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Ausgabe:

1936

Spalte:

25-28

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Einleitung. Die vorgeschichtliche Zeit. Religion der Südgermanen 1936

Rezensent:

Clemen, Carl

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES, Güttingen, und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Berlin.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind a n b b c h 1 i e & 1 i eh an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 14, tu senden,
Rezensionsexemplare aasschliefclich an den Verlag. Gewähr für Besprechung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

Frinted in Germany.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
61. JAHRGANG. Nr. 2 18. JANUAR 1936

Spalte

Eißfeldt: Einleitung in das Alte Testament
(Hertzberg).............. 28

Koch: Pronoia und Paideusis (Opitz) ... 32

Spalte

Picard: Die Flucht vor Gott (Neumann). 38
Riecker: Das evangelistische Wort (Fleisch) 37
Schneider: Deutsches Christentum (Ei-
senhuth).................. 39

Spalte

Studia Theologica (Seesemann)....... 31

de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte
(Clemen).................. 25

de Vries, Jan: Altgermanische Religionsgeschichte. Bd. 1: einer Sprache handelt, so können die geringen Reste

Einleitung — Die vorgeschichtl. Zeit — Religion der Südgermanen, bronzezeitlicher Kultur doch von Nichtgermanen stam-

Berhn: w. de Qruyter & Co. 1935. (VIII, 335 S. u. 8 Taf.) gr. 8°.= men; ja die bronzezeitliche Religion läßt sich, wie ich

Grundriß der Germanischen Philologie 12, l. RM 9—; geb. 9.80. j jn Forschungen und Fortschritte vom 1. Januar d. J.

Das vorliegende Werk soll die zuerst 1891 erschie- i kurz gezeigt zu haben glaube, bei den geschichtlichen

nene Germanische Mythologie von Mogk ersetzen und i Germanen ebensowenig nachweisen wie deren Religion

verrät also schon durch seinen Titel „den ganz anderen schon in der Bronzezeit. Im übrigen ist aber dasjenige,

Standpunkt, auf den sich die heutige Forschung stellt" was de Vr. über die stein- und namentlich die bronze-

(I). „Der größte Teil der germanischen Mythen", sagt zeitliche Religion, sowie hier besonders über die Fels-

de Vries (38) genauer, „sind ja eben Erzählungen, die Zeichnungen ausführt, von Einzelheiten abgesehen, die

kaum oder gar nicht zum wirklichen heidnischen Glau- j er z. T. selbst als unsicher bezeichnet — ich möchte da-

ben gehört haben". Außerdem erklärt er (I) gegen- | zu auch die Deutung des Kiwikgrabes rechnen — m. M.

über der jetzt vielfach wieder üblichen Bevorzugung j n. durchaus zutreffend. Sehr wichtig sind auch die Er-

des Nordischen m. M. n. ebenso richtig: „Die scharfe : örterungen über die eisenzeitliche Religion, bei denen es

Trennung der nordgermanischen Überlieferung von dem sich zunächst nur um die südgermanische handelt, na-

südgermanischen Quellenmaterial bleibt noch immer für mentlich über die keltischen und sonstigen indogermani-

die richtige Erforschung der altgermanischen Religions- sehen Einflüsse auf sie. Ich hebe in dieser Beziehung

geschichte eine methodische Forderung." Und so han- ' nur hervor, daß de Vr. es (154, vergl. auch 129 f.) als

delt er in diesem ersten Band zunächst von der südger- kaum zu bezweifeln bezeichnet, „daß die Verbreitung

manischen Religion, schickt diesen zwei Kapiteln aber des Hakenkreuzes einem östlichen Kultureinfluß zuzu-

außer allgemeinen Erörterungen, einer Übersicht über schreiben ist".

die Quellen und einer Darstellung der Geschichte der In der Darstellung der eigentlichen germa-
Forschung zunächst eine Schilderung der vorge- nischen Religion unterscheidet er die römische
schichtlichen Religion (natürlich auch im Nor- Zeit und die letzten Jahrhunderte des Heidentums und
den) voraus. bespricht, was jene betrifft, nach sehr wichtigen Aus-
Allerdings sagt er (50): „Ich glaube, daß es in ■ führungen über die römischen und orientalischen Einmethodischer
Hinsicht den Vorzug verdient, nur jene flüsse in ihr, die einzelnen männlichen und weiblichen
vorgeschichtlichen Perioden in eine Behandlung der alt- Gottheiten, die die Südgermanen damals verehrten. Da-
germanischen Religionsgeschichte hineinzuziehen, für die ! bei heißt es später (212): „Der Versuch, aus den Quel-
eine indogermanische Bevölkerung einwandfrei angenom- len zu beweisen, daß der Wodankult ursprünglich auf
men werden kann. Das gilt uneingeschränkt für die | die niederrheinischen Völker beschränkt gewesen war
Bronzezeit; für die früheren Perioden ist es einstweilen und erst im Anfang unserer Zeitrechnung bei den andern
noch recht zweifelhaft, und wir können die religionsge- | südgermanischen, schließlich sogar bei den skandinavi-
schichtlichen Ergebnisse der älteren und neueren Stein- j sehen Stämmen verbreitet worden ist, kann nicht als
zeit also nicht ohne weiteres auf die Germanen beziehen, gelungen betrachtet werden und beruht jedenfalls auf
Wenn wir trotzdem auch diese Perioden eingehend be- einer gewaltigen Überschätzung der Beweiskraft des
handeln werden, findet das hierin seine Berechtigung, i uns zu Gebote stehenden Materials." Andrerseits scheint
daß die Glaubensformen der neolithischen (!) Zeit selbst- de Vr. (215) „die alte Ansicht, daß Irmin auch der Beiverständlich
nicht restlos verschwunden sind, sondern name eines Gottes (und zwar des Tiwaz) gewesen ist,
auch in die späteren Zeiten fortgewirkt haben und sogar mehr Beachtung zu verdienen, als man ihr in der letzten
ihre Spuren in der Religion der historischen Zeit hinter- Zeit zu geben wünscht, weil der holländische Ortsname
"lassen haben können." Freilich gilt das auch von ande- j Ermenlo, älter Irminlo wohl die Bedeutung: ein dem
ren Religionen, vor denen daher die überall ähnliche I Gotte Irmin geheiligter Wald haben wird". Auch unter
neolithische behandelt werden könnte, und selbst die dem regnator omnium deus bei Tacitus, Germ. 39 wird
bronzezeitliche ist dadurch noch nicht als germanisch jener verstanden, während der nach Jordanes von den
erwiesen, „daß nach dem Eintritt dieser vorgeschicht- Goten verehrte Mars ev. auch Wodan gewesen sein
liehen Periode das archäologische Material auf eine ! könne. Von den Ausführungen über die weiblichen
gleichmäßige ununterbrochene Kulturentwicklung hin- I Gottheiten sind dann die über die Matronen besonders
weist, in der für gewaltige Völkerbewegungen wie die- ! beachtenswert: de Vr. erklärt es (195 f.) als „unwahr-
jenige der Indogermanisierung Europas kein Platz mehr scheinlich, daß der germanische Kult von den Kelten
ist". Denn wenn es sich dabei zunächst um Ausbreitung übernommen sein sollte; er war wohl gemeinsames Erb-
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