Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1936

Spalte:

170-174

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hoffmann, Ernst

Titel/Untertitel:

Platonismus und Mystik im Altertum 1936

Rezensent:

Luther, Wilhelm Martin

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unier Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES, Göttingen, und Prof. D. Dr. GEORG WO BBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Berlin.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskript? und arlrhrte Mittriluneen sin«! n u s ■ c h 1 i r 11 i ch an Professor D. BAUKR in Güttingen, Düstere Eichrnweg 14, zu «enden,
Rezensionsexemplare auaachlieulich an den Verlag. Gewähr für tleaprechunir von unverlangt gesandten Kezensiona*
exemplarcn, besonder« noch bei Zusendung nach Güttingen, kann nicht übernommen werden.

Frintcd in Germany.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

61. JAHRGANG, Nr. 10 9. MAI 1936

Spalte

Berger: Die Sturmtruppen der Reformation
(Stockhaus)..............183

Budge: The Contendings of The Apostels
(Duensing).................181

Butler: The Vatican Council (Schmidt). -1,04

— Das Vatikanische Konzil (Ders.).....'

Dehn: Oesetz oder Evangelium ?(Seesemann) ISO
Gloria: Der Pietismus als Förderer der

Volksbildung (Schlemmer).........185

Ooodenough: By Light, Light (Leipoldt) 175

Spalte

Die Handschriften der Bischöfl. Ordinariats-
bibliothek in Augsburg (Walther).....182

Hern tri ch: Ihr sollt meine Zeugen sein
(Usener)..................191

Hess: Das religiöse Bedürfnis (Zeltner) . . 187

Hoff mann: Piatonismus und Mystik im
Altertum (Luther).............170

Lämmerzahl: Der Sündenfall in der Philosophie
des deutschen Idealismus (Schultz) . 186

Le Fort: Die ewige Frau (Kesscler). ... 189

Spalte

Meyer-Erlach: Universität und Volk

(Merkel)................... 190

T i 11 m a n n : Die kathol. Sittenlehre (Steifer) 188

Tögel: Germanenglaube (Schmidt)..... 169

Waag: Deutsche Lehrerschaft und deutsche

Kirche (Schian)............... 190

Watzinger: Denkmäler Palästinas (Galling) 174

Weber: Die Götter der Edda (Kesseler). . 170
Ziegler: Untersuchungen zur Septuagiiita

des Buches Isaias (Bertram)........ 176

Zoellner: Der erste Petrusbrief (Michel) 192

Tögel, Hermann: Germanenglaube. Drei Jahrtausende germanisches
Gottgefühl. 2., neu bearbeitete Aufl. Leipzig: Julius Klinkhardt 1935.
(XII, 236 S. m. 1 Zeittaf.) 8°. = Der Werdegang der christl. Religion,
Bd. V. Geb. RM 6.80.

Das Buch Tögels, dessen 2. Aufl. eine völlig neue
Bearbeitung bietet, ist durch zweierlei charakterisiert.
Einmal: Der Verf. ist der Überzeugung, daß der Germanenglaube
auch für den christlichen Religionsunterricht
konstitutiv ist, weil er ihn für eine der Quellen
unseres deutschen Christentums hält. „Unsere Auf- ,
gäbe muß sein, unser Christentum mit deutscheren- ;
giösem Fühlen zu sättigen" (S. VI, geschrieben 1926!).
Nur so kann er das Buch auch in die Sammlung „Der
Werdegang der christlichen Religion" einreihen. Daneben
versucht er jeweils, hinter den Erscheinungsformen
germanischen Glaubens die sie tragenden „Gefühle
" zu erfassen. „Die Vorstellungen, mit denen
unsere Vorfahren ihre religiösen Gefühle verknüpften,
können wir gar nicht mit Zustimmung festhalten, auch
wenn wir es wollten; aber die frommen Gefühle, die
sie einstmals durch sie zum Ausdruck brachten, wollen
wir aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart heraufnehmen
und in unsere christlichen Gefühle einfließen
lassen".

