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Ausgabe:

1936 Nr. 19

Spalte:

340-341

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Two biblical papyri in the John Rylands Library, Manchester 1936

Rezensent:

Walters, Peter

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339

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 19.

340

logisch-kunstgeschichtliche Seite muß ich in dieser Zeitschrift
unberücksichtigt lassen und mich auf den religionsgeschichtlichen
Inhalt beschränken. Aber dieser ist
reich, bei V. B.s Schreibweise so reich, daß es nicht
leicht ist, den roten Faden durch die Fülle der Belege
hindurch zu verfolgen. Die wesentlichen Themen der
Untersuchung sind:

1. Jupiter Ammon: Weshalb suchte Alexander
Grosse die Vaterschaft gerade dieses Gottes in der
Großen Oase? Das Bild des Zeus-Ammon hat verhältnismäßig
geringe Wirkung ausgeübt.

2. Sarapis: Sein Kultbild war rein griechisch. Der
Osiris-Apis wird jedoch als Stier dargestellt, der Sara-
pis-„Apis-Imperator" als gepanzerter Mann mit Stierkopf
.

3. Isis: Im ägyptischen Serapeum stand vermutlich
ein nicht bekanntes Bild, mit oder ohne den Säugling
Harpokrates. Im griechischen Serapeum kann nur eine
Isis in griechischem Stil aufgestellt gewesen sein.

4. Harpokrates: Eine eigene Statue ist im griechischen
Tempel des Serapeums zu Alexandria wahrscheinlich
, nach V. B. in griechischem Stil mit ägyptischen
Attributen wie Krone, Lotosblüte und vielleicht auch
Knabenzopf an der rechten Schläfe.

5. Gepanzerte Gottheiten mit Lanze: Horos als
Rächer seines Vaters Osiris; Anubis und Ophis (Upuaut)
als schützende Begleiter des Osiris; der Zwergengreis
Bes ebenfalls im Gefolge des Osiris; und einige weitere
Gottheiten mit oder ohne Namen außerhalb des Osiris-
kreises. Alle in diesem Exkurs genannten Gottheiten
werden von V. B. als Kunsttypen behandelt, nicht
als Kultbilder. Mit Soldatenkulten haben sie nichts
zu tun, hängen aber zusammen mit dem Begriff der
„militia Dei", der in hellenistischer Zeit entstand und
in römischer künstlerisch gestaltet wurde.

6. Gottheiten mit Schlangenleib: Isis als Schlange
mit Menschenhaupt, ebenso Sarapis mit bärtigem Kopf.

7. Kultbild des Thot von Hermopolis: Pfeiler mit
lesendem Pavian und Ibis; hinter ihm stand nach V. B.s
Ergänzung Thot als ibis-köpfiger Mann.

8. Bärtiger Mann, nach dem über den Kopf gezogenen
Mantel ein Kronos-Saturnus, nach dem Krokodil
in seiner Hand dem Suchos verwandt. Kultbild im
Fajjüm?

9. Kultbild von Kanopos: Osiris als Krug, als Typus
entstanden in der 2. Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr.

Der Schluß (S. 34) faßt ein Gesamtbild zusammen.
Die ägyptischen Götter, durch griechische Symbolik
ausgestaltet, werden in griechischem Stil dargestellt.
Sarapis ist nie zum Nationalgott der Ägypter geworden;
aber er, und noch mehr Isis, gelten im Ausland als
Vertreter des ägyptischen Pantheons. Die alten Götterbilder
werden in römischer Zeit aufgegeben und
dttrch die hier behandelten Mischgestalten ersetzt.

Die Behandlung dieser Themen läßt zuweilen die
Frage aufkommen, ob wirklich alle diese Götterfiguren
auf Kultbilder zurückgehen, wenn mau darunter Statuen
der Gottheiten im Allerheiligsten der Tempel versteht.
V. B. geht in der Konstruktion dieser Vorbilder recht
weit, wenn er seine an sich zweifellos richtige Ableitung
verfolgt. Wir dürfen auf der anderen Seite in vielen Typen
des Kunstgewerbes Gestaltungen sehen, die eben
nur der handwerklichen Kleinkunst angehören. Man fragt
sich deshalb bei einigen Themen, weshalb V. B. gerade
diese Typen aus der Fülle der Figuren herausgehoben
hat und weshalb nicht auch andere. Mag dieses Vorgehen
Zufall oder Absicht sein, die Studie zur griechischägyptischen
Götterwelt und ihrer Wiedergabe in der
Mischkunst der hellenistischen und römischen Zeit ist
inhaltreich und wertvoll, — wenn man sich nicht durch
seine Schreibweise und durch das erdrückende Material
zurückschrecken läßt. So volkstümlich oder auch nur
allgemeinverständlich, wie man es für die Hefte des
„Alten Orients" erwarten sollte, ist sie nicht. Seine
selbst dem Fachmann oft undurchsichtigen Nameris-

I formen und Umschreibungen werden den Fernstehenden
j zuweilen nicht erkennen lassen, wer gemeint ist. Eine
i ungewöhnliche Terminologie und eine leicht hingeworfene
Art der Zitierung erleichtert die Benützung nicht.

