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Ausgabe:

1936 Nr. 1

Spalte:

287-288

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pickl, Josef

Titel/Untertitel:

Messiaskönig Jesus 1936

Rezensent:

Preisker, Herbert

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Seite 1

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287

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 15/16.

288

I 896 App zu I Esr 8, 48 earinafb] statt eotmuivöt] ; I 1043 App 8. Z.
v.u. 11,70 statt 69; II Ma 8,23 „deoö ßoiQeiag" wie 13,15;
13,15 vixti?; Sir 10,27 b 08|a£- statt öo|o£-; II 571 ist für Jes 5,7
die Randzahl 7 ausgefallen; II 652 muß es in der Note zu Jes 65, 4
66, 17 statt 65 heißen; Jes 65,24 x£Xpä|ai statt -<i-; Jer 30,1 lies
&X£xo statt (BJC-, Diese Korrektheit ist eine glänzende Leistung.

Der Ausgabe gehen dreisprachige Prolegomena und Zeichenerklärungen
voraus. Auf 9 Seiten wird die aus den Berichten des Unternehmens
und den früheren Ausgaben von Ruth u. Gen bekannte Geschichte
des Lxx-Textes geboten. Sie gibt dem Benutzer, was er so
sonst nirgends findet. Sie ist bis zur Charakterisierung der großen
Rezensionen geführt. Auch diese Beschränkung mag zu den Bedingungen
gehören, an die die Fertigstellung der Ausgabe geknüpft war; aber,
wenn man überhaupt Wünsche äußern darf, wo man beschenkt wird,
so möchte man doch die in den Vorbemerkungen zu den einzelnen
Büchern und Gruppen in verschiedner Ausführlichkeit und nicht einheitlicher
Blickrichtung gegebenen Notizen über den Quellenwert der Hss
und Hssgruppen sowie über die jeweils in Frage kommenden Rezensionen
und ihre Verteilung auf die Hss in einer Zusammenfassung lesen, i
Diese würde einmal in den Bemerkungen bleibende Lücken und Un-
gleichmäßigkeiten ausgleichen und so erst ein rechtes Bild geben; dann
wäre daraus eine knappe Erläuterung der Textgestaltung und der dabei
maßgebenden Grundsätze aus Rahlfs' eigner Hand geworden, die wir
jetzt nicht mehr erhalten werden. Es ist doch, bei dem naturgemäß
langsamen Erscheinen der großen Ausgabe, unnatürlich, daß der mitarbeitende
Benutzer in eigner Notarbeit aus wenigen verstreuten Monographien
und Andeutungen sich das Bild gewinnen soll, das Ra und
seinen Mitarbeitern schon viel vollständiger vorlag, als er die Gesamtausgabe
ausarbeitete, und dessen wir doch bedürfen, um, jeder von
seinem Platz aus, in die Mitarbeit auch an den Fragen der höheren
Kritik aussichtsreich einzutreten. Schon auf die Fragen, welche Hss
Luciantext enthalten, wieweit in den einzelnen Büchern dessen hinter
der Überarbeitung liegende wertvolle vorhexaplarische Schicht ersichtlich
und nutzbar ist, welche durchgehenden Rezz sich sonst noch finden
und wo; weiter eine Übersicht, was für einen Text nun die Ausgabe in
den verschiednen Büchern liefert — ich erinnere nur, außer an Eccl,
an II Esr, die Proph und Pretzls Studien zu Jos u. Jdc —, ließe sich
vom Sitz des Unternehmens eine Antwort geben, durch die alle Interessen
vorläufig befriedigt wären, ohne daß der Umfang der Einleitung
auch nur verdoppelt werden müßte. Die Zeichenerklärung beschreibt
an Hss nur BSA ; für weitere, wie Q, ist man auf das hier zu
karge Beiblatt angewiesen, das auch das Verzeichnis der Abkürzungen
willkommen ergänzt. Fasse ich nun die dringenden Desiderien hinsichtlich
der Verszählung und den Wunsch nach einer Ergänzung der Einleitung
zusammen, so erwächst daraus die Bitte, zu erwägen, ob nicht
das Beiblatt durch eine ausführlichere Anleitung zur Benutzung der Ausgabe
ersetzt werden könnte, wobei das eine oder andre, was sich aus
der Emendationenliste und den sprachlichen Besserungen ergibt, früher
oder später vielleicht mitverwandt werden könnte. Damit wäre der Verpflichtung
genügt, den die Verwaltung des gewichtigen Erbes auferlegt,
das uns Alfred Rahlfs noch vor seinem Heimgang übermachen konnte.
Koblenz. Peter Katz.

Pickl, Josef: Messiaskönig Jesus in der Auffassung seiner Zeitgenossen
. 2., durchgesehene Auflage. München : Josef Kösel u. Friedr.
Pustet[1935].(286 S.m. 15Bildtafeln u.3Karten.) geb.RM6.80.

Das Eigenartige und Wertvolle dieses Buches liegt
in zwei Ansatzpunkten: einmal hat Verf. die Werke
des Flav. Josephus sehr gründlich herangezogen, und
zum andern hat er seine Erfahrungen, die er als Feldgeistlicher
im Weltkriege im Orient gemacht hat, zum
Verständnis neutestamentlicher Einzelheiten verwendet.
Im 1. Teil seiner Arbeit behandelt P. eine Reihe einzelner
Geschichten aus der galiläischen Wirksamkeit Jesu
und sieht hier Jesus umworben von den galiläischen
Freiheitsscharen. Vorwiegend aber befaßt er sich (S.
50—186) mit Einzelzügen der Passionsgeschichte, zu
denen er reiche Illustration aus dem orientalischen
Volksleben gibt. Der 2. Teil bringt allerlei Archäologisches
(Burg Antonia, Prätorium u. a.) und ein 3. Teil
kritische Belege z. B. über die Zelotenpartei, Pharisäer
und Freiheitspartei, Bedeutung von ßaoitauc1 im Prozeß
Jesu u. a. m.

