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Ausgabe:

1936

Spalte:

416

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hatch, William Henry Paine

Titel/Untertitel:

The Greek manuscripts of the New Testament at Mount Sinai 1936

Rezensent:

Seesemann, Heinrich

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Seite 1

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415

V

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 23.

4 lß

ständnis nach Form und Inhalt auf, daß man wünscht,
Horst möchte der Wissenschaft einen neuen Kommentar
zum Hohenliede schenken.

4. Einleuchtend erklärt Karl Heinrich Rengstorf
den Ausdruck Locus — mäqöm als Gottesbezeichnung
in Tosefta Succa IV 28 (anstelle der sonst üblichen
Deutung von oipib = Mxoc = Wolf). Das Vorkommen
des lateinischen locus in hellenistischer oder römischer
Zeit auf hellenistischen oder orientalischen Gebieten
wird aber nicht nachgewiesen.

5. Eine Palmyrenische Büste mit kurzer Inschrift,
an der es etwas zu raten gibt, bespricht Heinz Wuth-
n o w.

6. Ausführlicher handelt über Komposition und Li-
terarkritik der Bilderreden des äthiopischen Henoch
(Kap. 37—69) Fridolin Stier. Im Gegensatz zu Beer
und Charles setzt Stier bei dem Unterschied von Reden
und Visionen ein. Nach Ausscheidung der Noah-
stücke findet der Verfasser 1) eine Redenquelle: 38 +
39,2b; 45; 48,8—10; 50; 51; 58, wahrscheinlich auch
61,6—63,12. 2) eine 1. Visionsquelle: 39,3—14: vermutlich
auch 40; 41; 43; 44; 48,1+49. 3) eine 2. Visionsquelle
: 46; 48,2—7; 4) eine 3., möglicherweise
mit der 2. identischen Visionsquelle: 47. 5) eine 4. Vir
sionsquelle: 52—54,1—6; vermutlich auch 61,1—5. Die
Quellenfrage für die kleineren Abschnitte 42, 56, 5—8
(Reden); 57, 59, 64 (Visionen); 69, 26—29 (Rede)
läßt er offen.

7. Über wichtige Handschriften in Meschhed berichtet
Otto S p i e s. Unika oder ihres Alters wegen
wichtige Handschriften werden aufgeführt.

8. Arabische Schreiberverse bietet Max Weisweiler
, deren erstes Aufkommen nicht vor das 6. Jahrhundert
der Flucht gesetzt wird.

9. Den Plan einer neuen, leicht kommentierten
Koranübersetzung entwickelt Rudi P a r e t. Sie soll 1)
historisch treu sein, 2) den Koran durch sich selbst
erklären, 3) sich eng an den Wortlaut des Originales
halten, 4) durch kommentierende Zusätze ergänzt werden
, 5) ihre Verszählung soll nicht nur nach der Editio
Flügel, sondern auch nach der Ausgabe der Ägyptischen
Staatsdruckerei gegeben werden. Kolumnen und
Einrückungen sollen in rechter Weise gestaltet, identische
und sachlich verwandte Parallelstellen angeführt
werden. Als Proben neuer Deutung werden vorgelegt
die Übersetzung: „Das Verborgene bewahrend" in Sure
4,38 (34) und in 12,81 sowie die Deutung des Ausdrucks
„Leute des Hauses" = „Leute der Ka'ba" =
„Anhänger des islamischen Ka'bakultes".

10. Einen Beitrag zur orientalischen Alexandersage
liefert Erich Ruoff damit, daß er einen die Schlacht
gegen Porös behandelnden Text aus der Einleitung
von „Kaiila und Dimna" in Übersetzung vorlegt und
einige Bemerkungen daran knüpft.

11. Den Lebensgang und das Wesen des 1932 verstorbenen
„Fürsten der Dichter" Sauqi charakterisiert
Fuad Hasanein A1 i. Durch mitgeteilte Proben veranschaulicht
und alle Beziehungen (Ägyptischen Nationalismus
, Panarabismus, arabische Freiheitsbewegung, Verhältnis
zum Klassischarabischen und zum arabischen
Dialekt Ägyptens) berührend, erleichtert diese Skizze
den Zugang zum Verständnis eines modernen arabischen
Poeten.

12. Christian Herrnhold R e m p i s behandelt Avi-
cenna als Vorläufer 'Omar Chajjams, wobei er neben
anderen Proben ein Ghazal vollständig in Text und Übersetzung
mitteilt.

Die Beiträge geben nach den verschiedensten Seiten
hin Anregungen und gereichen dem Jubilar sicherlich
zur Ehre. Dem Direktor des Brillschen Verlages in
Leiden, Herrn Th. Folkers, hat die Wissenschaft zu
danken, daß er die Drucklegung dieser Beiträge übernommen
hat.

Goslar am Harz. Hugo D u e n s i n g.

