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Ausgabe:

1936 Nr. 23

Spalte:

431

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rickert, Heinrich

Titel/Untertitel:

Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung 1936

Rezensent:

Zeltner, Hermann

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Seite 1

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431

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 23.

432

staments, Einschätzung der Edda, Beurteilung Jesu j idealistischen Pädagogik, wobei er wohl im wesent-
Christi als des größten Helden, Begeisterung für Fried- j liehen von der lebhaften Diskussion beeinflußt ist, die

rieh Schiller usw. Die katholische Literaturbewegung
wäre aber doch etwas ernster und wertvoller anzusehen
als sie Wolf hier schildert. Auch wenn wir von konfessionellem
Schrifttum absehen, bleibt doch eine Menge
wertvoller Leistung übrig, die im Grunde katholisch
ist und die nicht schlechthin abgewertet werden kann.
Wolf hat seine Kenntnis stark aus der Person und dem
Wirken Kraliks gezogen: das war schon 1923 einseitig
; heute ist das ganz unzulänglich.
Berlin. Otto Lerche.

Rickert, Heinrich: Die Grenzen der naturwissenschaftlichen
Begriffsbildung. Eine logische Einleitg. in die histor. Wissensch.

5., verm. Aufl., 6.—7. Tsd. Tübingen: J. C.B. Mohr 1929. (XL, 776 ! Problematik des Religionsunterrichtes. Der Verfasser

in der Zeitschrift „Schule und Evangelium" darüber
geführt worden ist. Er skizziert im Anschluß an Fror,
Doerne, Merz u. a. eine Pädagogik aus gläubiger Haltung
, die allein von der neu werdenden Kirche getragen
sein kann. „Das erzieherische Handeln hat seinen Platz
im zweiten Artikel". „Die einzige Ordnung, in der die
evangelische Erziehung ihren Weg finden kann, ist
die Gemeinde des dritten Artikels". Erziehung als
christliches Handeln kann nur in der Sündenvergebung
und Wiedergeburt entspringen, darum ist die evangelische
Schule eine Notwendigkeit.

In diesen Zusammenhängen erscheint nun auch die

s.) gr. 8°. ' rm 29.50 ; Lwd: 33— ! bewegt sich wesentlich in den Gedankengängen von
Rickert bemerkt in seinem Vorwort, daß er die mit | ?ol]ne> d,ie .er aber wieder im Anschluß an andere mil-
dieser Auflage erreichte Form in jedem Falle als end- | dert- Religionsunterricht ist zwar nur möglich in Vergültig
betrachtet. Nun hat der Tod auf seine Weise antwortung vor der Kirche aber er ist nicht Verkündi-
diese Willensmeinung besiegelt. gung, sondern Lehre. „Nicht Lehre, die eingeordnet
Der Text des Werkes blieb gegenüber der 4. Auflage j lst. lrJ die Bildung sondern m den Dienst der Ge-
(1921) im wesentlichen unverändert. In einem Anhang meinde. Ohne sie hat der Religionsunterricht keinen

Grund. Er ist eine Funktion der Gemeinde. Soweit
und insofern der Religionsunterricht in der Schule steht,
kann er nur den Sinn der Christentumsunterweisung
haben".

Es ist dankbar zu begrüßen, daß uns diese Heerschau
über die neue evangelisch orientierte Pädagogik
geboten wird. Die kleine Schrift ist als erste Orientierung
brauchbar, doch ist der Verfasser wohl nicht
ganz setner Aufgabe gewachsen gewesen. Die Berichte
über die einzelnen Wortführer sind nicht immer klar
(z. B. 58 oben), beruhen wohl auch nicht immer auf
eigener gründlicher Lesung (z. B. S. 44 Mitte), und die
Kritik entspringt anscheinend nicht einer eigenen geschlossenen
Stellungnahme, sondern ist weithin Bericht
über fremde Kritiken, die unter einander wieder nicht
ganz einig sind, so daß da ein etwas schillerndes Bild
entsteht. Das neue Buch von Rang über den Biblischen
Unterricht ist noch nicht berücksichtigt. Hier liegen
Aufgaben für eine neue Auflage.

Berlin. Kurt Kessel er.

