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Ausgabe:

1936 Nr. 23

Spalte:

419-420

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Den aeldre Middelalder indtil 1241 1936

Rezensent:

Achelis, Thomas Otto

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419

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 23.

420

Stellen, wo letztere stilistisch gewandter ist: „Wir sind
aus eurer Mitte hervorgegangen" (Tertullian II, S. 89):
„Von den Eurigen sind wir" (Rolffs, S. 102).

Bedenken muß ich ferner äußern hinsichtlich der
Behandlung einzelner Stücke, was ich an Apol. cap. 1
verdeutlichen möchte. Dieses für Tertullians schriftstellerische
Art so überaus aufschlußreiche Kapitel wird
leider nicht zusammenhängend abgedruckt, sondern auseinandergerissen
(S. 102 f., 108). Dabei steht der Anfang
auf S. 108, wobei jedoch der rauschende Beginn
des Originals gestrichen wird und bald darauf ein prachtvolles
Stück dem Rotstift zum Opfer fällt, das so
recht den Advokaten Tertullian und seine sophistischen
Kniffe charakterisiert. Das Folgende liest man dann
(ebenfalls mit bedauerlichen Kürzungen) auf S. 102/3
— oder hat es vielmehr schon gelesen. Die deklamatorische
Wucht dieses Abschnittes geht bei dieser Behandlung
völlig verloren, und zugleich ahnt der Leser
gar nichts von dem raffinierten Aufbau des Ganzen.
Einen weiteren Mangel in der Behandlung der Auszüge
muß man darin sehen, daß Verf. nie den Zusammenhang
kenntlich macht, in dem eine Probe steht. So druckt
er unter Nr. 91 b) den Satz ab: „Von den Eurigen
(den Heiden) sind wir. Christen sind geworden, nicht
geboren" (S. 102). Man versteht den Sinn dieses (übrigens
stilistisch verunglückten) Satzes doch erst, wenn
man die propagandistische Absicht von Apol. cap. 18
kennt. Als allgemeine Regel formuliert ist der Gedanke
sicher falsch, zumal er anderen Äußerungen Tertullians
deutlich widerspricht (cf. de baptismo, cap. 18: veniant
dum discunt, dum quo veniant docentur; fiant Chri-
stiani cum Christum nosse potuerint). Diese beiden Proben
mögen zur Charakteristik des Buches genügen.

Der Fachmann bedarf solches Werkes nicht, der
theologisch interessierte Laie wird wenig damit anfangen
können, denn die kurzen Proben aus Tertulliams
Schaffen, von denen oft 2—3 auf einer Seite stehen,
lassen ja gar kein rechtes Verständnis aufkommen, und
es wird auch nicht erreicht durch das äußere Mittel
einer modern anmutenden Überschrift: „Kulturfortschritt
und Kulturdünkel", „Christentum ... als Philosophie
des ... als ob", „gegen den Boxersport" usw. Ich
fürchte, daß diese Auswahl nur für den ertragreich
sein könnte, der sich den lateinischen Text bereits zu
eigen gemacht hat.

Halle a. S. Walther Völker.

Fabriclus, L.P.: Danmarks Kirkehistorie, I. Bind. Middelalderen.
Kopenhagen: O. Lohse 1934—35. (719 S.) 8°. Kr. 16-.

Seit Ludvig Helveg seine dänische Kirchengeschichte
herausgab (1851—1870), sind über zwei Menschenalter
verstrichen. Infolge der zahlreichen neuen Quellenveröffentlichungen
und der eingehenden Untersuchungen
der kirchlichen Vergangenheit Dänemarks ist es eine
sehr verdienstvolle Aufgabe, der sich Pastor L. P. Fabri-
cius unterzogen hat, für das dänische Volk eine Schilderung
der Entwicklung der Kirche von den Tagen Ansgars
bis auf unsere Zeit zu liefern. Das Gesamtwerk
soll sechs Halbbände umfassen, von denen jährlich einer
erscheint, sodaß 1939 das Werk abgeschlossen sein
wird.

Die vorliegenden beiden Halbbände erzählen die
Kirchengeschiente Dänemarks bis zum Tode von König
Hans (1513), also zum Vorabend der Reformation
. Schon im äußeren ist der Abstand von Helvegs
Werk in die Augen fallend: Größeres Format, besseres
Papier und eine Fülle von guten Abbildungen —
darunter viel neues Bildmaterial —, wie man es um
die Mitte des letzten Jahrhunderts noch nicht kannte.
Auch die Anwendung kurzer Inhaltsangaben am Rande,
wie wir sie seit Mommsens römischer Geschichte kennen
und schätzen, ist für den Leser sehr willkommen.