Hildesheim. O. Roeder.

Two Biblical Papyri in the John Rylands Library, Manchester, edited
by C. H. Roberts, M. A., Fellow of St.John's College, Oxford,
and University Student in Papyrology. Manchester: The Manchester
University Press 1936. (62 S.) 8°. Geb. 2 sh. 6 d-

Durch die Güte von Herrn D. Deißmann kann ich
I schon acht Tage nach Erscheinen auf die am 21. 7. 36
herausgekommene Publikation aufmerksam machen. Deu-
teronomium-Fragmente aus der Mitte des 2. vorchristlichen
Jahrhunderts: fürwahr, D. Deißmann überschreibt
seinen Aufsatz in DAZ (26. 7. 36) mit Recht „Das älteste
Bibelblatt, ein sensationeller Papyrus-Fund"! Es
handelt sich um 1917 von Dr. Rendell Harris angekaufte
Mumien-Kartonnagen. Das sind, nach Grenfells von Roberts
zitierter ausführlicher Beschreibung (Paper read
to the Classical Association of Ireland in March 1918),

3 oder 4 aufeinander geklebte Lagen zerschnittener Blätter
oder Fetzen abgängiger Papyri, die dann außen mit
Deckpflaster versehen und bemalt wurden. Stücke davon
wurden auf oder um Kopf, Brust und Beine der Mumie
über den Stoffhüllen angebracht und zwar nur während
der drei Jahrhunderte vor Chr.; vorher und nachher
hat man keine Papyrusblätter dazu benutzt. Im
vorliegenden Fall war die Klebung so vorzüglich, daß
nur das gewagte Mittel einer Eintauchung in siedendes
Wasser (1 Minute) sie auflösen konnte, glücklicherweise,
ohne Material oder Schrift zu beschädigen. Es fanden
sich, neben Homer-, tragischen, lyrischen und Historikerfragmenten
, Rechnungen sowie demotischen Listen
mit Namen und Zahlen, „Fragmente von mindestens

4 verschiedenen Kolumnen" einer das Deuteronomium
enthaltenden Rolle, nämlich 23,24 (26)—24, 3; 25,1—3;
26, 12; 26, 17—19; 28,31—33 sowie 3 weitere „unplaced
fragments". Zum 2. (g) davon weist der Hsg. selbst,
falls er svq richtig lese, auf mögliche Fundstellen in
Dt. hin. Das 1. (f) glaube ich identifizieren zu können.
Die Wiedergabe von R.

|'U'|
]■ i xwve [

läßt nach der Konkordanz nur die Möglichkeit, 27,15
herzustellen, wobei natürlich über den jeweiligen Zeilenbeginn
und -Schluß nichts Sicheres auszumachen ist
und nur die entscheidenden Wörter tatsächlich im Abstand
einer Zeile voneinander stehen. Die unsicher gelesenen
AA als AN von avOooKtoq zu geben, ist graphisch
gerechtfertigt, Einsicht in Original oder Faksimile vorbehalten
:

['EmxaToiQaTolc, avö[pa>jcoc,, öari? 3toi-]

[i'aei yXvmbv x]ai yiove[vx6v

Sachlich ist damit jedoch wenig gewonnen, sodaß man
ruhig das 3. Fragment (h), das Reste von drei Zeilen
und unter den Buchstaben nur einen sicher entzifferten
enthält, auf sich beruhen lassen darf.

Wie der archäologische Befund auf die Ptolemäer-
zeit, so weist der paläographische auf die Mitte des
2^ Jahrhunderts v. Chr. Ehe die, einseitig beschriebene,
Dt-Rolle zu Mumienpapier-mäche verarbeitet wurde,
wurde die Rückseite zu geschäftlichen Aufzeichnungen
benützt, deren Schriftzüge zeitlich zu den übrigen Frag-

I menten stimmt, während die der Dt-Rolle älter sind (im
Charakter zwischen Schubart, Abb. 67, III3, und 72,1«).

] Die, ursprünglich sehr schöne, Handschrift trennte Verse
und Sätze durch einen weiteren, Kola durch einen ge-

| ringeren Abstand; von Worttrennung ist keine Spur;
auch scheinen die Spatien auf den Sinn des Satzes
keine Rücksicht zu nehmen. Diese Gliederung des Tex-

| tes durch Abstände ist, wie R. S. 26 ff. ausführt, außer
in griech. Urkunden ganz ungewöhnlich; er gibt eine
Ausführung von G. R. Driver wieder, nach der ara-

I mäische Schreibgewohnheiten eingewirkt haben könnten.