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Ausgabe:

1936 Nr. 17

Spalte:

310

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cassel, David

Titel/Untertitel:

Hebräisch-deutsches Wörterbuch 1936

Rezensent:

Brauer, A.

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309

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 17.

310

drei Rassen verehrt, ehe sie sich vermischten. Das
gleiche ist nach S. 243 vom Sonnengott anzunehmen.
Sehr klar sind die Ausführungen über Nergal, den
Gott von Kutha S. 266 f., und sehr dankenswert ist
die Erörterung der erhaltenen Neujahrsliturgien S.
277 ff. Bei der Erörterung der westsemitischen Religionsanschauungen
in Kap. IX wird das Vorkommen des
amoritischen Gottesnamens 'Amm S. 283 f. auf Hom-
mel's Spuren verfolgt bis hinein ins A.T., wo die mit
'Amm bzw. 'Ammi zusammengesetzten Eigennamen diesen
Gott enthalten sollen. Dagegen ist zu sagen, daß
'Amm in den Eigennamen nicht nur ein Gottesname
nicht zu sein braucht, sondern in der Form 'Ammi
geradezu eine andere Erklärung fordert, wie das Gray
richtig gesehen hat. Den Gott Adda dagegen darf
man wohl als amoritiseh betrachten. Die Ergebnisse
der französischen Grabung in Gebal sowie die auf
dem Ras Schamra werden verwertet. Der Mythus vom
Tode und der Auferstehung des Vegetationsgottes, der
Bericht über die Umstände, unter denen sein Tempel
gebaut wurde, die übrigen vorkommenden Götter El,
Asehthar und Ascherat, wie die Göttinnen Elat und
Anat, der Todesgott Moth und der Korngott Dagan,
auch der Feuergott Rescheph passieren die Revue. 'Anat
soll dagegen nur ein Epitheton der Ascherat oder Asch-
tart sein und dieselbe als „the cohabitress", als Hiero-
dule bezeichnen. Hier hätte das Vorkommen des Namens
im AT. in die Erörterung gezogen werden sollen.
Der Gott Jadud kommt noch bei Philo von Byblos
vor. Besondere Betrachtung wird dem hier singulär
auftretenden Namen Scheppesch gewidmet. Da diese
Gottheit dem Mond koordiniert wird, ist darunter die
Sonne zu vermuten, und zwar als Lebensgeber (Schaphel
von nfsch). Weiterhin wird der Ausdruck Ba 'al beth
Eschmuni in der Tempelliste erörtert und in Eschmuni
eine Ortsbezeichnung gefunden. Der spätere Kult in
Gebal sowie die Götter und ihr Kult in den Hauptniederlassungen
der Phönizier werden gewürdigt, wobei S.
304 f. bemerkt wird, daß Tanit eine vorphönizische
Bauerngottheit sei. Wenn sie als pn ba 'al bezeichnet
wird, so hat Vf. bei der Erörterung der Bedeutung eine
Möglichkeit außer Acht gelassen, nämlich daß sie dadurch
als Offenbarung des ba 'al bezeichnet werden
sollte. Bei dem Vorkommen von El in Palästina wird
El Schaddai als El des Hügellandes erklärt. Der Name
Jabni'el S. 308 wird fälschlich „El has created" übersetzt
, es darf jedoch Jabni nicht perfektisch gefaßt werden
.' Der durch die Grabungen in Bethschean zu Tage
gekommene Mekhal ist nicht übersehen, und Kamosch
von Moab wird auch gewürdigt. Die aramäischen, die
nabatäischen und andere Gottheiten mehr werden in
die Erörterung einbezogen. Im letzten (IX.) Kapitel
geht Vf. wesentlich in den Spuren der Wellhausen'schen
Schule. Aus diesem Kapitel möchte ich nur die Erklärung
des Namens Jahweh's als „He who causes to
love passionately", abgeleitet vom arabischen Stamme
H W J, hervorheben.

Die Darlegungen des Verfassers gehen vielfach über
die Wahrscheinlichkeit nicht hinaus. Doch ist manches
glaubhaft gemacht auf Grund eines reichen, über
viele Völker und Zeiten sich ausdehnenden Materiales.
Dieses ausgebreitete Material läßt deshalb das Werk
auch dem wertvoll erscheinen, welcher manche Deutungen
und Konstruktionen des Verfassers für nicht
wahrscheinlich halten wird. Will man die Grundansicht
des Verfassers auf eine stilisierte Formel bringen,
so sind nach ihm bei den in Untersuchung gezogenen
hamitisch-semitischen Völkern die ältesten religiösen Erscheinungen
Fruchtbarkeitsgötter und Fruchtbarkeitsriten
.

