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Ausgabe:

1936 Nr. 5

Spalte:

86-88

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmauch, Werner

Titel/Untertitel:

In Christus 1936

Rezensent:

Seesemann, Heinrich

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Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 5.

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Ein Vorwurf soll Q. aus solchen Ausstellungen aber
keineswegs gemacht werden; Mängel der angedeuteten
Art sind bei erstmaligen zusammenfassenden Darstellungen
nun einmal nicht vermeidbar. Wir wollen uns vielmehr
freuen, daß wir über die hethitische Kultur jetzt
ein so gehaltvolles Werk besitzen.

Anschließend an das Hethiterreich schildert G. das,
was uns von der Kultur des vorarmenischen Reiches
von Urartu (Blütezeit zwischen 900 und 700 v. Chr.)
bisher bekannt ist, wobei er sich weithin an Lehmann-
Haupts großes Werk „Armenien einst und jetzt" anlehnen
konnte. Leider ist unser Wissen von diesem in
mancher Hinsicht bedeutungsvollen Abschnitt der alt-
kleinasiatischen Geschichte noch recht lückenhaft, da
wir die an sich schon nicht sehr zahlreichen urar-
täischen Inschriften sprachlich erst sehr unzureichend
verstehen. Den Beschluß von O.s Darstellung machen
zwei kurze Kapitel über die Phryger und die Lyder sowie
ein Ausblick auf die Hellenisierung und Iranisierung
Kleinasiens seit 600 v. Chr.

Die Erforschung der Kultur des alten Persien hat
mit ganz andersartigen Schwierigkeiten zu kämpfen als
die der Kultur Kleinasiens; ist es hier doch hauptsächlich
der Mangel an einheimischen Quellen, der gesicherte
Erkenntnisse erschwert. Die altpersischen Königsinschriften
sind nicht zahlreich und vielseitig genug, um auf
alle Gebiete des persischen Lebens Licht zu werfen, und
die kulturgeschichtliche Auswertung der Gathas und
älteren Yaschts des Awesta darf nur mit Vorsicht gehandhabt
werden, da noch ungeklärt ist, wie viel voh
diesen im Verlauf einer langen Überlieferung unverändert
geblieben ist. Ob in Zukunft die Zehntausende von
Keilschrifttafeln, die Herzfeld kürzlich in Persepolis gefunden
hat, unser Wissen vom achaimenidischen Persien
wesentlich vermehren werden, bleibt abzuwarten. Vorläufig
jedenfalls muß der Erforscher der Kultur des alten
Persien sehr weitgehend mit fremden Nachrichten, vor
allem solchen aus griechischen, babylonischen und aramäischen
Quellen, arbeiten, um die vielen Lücken der
persischen Quellen aufzufüllen; daß damit auch bei umsichtigster
Quellenkritik eine gefährliche Fehlerquelle gegeben
ist, liegt auf der Hand. A. Christensen, dem
die Behandlung der Iranier im „Handbuch" übertragen
worden ist, ist sich dieser Gefahren durchaus bewußt
und vermeidet daher sorgfältig, durch allzu abgerundete
Darstellung den Anschein zu erwecken, als sei alles
Vorgetragene schon als gesichertes Ergebnis der Wissenschaft
zu werten. Im Gegenteil, dadurch, daß an allen
wichtigen Stellen auch die abweichenden Ansichten zu
Worte kommen, wird immer wieder darauf hingewiesen,
wie stark die Forschung noch im Fluß ist. C.s Arbeit
wird so zu einem ausgezeichneten Querschnitt durch die
neuere Forschung, der mit seinen reichen Literaturnachweisen
überall zur selbständigen Weiterarbeit einlädt. —
C behandelt nach einem Überblick über die Quellen zunächst
kurz die Frage der Herkunft der Arier im Iran,
um dann ausführlicher auf die Reform Zarathuschtras
einzugehen, deren Zeit, Heimat und religiöser Charakter
bekanntlich noch stark umstritten sind. Nach C.s eigener
Ansicht hat Zarathuschtra zwischen 650 und 600
in Ostiran gewirkt und dort seine Lehre von dem guten
Scliöpfergott Ahuramazda verkündet. Allgemein durchgesetzt
hat sich seine Lehre im Iran damals noch nicht;
denn die vorzarathuschtrische Religion der Iranier
herrscht mit einigen Abwandelungen noch im achaimenidischen
Persien. Im Anschluß an die Lehre Zarathuschtras
behandelt C. in mehreren kurzen Kapiteln
die verschiedenen iranischen Stämme, von denen die
Meder und Perser im Westen, die Skythen und Sarmaten
im Norden (Südrußland) die wichtigsten sind. Als Quellen
kommen hier neben wenigen archäologischen Funden
fast nur griechische Nachrichten in Betracht. Weiterhin
schildert C. dann ausführlich die Kultur des Achai-
menidenreiches, wobei das Schwergewicht auf der Behandlung
des Staates in seinen verschiedenen Funktionen
und der Religion liegt. Ein Amhang bietet dann noch
einen Ausblick auf die spätere Entwicklung bis hin zur
Sassanidenzeit.

