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Ausgabe:

1936 Nr. 8

Spalte:

145-147

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mandel, Hermann

Titel/Untertitel:

Metapsychologie 1936

Rezensent:

Merkel, Franz Rudolf

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Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 8.

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in die holländischen jansenistischen Streitigkeiten hinein
durch ein ausgiebiges Referat über die wahrscheinlich
von Quesnel stammende Schrift: „La foi et Finno-
cence du clerge de Hollande defendues contre un li-
belle diffamatoire, intitule: „Memoire touchant le pro-
gres du Jansenisme en Hollande'", 1700. — Das von
J. S. van Veen mitgeteilte „Eigenaardig legaat"
stammt aus dem Jahre 1725 und betrifft eine Stiftung |
zur Austeilung von Büchern Voetianischer Richtung. — |
J. de Groot: De Conventus praeparatorius van mel j
1607 gibt eine auf den Akten aufgebaute Darstellung ,
dieser für die Geschichte der holländischen Remonstran- j
ten wichtigen Versammlung, mit dem Ergebnis: der
Plan Oldenbarnevelds, hier eine Konferenz von Prä- j
dikanten und Professoren als Privatpersonen zusam- |
inenzubrigen, scheiterte, da die Teilnehmer durch In- j
struktionen ihrer Synoden gebunden wurden; die Arminianer
sahen . sich, trotzdem die Versammlung einig j
war, die h. Schrift über das Bekenntnis zu stellen,
einer geschlossenen orthodoxen Mehrheit gegenüber. —
J. J. Poortman: Ks. Hoorwegs „Bezwaren van een
Wijsgeer tegen den christelijken Godsdienst" in ver-
/ band met de verbreiding van de Philosophie der Ver-
lichting in Nedeiiand, führt in die Ausläufer der holländischen
Aufklärung hinein durch Mitteilung einer
aus dem Jahre 1828 stammenden, stark französischen i
Einfluß (Voltaire) verratenden Schrift. Die Angriffsfläche
des Christentums für den Aufklärer bieten der i
Schöpfergott, die Versöhnungslehre, die Totenauferstehung
, die Wunder u. a.; der Vf. nimmt dem gegenüber J
„eine ewige stoffliche Natur" an. — J. Kleyntjens: j
Jiri en Jan Lateiner erzählt die Lebensgeschichte zweier
„böhmischer Brüder", die durch die Schlacht am weißen i
Berge nach Holland verschlagen wurden. Jiri Lateiner 1
schrieb 1650 ein Buch: „Pauli apostoli peregrinatio
Caesarea Romam", 1641 „In conversionem Pauli apostoli
commentarius practicus". Albert Schweitzer in seiner
Geschichte der pauliiiischen Forschung erwähnt beide
Schriften nicht. Auch der Bruder Jan war literarisch j
tätig. — J- N. Bakhuizen van den Brink: Een
Geuzerie te Breedevoort in 1572 bringt Aktenstücke
zu der Wirksamkeit des Predigers Arnold Daniels. —
David de Kok: Een Bibliotheca Neerlandica catholica
entwirft als Franziskaner das Programm zu einem ka- j
tholischen Parallelwerk zu der bekannten Bibliotheca
reformatoria Neerlandica, das sowohl katholische Schriften
zur Vorbereitungszeit der Reformation. (Ablaßstraktate
, von denen einige analysiert werden), als auch
Traktate der Gegenreformation und des Anti-Jansenismus
enthalten soll. Hoffentlich wird der Plan Wirk-
lichkeit! — A. Hallema: Jets over de geschiedenis 1
der voormalige Luthersche Kerk en gemeene op Cura-
cao erzählt die bis 1684 zurückreichende Gemeindege- i
schichte. — H. L. Driessen: De instelling van
een Kerkeraad te Lunteren in 1674 veröffentlicht Aktenstücke
aus dem Reichsarchiv Arnheim, die ein lehrreiches
Bild von der auch die Kirchenzucht umfassenden
Wirksamkeit eines „Kirchenrates" bieten. — J.
Kleyntjens: De Poolsche gereformeerde Kerk te Wilna
(vgl. ob.) stellt dokumentarisch in höchst interessanter
Weise die Beziehungen zwischen der reformierten Gemein- j
de in Wilna und der Universität Leiden fest (Verbreitung
holländischer Bibeln, polnische Studenten in Leiden).—
J. Loosjes: De draaiende zeef bringt aus der Amster- j
damer lutherischen Gemeinde ein Beispiel von mit einem
Sieb getriebenem Aberglauben aus dem Jahre 1619.

Zahlreiche Bücherbesprechungen sind den einzelnen
Heften beigefügt.
Heidelberg. W.Köhler.

Mandel, Prof. D. Herrn.: Metapsychologie. Ein System. Beitrag
zur Glaubens- u. Religionsgeschichte der Menschheit. Anhang: Der
Unsterblichkeitsglaube der Menschheit. Leipzig: Joh. Ambr. Barth
1Q35. (XI, 189 S.) gr. 8°. = Abh. u. Monographien z. Philosophie
des Wirklichen, hrsg. v. E. R. Jaensch, Nr. 6. RM 9.—.