Soeben erschien:

DieEschatologie derEvangelien

Ihre Geschichte und ihr Sinn
Von Dr. theol. Werner Georg Kümmel

a. o. Professor an der Universität Zürich
II, 32 Seiten. 8°. Kart. RM 1.80

Sonderdruck aus „Theologische Blätter" 1936 Nr. 9/10
Die Bedeutung der Erwartung des nahen Endes für
die Predigt Jesu ist seit Joh. Weiss und A. Schweitzer
kaum noch umstritten. Rätselhaft blieb aber der
theologische Sinn dieser Enderwartung und die Frage,
inwiefern diese Erkenntnis unser Verständnis der Predigt
Jesu beeinflussen muß. Rätselhaft blieb auch,
wie das Johannesevangelium und seine Botschaft vom
gegenwärtigen Heil mit dieser Predigt Jesu in Verbindung
gesetzt werden kann. Die vorliegende Untersuchung
will unter Berücksichtigung der neuesten
Forschung zeigen, daß der Sinn der eschatologischen
Predigt Jesu nur verstanden werden kann, wenn man
als Inhalt dieser Predigt die Christuswirklichkeit erkennt
; sie will von da aus auch die Botschaft des
Johannesevangeliums als legitime Weiterbildung ver-

solche versteht, doch eine allgemeingültige Grundlage i ständlich machen.

hat R. eine 1901 französisch erschienene Arbeit über
die vier Arten des „Allgemeinen" in der Geschichte abgedruckt
. Über dasselbe Thema bandelt das Nachwort
un einer Polemik gegen G. Misch, der von Dilthey ausgehend
gegen den Formalismus der R.sehen Geschichtsphilosophie
Stellung genommen hatte. Es ist nicht unsere
Aufgabe, diese Kontroverse weiterzuführen. Aber
es zeigt sich hier wieder der tiefe Gegensatz zwischen
der für die Epoche R.'s charakteristischen Geschichtsphilosophie
, die ganz an der Geschichtswissenschaft
orientiert war, und einem Verständnis der Geschichte als
Lebenswirklichkeit, wie sie die heutige Philosophie als
ihr Thema erkennt.

Für den in jeder Beziehung posthumen Charakter
dieser Anzeige ist der Rezensent, jedenfalls was den
Zeitpunkt ihrer Abfassung betrifft, nicht verantwortlich.
Göttingen. Hennann Zeltner.

Lange, Dr. Erich: Die Erziehungslehre der evangelischen
Theologie. Berlin: Junker & Dünnhaupt 1936. (98 S.) gr. 8°. =
Neue deutsche Forschungen. Abt. Religions- u. Kirchengesch. Bd. 2.

RM 3.80.

Mit der theologischen Wendung der Gegenwart hat
sich auch eine pädagogische Wendung vollzogen, die
der vorliegende Forschungsbericht zu beleuchten versucht
, indem er die wesentlichen Äußerungen zur Sache
nach bestimmten Gesichtspunkten (geistesgeschichtlicher
Rahmen, Kritik an der humanistischen Pädagogik,
Religionsunterricht, allgemeine Probleme, die über Unterricht
und Schule hinausgehen, Kirche und Erziehung),
geordnet berichtet und würdigt.

Delekat weist die Grenze aller bewußten Erziehung
auf und zeigt, daß alles erzieherische Handeln einer
vorbewußten transrationalen Mächtigkeit entspringt,
Heitmann erwartet eine neue Erziehung von einem neuen
gläubigen Realismus, Kopp sieht in der Agape als dem
Ursprung aller Kultur auch die Erziehung gegründet, M.
v. Tiling und Hellmuth Schreiner erkennen in der Gemeinschaft
— darin mit dem nationalsozialistischen Pädagogen
Ernst Krieck einig — die Grundlage und Ermöglichung
aller Erziehung. Während aber Krieck ganz
„politisch" denkt, Schreiner durchaus „kirchlich", hält
sich Tiling in der Mitte, indem sie in der Schöpfungsordnung
Gottes, die man erst vom Evangelium her als

für die Pädagogik sucht. Grundlegend für alles Erziehen
ist die Ich-Du-Beziehung der Menschen und ihr
Stehen in ihrem „Stand", also auch im Stand des
Erziehers.

Der Verfasser des Forschungsberichts findet in die-
sen Gedankengängen mehr oder weniger Reste der alten _J. C. ninrichs Verlag / Leipzig

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 21. November 1936.

Verantwortlich: Prof. D.W.Bauer in Oöttingen, Düstere Eichenweg 14.
Verlag der J. C. H i n r i c h s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. -- Druckerei Bauer in Marburg.