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Ausgabe:

1936 Nr. 17

Spalte:

319-320

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich

Titel/Untertitel:

Die Verfassung des Deutschen Reichs 1936

Rezensent:

Zeltner, Hermann

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Seite 1

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319

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 17.

320

licher Neigung offenbar nicht schon als sündig ange- Texte u. Forschungen zur deutschen Philosophie, hrsg. von Herrn,

sehen werden, da sie genau so angeboren ist wie die Glöckner, i. Bd. RM 2.80; geb. 3.80.

.normale' Neigung zum anderen Geschlecht". Ist es Die Reihe, die mit der vorliegenden Veröffentlichung

schon an und für sich fraglich, ob diese biologisch- begonnen wird, soll vor allem Ergänzungen zu der im

physiologischen Vorgänge irgendwie etwas mit dem I gleichen Verlag erschienenen Hegel-Jubiläumsausgabe

Glauben zu tun haben, so hätte kaum übersehen werden ; bringen, von der sie sich dadurch vorteilhaft unterschei-

dürfen, daß der Staat nicht eigentlich die Neigung j det, daß sie nicht bloße Abdrucke, sondern kritisch revi-

bestraft, sondern die ethisch gefährdenden Auswirkun- dierte Texte bieten zu wollen scheint,

gen dieser Neigung. Aus einer evangelischen Sexual- Ueber die inhaltliche Bedeutung von Hegels sog.

ethik dürfte auch allmählich die umstrittene Bezeichnung | „Reichsverfassungsschrift" braucht heute nichts mehr

,Onanie' für Selbstbefriedigung verschwinden, da sie 1 gesagt zu werden. Georg Mollat hat das Verdienst, sie

völlig falschen Vorstellungen Vorschub leistet und auch 1893 erstmals aus dem schwer lesbaren Manuskript ver-

sittengeschichtlich einem anderen Kulturkreis angehört, öffentlicht zu haben. Lasson hat dann einen vielfach

Worauf eine gegenwartsbezogene evangelische Sexual- ! verbesserten Text herausgebracht. Auch die vorliegende

ethik besonders Bedacht zu nehmen hat, das wurde Ausgabe bringt wiederum eine Anzahl Verbesserungen,

von K. Leese in seinem Buch ,Die Krise und Wende Leider fehlt aber vielfach der Nachweis, ob sie auch

des christlichen Geistes. Studien zum anthropologischen wirklich aus dem Manuskript geschöpft sind. Keines-

urid theologischen Problem der Lebensphilosophie'(1932) : falls sollte man doch den Text entgegen dem klaren

auf Grund historischer Analysen treffend klargelegt. Die : Wortlaut des Manuskripts ändern, wenn man den Autor

christliche Ethik der Gegenwart, die zu den brennenden sachlich zu berichtigen beabsichtigt (so schreibt M.

Fragen auf sexuellem Gebiet fördernde Stellung nehmen j etwa „Reichstagsabschied", wo das Mscr. „Reichs-

will, muß sich dessen bewußt bleiben, daß alles natür- 1 abschied" hat). Auch stilistische Eigentümlichkeiten

liehe leib-seelische Leben und Erleben seinen gottgewoll- werden so gelegentlich „verbessert",

ten Rhythmus hat und daß die urchristlich-biblischen Der Wunsch, einen glatt lesbaren Text zu bekom-

Erlebnismodalitäten zuweilen seelische Werte nicht zur men, mochte zu solchem Vorgehen verleiten. Leider

Geltung kommen ließen, die unter voller Betonung des muß der Leser, wohl aus demselben Grunde, auf die

natürlichen Sexus allmählich überleiten zu einem we- Marginalien und Entwürfe Hegels verzichten, die neben

sensüberhöhten, von Caritas und Eros erfüllten neuen bloßen Parallelen doch auch wichtige Ergänzungen bie-

religiösen Lebensinhalt. Dadurch würde die christliche ; ten, darunter philosophische Texte erster Ordnung wie

