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Ausgabe:

1936 Nr. 23

Spalte:

412

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cassuto, Umberto

Titel/Untertitel:

I manoscritti palatini ebraici della Biblioteca Apostolica Vaticana e la loro storia 1936

Rezensent:

Soden, Wolfram

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Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 23.

412

das des leidenden, Sinnestäuschungen unterlegenen,
furchtsamen Menschen, der Messing für Gold hält, weil
es von seiner Großmutter stammt und der seelisch an
dem Tage zusammenbricht, an dem eine Zigeunerin ihm
den Tod prophezeit hat" (S. 406). Und ganz zuletzt
wirft der Verfasser noch die Frage auf: „Welchen Weg
•muß die Menschheit gehen, um sich des Aberglaubens
zu entäußern?", die er dann mit den schönen Sätzen
beantwortet: „Immer wieder erfahren wir, daß die Liebe
es ist, deren Heilighaltung den Menschen aus dem Sumpf
des Aberglaubens retten kann. Eine verinnerlichte Religiosität
, das Bewußtsein der Einheit mit der (von den
einzelnen Religionsvertretern verschieden aufgefaßten
und verschieden benannten) Gottheit zerstört . . alles
Formenwesen und . . . dadurch auch den Kern der abergläubischen
Welteinstellung. Dieses Zerfließen in eine
Gottheit oder eine göttliche, ewige Idee sichert den Menschen
am besten vor dem Zurückgleiten in den Machtbereich
des Teufels, der Aberglauben heißt und Aberglauben
ist." Bei der Besprechung des ersten Bandes
wurde ein allgemeines Urteil bis nach Erscheinen des
zweiten zurückgestellt. Nun liegt diese , Weltgeschichte
des Aberglaubens' abgeschlossen vor uns — der sie
aber geschrieben hat, weilt nicht mehr unter den Lebenden
. . So sind diese beiden Bände das Vermächtnis
eines Forschers, der zeitlebens ein Ringender war, dessen
hohes Wollen höchster Beachtung wert ist, der aber
in diesem Werk die gestaltende Form nicht fand, die
es zu einem Standard-Werk gemacht hätte . . . Was
J. von Negelein bietet, kann einer späteren Monographie
des Aberglaubens höchst wertvoll werden, wenn es auch
unmöglich sein dürfte, auf Grund der Quellen behutsam
sichtend vorzugehen . . Das Ganze ist als großer, stark
persönlich eingestellter Wurf anzusehen . . . das darf
auch als ein der Ehre und des Dankes würdiges Verdienst
betrachtet werden. Dank gebührt auch dem Verlag
, der in solch loyaler Weise den Druck des umfangreichen
Werks ermöglicht hat.
München._R. F. Merkel.

Mandel, Prof. D. Herrn.: Rassenkundliche Qeistesgeschichte.
Eine einführende Antrittsvorlesung u. ein systematischer Forschungsüberblick
. Leipzig: Wilh. Heims 1936. (48 S.) 8°. RM 1.40.
Für manche neue Wissenschaftzweige erscheint es
nicht günstig, wenn sie mit dem weltanschaulichen
Kampf einer geistesgeschichtlichen Epoche sich verflicht
, da die Gefahr besteht, daß die Blickpunkte
sich verschieben und wichtige Ergebnisse in ihrer Bedeutung
absichtlich verkannt werden. So ist z. B. die
,Rassenkundliche Geistesgeschichte' ein Gebiet, das für
die untersuchende Bearbeitung höchst wertvoll sein kann.
Wer daher auch dem Verfasser in manchen seiner Ausführungen
nicht beizustimmen vermag, muß dennoch die
Energie anerkennen, mit der er sich in dieses Forschungsgebiet
eingelebt hat. „Zwischen die materialistische
und die idealistische Kulturanschauung tritt die
biologisch-rassische. Und es wäre die Aufgabe einer
ganzen interfakultiven, von der Religion über das Recht
zu den philosophischen Wissenschaften reichenden Fakultät
, solche rassenkundliche Geistesgeschichte, die
heute noch in mehr als einer Fakultät auch nach dem bescheidensten
Raum suchen muß, in Angriff zu nehmen."
Zunächst analysiert Mandel „die Eigenart nordisch-arischer
und morgenländischer Religion als der beiden
großen Gegenspieler" — eine kurze Zusammenfassung
seiner früheren Ausführungen in: ,Nordisch-deutsches
Seelentum im Gegensatz zum morgenländischen' (1934),
um dann über „die Zurückführung der geistigen, religiösen
Gebilde auf rassische Eigenart" zu handeln.
Mit dem Hinweis auf L. F. Clauss' stilpsychologische
Erörterungen, auf Alois Riegls kunstphilosophische
Untersuchungen und A. von Senger's Studien über die
Verschiedenheit rassisch bedingter Baukunst erschließt
uns der Verfasser geistesgeschichtliche Probleme, die
der rassenkundlichen Forschung neue Wege weisen. Das
Vorliegende enthält eine Antrittsvorlesung, die H. Man-

! del bei seinem Übertritt aus der Theologischen in die
| Philosophische Fakultät der Universität Kiel gehalten
hat, wobei sein Lehrauftrag auch auf ,Rassenkundliche
Geistesgeschichte' ausgedehnt wurde. Im Anhang bietet
er einen sehr brauchbaren systematischen Überblick
über die bisherige Forschung auf diesem weitverzweigten
Gebiet.

