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Ausgabe:

1937 Nr. 1

Spalte:

293

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dietrich, Martin

Titel/Untertitel:

Theologische Ontologie im Anglikanismus 1937

Rezensent:

Piper, Otto A.

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Seite 1

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293

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 15/16.

294

In der vom evangelischen Presseverband für West- Der Generalsuperintendent D. Dr. Schian hat in sei-

falen herausgegebenen Monatsschrift „Das Evangelische nem Tusoulum in Sybillenort/Schl. ein Buch heraus-
Westfalen" hat im Jahre 1935 Professor D. Karl gehen lassen, in dem er Ratschläge und Wünsche für
Bauer in Münster/Westfalen eine Aufsatzreihe zur üe- , junge Pfarrer gibt. Seine früheren Bücher enthalten das
schichte der rheinisch-westfälischen Kirchenordnung von J geschichtliche Material reichhaltig und Schian hat hier
1835 veröffentlicht. Diese Aufsatzreihe, die einem wei- darauf verzichtet, die Dinge zu wiederholen (vgl. be-
teren Kreise durch Veröffentlichung in Buchform (im sonders seinen Grundriß der prakt. Theologie),
westdeutschen Lutherverlage in Witten 1936) bekannt Schon die Kapitelüberschriften (1. Amtsanfang, 2.

wurde, hat einiges Aufsehen erregt zumal wegen des ! Das Gotteshaus, 3. Das Pfarrhaus, 4. Die Gemeinde,
absprechenden Urteils, das Bauer'über das ostelbische : 5. Die Führenden, 6. Der Gottesdienst, 7. Die Predigt,
Luthertum abgab. In einer Auseinandersetzung mit 8. Die Abendmahlsfeier, 9. Die Amtshandlungen, 10. Die
„lutherischen" Gegnern verteidigt D. Bauer seinen Stand- ' Konfirmanden, 11. Die Seelsorge, 12. Äußere Pflichten,
punkt, für dessen Richtigkeit er eine Reihe schwer ! 13. Außerordentliches, 14. Die Amtsbüder, 15. Abschluß)
wieoender Tatsachen und Lutherworte anführt („Das ; zeigen, wie reichhaltig das Buch ist. Doch gibt Schian
Evangelische Westfalen 1937: Nr. 2 Sp. 18 ff.). — In ( überall nur Anregungen, die auf einer langjährigen Pra-
dieses seit Jahrhunderten weithin unlebendige, durch xis beruhen. Die Form des Buches ist aber etwas sehr
die Union aber gewiß nicht aufgefrischte und angeregte , aphoristisch. Der „junge Pfarrer" wird nur -mit Mühe
Luthertum der Mark im 19. Jahrhundert führt die volks- ; die Tragweite der einzelnen Sätze erkennen. Auch fehlt
tümliche Kirchengeschichte der Mark im 19. Jahrhundert : dem Buch eine Generalidee, welche den Leser von Ka-
Lehmanns ein. Der Verfasser rundet damit seine in j pitel zu Kapitel weiterführt. Bei einzelnen Abschnitten
zwei ebenfalls volkstümlich gehaltenen Bänden gege- 1 kann man auch den Wunsch nicht unterdrücken, daß
benen Bilder aus der Reformationsgeschichte (bis 1600) j Schian etwas mehr aus der Geschichte und dem psycho-
und aus der Kirchengeschichte der Mark Brandenburg i logischen Unterbau mitteile, so beim Gotteshaus einen
(1600—1817) zu einer Gesamtübersicht über die evan- ■ Hinweis auf die Bedeutung der Geschichte des gottes-
gelische Kirchengeschichte der Mark Brandenburg ab. j dienstlichen Gebäudes. Auch beim Patronat vermisse
Die nur die Geschichte der evangelisch unierten Lan- j ich eine ausführliche Begründung der Bedeutung desselben
. „Geld, Geld" ist dem Fachkollegen verständlich
, aber dem jungen Pfarrer nicht, denn er kennt
nicht den inneren Zusammenhang der heutigen Verhältnisse
mit dem mittelalterlichen Patronatäsystem. Bei
dem Abschnitt „Gottesdienst" vermisse ich eine ein-

deskirche berücksichtigende Darstellung Lehmanns bie
tet in mancher Hinsicht eine beachtliche Ergänzung
zu Wendlands 700 Jahren Kirchengeschichte Berlins
(1930), entzieht sich aber als betont volkstümliche Darstellung
, die etwa auf dem Standpunkte des Propstes

Hermann v. d. Goltz beharrt, der wissenschaftlichen I gellendere BeriicksirhtimimrT ,

Einzelerörterung. JCKsichtigung von dem „Gemeindegesang

Ber'in- Otto Lerche.

D i etri ch, Lic. Martin: Theologische Ontologie im modernen

Anglikanismus. Mit Geleitwort von Prof. D. Dr. H. Frick. Berlin:

Alfred Töpelniann 1936. (VII, 141 S.) gr. 8°. RM 8—.