Ethik, statt traditionelle Hüterin religiös-ethischer Lebensrichtungen
der Vergangenheit zu sein, mitarbeiten
an der Neuschaffung letzter Daseinswerte auf Grund
tiefster Einsicht in die vielfach im Unbewußten ver-

die verworfene Einleitung „Freiheit und Schicksal". Dankenswert
sind dagegen die erläuternden historischeil
Anmerkungen, die neben dem billigen Preis die Ausgabe
zum Gebrauch für Übungen empfehlen. In der

lagerten psychischen Gegebenheiten einer in religiösen 1 Literaturangabe vermißt man Michael B. Foster, Die
Tiefen verankerten menschlichen Existenz. I Geschichte als Schicksal des Geistes in der Hegeischen

München._R. F. Merkel. ' Philosophie (Tübingen 1929) — eine Schrift, die sich

Hegel, Georg Wilh. Friedr.: Die Verfassung des Deutschen ! ge™Je. mit dem vorliegenden Text ausführlich be-

Reiches. Eine politische Flugschrift. Neu hrsg. von Georg Mol- SCnartlgt.

lat. Stuttgart: Fr. Frommanns Verlag 1935. (XII, 131 S.) 8°. = I Göttingen. Hermann Zeltner.

In Kürze erscheint Lieferung 4

u m

Uberlieferung und Bestand der hagiographischen
und homiletischen Literatur der griechischen Kirche

von den Anfängen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts

von Prälat D. Dr. Albert Ehrhard, o. Professor emer. der Universität Bonn

Teil I: Die Überlieferung. Drei Bände von zusammen ungefähr 140 Bogen Umfang, die in
Lieferungen zu 9—10 Bogen ausgegeben werden. Subskriptionspreis je Bogen RM 1—

Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur, Band 50ff.

Aus den ersten Urteilen:

Ein Monumentalwerk, auf dessen Herausgabe nicht bloß die Kirchengeschichte, sondern auch die allgemeine Kultur-
geschichte schon seit Jahren mit Spannung wartet ... es erfüllen sich damit die Hoffnungen, die die Wissenschaft in
ihrer Gesamtheit an den Abschluß einer mehr als vierzigjährigen unablässigen Forschungsarbeit knüpft. . . Das Werk
selbst wird zum notwendigen Bestand aller wissenschaftlichen Bibliotheken und Arbeitsstätten gehören und ein wissenschaftliches
Auskunftsmittel ersten Banges sein. Die methodische Quellenforschung wird von hier aus auch auf anderen
Gebieten frischen Auftrieb erhalten. Das Leben und die Legende der Heiligen wird daraus hundertfältige Anregung und
Belebung schöpfen. Kölnische Volkszeitung (27. IV. 1936)

II est a peu pres impossible de donner une juste idee de la nature et de l'importance d'un ouvrage, qui, comme celui-ci,
est avant tout un instrument de travail et n'en est qu'au debut de sa publication. Mais ce qu'on peut dire sanB crainte
de se tromper, c'est que l'extraordinaire abondance des renseignements recueillis par Mgr. Ehrhard, la sürete de la criti-
que ä laquelle il les soumet, la clarte methodique avec laquelle il les ordonne et les presente, lui vaudront la recon-
naissance de nombreux travailleurs. Non seulement ce travail assurera des bases solides a l'edition projetee des actes des
martyrs, mais encore, dans les domaines multiples de la patrologie, de la pahsographie, de Phistoire du culte, etc., il sera
un principe et un facteur de progres. Puisee la publication se poursuivre reguliörement et etre rapidement men6e ä
bonne fin. Bevue d'histoire ecclesiastique (Avr. 1936)

Ausführlicher Prospekt (P 1011) steht zur Verfügung. — Lieferung 1 auf Wunsch zur Ansicht!

lag der J. C. Hinrich s'schen B u chha n dlung in Leipzig C 1

Die nächste Nummer der TliLZ erscheint am 29. August 1936.

Verantwortlich: Prof. D.W.Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 14.
Verlag der J. C. H i n r i c h s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.