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Ausgabe:

1936 Nr. 1

Spalte:

291-292

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fink, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Geschichte der bayer. Benediktinerkongregation 1936

Rezensent:

Schornbaum, Karl

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Seite 1

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291

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 15/16.

292

Worte durch die Zeitgeschichte. Wir müßten mehr solcher
volkstümlicher kirchengesehichtlicher Episoden haben
. Schlicht aber auf den Quellen fußend. Erzählend,
aber doch der Geschichte keinen Zwang antuend. Hier
ist ein Weg gezeigt, kirchengeschichtliche Heimatkunde
ins Kirchenvolk zu bringen.

Bonn. F. H a u n.

Fink, P. Wilhelm: Beiträge zur Geschichte der bayer. Benediktinerkongregation
. München: Komm. Verlag R. Oldenbourg 1934.
(IV, 404 S.) 8°. = Studien u. Mitteilungen z. Gesch. des Benediktinerordens
IX. Ergänzungsheft. RM 5.75; geb. 7—.
Der Verfasser betritt völliges Neuland. 1784 verfaßte
zwar der k. b. Hofgerichtsadvokat und Damen-
stiftskonsulent Lit. Köllmayr eine Geschichte der Benediktinerkongregation
in Bayern. Aber schon dazumal
scheint man die Unzulänglichkeit derselben erkannt und
ihren Druck deshalb unterlassen zu haben. Seit dieser
Zeit ist die Schwierigkeit der Aufgabe noch bedeutend gewachsen
. Die Säkularisatiom 1803 hat ja viel des wertvollsten
Materials vernichtet. So bedurfte es der unermüdlichen
Sorgfalt des bewährten Kenners der Geschichte
seines Ordens, um die vielfach zerstreuten Grundlagen
seiner Arbeit zu finden und zusammenzubringen. Was
er bietet, ist ein anschauliches Bild der Wirksamkeit der
Benediktinerkongregation in Bayern. Die Liebe zu seinem
Orden führt zwar auch hier die Feder; macht ihn
aber nicht blind gegen Fehlentwicklungen. Er gönnt
der Kritik Raum.

Die Gründung der bayr. Benediktinerkongregation
führt in die Zeit der Gegenreformation zurück. Der
päpstliche Legat Felician Ninguarda, der Organisator
derselben, hatte sie schon ins Auge gefaßt. Er, der
alle Kräfte zusammenfassen und zur höchsten Wirksamkeit
befähigen wollte, hatte erkannt, daß die Unabhängigkeit
der einzelnen Benediktinerklöster einen Hemmschuh
in seiner Politik bedeutete. Doch dauerte es lange,
bis seine Pläne Erfolg hatten. Die Gegner waren nicht
nur einzelne Klöster, sondern vor allem die Bischöfe. Bedeutete
doch die Errichtung einer Kongregation durch
die Verleihung der Exemption eine Einbuße ihrer Macht.
Der weltliche Arm der Kurfürsten von Bayern verhalf
den Ideen zum Sieg. Am 26. Nov. 1684 unterzeichnete
Papst Innocenz XL das wichtige Breve. Es war nicht
uneigennützig, wenn Kurfürst Max Emanuel die Schritte
des Abtes Cölestin Vrgl. von St. Emmeran, der selbst
Reichfürst war, so nachdrücklich unterstützte. Man
kannte die finanzielle Kraft der Klöster. Die Tragik
liegt aber darin, daß in wenig Dezennien gerade diese
enge Bindung an den Staat die Vernichtung der ganzen
Institution beschleunigen sollte. Es wird uns nun nach
der eingehenden Schilderung dieser diplomatischen Verhandlungen
gezeigt, wie die Kurie ihren Zweck, eine
Steigerung der Kraft der Klöster erreichte, ohne doch
die Selbständigkeit der einzelnen allzusehr zu beeinträchtigen
. Die Durchführung eines gemeinsamen Studiums
und einheitlichen Noviziats gelang ebenso, wie
die Hilfe, die sich die Klöster zu teil werden ließen, zeigt,
daß es sich mehr als um eine äußere Einheit handelte.
Die Generalkapitel und die Persönlichkeiten der Präsiden
und Visirtatoren hatten dabei ein besonderes Verdienst.
Die Bedeutung der Kongregation tritt vor allem auf dem
Gebiete der Kunst und Musik zu Tage; aber auch auf
dem Gebiete der Seelsorge und der Wissenschaften
wurde manches erreicht. Interessant ist, wie die Zeitströmungen
doch auch in dieses feste Gefüge eindringen
. Es sei erinnert an die Tracht, ja an die Lebensweise
; wir hören, wie Kaffee und Tee auch hier ihren
Einzug halten. Aber noch mehr an die geistigen Bewegungen
. Das zeigt sich schon in der Weise, wie die
Unterrichtsfächer sich vermehren, das zeigt sich in der
Abkehr von allen scholastischen Methoden; das Studium
der Sprachen zieht ebenso ein, wie man sich abkehrte
von den Auswüchsen des Aristotelismus und
Thomismus. Vor allem war es aber der Geist der