Gern hätte man gesehen, daß der Vf. überall in eine
Auseinandersetzung mit der neuesten Literatur angetreten
wäre. So hätte zum X. Kapitel der „The original
form of the name „Yahweh"" betitelte Aufsatz
von Driver in Z A W. 46 (1928) herangezogen werden

können, zum vorangehenden (Kap. IX) der Aufsatz
von Hans Bauer „Die Gottheiten von Ras Schamra"
in ZAW. 51 (1933). Zum X. Kapitel liegt nunmehr
der Beitrag von Kuhn „Über die Entstehung des Namens
Jahwe" vor in den Littmann gewidmeten „Orientalistischen
Studien", welcher einen völlig abweichenden Weg
der Betrachtung einschlägt.

Als sehr wertvolle Beigaben des Buches verdienen
die beiden großen vergleichenden Tabellen in der Mappe
am Schluß des Buches hervorgehoben zu werden, die
eine Übersicht über die Personalpronomina und das

i Verbum in den hamitischen Sprachen, dem Ägyptischen
und den semitischen Sprachen geben. Zu bedauern ist

j nur, daß das Buch viele Fehler in den Namen und
Büchertiteln, auch Druckfehler in dem englischen Texte
enthält. Der Kundige wird zwar das Richtige dafür
einsetzen, aber der Lernende wird irregeleitet. S. 19 werden
die Werke von Hanoteau immer als solche von
Hotaneau zitiert, oder S. 3 wird ein Artikel von Vlock

! in P. R. E. angeführt, gemeint ist Volck; S. 244 Zeile 11
v. ob. 1. Agade statt Adgae, S. 147 Z. 4 v. u. in den
Anmerkungen 1. Schöpfung statt Schöffling, S. 90 Z. 12
v. u. 1. Assiut statt Assuit; S. 262 Z. 13 v. ob. 1. Atrak-
hasis statt Atarkhasis usw.
üoslar a. Harz. Hugo Duensing.

Cassel, Dr. Dav.: Hebräisch-Deutsches Wörterbuch. 12. Auflage
. Breslau: Heinrich Handel 1934. (360 S.) gr. 8°. RM 7.20.

Das zuerst 1871 erschienene Wörterbuch setzt sich
die Aufgabe, „den Lernenden in das lexikographische
Verständnis der biblischen Schriften A. T. einzuführen,
ohne ihn durch die seinem Standpunkte unzugänglichen
wissenschaftlichen Erörterungen zu verwirren . . ." Es
verzichtet daher auf „sprachvergleichende, etymologische,
archäologische Exkurse", Literaturangaben usw. und will
lediglich „Übermittlung des hebräischen Wortschatzes
in den deutschen", „Erkenntnis der hebräischen Wortformen
" und „Orientierung über die wichtigsten syntaktischen
Erscheinungen" bieten.

Das Buch hat sich seit seiner ersten Auflage in
Seitenzahl und Verteilung des Stoffes auf die einzelnen
Seiten und Spalten garnicht, in Einzelheiten nur wenig
verändert. Selbst die der 10. Auflage (1920) als „Nachträge
zur 9. u. 10. Auflage" vorangestellten Nachträge,
sind in der 12. als „Nachträge" unverändert abgedruckt.
Hofgeismar. A. Brauer.

Kaminka, A.: Beiträge zur Erklärung der Esra-Apokalypse

und zur Rekonstruktion ihres hebräischen Urtextes. Breslau: M. u. H.
Marcus 1934. (64 S.) gr. 8°. = Schriften der Oesellschaft z. Förderung
d. Wiss. d. Judentums Nr. 38. RM 2.40.

K. ist der Meinung, daß 1) 4. Esra nicht einheitlich
sei, 2) daß sich eine ursprünglich hebräische Grundschrift
in Kap. 3—10 und 12 und 14 erkennen lasse,
3) daß diese Grundschrift von Schaltiel um 556 v. Chr.
verfaßt sei. Für den lateinischen Text zieht er eine
bisher noch nicht verwertete Cistertienser Handschrift

' der Wiener Nationalbibliothek aus dem 14. Jahrhundert
heran. Jeder, der sich in Zukunft mit 4. Esra beschäftigen
wird, wird namentlich K.s Rückübersetzungen des
lateinischen Textes ins Hebräische nachprüfen müssen.
Er wird auch sonst viele Anregungen aus K.s Darlegungen
empfangen. Ohne Zweifel bedarf 4. Esra

l erneuter Untersuchung, namentlich auch hinsichtlich seiner
Herkunft aus Palästina oder Babylon, als auch hinsichtlich
seiner Abfassungszeit, ob aus römischer Zeit oder
aus der persischen oder der Seleucidenzeit, wobei das
Problem der Einheitlichkeit als das Urteil erschwerend

j hinzukommt. Zahlreiche rabbinische Nachweise, eben-

j so Literaturangaben, machen die kleine, inhaltreiche
Arbeit K.s wertvoll. Auf die zahllosen Einzelprobleme
einzugehen, würde an dieser Stelle zu weit führen.
Leipzig. Paul F i e b i g.