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Ausgabe:

1936 Nr. 7

Spalte:

127

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Erasmus, Desiderius

Titel/Untertitel:

Ausgewählte Werke 1936

Rezensent:

Bornkamm, Heinrich

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127

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 7.

1-28

der Fülle der verwendeten Abkürzungen nicht ganz j
leicht zu lesen; die S. 46—48 gegebene Liste der Siglen
müßte zuvor fast auswendig gelernt werden. Auf das
Urkundenrepertorium folgt das Register der Personennamen
und das der Ortsnamen. Zwischen beiden steht
— und das ist das Neue, sehr zu Begrüßende — auf fast
80 Spalten ein Verzeichnis der Zunamen. Mag der j
Charakter, die Schreibung und die Anwendung dieser j
Zunamen auch in dem einen oder anderen Falle nicht '
ganz fest liegen, so ist doch hiermit ein vielfach an- !
gemeldeter und durchaus berechtigter Wunsch erfüllt,
und wir hoffen, daß der zweite Band des Gesamtwerkes
bei seinem endgültigen Abschluß durch ein solches Zu-
namenverzeichnis noch ergänzt wird. Auf diese Weise
werden die hier nutzbar gemachten Quellen für viel !
weitere Kreise auswertbar.
Berlin. Otto Lerche.

Desiderius Erasmus Roterodamus: Ausgewählte
Werke. In Gemeinschaft mit Annemarie Holborn hrsg. von
Hajo Holborn. München: C. H. Beck 1933. (XIX, 329 S.) gr. 8°.
= Veröff. d. Kommission z. Erforschung d. Gesch. d. Reformation u.
Gegenreformation. RM 16—.

Die wichtigsten theologischen Schriften des Erasmus
in einer guten und bequem zugänglichen Ausgabe zu
besitzen, ist ein häufig geäußerter Wunsch. Wie so
vieles ist seine Verwirklichung der anregenden Kraft Hans
von Schuberts zu verdanken, dem die Herausgeber den
Band darum auch gewidmet haben. Von ihm in der Auswahl
und Anordnung noch beraten, haben Holborn und
seine Gattin eine vorzügliche Ausgabe geschaffen, ein
kleineres Gegenstück zu der Lebensarbeit des Ehepaares
Allen. Sie umfaßt das Enchiridion militis christiani nach
dem Baseler Druck von 1518, dazu den einleitenden
Brief an Paul Volz, in dem sich Erasmus damals mit
Nachdruck zu diesem Werke seiner Frühzeit noch einmal
bekannte; sodann die Einleitungsschriften, mit denen
Erasmus seine Ausgabe des Neuen Testamentes 1516
begleitete: Paraclesis, Methodus, Apologia; schließlich
die aus der Methodus erwachsene Ratio seu methodus
compendio perveniendi ad veram theologiam von 1518.
Sie wird abgedruckt nach der Baseler Ausgabe des
Jahres 1519, da die erste Ausgabe Löwen 1518 nur in
einem einzigen Exemplare in Oxford nachweisbar ist;
beide Ausgaben werden aber identisch sein. Von den
übrigen Schriften des Erasmus durfte von vornherein
auf die Diatribe De libero arbitrio mit Rücksicht auf
v. Walters Ausgabe (Quellenschriften zur Geschichte
des Protestantismus, hersg. von joh. Kunze und C. Stange
8. Heft 1911) verzichtet werden. Die Herausgeber
begründen besonders, daß sie das Encomion Moriae
nicht aufgenommen haben, da dieses beliebteste Buch
des Erasmus auch sonst leicht zugänglich sei. Es wird I
doch mancher bedauern, daß dieses so einflußreiche
Buch nicht wieder mit zum Studium angeboten worden
ist. So bekommt man natürlich bei dieser Auswahl
nur eine bestimmte Seite des Erasmus, den restitutor
christianismi zu Gesicht. Der Künstler, der Satiriker,
der Skeptiker fehlen. Gerade der Theologe kommt also
bei dieser Auswahl auf seine Kosten. Die Herausgeber
haben sich keine Mühe verdrießen lassen, die zahlreichen
Zitate und Anspielungen des Erasmus nachzu- j
weisen. Das ist auch nahezu restlos gelungen. Ver- |
nünftigerweise haben sie die Texte nicht mit überflüssigen
kritischen Anhängen, die in diesem Falle nichts
zur Sache ausgetragen hätten, belastet. Nur die Änderungen
in den verschiedenen Neuauflagen der Apologia
sind verbucht worden. Ganz besonders möchte ich auf
das Sachregister verweisen, das erfreulicherweise so
breit angelegt ist, daß es der Untersuchung sowohl des ;
Erasmischen Sprachgebrauches und Stiles wie seiner
theologischen und philosophischen Begriffsbildung vorzügliche
Dienste tut. Die Herausgeber dürfen unseres
wärmsten Dankes für ihre mühevolle Arbeit sicher sein.
Leipzig. Heinrich Born kämm.

