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Ausgabe:

1936 Nr. 8

Spalte:

144

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Kirkehistoriske Samlinger, 1934 1936

Rezensent:

Achelis, Thomas Otto

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143

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 8.

144

tet: „Eine spezielle kritische Behandlung der Colualbanischen
Kirche von Jona fehlte bisher", — so ist
hier nit unzertrennlich ein Anliegen der schottischen Ge-
schichts- und Heimatforschung verbunden, welches der
Edinburgher Gelehrte für das eigentliche Heimatland
der jColumban Cburch' herausgefunden und in seiner ;
quellenmäßig gut belegten Arbeit vorerst bewältigt hat.
Derselben fehlen nur leider einige ungern entbehrte,
möglichst bunte Übersichtskarten in dieser Auflage — j
(wiewohl solcher Anforderung leichter etwa für das 11.
und 12. Jahrhundert Deutschlands als für das 6. und 7.
Jahrhundert Britanniens zu genügen möglich sein
dürfte!)

Es ist wohl weniger ein Nachteil, eher ein Vorzug
des Duke'schen Buches, wenn es Duke, was wir
im Blick auf die beiden eben genannten Ausgangspunkte
verstehen, nicht jederzeit auf Vollständigikeit ankommt.
So sind, wo die Schilderung auf dem missionsgeschicht-
lkhen Höchstpunkt in England (Seite 87 und 88) anlangt
, weder Finan von Lindesfarne noch sein Missionsbischof
Cellach genannt —, die auch sonst ganz
unerwähnt bleiben. Überhaupt sind die großen Span- !
nungen der Missions- und ReligionsgeschicMe nicht in
das Buch hineingetragen worden. Daß die Darbietung
sich je zu einer religionsgeschichtlichen Gesamtschau
kirchengeschichtlicher Jahrhunderte erhöbe, wiewohl Veranlassung
dazu nahe lag, kann nicht gesagt werden.
Über das Druidentum wird nur im Rahmen von
Adamnans Leben Columbas gehandelt, vom angelsächsischen
Heidentum nichts geschildert. Der Verfasser
hält sich streng daran, unter Verzicht eines Neuaufbruches
zu spannenderen und — sagen wir einmal —
moderneren Fragestellungen, seinen Beitrag an eigener I
Forschung dadurch zu leisten, daß er zu älteren strittigen
Fragestellungen — in dieser Hinsicht ziemlich
lückenlos — abgewogene und gereifte Urteile gibt.
So fehlt es dem Buche doch nie an einer eigenen
Note, — schon ganz und gar nicht in den Anhängen,
wo es sich Duke nur in schwierigeren Fällen an einer
sorgfältigen Gegenüberstellung der bisherigen Ansichten
genügen läßt.

Muß so dem Verfasser, der ja nicht die bekannten
Compendien zur Geschichte der Keltischen Kirchen für
sein Thema ausschnittsweise wiederholen mochte, für
seine großzügige Behandlung der Aufgabe Gewähr gegeben
werden, so doch nicht mehr dann, wenn der Leser
auf demjenigen Felde Lücken herausfühlt, auf welchem
die Arbeit, gerade auf grund ihrer zusammengezogenen
neuen „columbanischen" Absicht, sich ganz als Herr
erweisen und alles Frühere übertreffen mußte. Zwar
weist Duke (S. 56) darauf hin, wie schwierig es sei,
nach den Quellen „to follow the sequence of events in
the life of St. Columba". Konnte aber nicht doch
sowohl die nordpiktische (563—597) als die mittelenglische
(633—664) Missionsgeschichte, jene beiden großen 1
sieghaften Bewegungen der Columban Church, um vieles j
deutlicher aufgehellt werden! Der nachdringende
Leser möchte hier gern sehr viel mehr wissen
und vor anschaulichere geschichtliche Wirk- '<
lichkeitsplastik sich gestellt wissen!

Zu den jüngsten konfessionellen Spannungen in .
England, von denen wir gerade aus Edinburgh, des Ver- I
fassers Heimat, jetzt öfter in den Zeitungen lesen, leitet
das vorliegende Buch des protestantischen Gelehrten
(vgl. den schönen Passus S. 138!) nun durch
nichts weiter über als daß es doch auch von katholischer
(irischer) Seite in einem Punkte eine ziemlich
scharfe Ablehnung erfahren hat. Der bekannte Kenner
der Geschichte der Keltischen Christenheit Dom
Louis Gougand hat in der Revue d'hist. eccl. Louv.
1932 (28) S. 890/91 der Behauptung von einer von
Rom unabhängigen nordirisch-westschottischen Kirche,
wie sie Duke vertritt, auf das lebhafteste widersprochen
und sogar den Titel des Duke'schen Buches für irreführend
erklärt, wenn er ohne richtige Erläuterung

bleibe. Der Gegensatz der beiden Forscher beschränkt
sich aber aufs Sachliche und wird leichter behoben „
sein, als die Irrtümer wieder ins rechte Licht gerückt
sind, welche ein in der D.A.Z. vom Sonntag, den
10. November 1935 „Von der irischen Mission zur
deutschen Reformation" betitelter Aufsatz von Dr. Friedrich
Müller-Roß verbreitet.

