos XII 9 anhebenden lateinischen Übersetzung, die
wohl schon aus dem 6. Jahrhundert stammt. Hier haben
wir nämlich eine andere und vielfach ursprünglichere
Textgestalt vor uns. Schwerlich gehen beide
Formen auf Origenes selbst zurück — so dachten es sich
v. Harnack und Zahn. Vielmehr wird eine Matthäus,-
auslegung von einheitlicher Haltung erst später in der
Tradition mehrgestaltig geworden sein. Die hierdurch
gestellte Aufgabe, den ursprünglichen Text der Matthäuserklärung
wiederzugewinnen, hat erst der neue Herausgeber
bewußt in Angriff genommen. Seine Vorgänger
haben fast sämtlich die alte lateinische Übersetzung ganz
beiseite gelassen — so sogar nach Lommatzsch. Nur
bei de la Rue, wo der griechische Text von einer modernen
lateinischen Wiedergabe begleitet ist, wird der Alt-
lateiner wenigstens unter dem Strich zum Abdruck gebracht
(1740).

Dem gegenüber hat Klostermann (auch diesmal wieder
von E. Benz — neben anderen — unterstützt) sich
bestrebt, nicht nur für den griechischen und, was nötiger
war, den lateinischen Text die älteste erreichbare
Gestalt zu ermitteln, sondern vor allem sein Bemühen
darauf gerichtet, beide Rezensionen* wirklich in einander
zu arbeiten. Aus sehr einleuchtenden Gründen hat er
darauf verzichtet, aus der griechischen Überlieferung
sowie der lateinischen Übersetzung die beiden vorausliegende
griechische Urform zu rekonstruieren. Vielmehr
hat er beide greifbare Textgestalten, die griechische und
die lateinische, ganz so, wie sie sieh boten, in Parallelspalten
neben einander gestellt. Die zu Grunde
liegende Voraussetzung, daß beide Formen Abkömmlinge
einer Urgestalt sind, wird immer wieder zur
Versuchung, sich vom Griechen für den Lateiner oder
umgekehrt Verbesserungen eingeben zu lassen. Aufgenommen
sind in den Text und Apparat jedoch nur
solche Emendationen, die dem Herausgeber als „wenigstens
hochwahrscheinlich" vorkamen.

Der Forscher, der außer mit Origenes speziell in
Beziehung stehende Studien zu betreiben, auch dem in
mehr als einer Hinsicht wichtigen und lehrreichen Problem
der frühen Überlieferung altchristlicher Schriften
nachgeht, wird diese Ausgabe mit besonderem Danke begrüßen
.

Göttingen. W. Bauer.

Roth, Dr. theol. P. Bartholomäus O. F. M.: Franz von Mayronis
O. F. M. Sein Leben, seine Werke, seine Lehre vom Formalunterschied
in Gott. Werl i. Westf.: Franziskusdruckerei 1936. (XVI, 592 S.) 8°
= Franziskanische Forschungen, hrsg. v. P. Dr. Philotheus Bonner
O. F. M. u. P. Dr. Julian Kaup O. F. M., 3. Heft. RM 16—.

Diese Münchener Dissertation eines bayrischen Franziskaners
aus der Schule Martin Grabmanns ist ein schon
reifes, bedeutendes Werk; es hat die Philosophie- und
Theologiegeschichte des Spätmittelalters ganz namhaft
gefördert. Über den Franziskaner Franz von Meyronnes
(heute im Dep. Basses Alpes), lateinisch Franz de Mai-
ronis, einen der direkten und angesehensten Schüler
des Duns Skotus, seit 1323 längere Zeit Lehrer an der
Pariser theol. Fakultät, Verfasser sehr zahlreicher, meist
ungedruckter philosophischer und theologischer Werke,
einen der klarsten Vertreter der skotistischen Eigenlehren
, besonders der Lehre vom Formalunterschied in
Gott zwischen Wesenheit und Attributen, Wesenheit und
Proprietäten — wobei „formal" durchaus nicht = „bloß
formell", sondern = „ex natura rei" zu verstehen ist,
der genannte Unterschied in Gott demnach als ein
Mittelding zwischen dem „begrifflichen Unterschied cum
fundamento in re" (so lehren Thomas und seine Schüler
) und dem „rein begrifflichen oder bloß nominellen
Unterschied" (so lehren die Nominalisten) zu fas-
sen ist; f nach 1328 zu Piacenza — gab es bisher keine
Monographie. Roth hat sie nun mit gründlicher Ein-
i arbeitung und Schulung, mit besonders dankenswerter
| Erforschung des gedruckten und erstaunlich zahlreichen
handschriftlichen Bestands der Werke dieses gelehrten
! Skotisten, der sich übrigens auch gegenüber seinem Lehrer
Meinungsfreiheit erlaubte, geleistet. Die Arbeit ver-
j dient hohe Anerkennung, nicht nur wegen ihres In-
j halts, sondern auch wegen der Art seiner Darbietung:
: klar, in gutem Deutsch und mit höchst sorgfältigem
| Druck. In der mit wörtlichen Zitaten aus Mayrons
| Werken, mit Siglen und Abkürzungen, Literaturnachweir
! sen gefüllten Arbeit sind keine wesentlichen und ver-
I hältnismäßig nur wenige unbedeutende Druckfehler zu
j finden. Die vor 2 Jahren mit einer literatur- und einer
| philosophiegeschichtlichen Studie begonnene Sammlung
„Franziskanische Forschungen" sei der Beachtung sehr
empfohlen.