Hatch, Prof. William Henry Paine: The Greek Manuscripts of
the New Testament at Mount Sinai. Facsimiles and descriptions
Paris: Paul Geuthner 1932. (78 Lichtdruck-Tafeln m. je 1 Blatt Text
u. XII, 7 S.) Lex. 8°.

Ders. The Greek Manuscripts of the New Testament in Jerusalem
. Ebda. 1934. (64 Lichtdrucktafeln m. je 1 Blatt Text u. XII,
5 S.) Lex. 8°. = American Schools of Orierrtal Research. Publications
of the Jerusalem School. Vol. I. II. je Fr. 150—-.

Der Herausgeber dieser beiden Bände, Professor
in the Episcopal Theological School, Cambridge, Mass.,
war in den Jahren 1922/23 Annual Professor in the
American School of Oriental Research in Jerusalem.
In dieser Zeit hat er sich der Mühe unterzogen, an 2
Stellen, im Katharinenkloster am Sinai, und in der BibLio-
thek des griechischen Patriarchats zu Jerusalem die griechischen
N.T.lichen Handschriften durchzusehen und von
jeder Hs. je ein Blatt zu photographieren. Diese Photographien
(77 bezw. 64) werden uns nun in ausgezeichneten
Reproduktionen vorgelegt, wobei, der Herausgeber
zu jedem Blatt noch eine gesonderte Beschreibung liefert
. Die Hss. sind sämtlich jüngeren Datums, die ältesten
entstammen dem 10. Jahrhundert. Die Bedeutung
der Ausgabe liegt nicht so sehr darin, daß sie uns
neues Material aufgeschlossen hätte, als darin, daß
sie uns ein brauchbares und gutes Hilfsmittel bietet,
Studenten in das Gebiet der Palaeographie einzuführen.
Und das bezweckte der Herausgeber auch mit dieser
— allerdings recht kostspieligen — Ausgabe.
Riga. H. Seesemann.

Hirsch, Lic. Dr. Selma: Taufe, Versuchung und Verklärung
Jesu. Berlin: Dr. E. Ebering 1932. (99 S.) gr. 8". = Religions-
wiss. Stud. hrsg. v. E. Ebering. H. 1. RM 4 — .

Die Schrift bearbeitet ein Thema, das unbedingt einmal
unter religionsgeschichtlichem Gesichtspunkt in Angriff
genommen werden mußte. Aber leider ist sie reich
an abwegigen Einfällen und arm an methodischer Selbstzucht
, so daß meine Zustimmung auf die Themastellung
beschränkt bleiben muß.

Den wesentlichen methodischen Fehler sehe ich
schon in der Behandlung der Verklärungsgeschichte, von
der die Arbeit ihren Ausgang nimmt. Die Verf. hat sich
überhaupt nicht ernstlich die Frage vorgelegt, was denn
die überlieferte Erzählung eigentlich sagen will. Sondern
sie gelangt schon nach einem kurzen Überblick
zu der Vermutung, daß ursprünglich Jesus selbst in
die Gestalten des Elias und des Moses verwandelt
wurde. Und fügt diesem erstaunlichen Ergebnis noch
das andere hinzu, daß in dem Wort des Petrus vom Hüttenbauen
das „ursprüngliche Petrusbekenntnis" vorliege.
Denn Petrus drücke in diesem Wort seine Meinung über
die Person Jesu aus, und das könne er nur getan haben
bei der Gelegenheit, wo er nach dieser Meinung gefragt
war. Zum Beweis der ersten Vermutung aber wird
auf das Wort Mk. 9,8 verwiesen, nach dem die Jünger
plötzlich nur noch Jesus vor sich sehen.

Gerade jenes Wort des Petrus aber hätte auf eine
andere Deutung des Ganzen führen müssen. Denn es
I wird durch die Bemerkung Mk. 9,6 ( denn er wußte
nicht, was er antworten sollte") als falsch ausgewiesen
. Petrus hat also die himmlische Erscheinung miß-
J verstanden, als er meinte, die Anwesenheit der bimm-
i lischen Gestalten bei Jesus könne von Dauer sein, und
darum solle man ihnen drei Hütten errichten. Die beiden
Gestalten sind nur für den Augenblick, da Jesus sich
in himmlischer Daseinsform zeigt, zu ihm getreten.
Die Wolke, aus der Gott spricht, hüllt alles ein, sie
sehen nichts mehr, und als die Wolke schwindet, ist
Jesus allein bei ihnen, und zwar augenscheinlich in die
irdische Daseinsweise zurückverwandelt.

Im Zusammenhang mit jener Hypothese vom Petrusbekenntnis
wird nun Mk. 8 untersucht, vor allem
Mk. 8, 32—33. Die Verf. zerschlägt diesen kleinen Abschnitt
, behauptet, daß der Anfang von 8,33 (wegen
des Wortes tötov) vor Mk. 1,38 gehöre und will den
Rest der beiden Verse mit Mk. 10 verbinden und vor