Es ist kein Lehrbuch, sondern eine Schilderung für
den Gebildeten, wobei gleichzeitige Quellen oft zu uns
sprechen. Am Schluß jedes Halbbandes werden zu-

: nächst die wichtigsten allgemeinen Hinweise für den,
der selbst zu den Quellen zu gehen wünscht, gegeben,

: und sodann spezielle Zitate für einzelne Behauptungen.
Auf diese Weise hat das Werk auch für den Forscher,
der sich mit der Geschichte der nordischen Kirchen befaßt
, seine Bedeutung. In der schwierigen Wahl zwischen
dem Zuviel und dem Zuwenig der Anmerkungen
hat der Verfasser eine glückliche Hand gehabt. Besonderes
Lob verdient das ausgezeichnete Bildmaterial,
das mit Unterstützung des Kopenhagener Nationalmuseums
vorgelegt wird. Die klare und lebendige Schilderung
, welche Fabricius geliefert hat, verdient warme
Empfehlung; es ist das Werk, zu dem man heute

j greifen muß, wenn man sich mit der tausendjährigen
Geschichte der dänischen Kirche bekannt und vertraut
machen will.

Rendsburg. Thomas Otto A c h e 1 i s.

Jahrbuch der Synodalkommisslon und des Vereins für ostpreußische
Kirchengeschichte4:1935. Königsberg, Pr.: Wichem-
Buchh. 1935. (101 S.) 8°. RM 3.20.

Der vorliegende Jahrgang des Jahrbuchs für ostpreußische
Kirchengeschichte enthält zunächst die Fortsetzung
eines Beitrages von Theodor Wotschke über
Theodor G e h r, den Kämpfer, dessen ersten Teil der
Jahrgang 1933/34 dieses Jahrbuchs brachte. „Mit Recht
hat man Gehr (gest. 1. 4. 1705) den Vater des Königsberger
und des ostpreußischen Pietismus überhaupt genannt
." Mit dieser Feststellung schließt Wotschke seine
Arbeit ab, die er durch eine Fülle wertvoller Briefabdrucke
erweitert und die insbesondere die engen persönlichen
Beziehungen Gehrs zu August Hermann Francke
aufzeigt.

Sodann bringt das Jahrbuch eine kurze biographische
Skizze von Max Brun au über Karl Ferdinand Voigdt,
den Begründer des Gustav Adolf-Vereins in Ostpreußen.
Dieser „Grenzvoigdt" war freilich allen, die jemals
etwas von den Anfängen und den Anfangsschwierigkei-
ten des Gustav Adolf-Vereins gehört hatten, durchaus
schon bekannt. In den größeren Darstellungen der
Geschichte des Vereins konnten ein paar Worte über
Voigdt nicht fehlen. Voigdts „Geschichte des Gustav
Adolf-Vereins in der Provinz Preußen" (1847) und
seine Berichte über die Lage der ostpreußischen Diaspora
auf der 16. und 20. Hauptversammlung des Vereins
1858 in Leipzig und 1863 in Lübeck zeigen ihn als einen
evangelischen Pfarrer von offenem Blick für das praktisch
in der Kirche Erstrebenswerte und Erreichbare.
Brunau hat für seine jetzt erschienene biographische
Skizze ungedruckte Quellen benutzen können, die bisher
unbekannt geblieben waren, so daß manche Ereignisse,
die bisher nur schwach beleuchtet waren, nunmehr in
helleres Licht treten. Es handelt sich vor allem um Julius
Rupp in Königsberg, seine freie Gemeinde, die von
daher dem Gustav Adolf-Verein drohende Gefahr und
den Versuch eines „kirchlichen" Gustav Adolf-Vereins.

Julius Rupp, der disziplinierte Pfarrer und abgesetzte
Divisionsprediger, war ein wirklich freier Protestant
von nicht geringen Gaben und eine unzweifelhaft religiöse
Persönlichkeit. Von all den Wortführern und Versammlungshelden
jener großsprecherischen Zeit ist heute
kaum noch die Rede; Rupps Schriften in einer großen
Bändereihe neuherausgegeben, erfreuen sich immer wieder
einer gewissen Beachtung. Man darf ihn in mancher
Hinsicht einen Vorläufer Chr. Schrempfs nennen.
Rupp wußte ohne Zweifel um die Kirche, ihm ging es
wirklich um das Evangelium und er erstrebte in der
Tat eine Verkündigung, die der Bildung und Kultur der
Zeit gemäß war. Eine solche Verkündigung vor den
i ostpreußischen Musketieren war aber ohne Zweifel falsch
j ausgerichtet, und das athanasianische Symbol ging diese
Kreise schon garnichts an. Heute wissen wir aller
auch, daß der Königsberger Generalsuperintendent Sar-
torius unbedingt sehr hoch einzuschätzen ist und daß
diese charismatisch besonders begabte Persönlichkeit