Der hier gegebene knappe Überblick über die Arbeiten
von Götze und Christensen kann von ihrem
reichen Inhalt natürlich nur einen sehr unzureichenden
Eindruck vermitteln, da die Fülle neuer Gesichtspunkte
und feiner Einzelbeobachtungen in ihm gar nicht zur
Geltung kommen konnte. Aber eine Besprechung soll
ja auch nicht die Lektüre des Buches selbst unnötig
machen, sondern bei einem Werk von solcher Bedeutung
nur zu seinem gründlichen Studium einladen. Die Weiterarbeit
an den in ihm behandelten Fragen wird dann
auch die beste Form sein, in der wir Götze und Christensen
den schuldigen Dank für ihre schöne Gabe abtragen
können.
Göttinnen. W. von Soden.

Schmauch, Li c. theol. Werner: In Christus. Eine Untersuchung
zur Sprache und Theologie des Paulus. Gütersloh: C. Bertelsmann
1935. (XI, 197 S.) 8°. = Neutestamentliche Forschungen. 1. Reihe,
9. Heft.

Seitdem Deißmann im Jahre 1892 das Problem

'■■ der neutest., besonders der paulinischen Formel „in
Christo Jesu" aufgegriffen und dahin beantwortet hatte,
daß das h in der Formel lokal zu deuten sei, hat die
wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem zentralen
Gedanken des Apostels nicht geruht. Die Grundposition
Deißmanns wurde dabei — von ganz wenigen Ausnahmen
abgesehen — allgemein geteilt, in Einzelheiten wurde
die Deutung fortgeführt und ergänzt (H. E. Weber
). Nun legt Schmauch, ein Schüler Lohmeyers
, eine neue Arbeit zu diesem Thema vor, in
der er sich ungemein stark an seinen Lehrer anlehnt.
Ohne daß damit die Selbständigkeit der Arbeit ange-

1 griffen werden soll, muß doch gesagt werden, daß der
Einfluß Lohmeyers hier bis in die kleinsten Kleinigkeiten
hinein spürbar ist, ja sogar bis in Sprache und Stil. Auch
von der wissenschaftlichen Literatur ist — mit Ausnahme
der Arbeiten zum Problem des Buches als solchem —
kaum etwas anderes, als die Schriften Lohmeyers genannt
. Hätten nicht vielleicht doch, zum mindesten Auseinandersetzungen
mit entgegenstehenden Ansichten anderer
Gelehrter, dem Verf. zu einer stärkeren Vertretung
seiner Position verholten? Die Stellen, an denen andere
Forscher erwähnt werden, sind ganz vereinzelt.

Aber nun zum Inhalt des Buches. Nach einer Auseinandersetzung
mit den bisherigen Erklärungen des
fv Xotrrno, die Sch. alle wegen der isolierten Betrachtung
der Formel methodisch anfechtbar findet, stellt er
sich als Aufgabe „die Bestimmung der Formel durch
die Analyse des gesamten Gefüges, dessen Funktion
sie darstellt". Es folgt die Behauptung, daß sich trotz
I. Kor. 1,30 und Rom. 16, 11 die Verbindung kv Xq. elvai
nie bei Paulus finde. Er untersucht nun die verschiedenen
Formel„varianten" einzeln und erhält folgende Resultate
: 1) fv Xpimöj Tt)<kvö bezeichnet an sämtlichen
(29) Stellen ohne Ausnahme ein göttliches Geschehen,
das unabhängig von allem gläubigen Leben in ewiger
Vollendung gültig gesetzt ist und darum nur eine Beziehung
zur Geschichte duldet, die seiner Bestimmung
nichts hinzufügt. 2) frv Xqiotw (28 Mal). „Die Formel
enthält das metaphysische Prinzip der als^ ,Wirklichkeit'
des metaphysischen Geschehens 4v Xq. 'Itj. sich dar-

1 stellenden ,Neuen Schöpfung', deren Träger das apostolische
,Wort' ist." 3) hi xvqUq (39 Mal). „Das h xvoiq)
bezeichnet die auf Christus übertragene Norm alles ichbestimmten
Handelns, das damit auf seine zur Vollendung
der Neuen Schöpfung notwendige Aufhebung gerichtet
, d. h. eschatologisch bestimmt wird." 4)
rv <t>. „In allen 18 Stellen weist die Formel auf den
gleichen Sachverhalt, der als für ev Xq. "Itj. bestimmend
herausgestellt wurde." 5) 4v Xq. 'i^. X(;,. xuqUq f|n<öv
repräsentiert die Ganzheit der einzelnen Formeln. —

1 Das Resultat ist also: „Gegenüber der allgemeinen Annahme
, daß die verschiedenen Formeln den gleichen

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