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1936 Nr. 5

Spalte:

89

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Scientia sacra 1936

Rezensent:

Koch, Wilhelm

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89

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 5.

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zu 7 und S. 149 zu 7 b bezieht Euringer westa täböt falsch zu jebaw ü
und findet dann mit Recht die Stelle unverständlich. Es muß vielmehr
heißen: „Es treten die Diakonen, die am Tabot dienen, ein und

sind beide Antipoden. Die christliche Gläubigkeit Kierkegaards
und die betonte Gottlosigkeit Nietzsches sind
durch einen Abgrund von einander getrennt. Aber ihre

Auf s. 153 oder in einer Erläuterung hätte Nr. 26, wie es die Hs. tut, formaie Denkhaltung ist dieselbe: nicht Vernunft, son

«rgänzt werden sollen mit den Worten und nicht nach unseren Sunden , d Existenz. Nicht als ob Vernunft Und Existenz für

Aehnlich S. 183 Nr. 98. S. 203 Z. 3. v. o. erklart Euringer das „bal j srhlechthinio-en Gesrens-itz hilrWn Äi.rh Hn»

des Textes als „Spricht", er meint„„Sprich" (Imperativ). Er hat „.cht ^'^r'"!",^^,™" gl" ^l^l^,,^^:

_ „Spricht' .

erkannt, daß dieses vielmehr Abkürzung ist für balemäd oder balemadena =
,,nach Gewohnheit" oder „nach unserer Gewohnheit", wie es in syrischen
Liturgietexten durch 'a(i)kh 'ejädha „wie gewöhnlich' ausgedrückt wird.
S. 155 unter 27 liegen die Worte ui-ya tö tf)? EÜasßeia? huött|Oiov aus
l.Tim. 3, 16 zugrunde. Danach hätte Vf. „Frömmigkeit" oder „Gottseligkeit
" ' statt zum „schönen Gottesdienst" übersetzen sollen. In den
Erläuterungen hätte noch manche Bibelstelle zur Erläuterung der Liturgietexte
herangezogen werden können.

Goslar. Hugo Duensing.

Scientia Sacra. Theologische Festgabe, zugeeignet Karl Joseph
Schulte zum 25. Jahrestage der Bischofsweihe 19. März 1935.
Köln: J. P. Bachem und Düsseldorf: L. Schwann 1935. (370 S.)
4o RM 9—.

12 Dozenten katholischer Theologie und Philosophie, die teils durch
ihr derzeitiges Amt, teils durch ihre Geburt dem Erzbistum Köln angehören
, haben sich zu dieser Festschrift vereint, um dem Kölner Kar-
<linalerzbiscliof Schulte zu danken für seine tatkräftige Förderung der
wissenschaftlichen Ausbildung seiner Geistlichen. Fünf der vorliegenden

12 Abhandlungen bewegen sich auf dem Gebiet der historischen fünf £yoSildeT tefU^mimraT' Si^ bleiben 'ffiT'ihn

existentielle Denken kann der Vernunft nicht entbehren.
Aber es greift tiefer. Er sucht nach dem Ursprung der
Existenz und dieses Suchen ist eben als Handeln selbst
Existenzbestimmung. Damit ist das Thema gegeben:
Vernunft und Existenz.

Vf. sucht die Antwort in den 5 Vorlesungen, welche
er auf der Universität Groningen gehalten hat. Die
erste handelt von der Bedeutung Kierkegaards und Nietzsches
. Davon war eben die Rede. Die zweite bis vierte
Vorlesung bietet „Grundgedanken zur philosophischen
Erhellung von Vernunft und Existenz" und zwar die
zweite unter dem Titel: „Das Umgreifende". Die dritte
ist überschrieben: „Wahrheit als Mitteilbarkeit" und
die vierte: „Vorrang und Grenzen vernünftigen Denkens
". Die fünfte greift auf die erste zurück und behandelt
„die Möglichkeiten des gegenwärtigen Philosophierens
". Schon diese Überschriften zeigen, daß es sich für
Jaspers nicht darum handelt, irgendwelche Lehren seiner

