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Ausgabe:

1936 Nr. 5

Spalte:

95-96

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kuhlmann, Gerhardt

Titel/Untertitel:

Die Theologie am Scheidewege 1936

Rezensent:

Eisenhuth, Heinz Erich

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Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 5.

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sich damit Perspektiven von allerdüsterster Art für die
Zukunft der deutschen Kirchen und die allergrößte Not,
eine Einigung der vielen Kirchen zustande zu bringen.

Möchten recht viele aus diesem Buch lernen, auch,
was man nicht tun darf, wenn man eine Einigung der
Kirchen will.

Berlin. Johannes Witte.

Kühl mann, Gerhardt: Die Theologie am Scheidewege. Tübingen
: J. C. B. Mohr 1935. (44 S.) gr. 8°. = Sammlung gemeinverständlicher
Vorträge 178. RM 1.50; in Subskr. 1.20.

Es geht dem Verf., wie er nun schon öfters dargetan
hat, ähnlich wie seinem Lehrer Grisebach um nichts
anderes als um die echte Gemeinschaft der endlichen
Menschen. Die Theologie hat immer mehr die Glaub-

tung, begründet in einem gemeinsamen Glauben und in
einer gemeinsamen Art, zur höchsten Gemeinschaftsleistung
werden. Die Bindung an Gemeinschaft allein tut
es nicht. Denn vor aller Gemeinschaft steht das Gesetz
ihres Werdens, das zu erschließen Aufgabe der Wissenschaft
ist. Die Theologie ist an diesem Gemeinschaftsdienst
mit beteiligt, da sie den Menschen unter dem göttlichen
Lebensgesetz die Gotteskindschaft als gemein-
schaftsgestaltende Kraft aufzuweisen hat.
I Leipzig. £__H. E. Eisenhuth.

Hutten, Dr. Kurt: Christus oder Deutschglaube. Ein Kampf
um die deutsche Seele. 2. Aufl. Stuttgart: J. F. Steinkopf [1935].
(160 S.) 8°. Kart. RM 1.80; geb. 3.—.

Die Schrift stammt von einem gründlichen Kenner

Würdigkeit ihrer Dogmen eingebüßt. Mit der Auf- des Deutschglaubens und der damit verbundenen Fra-

k 1 ä r u n g entsteht die grundsätzliche Frage, ob aus der j gen, er hat zahlreichen Gemeinden seiner württembergi-

Natur oder der Geschichte noch ein Zugang zur Trans- I sehen Landeskirche und darüber hinaus mit Vorträgen

zendenz Gottes möglich ist. Die urchristlich-reformato- ; und Kursen über diese Fragen gedient. Das Buch ist im

rische Haltung, in der Gott als realeinwirkende Macht j Unterschied von andern wie etwa Künneths wert-

geglaubt wurde, wird im Idealismus aufgegeben, j voller „Antwort auf den Mythus" für die Gemeinde

Auch Kierkegaard bleibt auf dem Felde der Philo- bestimmt, ohne doch auf gründliche wissenschaftliche

Sophie (9) und hält an Hegels Grundeinsicht fest, daß Behandlung zu verzichten. Zunächst wird eine gut orien-

die Transzendenz in einem existenziellen Denken zu tierende Geschichte der Bewegung gegeben, bei Lagarde

verwirklichen sei. Barth hat zwar die verschiedenen j hätte betont werden können, wie seine Stellungnahme

Religionsformen des modernen Menschen durchschaut, I in manchem nicht der Anschauung von der nur rassisch

verabsolutiert aber selber die eigene Position (Versuch j bedingten Religion entspricht („Deutschsein liegt nicht

einer theologischen Münchhauseniade 17). H e i m's Ver- I im Geblüt, sondern im Gemüt"). Trotz des Gewirrs

such, die Philosophie der Gegenwart zu radikalisieren ! der einzelnen Bände haben sie viel Gemeinsames; ihre

zu Gunsten der Theologie als einer Wissenschaft vom Stoßkraft ist nicht zu unterschätzen. Die eigentliche

Letzten, übersieht die eigene Radikalität der ontologi- ' Auseinandersetzung findet dann unter den Überschriften

sehen Philosophie. Verf. sieht in der philosophischen ! statt: Die rassische Weltanschauung und der Ort des

Seinsanalythik im Grunde nur das, „was schon lange Evangeliums, Ist das Christentum eine Gefahr für

hätte vollzogen werden müssen" (24). Während für I Deutschland? Christus oder Mythusglaube? Gott der