neueren Philosophie, des Rationalismus, der an die
Klosterpforten pochte. Man baut gegen Ende der Kongregation
ins Helle und Weite, damit möglichst viel
Licht in die Klosterräume strömt, man spurt aber auch
die neue Philosophie in den gleichen Räumen die Geister
bewegen. Dieser neuen Zeit brachte aber der bisherige
Schutzherr, der Staat, die Klöster zum Opfer.
Daß der Verfasser nur ein verurteilendes Wort über
das Werk eines Montgelas fällen wird, ist verständlich.
Es kann auch die Art und Weise der Durchführung
der Säkularisation nicht gebilligt werden. Aber deutet
der Verfasser nicht selbst eine gerechte Würdigung
I der ganzen Zeit an, wenn er sagt: „Es ist nicht zu
leugnen, daß sich die geistlichen Territorien in vielen
Dingen überlebt hatten. Ihre Zeit war vorüber. Aber
man hätte eine Trennung von Geistlichem und Welt-
) liebem suchen sollen." Hatte nicht doch das Weltliche
das Geistliche auch in der Kongregation sehr zurückgedrängt
? Die finanziellen Forderungen, die der Staat
in der letzten Zeit an die Klöster stellte, zeigen, welche
J kapitalkräftige Massen sich hier fanden. Der Neubau
i der Kongregation ist dem Klosterfreundlichen König
I Ludwig II. zu danken. Pius IX. konnte 5. Febr. 1858
| dieselbe wiederum errichten. Der Schwierigkeiten waren
nicht weniger, wenn auch anders geartete, als bei der
j ersten Gründung. Es scheint, wenn auch keine 18
j Klöster sich nunmehr zusammenfanden, sondern nur
I etliche, daß die Wirksamkeit der neuen Organisation eine
viel gesteigertere ist als früher. Die Wirksamkeit der
bayr. Benediktiner hat sich ausgedehnt nach Amerika,
hat im Inland selbst eine Reihe neuer Betätigungsfelder
gefunden. War früher das Kloster St. Eameran
der Mittelpunkt, so nun das Kloster Metten; hier ist
auch diese vielbietende Jubiläumsschrift, die sich allzu
bescheiden:: „Beiträge zur Geschichte der bayer. Benediktinerkongregation
nennt" gedruckt worden.

Nürnberg. K. Schornbaum.

Ekklesia. Eine Sammlung von Selbstdarstellungen der christlichen Kirchen
. Hrsg. von Friedr. Si eg m un d-Sch u 11 ze. II. Die skandinav.
Länder. 6. Heft: Die Kirche von Norwegen. III. Die mittelenrop. Länder
. 11. Heft: Die Altkatholische Kirche. Gotha: L. Klotz. 1934 ff
(207 u. 151 S.) gr. 8°.

II. RM 9—; in Subskr. 6.50. III. RM 6.50; in Subskr. 4.50.

Beide Lieferungen mit umfassenden Einleitungen des
Herausgebers (25 u. 21 S.). Die Eigenart der norwegischen
Kirche ist die starke Laienbewegung, die
umfassende Missionstätigkeit und die staatlich-kirchliche
Struktur des Kirchentoms, die für Dissenters (2,68"/o
I der Bevölkerung im J. 1920) kaum Raum läßt. Im
J. 1930 standen 3,25<y0 der Bevölkerung (Dissenters,
I Dissidenten und Auslandsgemeinden zusammen) außerhalb
der ev. luth. Staatskirche, die allein mit bin-
l dendem Recht Amtshandlungen verrichten kann (Eheschließungen
gleichberechtigt mit denen der staatlichen
Standesämter). Einzigartig ist das Beieinandersein von
| verschiedenen religiösen Typen, „Gläubigen" und „Ungläu-
| bigen", Dogmatischen und Undogmatischen, Aktivisten
I und Quietisten, wie von bekenntnismäßiger und freier
Hochschulbildung, Kulturprotestantismus und Bauernpie-
{ tismus, Amerikanismus und Altluthertum ohne Ausgleich
j der Spannungen unter ein und demselben Kirchendach.
Die Geschichte der norw. Kirche gibt Prof. Brandrud
(Oslo), der zwar konstatiert, daß Olav Trygvason
seinen Untertanen nur „die Wahl zwischen Taufe oder
Kampf bot", aber die vorgekommenen Grausamkeiten
nicht erwähnt. Die Reformation wird nur als Übertragung
landfremden dänischen Kirchentums behandelt,
ohne der Stellungnahme Bugenhagens zu dieser dänischen
Entwicklung zu gedenken. Sehr interessant
ist die Untersuchung des Pfarrers Welle (Oslo) über die
inneren Gründe der Eigenart seiner Kirche; eine rassenpsychologische
Deutung wird hier unbedingt abgelehnt.
Die Theologie Norwegens behandelt Professor Frid-
richsen (Upsala), ohne ihre durchgehende Abhängigkeit
von der deutschen Theologie bestreiten zu wollen.