Der Verf. berichtet über den Ertrag seiner Beschäftigung
mit anglikanischer Theologie während eines in
England verbrachten Studienjahres. Er schildert im wesentlichen
zwei Typen, einen u. a. von Temple, Matthew
und Mozley vertretenen Platonismus, und einen
durch Streeter und seinen Kreis vertretenen Realismus, j Tm£ a v

<;+;/^,.,nr+ +kp,r,tnoiSr-i™> !__Li/ j '>LI.rze, der Anmerkungen, die leicht verum
! Chorgesang". Auch hier wäre eine gründlichere
Orientierung über die Bedeutung der beiden Formen vom
gottesdienstlichen Gesang nötig. Was Schian über die
„Predigt" schreibt, ist besonders beherzigenswert, geht
aber hier nicht genug in die Tiefe. Die kurzen Sät/e
sind nicht ohne weiteres verständlich. Hier wäre entscheidend
die Herausstellung des Wortes der Verkündigung
als Wort Gottes im Unterschied vom Menschenwort
. Es ist aber begreiflich, daß der Verfasser keine
Lust hat, in den modernen Kirchenstreit einzugreifen,
aber ganz so kurz lassen sich alle zentralen Fragen nicht
abweisen.

die unter dem etwas vagen Stichwort „theologische , mehrt werden könnten tragt das |uc'h duTchaus d "

Charakter einer tieferen Wegführung in die Probleme
des heutigen Pfarramtes und wird auch manchem Pfarrer
, der längst im Amt ist, wertvolle Anregungen geben.

Greifsvrald. Ed. von der Goltz.

Ontologie" zusammengefaßt werden. Sein Bericht kon
zentriert sich auf die beiden Problemkreise der „metaphysischen
" Prädikate Gottes (S. 3—50) und der Tri-
nitätslehre (S. 51—99). Dadurch daß jeder der herangezogenen
Theologen in beiden Kapiteln behandelt wird,

ist es dem nicht sachkundigen Leser schwer gemacht, (

ein zusammenhängendes Bild der Theologie: der ein- i Moser,D.Dr. Hans Joachim: Heinrich Schütz.Sein Leben und Werk.

Zelnen Männer ZU gewinnen. D. beschränkt Sich im Kassel: Bärenreiter-Verlag 1936. (XVI, 648 S.) gr. 8°. RM 18--Reb 22 50

.berichtenden Teile im wesentlichen ^^™^> Nach fünfzehnjährigen Studien hat Hans Joachim Mo-

Urtril ist nur se ten ^*g™J Zusammen- ser ei"'e Monographie über Heinrich Schürz vorgelegt,

dritter Teil (S^ 109-13 )'^f5^^^^. < die in Zukunft in der vordersten Reihe der StanJwerke

fassung und Meditation' genannt, hangt m«<*m vor der deutschen Musikwissenschaft genannt werden wird

angehenden nur sehr lose «nd n ^ ^ J Haupt-

^^^"^^J^I^EaS^^^ Ss , teii <s- l~2W das Le^n des großen deutschen Früh-

og.schen Prinzipienlehre und ^"^s™~mHe^rS ( barockmeisters. In bewundernswerter Kleinarbeit und

Verf. ,n starker Anlehnung an Gedanken von Heinr. | großartiger Zusammenschau entwirft Moser ein lebens-

». • es r-, „ • A,a Op-Hnnkenwelt o-e- getreues und äußerst plastisches Bild. Er hat die ge-

Als eme erste Einführung in ^J^ff^u^ samter< Forschungsergebnisse seit der Wiederentdeckung

wisser anglikanischer Theologen wirdJ.e Sehn« viU deg Meisters durcn q von W:nterfcW bis /u der!

leicht manchem eine Hilfe sein. Man.muß fre, ggj« DClKtten musikwissenschaftlichen Bemühungen in seine

tal Auge behalten, daß die vom Verf. g"^™*™ j Darsstellung einbezogen und ihnen eine Menae 2££

Theologen nur zwei der verschiedenen Schu eu des mo- Erkenintnisse hinzugefügt. Mit erfreulichem Weit-

^r'-en. Anglikanismus vertreten Statt Hodgeson (b. ^ ^ Mos£r h Z geisti' en m d

72 ff.) ist durchweg Hodgson zu lesen. ; religiÖ9en Bewegungen seiner Zeit hinein u.Id St "u

Bangor, N. Wales. Otto A.Ii per. ; gleich ein treffendes musikgeschichtliches Zeitbild

-__--- Den geistesgeschichtlichen Rahmen für den bio-

Schian.n Dr Martin: Der junge Pfarrer. Grundsätzliches und graphischen Teil geben die Abschnitte „Die deutsche

Praktisches 71,r Führung des Amts Dresden: C. Ludwig Ungelenk j Weh, als Schutz geboren wurde" Und das Schlußkapitel

1936. (120 S.) 8°. Geb. RM 2.40. , „Die deutsche Welt, als Schütz starb". In neun ge-