Der Rezensent kann leider zu beiden Dingen nur Nein
sagen. Weder wird der Verf. auf diese Weise der germanischen
Religion gerecht, für die Herbheit und aus I
Handeln quellende höchste Tragik charakteristisch sind
und nicht erhabene Gefühle, noch dem geistigen Ringen
der Gegenwart. Der Rezensent bedauert, trotz '
der Warmherzigkeit, mit der das Buch geschrieben ist, !
kein anderes Urteil abgeben zu können.

Inhalt: I. Urfrömmigkeit (Machtglaube, Zauber- I
glaube, Totenglaube. Naturglaube, Sonnenglaube, Wald-
und Baumglaube, Tierglaube, Geisterglaube), II. Die
großen Götter (Frühlingsglaube, der alte Himmelsgott,
3er Hammergott, Unsere liebe Frau, der faustische
Gott), III. Am Ende der Germanenzeit (Altsächsische
Frömmigkeit, Nordische Opferfeste, Germanische Sitt- j
liebkeit, Bilder nordischer Frömmigkeit, Nach dem Tode,
Das Schicksal, Der Götter Untergang), IV. Der Sieg
des Christentums, V. Nachklänge (Dauerndes, Neuschöpfung
, Die deutsche Weihnacht, Die Externsteine)
Kiel. Kurt Dietrich Schm idt.

169

W e b e r, Leopold: Die Götter der Edda. München: R. Olden-
bourg 1934. (184 S.) 8°. RM 2.80; geb. 3.60.

Die vorliegende Edda-Ausgabe, die die Göttersagen
enthält, ist recht eindrucksvoll. Der Ausdruck ist fließend
, plastisch und von künstlerischer Schönheit. Je
zwei Halbverse sind zu einer Langzeile verbunden durch
Stabreime, die sich zwanglos fügen. Beim Lesen vergißt
man fast, daß eine Übersetzung vorliegt, (int
orientierend ist die klare, knappe und doch gehaltvolle
Einleitung, eine gute Einführung in den Glauben unserer
Väter. Bedauert habe ich das Fehlen näherer Erläuterungen
, die das Verständnis der Götterlieder wesentlich
fördern könnten.

Der Verfasser hat durchaus recht, daß man an diese
Lieder mit dem platten Verstand nicht herankommt,
sondern daß es liebevoller Einfühlung bedarf: „Zum
Geheimnis gehört hier der Schleier. Es gehört vor
allem Gefühl für ursprüngliches naturnahes Leben dazu
." Man kann ihm auch folgen, wenn er abschließend
sagt: „Blut von unserem Blute ist's, das in diesen
Mythen pulst; es lebt ein Wesenswille darin, der einst
auch unseren Herzschlag trieb. Die Formen des alten
Glaubens sind längst und für immer zerbrochen —
möge der Geist, der sie schuf, in uns zu neuem Leben
erstarken und den Sieg behalten über das Artfremde
in uns."

Nur eins muß klar gesagt werden: die nordische
Mythologie und der christliche Glaube gehören zwei
verschiedenen Bezirken an. Die germanischen Götterlieder
können unser Rassegefühl stärken, den germanischen
Geist wecken, Verbindungen über Jahrtausende
mit unseren Ahnen herstellen. Möchten sie das in
höchstem Maße tun und damit lang Versäumtes nachholen
! Unser christlicher Glaube aber weiß, daß all'
das Genannte unter einem letzten Anspruch steht, unter
Gottes Schöpfungs- und Erlösungswillen. Man soll mit
stolzem Bewußtsein in der germanischen Lebenswelt
stehen und doch in aller Demut auch hier Gott gehorsam
sein.

Düsseldorf. Kurt Kesseler.

Hoff mann, Ernst: Piatonismus und Mystik im Altertum.

Heidelberg: Carl Winters Univ.-Bchh. 1935. (III, 158 S. m. 2 Taf.)
gr. 8°. = Sitzungsber. d. Heidelb. Akademie d. Wiss. Philos.-hist. Kl.
1934/5, 2. Abh. RM 8 - .

170

•TÜB.