Zu den beiden von Gougand zu S. 69 „calcei"
und S. 119 „rnatrix eccl." gemachten Korrekturen seien
hier an kleineren Versehen noch genannt S. 41 unten:
„müßen"; S. 52: „surpass"; S. 93 Mitte: „Jewish eccl.
year"; S. 94 steht zweimal „sixtv-four" statt doch wohl
„eighty-four"!
Bad Doberan. Christof Schubart.

Kirkehistoriske Sämlingen Sjette Rakke. Udgivet af Selskabet for
Danmarks Kirkehistorie Vod J. Oskar Andersen. Forste Bind's andet
Hefte. Kopenhagen: O. E. C. Oad 1934. (243 S.) 8°. Kr. 5 — .

Das neue Heft der alten Zeitschrift1 wird mit einer
gründlichen Untersuchung von Hai Koch über die
Erzbischofswahl in Lund im Jahre 1177 eingeleitet;
er weist gegenüber Arup und Weibull nach, daß Saxos
Bericht darüber mit dem kanonischen Recht übereinstimmt
und der geschichtlichen Lage entspricht. Aus
der Reformationszeit steuert William Christensen
eine Biographie von Jens Thornerson Skriver,
einem Kanzleibeamten aus der Zeit König Christians
III. bei, und Björn Korn er up macht wahrscheinlich
, daß die durch Grundtvig berühmt gewordene
Prophezeiung Luthers über die nordische Kirche-'
aus seinen Tischreden (VI 366 Nr. 7068 Weimar. Ausg.)
stammt. Derselbe teilt 9 Briefe über die Vorbereitung
des Grafen Enevold Brandt zum Tode (1772) aus der
Schulbibliothek von Herlufsholm mit. Endlich finden
sich zwei Beiträge zur Geschichte des Kirchenliedes:
von Arne Moller über Thomas Kingos Passionslieder
und von Johannes Pedersen über „Christelig
Psalmebog" von 1798. Das Heft steht auf derselben
Höhe wie das vorige.
Hadersleben. Th. O. A c h e 1 i s.

Nederlandsch Archlef voor Kerkgeschiedenis. N. S. XXVII. s'Gra-
venhage: M. Nijhoff 1935. (255 S.) Fl. 10.-.

B. M. de Jonge van Ellemeet: Uit de ge-
schiedenis der Haarlemsche St. Bavo-Kerktijdens de re-
formatie en de scheiding van kerk en staat veranschaulicht
typisch die Entwicklung von der Reformationszeit
bis zur Revolution 1795, in der die Trennung
von Kirche und Staat vollendet wurde. D. Brouwer:
De verhouding tusschen de kerk en de magistrat van
Enkhuizen tijdens de republiek zeigt, wie in Enkhuizen
die beiden vom Rat der Stadt in den Kirchenrat deputierten
Kommissare als Aufseher ohne beratende Stimme
ihres Amtes walteten. — P. J. Meertens: Johan
Willem Vijgeboom, de voorloper der afscheiding, macht
mit einem Separatisten um 1820 ff. bekannt, der in
Axel (Seeland) und Umgegend, schließlich in Middelburg
wirkte und in zahlreichen Schriften die Rückkehr
zur Dordrechter Orthodoxie verfocht. — J.
Kleyntjens: De Poolsche gereformeerde kerk in
Wilna, skizziert die Geschichte dieser auf Nikolaus
Radziwill in der Mitte des 16. Jahrh. zurückgehenden
Kirche mit Rücksicht auf ihre Beziehungen zu Holland.
— W. Moll: Willem Moll als predikant te Lage
Vuursche en Arnhem 1837—46 beleuchtet die vor der
akademischen Tätigkeit liegenden praktischen Jahre des
auch bei uns geschätzten Kirchenhistorikers. An Hand
von Briefen der jungen Pfarrfrau durchlebt der Leser
das Leben auf einem kleinen holländischen Dorfe; eine
Reise nach Heidelberg bringt Moll in Verbindung mit
R. Rothe und Ulimann. 1845 kam Moll nach Arnheim
und ein Jahr später nach Amsterdam. — F. C. d e
Vries: Een Verdediging van het geloofende onschuld
der Hollandsche geestelijkheid in het jaar 1700 führt
1) Vgl. ThLZ. 1933, 440. 2) 5. Nordische Rundschau 2 (1929), 57.