Es ist dankbar anzuerkennen, daß P. manche an-

1) Merkwürdigerweise schreibt P. immer ßomtaüi; statt ßaaikevc,.
Daß ßao. an verschiedenen Stellen der Evangelien Messianischer König
bedeutet, ist bekannt genug, vgl. Bauer, Griechisch-deutsches Wörterbuch
zu den Schriften des N.T., 2. Aufl., 1928, S. 214 u. 3. Aufl., 1936,
S. 226. Der Exkurs 1, 3. Teil, S. 258 bringt also wie mancher andre
nichts Neues.

! nehmbare Veranschaulichung für Einzelheiten gali-
: läischer Jesus-Geschichten gerade durch das (übrigens
; nicht gamz neue) stärkere Berücksichtigen der Frei-
j heitspartei bringt. Aber ebenso ist festzustellen, daß
Verf. durch seine Lieblingsidee zu recht willkürlichen
und einseitigen Erklärungen verleitet wird. So ist z. B.
die Kombination von Joh. 7 mit Luk. 13,4 nicht möglich
. Ebensowenig kann Matth. 26,61 von den Zielen
der „Bandenmänner" her erklärt werden; Verf. sieht
hier nicht den eschatologischen Gehalt des Wortes
Jesu gegen den Tempel, wie er überhaupt das Esehato-
logische kaum erkennt. Dazu kommt ein ganz unkritisches
Heranziehen der johanneischen Reden. Ebenso
unkritisch verfährt Verf. bei Verwendung der Berichte
vom Prozeß Jesu und sucht alles zu harmonisieren
, was die Überlieferung an oft widersprechenden
l Einzelheiten aufweist. Wie wenig historisch Verf. sieht,
zeigt sich u. a. auch an seiner Behandlung der bekannten
Wahrheitsfrage des Pilatus.

Am besten gelungen sind eine Reihe von Erklärungen
mancher Einzelzüge der Leidensgeschichte; ich weise
hin auf die Veranscnaulichung der Soldatenscenen in
der Leidensgeschichte S. 124 ff., 134 ff., auf das, was
er zum Essigtrank S. 150 f., zu den letzten Akten der
Kreuzigung S. 156 f. oder über die Totenklage zu sagen
hat. Wie er auch da recht gesucht und willkürlich seine
Gedanken in den Text hineintragen kann, dafür sind
seine Ausführungen über das öeoioeiv S. 172 f. bezeichnend
. Man vermißt öfters exakte Exegese und sichere
sprachliche Schulung. Aber man legt das Buch doch
nicht ohne Anregung fort.
Breslau. Herbert Preisker.

Du ncan, Prof. George S., D. D.: The Epistle of Paul to the
Galatians. London: Hodder and Stoughton [1934]. (LIV, 199 S.)

8°. = The Moffatt New Test. Commentary. 8 s. 6 d.

J. Moffatt läßt auf seine 1921 erschienene Übersetzung
des NT.s in modernes Englisch eine Kommentarreihe
folgen, um die religiöse Botschaft des NT.s
auf der Grundlage seiner Gegenwartsübertragung den
Menschen von heute nahezubringen. Auch solche, die
kein Griechisch verstehen, sollen erfahren, wie die neu-
testamentlichen Schriften von ihren ersten Lesern verstanden
worden sind, und wie sie als Glaubensbotschaft
der werdenden christlichen Kirche für Jesus als den
Christus und Gottessohn Zeugnis ablegen. Das ist
um so nötiger, als das NT. immer wieder auf Mißverständnisse
der merkwürdigsten Art trifft. Es ist selbstverständlich
, daß zur Lösung der ebenso bedeutsamen
wie schwierigen Aufgabe, die ja auch die deutsche Theologie
schon beschäftigt hat, nur wirkliche Fachmänner
berufen sein können.

Der Galaterbrief ist dem bekannten Neutestament-
ler der schottischen Universität St. Andrews George
S. Duncan anvertraut worden. Wir kennen ihn schon
als einen Gelehrten, der selber prüft, sich keiner Autorität
beugt, sondern nur Gründe anerkennt. Und so
erwarten wir von vornherein, bei ihm mehr als einen
Bericht darüber zu finden, was andere vor ihm als ihre
Meinung über den Galaterbrief ausgesprochen haben.

D.s Erklärung des Gal., dieser „Magna Charta der
evangelischen Christenheit" (p. XVlI), geht von der
Überzeugung aus, daß die Leser und damit die Gemeinden
von Galatien im Süden zu suchen seien. Trotz der sehr
erheblichen Zahl namhafter Forscher, die sich für Nord-
galatien entscheiden — auch Moffatt befindet sich unter
ihnen — scheint ihm jene Auffassung zweifellos. Dabei
fallen für ihn nicht nur die Gesichtspunkte ins Gewicht,
die man nun seit über hundert Jahren immer wieder zu
ihren Gunsten anzuführen liebt. Er glaubt vielmehr,
allein unter dieser Voraussetzung unseren Brief im
einzelnen begreifen zu können. Ist Gal. doch schon
vorhanden gewesen, bevor sich für den Apostel überhaupt
die Möglichkeit eröffnet hat, das eigentliche;
Galatien aufzusuchen. Gal. ist für unseren Verfasser