auf dem der systematischen Theologie, zwei auf dem der Philosophiegeschichte
. Die erste Abteilung beginnt mit einer liturgiegeschichtlichen
Arbeit von Dr. Klauser (Privatdozent-Bonn) über einen ums Jahr 1246
gefertigten gemalten Kirchenkalender an der Sakristeiwand der römischen
Kirche der hl. Vier Gekrönten (deren Titularbischof Kardinal Schulte
ist). Ihr folgt die Vorarbeit einer größeren Studie über den griech.-
lateinischen Text des Galaterbriefs (von Hochschulprofessor Dr. K. Th.
Schäfer-Regensburg), die jedoch eher biblisch-theologisch als historischtheologisch
bezeichnet werden dürfte. In die Kirchengeschichte führt Dr.
A. Kalsbach (Privatdozent-Bonn), indem er die Umwandlung des heidnischen
Stadtbildes von Rom in das christliche Stadtbild zeichnet. Eine
wertvolle Entdeckung ist Alberts d. Gr. Kommentar zum Hohenliede, die
Dr. H. Ostlender am Albertus-Magnus-Institut in Köln gelungen ist.
Eine neue Quelle zum Konzil von Vienne entdeckt Dr. Jos. Koch (Univ.-
Prof. in Breslau) in dem Gutachten des Ägidius Romanus über die
Lehren des Olivi; auch diese Entdeckung ist von großer Bedeutung für
■die Dogmengeschichte des Mittelalters. In die erste Abteilung der Festschrift
sind auch die zwei philosophiegeschichtlichen Abhandlungen
■eingereiht: Zuerst ein Kapitel aus der sehr umstrittenen Erkenntnislehre
des Thomas von Aquino, nämlich seine Lehre über „Teilhabe durch
Berührung" ; Dr. G. Söhngen (Privatdozent in Bonn) weist den augusti-
nischen Charakter dieser Lehre nach. Die zweite philosophiegeschichtliche
Abhandlung, über das Problem der Existenz in idealistischer und
romantischer Philosophie (von Univ.-Prof. Dr. Th. Steinbüchel in Gießen),
spricht sich zu Ungunsten des Idealismus aus. Ins Gebiet der systemat.
Theologie führt Akademieprofessor Dr. Brinktrine (Paderborn) mit der
bis jetzt noch nicht öffentlich gestellten (und von ihm bejahten) Frage:
ist die Liturgie eine dogmatische Erkenntnisquelle? Seminarprofessor
Dr. C. Feckes (Bensberg) bemüht sich um die methodologische Frage:
wie und wo bauen wir den Traktat über Maria im dogmatischen System
auf? Allgemeinerem Interesse entspricht Privatdozent Dr. W. Schöllgen
(Bonn) mit seiner moral-theologischen Beurteilung der „Tagträume" ;
Seminar-Subregens Dr. W. Heinen (Bensberg) mit seinem Beitrag zur
Klärung des Begriffs justitia socialis; Seminarprofessor Dr. J. Klein
<Bensberg) mit seiner Beleuchtung des kanonischen Rechts im modernen

Ausnahmen" und nur im Blick auf sie geht er seinen
eigenen Weg. Dieser führt durch eine äußerst konzentrierte
und scharfsinnige Analyse der genannten Begriffe
des Umgreifenden und der Wahrheit, durch welche die
philosophische Erhellung von Vernunft und Existenz erreicht
werden soll. Es ist nicht möglich, diese Analysen
in einem kurzen Referat wiederzugeben. Dagegen
ist es notwendig, das Ziel, welchem die fünfte Vorlesung
zustrebt, kurz ins Auge zu fassen; und auch hier
gilt es sich vor Mißverständnissen zu hüten. Es handelt
sich nicht um ein feststehendes Ziel, das in festgeschlossene
Begriffe gefaßt werden könnte. Nur die
Möglichkeiten gegenwärtigen Philosophierens sollen erarbeitet
werden. Dabei ergibt sich, daß die Philosophie
zwischen Offenbarungsglauben und Gottlosigkeit in der
Mitte steht. Sie ist nicht Offenbarungsglaube, sondern
ruheloses Gottsuchen und sie ist nicht Gottlosigkeit —
aus demselben Grunde. Sie ist Verneinung jedes bestimmten
, positiven oder negativen Standpunkts.