München.___R. F. Merkel.

Cassuto, Umberto: I manoscritti palatini ebraici della Biblio-
teca apostolica Vaticana e la loro storia. Cittä del Vaticano, Biblioteca
apostolica Vaticana 1935. (VIII, 183 S. u. 2 Taf.) gr. 8°. = Studi e
testi 66. L. 40—.

Nach der Eroberung und Plünderung von Heidelberg im Jahre
1622 ließ Tilly die reichen Handschriftenbestände der dortigen Biblio-
theca Palatina nach Rom schicken, wo sie seither einen wertvollen Teil
der vatikanischen Bibliothek bilden. Unter diesen Handschriften befanden
sich auch etwa 260 hebräische — Bibelhandschriften und jüdisches
Schrifttum —, die später z. T. mit anderen Beständen des Vatikans
vermengt wurden. Der Katalog von Assemani (Rom 1756) versuchte
sie durch die Bezeichnung „olim Palatinus", mit der er 288 Handschriften
versieht, von den übrigen zu trennen, hat mit seinen Bemerkungen
aber offenbar nicht immer das Richtige getroffen. Cassuto unternimmt
es nun unter Berücksichtigung aller verfügbaren Herkunftskennzeichnungen
auf den Handschriften sowie vor allem auch unter ausgiebiger
Benutzung der alten Kataloge der Heidelberger Sammlung, die
Aussonderung der aus Heidelberg weggeführten Bestände auf gesicherter
Grundlage durchzuführen. Darüber hinaus untersucht er auch noch
sorgfältig die Herkunft der Heidelberger hebräischen Handschriften und
weist dabei ausführlich nach, daß etwa zwei Drittel von ihnen aus dem
Vermächtnis von Ulrich F u g g e r stammen, der seinerseits den größten
Teil seiner Sammlung aus Handschriftenbeständen der Juden von Kreta
erworben hat, während andere früher dem Florentiner Humanisten M a-
netti (1396-1459) gehört hatten. Der 2. Teil des Buches teilt dann
die alten Kataloge der Heidelberger Sammlung im Wortlaut mit und
versieht sie mit inhaltsreichen Anmerkungen, die manche ungenaue Angabe
von Assemani richtigstellen. Ein ausführliches Verzeichnis der
Buchtitel und Verfassernamen, die auf den Handschriften begegnen, Konkordanzen
und zwei Tafeln mit Schriftproben beschließen die Arbeit, die
sich um die weitere Erschließung der vatikanischen Handschriftenbestände
und die Aufhellung mancher kulturgeschichtlich interessanter Tatsachen
ein großes Verdienst erwirbt.

Oöttingen._ W. von Soden.

Stummer, D. Dr. Friedrich: Monumenta historiam etgeogra-
phiam Terrae Sancta illustrantia. Series prima. Bonn : Peter
Hanstein 1935. (95 S.) 8°. = Florilegium Patristicum tarn veteris
quam medii aevi auctores complectens Ed. Geyer et Zellinger Fasci-
culus XLI. Kart. RM 4—.

In diesem Hefte werden geboten: Ss. Paulae et
Eustochiiae ad Marcellam epistula, S. Hieronymi epita-
phium s. Paulae, ejusdem ad Dardanum de terra repro-
missionis epistula, ejusdem oommentariorum in Ezechie-
lem prophetam caput XLVII 15—20 und schließlich ausgewählte
Stücke aus seinen Briefen an Paulinus und
Sabinianus. Der Text der Briefe ist nach dem Wiener
Corpus gegeben, der Text aus dem Ezechielkommentar
nach der Patrologia Latina vol. XXV. Wo der Verfasser
von diesen Texten abweicht, hat er das unter dem
Text mit Begründung gesagt. Die reichlichen Noten
suchen den Schriftsteller durch sich selbst, durch an-

I dere alte Schriftsteller und endlich durch moderne
Autoren zu erklären. Bei letzterem Unternehmen kommt
dem Herausgeber zustatten, daß er zwei Jahre lang
im Orientalischen Institut der Görresgesellschaft zu Jerusalem
hat zubringen dürfen. So sind denn Resultate
und Fragen, die sich durch neueste Grabungen er-

I geben haben, verwertet. Der Druck ist sorgfältig, so-
daß Fehler wie der S. 64 Z. 9 v. u., wo fructus statt
fractus zu lesen ist, kaum vorkommen. In der Sache läßt

j sich ergänzendes Material beibringen, das ein umfassen-

I der fundamentiertes Urteil gewährleistet. So ist zu
S. 57 Anm. 10 zu bemerken, daß die Feier des Sabbats
neben dem Sonntag in der alten Kirche auf syrischem

I und ägyptisch-abessinischem Gebiete üblich war und
in Abessinien bis auf den heutigen Tag geübt wird,
also nicht eine Eigentümlichkeit der nitrischen Mönche
gewesen ist. Das Urteil des Verfassers ist besonnen,

i und so kann das Heft gute Einführungsdienste leisten.

i Goslar am Harz. Hugo Duensing.
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