Der Vertreter der systematischen und vergleichenden
Religionswissenschaft an der Universität Kiel H.
Mandel gehört zu denjenigen Forschern, die die Probleme
bis in ihre letzten Konsequenzen durchdenken
und Kompromisse apologetischer Art streng vermeiden.
Das wird von der einen Seite sicher als Mangel angesehen
werden, während andere wieder trotz aller Erschütterungen
in letzte Tiefen des religiös-seelischen
Lebens gerne folgen werden. Wenn uns der Verfasser
hier mit einem Teil seines Hauptwerks .Metaphysik
der Wirklichkeit als Grundlegung organischer Weltanschauung
' unter dem Titel ,Metapsychologie', „ein systematischer
Beitrag zur Glaubens- und Religionsgeschichte
der Menschheit" bekannt macht, worin „die
seelischen Begründungsmöglichkeiten des Metaphysischen
und Religiösen systematisch entwickelt werden
sollen", so richtet sich dabei sein Blickpunkt vor
allem auf „das nach Inhalt oder Funktion übernormale
Seelenleben" sowie auf die Frage, wie dies „Seelenleben
aus sich mitwirke an dem Aufbau der metaphysisch
-religiösen Kultur der Menschheit". Hier ist ihm
vor allem an der „Aufhellung der übernormalen Haupterscheinungen
der Glaubens- und Religionsgeschichte"
gelegen, deren Wunder, Rätsel und Geheimnisse das
innerste Gebiet der Menschheitsgeschichte erfüllt haben.

„So sind besonders die morgenländischen Religionen, bis tief in
abendländisches Christentum hinein, entsprechend dem in ihnen wirksamen
Rassenseelentum (s. Mandels .Nordisch-deutsches Seelentum in
Gegensatz zum morgenländischen') voll, ja weithin getragen von parapsychischem
Erleben wie Eingebungen, Auditionen und Visionen, sei es
rein seelischer oder gar sinnlicher Art (Prophetentum, Bibelinspiration,
Christliche Mystik), ja von Automatismen (vgl. allein das Zungenreden:
Pfingsten!), von Berufungserlebnissen (von -den Propheten bis zu Jesus
und Paulus und manchen christlichen Kündern) und suggestive Begabungen
und Wirksamkeiten (besonders auch Suggestivtherapie : Evangelien,
Ausgang des Altertums), Geistbegabungen (urchristlicher Pneumatismus)
und Bekehrungserlebnissen (Sektenchristentum) und nocn anderen Erscheinungen
. Ja auch psychopathische Veranlagungen sind nicht selten
(Paulus und Mohammed!) . . "

Nicht aber nur morgenländische Religionsgeschichte bedarf der
Parapsychologie als erklärender Hilfswissenschaft, sondern auch arische.
Freilich neigt diese gemäß der ausgeprägten Seibsthaftigkeit und Aktivität
nordischen Menschentums mehr als zu passivierenden, entselbsten-
den Überwältigungserlebnissen geradezu zu einer selbsthaften Bearbeitung
des Seelentums, einer Psychotechnik, die das Höchste an Selbstbestimmung
und Aktivismus leistet, was überhaupt denkbar ist. Auch diese Möglichkeiten
gehören offenbar, als (vermeintliche) übernormale Seelenwege,
ins Metaphysische, in eine Para-Psychologie. Dazu sind endlich noch
die übersinnlichen Fähigkeiten zu erwähnen, die von vermeintlich übernatürlichen
Bewußtseinswirkungen (Telepathie, Telästhesie) bis zu vermeintlich
physischen Wundern (Telekinesie, Teleplastik) zu gehen scheinen.
Auch dieses ganze, in der Neuzeit immer wieder neu „aufgemachte"
(so möchte man wohl sagen!) Gebiet der okkulten Phänomene gehört
hierher" (S. 6f).

Mit allem Nachdruck betont der Verfasser, daß
seine kritische religiöse Anschauung nicht auf „übernatürliches
Erleben, noch auf besondere Offenbarungen
" sich gründe, sondern auf „die Empfänglichkeit
für die metaphysische Tiefe der natürlichen Lebenswirklichkeit
, wie sie die Wirklichkeitsreligion von Seiten
des Erlebens, die Wirklichkeitsmetaphysik von seifen
des Erkennens darzustellen" sucht. In dem
1. Hauptteil behandelt nun Mandel ,die natürlichen,
normalen, allgemeinseelischen Grundlagen metaphysischreligiöser
Gebilde: Die Anlagen und Neigungen des
Bewußtseins zu Glaube und Frömmigkeit' als , Genetische
Normal-Metapsychologie' und gibt darin eine
vielseitige Analyse des religiösen Sehnens „als gegen-
standhaltiges Letzterlebnis der Seele" in der religiösen
Lyrik, um damit die psychogenetisch-emotionalen
Grundlagen des Religiösen zu erweisen.

,Die besonderen, übernormalen seelischen Grundlagen
metaphysisch-religiöser Gebilde': die vermeintlichen
Überweltserlebnisse eines Überbewußtseins', also
eine .Genetische Para-Metapsychologie' bilden den Inhalt
des 2. Hauptteils, der die typischen parapsychologischen
Bewußtseinszustände untersucht, wie sie in der
Einengungs- oder Konzentrationsmystik (Meditations-