Tettnang (Württbg.). Wilhelm Koch.

Langosch, Karl: Wilhelm Meyer aus Speyer und Paul von
Winterfeld, Begründer der mittellateinischen Wissenschaft. Berlin:
Weidmannsche Buchhandlung 1936. (126 S.) gr. 8°. RM 2.50.

Die beiden bedeutendsten deutschen Vertreter der
mittellateinischen Philologie erhalten im dem Buche eine
verständnisvolle Würdigung; zugleich wird an ihrem
Schaffen die Verflechtung dieses Forschungszweiges mit
der Deutschkunde, der Altphilologie, der Geschichte und
nicht zuletzt der Theologie erwiesen. Zwei typisch
deutsche Menschen verschiedener Prägung treten uns
in ihrem Leben und Werke entgegen. W. Meyer (1845
bis 1917) ist der kleinbürgerliche Pfälzer, trocken und
zäh, ein Philologe. Ihm bleiben Fragen der Form, Geschichte
von Rhythmus und Vers das Wesentliche. Den
Forschungsstoff bieten ihm vielfach Zufallsfunde im Gesamtgebiete
der lateinischen christlichen Literatur: Antichristspiel
, Abaelard, Fragmenta Burana, Venantius For-
tuuatus, irische und mozarabische Liturgie, Hilarius von
Portiers, um nur einiges für die Theologie Bedeutende
zu nennen. — Winterfeld (1872—1905), der ostdeutsche
Adlige beschränkt seine Forschung auf Dichtungen
deutschen Gehalts (Zeit Karls d. Gr. und Werke
der Hrotswit), um das deutscheste daraus von den Fesseln
des fremden Sprachstils zu lösen und dem Leser
in zeitechtem deutschem Gewände zu erschließen:
Waltherlied und andere Gedichte des 9. Jhds. Diese von
genialer Einfühlung und Schöpferkraft zeugenden Übersetzungen
sind mit Einschluß der grundlegenden Sequenzen
-Studien in den „Deutschen Dichtern des lateinischen
Mittelalters" von H. Reich (1913) zusammengefaßt
worden.

Langosch erfüllt eine Dankespflicht zwei vorbildlichen
deutschen Gelehrten gegenüber; er lenkt den
Blick auf den völkischen Wert der durch sie begründeten
Forschung.

Breslau._ J. Klapper.

Geißler, D. Bruno: Die Glaubensgenossen. Hilfsbuch f. evangel.
Religionsunterricht und Gemeindejugendarbeit. Frankfurt a. M.: Moritz
Diesterweg 1937. (96 S.) 8°. Geb. RM 2.80.

Das Buch soll helfen, die Anliegen der Diaspora
in der evangelischen J ugend mehr als bisher zur Geltung
zu bringen. Gedacht ist dabei an den Religionsl-
und Konfirmandenunterricht, aber auch an die Arbeit
an den Schulentlassenen. Generalsekretär D. Geißler,
Studienrat Fikenscher (Ansbach), Pfarrer H. Menzel
(Bochum) haben zusammengearbeitet, ohne daß der Anteil
des Einzelnen kenntlich gemacht wurde. Der erste,
mehr grundsätzliche Teil, gibt Ausführungen über den
Begriff der Diaspora, den Dienst der Kirche an ihr
und einen „Überblick über die Lage", der das Tatsächliche
in knapper Form vermittelt. Den zweiten Teil bildet
eine aus 20 Stücken bestehende Beispielsammlung,
die anschauliche Bilder „vom Kreuz und Leid der
Diaspora, von ihrer tapferen Treue, von unserer (des