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Ausgabe:

1936 Nr. 21

Spalte:

375-377

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Richardson, Cyril Charles; The Christianity of Ignatius of Antioch 1936

Rezensent:

Bauer, Walter

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Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 21.

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sehen Literatur beleuchten. Eine Anzahl von Indices
machen den Beschluß.

Wie schon der Titel sagt, ist ein Hauptanliegen des
Verf. dieses gewesen, die Berührungen zwischen Ari-
steas und der Griechischen Bibel beider Testamente
herauszustellen. Das hat zu einem höchst erfreulichen
Ergebnis geführt. Überhaupt habe ich bei meiner Arbeit
an der Neuauflage des Wörterbuches oft genug Gelegenheit
gehabt, mich von der Genauigkeit der Angaben und
der Sauberkeit der Durchführung zu überzeugen.
Göttingen. W. Bauer.

Hub er, Hugo H.: Der Begriff der Offenbarung im Johannes-
Evangelium. Ein Beitr. z. Verständnis d. Eigenart des vierten Evangeliums
. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1934. (150 S.) gr. 8°.

RM 7—.

„Vorliegende Arbeit versucht von einem speziellen
Punkt aus Lkht in das johanneische Problem zu bringen
. Der Verfasser weiß, wieviel Unsicheres ihm dabei
unterlaufen ist. Vielleicht wird sich auch Widersprechendes
finden; denn der Gegenstand ist keine
mathematisch lösbare Größe. Das Forschen um den
johanneischen Christus gleicht dem Gang zu einem
Leuchtturm, dessen in die Finsternis strahlendes Licht
wir sehen, zu dem wir uns aber nicht erheben können
und daher selbst im Dunkel bleiben. Doch besser dies
Geständnis der im menschlichen Unvermögen sich zeigenden
Tragik, als die Verkürzung des göttlichen Ereignisses
durch seine Messung nach menschlichem Maßstab
." (S. 4).

Der .spezielle Punkt', von dem der Vf. hier redet,
ist das Verständnis des Joh. ev. als bewußte Offenbarungsrede
. Von hier aus deutet er es. Und ich will
nicht leugnen, daß dabei manches im 4. Ev. in ein helleres
Licht gerückt wird. Nicht richtig aber scheint mir
die Abgrenzung, die der Vf. für das Joh. ev. vornimmt.
Gewiß liegt ein Unterschied in der Darstellung des
4. Ev. vor; vgl. die auch vom Vf. herangezogene Untersuchung
von W. Michaelis: Täufer, Jesus, Urgemeinde.
1928. Aber der Unterschied wird vom Vf. übertrieben.
Das geschieht zudem, weil er mit großer Zuversicht
für die Echtheit des Joh. ev. eintritt und demzufolge
es über alle anderen N. T liehen Schriften stellt: Joh.
biete die Erinnerungen aus dem Leben mit Jesus als
persönliche, unter dem Erlebnis der Offenbarung geformte
— die Synoptiker bieten sie als unpersönliche,
bzw. mehr von missionarischen Interessen, bzw. solchen
der Urgemeinde getragene (S. 33); ähnliche Wertungen
, durch die die Synoptiker in ihrer Bedeutung verkleinert
werden, finden sich noch häufig; das Ergebnis
ist geradezu: nur beim 4. Evang. finden wir die
wahre Verkündigung Jesu, d i e Offenbarung, wie Jesus
sie uns mitteilte. Auch Pls. rückt in den Hintergrund:
„Paulus hat Mystik, weil nicht das ,Wort' Zentrum
seiner Verkündigung ist, sondern das Werk des Christus
, d. h. das, was Jesus den Gläubigen erworben.
Der 4. Evangelist nimmt einen anderen Standpunkt ein."
(S. 66). Darf man das wirklich sagen? Was ist denn
der Unterschied zwischen ,Wort' und ,Werk des Christus
'? — Ich bedaure, daß der Vf. nicht stärker der
Frage nach der Einheit der N. T.lichen Botschaft
nachgegangen ist, der Frage, die im Vordergrund unserer
Arbeit stehen muß. Gewiß sollen wir nicht den
Blick für die Eigenart der einzelnen Schriften verlieren;
aber ist nicht gerade der Begriff der Offenbarung Gottes
durch Christus an die ihm feindliche, sündige Welt
der Punkt, der die ganze Verkündigung zusammenhält
und zur Einheit zusammenschließt? Und dann geht es
nicht an, diesen einen Punkt für das Joh. ev. überzubetonen
— so viel richtiges auch im Grundgedanken
steckt —, sondern die Aufgabe ist vielmehr, das Gemeinsame
im Besonderen zu finden.
Riga. H. Seesemann.

Richardson, Cyril Charles: The Christianlty of Ignatius of
Antioch. New York: Columbia Univ. Press und London: Oxford
Univ. Press 1935. (XI, 120 S.) 8°. Geb. 10 sh.

