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Ausgabe:

1937

Spalte:

137

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rohde, Georg

Titel/Untertitel:

Die Kultsatzungen der römischen Pontifices 1937

Rezensent:

Clemen, Carl

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung; von Prof. D. HERMANN DÖRRIKS, Göttingen, und Prof. 1). Dr. GEORG WO BBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Berlin.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

.Manuskripte und jtelrhrie Mitteilungen aind a u s I c h I i e 11 i ch an Professor D. BAUER in Göttinpen, Düstere Eicbrnweg 14, au senden,
Rezensionsexemplare auanchlie&lich an den Verlag. Gewahr für Besprechung von unTerlnngt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

Hrinted in Germany.

J. C. HINRICHS VERLAG, LEIPZIG Cl
62. JAHRGANG, Nr.8 10. APRIL 1937

Spalte

Beiträge zur Sächsischen Kirchengeschichte
(Lerche)...................145

Blätter für württembergische Kirchcnge-
schichte (Bosscrt)..............145

Campen hausen: Die Idee des Martyriums
in der alten Kirche (Koch)........141

Diehl: Erlösung vom Irrwahn (Witte) . . 152

Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte

Spalte Spalte

des Protestantismus im ehemaligen und Pontifices (Gemen)............ 137

im neuen Österreich (Bossert).......145[Sc h o m er u s: Die Religion der Nordgermanen
(Gemen).............. 138

Stutz: Papst Alexander III. gegen die Freiung

langobardischer Eigenkirchen (Klewitz) . . 144
Würthwein: Der 'amm ha'arez im Alten

Testament (Rost).............. 139

Zwingliana (Bossert)............. 145

Mittring: Das Christusgeheimnis (Michel) 140
Müssen wir heute lutherisch oder reformiert

sein ? (Schulze)...............150

Reble: Schleiermachers Kulturphilosophie

(Wenning).................146

Roh de: Die Kultsatzungen der römischen

Rohde, Georg: Die Kultsatzungen der römischen Pontifices.

Berlin: Alfred Töpelmann 1936. (VIII, 179 S.) gr. 8°. = Religions-
geschichtl. Versuche u. Vorarbeiten. Bd. 25. RM 9—.

Schomerus, Dr. Rudolf: Die Religion der Nordgermanen im

Spiegel christlicher Darstellungen. Borna: Robert Noske 1936. (IV, 164
S.) 8°. Kart. RM 6.60.

Unter Kultsatzungen der römischen Pontifices ver- . Diese ausgezeichnete Qöttinger Doktordissertation
steht Rohde genauer die eigentlich charakteristischen .: will zunächst untersuchen, welche Stellung die Verfas-
Aufzeichnungen dieser, die am häufigsten UM oder j ser der christlichen Quellen zur nordgermanischen Reli-
commentarii pontificum genannt werden, und möchte sie, ; gion dieser gegenüber einnehmen, ob sie objektiv be-
obwohl sie von den ältesten Zeiten Generationen hin- richten, oder ob und wie sie die wirklichen Verhältnisse
durch ergänzt und fortgebildet wurden und obwohl i entstellen oder verfälschen. Und zwar behandelt sie
nichts oder so gut wie nichts von ihnen im Original I in ihrem Hauptteil diese verschiedenen Haltungen nacherhalten
ist, wiederherzustellen suchen. Auch von den ; einander, während sie im Schlußabschnitt die Grund-

Zeugen für sie sind neben Varro nur Verrius Flaccus
und seine Epitomatoren zuverlässig, doch müssen jene
Urkunden außerdem manchmal unter den sacra (pontifi-
calia) oder sacrificia verstanden werden. Jeder einzelne
commentai ins trug wohl den Nainen der Gottheit, deren
Kultsatzungen er enthielt; wie sie angelegt waren, ist

haltung der einzelnen Quellengruppen (der norwegischisländischen
Literatur, der lateinischen Geschichtsschreibung
Dänemarks und der englischen, griechischen und
vor allen lateinischen Quellen des Auslands) beleuchtet.
So wird in dem ersten Kapitel die objektive Schilderung
der nordischen Religion behandelt, wie sie sich so-

aus dem commentarlum Utdorum saecularium und den wohl vor ihrer Berührung mit der christlichen Mis-
Arvalaktcn zu erschließen, obwohl diese selbst keine ' sion, als beim Abwehrkampf gegen diese findet. Weiter-

pontifikalen Dokumente waren. Auch Cato gibt in den
Kapiteln seiner Schrift über den Landbau, die von Kultverrichtungen
handeln, die Gebete an, welche bei den
einzelnen Opfern auszusprechen waren, und in den Formen
und Mitteln bestand kein grundsätzlicher Unterschied
zwischen dem häuslichen und dem staatlichen

hin bespricht Sch. die gelehrte Deutung und dichterische
Fortbildung der heidnischen Götter oder genauer ihre
Gleichsetzung mit antiken Göttern, den Euhemerismus
der Isländer und Norweger sowie Saxos, und ihre Darstellung
als überirdischer Wesen bei demselben und in
der Fornaldarsaga. Das führt von selbst zu der Herab-

Kult. Immerhin sind dies alles nur Parallelen, aber | Setzung und Verfälschung der heidnischen Religion durch

als Hilfsmittel, unser Bild der pontifikalen cominentaäi | Dämonisierung und Verächtlichmachung der Götter wei-

zu bereichern, kann auch der römische Kalender dienen, | ter; daneben erfolgt eine solche durch Entstellung des

dem viel reichere Aufzeichnungen der Priester über i heidnischen Kults und Herabsetzung der heidnischen

die Feste des Jahres zugrunde gelegen haben müssen.
Und zwar hatten, wie es von den Saliern überliefert ist,
die einzelnen im Pontifikalkollegium vereinigten Prie-
stertümer wohl besondere, für die ihnen anvertrauten
Kulte geltende Aufzeichnungen. So wissen wir namentlich
über die Pflichten der Vestalinnen genau Bescheid,
wenngleich die Nachrichten auch darüber von verschiedenein
Werte sind. Vollends über Entstehung, Erweiterung
und Veränderung der pontifikalen Kultsatzungen
können wir nur Vermutungen anstellen, und ihre
Nachwirkung in der antiquarischen und sakralrechtlichen
Literatur kann wenigstens hier außer Betracht bleiben.
Als ganze unterrichtet die Untersuchung in mustergültiger
Weise über eine bisher nicht genügend geklärte
Seite der römischen Religion, die auch von allgemeinein
u"d phämenologischem Interesse sein dürfte.

Nonn. Girl Clernen.

1:57

Sittlichkeit. Aber im Gegensatz dazu — das schildert
das letzte Kapitel — wird das Heidentum auch manchmal
an das Christentum herangerückt, teils durch Idealisierung
der heidnischen Religion und Vorverlegung
christlicher Gedanken ins Heidentum, teils durch Schilderung
einer dem Christentum freundlichen Haltung der
Heiden.

Bei alledem handelt es sich, wie gesagt, nach dem
Verfasser um Verfälschungen der nordischen Relioton
aber zugleich zeigt er doch — und das wird für viele
Leser noch interessanter sein — nicht nur in dem ersten
Kapitel, das noch etwas weiter hätte ausgestaltet werden
können, daß sie vielfach objektiv geschildert wird,
sondern frägt er auch in den spätem immer, ob und wie
weit die Beschreibung derselben selbst in diesen Fällen
auf Tatsachen beruht. So bekommen wir namentlich
eine ausführliche Untersuchung der Götterbilder und

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