O b e n d i e k, Harmannus: Der Teufel bei Martin Luther.

Eine theologische Untersuchung. Berlin: Furche Verlag 1931. (312S.)

gr. 8°. = Furche-Studien. Stud. u. Darstellg. a. d. Gesamtgebiet theolog.

Arbeit u. evangel. Weltanschauung, hrsg. in Verbdg. m. a. von H.

Lilje, 4. Veröff. RM 10.80; geb. 12.80.

Obendieks Schrift ist ein eindrücklicher Aufruf an
die Theologen, die Teufelsvorstellung recht ernst zu
nehmen. Wenn bisherige Darsteller die Tiefe vermissen
ließen (z. B. Hausrath) oder einseitig zeitgeschichtlich
vorgingen (Schlee) oder die Teufelsidee ganz der
Soteriologie einordneten (Th. Harnack) (15—29), will
O. das allseitige Vordringen der Teufelsidee in
Luthers Leben und Denken aufzeigen (29) und das
existentielle Denken vertreten (163). In Ergänzung
von Klingner, dessen Darstellung nur dem Einflüsse
des Volksaberglaubens auf den Reformator gilt,
wobei er die theoretische Bekämpfung dieser Verirrung
durch Luther vermißt, und gegenüber dem katholischen
Zerrbilde, das in Luther eine Verkörperung der kirchengegnerischen
mittelalterlichen Volksvorstellung sehen
läßt, sowie in Auseinandersetzung mit Tillich, Jubl,
Holl, Böhmer, Osborn u. v. A. kennzeichnet O., ohne
Bindungen Luthers an den Volksaberglauben in Abrede
zu stellen, die Teufelsvorstellungen L.s als ganz wesentlich
biblisch, wie L. auch aus dem Evangelium
nebst eigener Erfahrung sowohl die „Welt voll Teufel
" als Realität erfaßt als auch solche Abenteuerlichkeiten
wie den Glauben an Teufelsbuhlschaften allmählich
abgelegt bat (243). Obendiek setzt nun unter
reichen Zitaten und Stellenangahen L.s Teufelsvorstellungen
in Beziehung zu Gottesglauben, Welt, Versöh-
nungs- und Erlösungslehre, Offenbarung bezw. Gnadenmitteilung
, Wort, Anthropologie und dem Weg des
Menschen zu Gott (34—232). Nicht dualistisch steht der
Teufel neben Gott, sondern in absolut freiwilligem Akte
der Selbstbeschränkung (43) gestattet Gott dem Satan,
auf allen Gebieten tätig zu sein zur Verstockung des
Sünders und zur, nicht gewollten, Glaubensvertiefung
des Angefochtenen (50). Das Abgründige der Gottesidee
zeigt sich darin, daß Gott seinen kontradiktorischen
Gegensatz zuweilen dulden kann (51). Die offen hervortretende
Spannung, daß einerseits Gott nur Gutes tun
könne und so alles Übel vom Teufel herrühre, andrerseits
eine Sünde gegen das 1. Gebot sei, ein widerfahrenes
Unglück dem Teufel oder bösen Menschen
zuzuschreiben (62), harmonisiert O.: „Wir dürfen den
Satz vertreten, daß L. in den Übeln der Welt, in Krankheit
und Unglück das Werk des Teufels gesehen hat,
dabei aber Gottes Walten nicht aus dem Auge verlor"
(59). Ebenso liegt bei L. die Ursache der Sünde einerseits
im Teufel allein, andrerseits „dieweil Gott Alles
in Allem regiert, so muß er notwendig wirken und
schaffen im Satan und den gottlosen Menschen", wenn
er auch aus dem bösen Material nur Böses hervorbringen
kann, „wie ein guter Zimmermann... mit einein
schartigen Beil straub und ungleich schlägt" (70).
Luthers antithetische Grundhaltung besagt, alles Wollen
sei entweder gut oder böse, eine neutrale Stellung
lasse weder Gott noch Satan zu (gegen Erasmus)
(240 ff.). Besonderen Wert legt der Verfasser im Sinne
Karl Barths auf die Ablehnung psychologischer, pathologischer
und „religiöser" Beurteilung des Teufelsphänomens
sowie einer evolutionistischen Geschichtsauffassung
. „Gerade die Teufelsvorstellung bewahrt davor,
den Christen als statische Größe zu erfassen und mit
psychologischen Kategorien zu beschreiben, und sie
nötigt dazu, die Lage des Christen offenbarungsmäßig,
d. h. vom Kampf (des Teufels gegen Christus), vom
Sieg (Christi über den Teufel), vom Paradoxon und
von der Eschatologie her zu erfassen" (193). „Hätte
Hegel die Lehre Luthers vom äußerlichen Wort, beleuchtet
durch die Teufelsvorstellung, gekannt, so hätte
er nicht sagen können, daß L. in der Wendung zur
vollendeten Innerlichkeit die geistige Freiheit erworben
hätte." (Anm. 541). Nur die luthergemäße allseitige
Auffassung vom Satan vermag die Theologie lebendig