Das Buch ist aus der Dr.-Dissertation erwachsen,
die der Verf. der Fakultät des Union Theological Se-
minary, New York, vorgelegt hat. Seinen Gegenstand
bildet das Christentum des Ignatius von Antiochien, wie
es sich in Glauben und Leben entfaltet und in seinen

' Briefen ausgesprochen hat. Vor allem ist das Augenmerk
auf die Beziehungen gerichtet, die Ignatius zu seinen
„Vorgängern" Paulus und Johannes unterhält. Nicht

j zum wenigsten die Beobachtung, daß die Englisch
sprechende Welt bei aller Teilnahme für den Märtyrerbischof
doch bisher noch keine Sonderarbeit hervorgebracht
hat, die sein inneres Leben betrifft, hat dem
Verf. sein Thema nahegebracht.

Auf Einzelfragen, die den Text, die Echtheit der
Zeugnisse, die Stellung des Ignatius innerhalb der
Verfassungsgeschichte des Urchristentums anlangen,
brauchte er nicht weiter einzugehen. Hierfür war

I gut gesorgt, vorab durch das grundlegende Werk des
Bischofs J. B. Lightfoot, dessen Textherstellung R.
im wesentlichen folgt. Auch die Echtheit der sieben
Briefe der mittleren Sammlung wird begreiflicherweise
nicht erneut unter Beweis gestellt.

Der eigentlichen Arbeit sind Noten, eine Bibliographie
und Indices beigegeben. Auch ein Anhang findet
sich, der die von Ignatius bekämpfte Ketzerei, besonders
unter dem Gesichtspunkt der Einheitlichkeit, untersucht
. Er kommt zu dem Ergebnis, daß Ignatius es
mit zwei verschiedenen Arten von Falschglauben zu
tun hat, die durch Doketismus und Judaismus bestimmt
waren.

Es ist natürlich nicht zu erwarten, daß eine Anfängerschrift
an den vielbehandelten Stoff neue Fragestellungen
herantragen und ihm neue Ergebnisse abgewinnen
werde. Auch war es wohl mit dem Sonderzweck
der Arbeit gegeben, daß eine Auseinandersetzung mit
der Meinung der Vorgänger nur in sehr eingeschränktem
Maaße vor sich geht. Hierbei hätte, wenigstens in
den Noten, die Genauigkeit der Literaturangaben etwas
sorgfältigere Pflege verdient.

Mein Buch über Rechtgläubigkeit und Ketzerei tritt
nur einmal (S. 83) an ungefährlicher Stelle auf. Aber
ich darf mich über die Unbefangenheit freuen, mit
der R. zugibt, daß für Ignatius wirklich sicherzustellen
nur die Bekanntschaft mit dem 1. Korintherbrief ist.
Bei allen anderen Paulusbriefen bleibt Ungewißheit zu-
rück. Kanonsgeschichtliche Folgerungen daraus zu ziehen
, war vielleicht nicht Sache des Verfassers, dem
es genügen konnte, die Beziehungen zwischen Ignatius
und Paulus zu erwägen, ohne die Frage aufzuwerfen
, ob die Paulusbriefe für Ign. schon hl. Schriften
waren. Jedoch, wenn sich dann die Beschreibung des
l Tatbestandes Paulus-Ignatius so liest, als sei es im
! Grunde selbstverständlich, daß dem Antiochener die
Apostelbriefe bereits als Sammlung vorgelegen haben,
; so werde ich Bedenken nicht los.

Der Satz: „The correspondence of Paul had become
! a vitale influence in his life" (S. 66), beschreibt ge-
| wiß nach herkömmlicher Ansicht den Sachverhalt für
i Ignatius richtig, ich kann mich aber nicht davon über-
i zeugen, daß alles was bei dem nötigen guten Willen
unseren Ohren einigermaßen paulinisch klingt, ausrei-
I chender Beweis für den Einfluß der Paulusb riefe
sein müsse. Dann dürfte sich wirklich nicht nur gerade
der Brief deutlich geltend machen, der sich,
wie auch der Verf. weiß (S. 60), in der frühen Kirche
immer wieder hervordrängt. Für die einzigartige Stellung
des 1. Kor. in der christlichen Literaturgeschichte
der Frühzeit vermisse ich heute noch jeden einiger-
I maßen einleuchtenden Erklärungsversuch, der den mei-
! nen ablösen könnte. Solange aber diese wichtige Frage
nicht beantwortet ist, scheint mir das Vertrauen auf
die Anklänge wenig begründet.

Und wenn solches Vertrauen dann gar noch ein
gleiches entzündet hinsichtlich der Berührungen des
Ign. mit dem Johannesevangelium, wo es an überzeu-