Heidegger die Phase der christlich-philosophischen Welt- I Herr und der inwendige Gott, Der Adelsstolz des nordi-

deutung zu Ende ist (38), hat Jaspers die christlichen i sehen Menschen und die Botschaft von Sünde und Gna-

Anschauungen profanisiert und sogar das Thema der j de, Die Wahrheit des Evangeliums. In durchaus objek

Theologie „Schuld und Erlösung" in sein System des
transzendierenden Menschen mit aufgenommen. Die
Theologie steht heute vor der Frage, ob sie sich der

tiver Weise wird ein Bild des Deutschglaubens gegeben,
namentlich Rosenbergs Aufstellungen kommen ausführlich
zur Geltung, aber auch auf Hauer, Graf Reventlow,

profanen oder der kirchlichen (katholischen) Weltdeu- | Bergmann, Math. Ludendorff und^ihre Anschauungen
tung anschließen soll. Beide wollen den Menschen und
seinen Gott schaffen, „indem sie ihn interpretieren"
(42). Von einer verantwortungsbewußten
Theologie erwartet Verf. eine völlig andere Entscheidung
. Sie soll endlich auf jegliche Art der Metaphysik
verzichten und praktische Wissenschaft werden. In
der Verwiesenheit des Menschen an die wirkliche Gemeinschaft
der Menschen muß dann „die theologische
Wissenschaft auf ihre Gottesproblematik und Heilsdog-
matik verzichten; sie kann sich nur auf die Abwehr eines
weltanschaulichen Übergriffs im konkreten Fall beschränken
" (42).

Verf. weist mit Recht darauf hin, daß jede Gemeinschaft
, auch die der Kirche, durch die Herrschaftsansprüche
des Selbst bedroht ist. Eine Wende muß auch
in der Theologie eintreten: von der Lehr-Herrschaft

wird eingegangen. Verf. läßt die Gegner wirklich ausreden
; seine Stellungnahme vom Evangelium her ist
dann umso überzeugender und wohl geeignet, Recht und
Unrecht der gegnerischen Position ins Licht zu setzen.
Über Einzelheiten wie z. B. über die Wertung von Bonifatius
oder über das Geschehen beim Blutbad von Verden
wird nach den neueren Erörterungen darüber mancher
anders denken wie der Verfasser.

Halle a. S. Wilhelm U s e n e r.

Frühe Bildkunst in Sumer

Von Dr. Anton Moortgat

vom Vorderasiatischen Museum in Berlin.

IV, 98 Seiten und 36 Tafeln gr. 8°. 1935. RM 10 —

zum Gemeinschafts-Dienst. Trotz der Zustimmung zu i M|tteiiungen d. Vorderasiatisch-Ägyptischen Gesellschaft

diesem Ziel muß aber eine zweifache Gefahr genannt
werden, die der Verallgemeinerung und die der
Entseelung.

1) Es ist nicht gerecht, jede Philosophie und alles
systematische Denken zu einem Ausdruck des herrschsüchtigen
Ichs zu verallgemeinern. Gewiß muß die
Wissenschaft die Gemeinschaft vor einer solchen Bedrohung
bewahren. Die Wissenschaft hat aber doch auch
wegweisende, aufbauende und begründende Bedeutung,
auf die sie nicht zu Gunsten einer Abwehrstellung
verzichten kann.

2) Es ist eine Entseelung des Lebens, wenn alles
weltanschauliche Wollen und jegliche gemeinsame Ausrichtung
in der Kirche und im Volk lediglich als Gefahr
empfunden wird. Das metaphysische Streben kann zur
Gefahr werden, wenn es zur Weltflucht und zur Weltverachtung
verleitet. Aber es kann auch als geistige Hal-

40. Bd., 3. Heft.

Die Grabungen der Nachkriegszeit haben im südlichen
Mesopotamien eine bereits schwer übersehbare
Menge an Einzelbildwerken aus den Jahrhunderten
vor und nach 3000 v. Chr. zutage gefördert. Vorliegende
Untersuchung will sie nach inhaltlichen und formalen
Gesichtspunkten ordnen, daß sie sich nach einem
lebendigen Organismus mit eigener innerer Gesetzmäßigkeit
des Wachstums zusammenschließen. Erst
ein solcher ermöglicht uns hie und da einen Blick
in die Wesensart des hinter der Bildkunst stehenden
Volkstums.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN
BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C1

Mit einer Prospektbeilage des Verlags Trowitzsch & Sohn, Berlin W 8
Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 14. März 194b.

Verantwortlich : Prof. D. W. B a u e r in Göttingen, Düstere Eichenweg 14.
Verlag der J. C. H i n r i c h s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. - Druckerei Bauer in Marburg.