Dieses Ergebnis stellt den Theologen vor die Frage,
wie die so bestimmte Philosophie zu seiner Wissenschaft
, der Theologie, sich verhält? Kann die Theologie
neben einer solchen Philosophie bestehen? Wird das
Verhältnis nicht notwendig ein Entweder-Oder sein?
Als Theologe, der Christ ist, bejahe ich die Offenbarung;
als Philosoph stehe ich immer wieder vor der Offenbarung
, ohne sie aber zu bejahen. Geht das zusammen:
bejahen und nicht bejahen, Theologie und Philosophie?

Und wie steht es um die Philosophie abgesehen
von ihrem Verhältnis zur Theologie? Ist die Existenzphilosophie
, welche durch Kierkegaard und Nietzsche

Rechtsdenken. — Leider fehlen dem ganzen Buch die Seitenüberschriften , zum Durchbruch gekommen ist wirklich die PhÜOSO-
und jeglicher Index. Ein Druckfehler wurde nur S. 278, Z. 2 v. o. | phie der Qegenwart und Zukunft' der gegenüber die oan

gefunden- „,... . „ . ze Philosophie von Parmenides' bis Hegel ein Irrweg

Tettnang (Wflrtt). _Wilhelm Koch. M? Man mag darauf SQ Qder sQ antwor6ten _ darüb(£

JasDerS Prof Dr Karl- Vernunft und Existenz. Groningen: I "5ann kein. Zwej.fej seiP. daß die Existenzphilosophie in

I B Wolters ii'935. (VII, 115 S.) 8°. = Aula-Voordrachten der Jaspers einen tiefgreifenden und scharfsinnigen Vertei-

Rijksuniversiteit te Groningen, Nr. ls RM 3.80; geb. 4.60.

Der Vf. setzt ein mit dem Hinweis auf die philo-

diger gefunden hat, der die Fachgenossen zu ernster
Auseinandersetzung zwingt.

sophische Situation der Gegenwart. Sie wird, wie er ! Tübingen. Fr. Traub.

sieht, beherrscht durch die Namen Kierkegaard und

Nietzsche. Sie sind die großen Denker ihres Zeitalters, ! Frey tag, Prof. Dr. Willy: Irrational oder Rational? Unter-

VOn den Zeitgenossen nicht verstanden und verkannt, , suchungen und Entwurf zu einer Deutung. Berlin: Junker und Dünn-

aber heute die nicht mehr ignorierbaren Philosophen | haupt 1935. (vin, 236 S.) gr. 8°. rm 9-.

unserer Zeit. Nicht als ob sie Gedanken oder Lehren ; Ein streng faehwissenschaftliches Werk auf dem

vertreten würden, die man als solche übernehmen könn- j Gebiet der Logik und Erkenntnistheorie, ausgezeichnet

te. Das gerade nicht. Beide sind Ausnahmen, Aus- ; durch eindringenden Scharfsinn und subtile Akribie. Den

nahmemenschen und Ausnahmedenker, und ihre Bedeu- s Hauptinhalt bilden vier „Untersuchungen"; ihnen folgt

tung für uns liegt darin, daß jeder von uns durch sie | ein kurzer Schluß unter dem Titel „Entwurf zu einer

nur werden kann, was er selber ist. Inhaltlich gesehen wirklichen Deutung des Glaubens an das Irrationale"