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Ausgabe:

1936 Nr. 14

Spalte:

251-254

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Willard, Rudolph

Titel/Untertitel:

Two apocrypha in Old English homilies 1936

Rezensent:

Börner, Otfried

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Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 14.

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nicht so, daß sie einem zum allgemeinen Gebrauch
vorliegenden Werk entnommen erscheint. Die Übersetzung
wurde dann auf weitere Teile ausgedehnt und
nach dem Constitutum des Papstes Vigilius, bald nach
dem Konzil von 553, vollendet.

Diese sog. versio antiqua (4>a) enthielt nur von
den Gesta die Actiones I—XVII, aber ohne Actio XVI,
weshalb in ihr die Actio XVII die Nummer XVI trägt,
und vom Anfang nur die Allocutio an Marcian (Nr. 20)
und den Brief des Konzils an Leo (Nr. 21). Ausgelassen
waren also vor allem die Briefsamtmlungen, die
in der griechischen Rezension und den Rezensionen
$cr der lateinischen Übersetzung vor der Actio I und
nach der Actio II stehen. Obwohl sie in kurzer Zeit
zweimal verbessert und erneuert wurde, blieb diese Übersetzung
doch Jahrhunderte im Gebrauch. Überliefert
ist sie in drei Handschriften aus dem achten und neunten
Jahrhundert (p. VII sq).

Wie eben bemerkt, wurde diese erste Übersetzung
*a bald nach ihrer Vollendung verbessert und durch
die Sammlung der Briefe vor den Gesta vermehrt,
aber noch nicht von Rusticus, wie die Ballerini und Fr.
Maassen mit Baluze meinen. Diese zweite Rezension
(*c) ist in sechs Handschriften aus dem o.—10. Jahrhundert
überliefert (p. VIII sqq).

Von dieser verbesserten Übersetzung <I>C veranstaltete
dann einer der schärfsten Verteidiger der Drei
Kapitel, der römische Diakon Rusticus, ein Neffe des
Papstes Vigilius, nach einer Handschrift im Akoime-
tenkloster bei Konstantinopel unter Vergleiehung mit
andern griechischen und lateinischen Handschriften eine
neue Ausgabe der Gesta mit den ihr angefügten Briefsammlungen
(<I>r)- Sie ist in sechs Handschriften aus
dem 9.—15. Jahrhundert überliefert (p. XII sqq).

Die erste Druckausgabe der gesamten Gesta von
Chalcedon stammt von dem Franziskaner Petrus Crabbe
im Mecheln (Köln 1551), neugedruckt von Surius (Köln
1567), dann auf Veranlassung Sixtus V wiederholt mit
vielen Druckfehlern (Venedig 1585), wobei Pierre Morin
Hauptbetei'ligter war. Schließlich gab St. Baluze zu der
der römischen Ausgabe genau folgenden Ausgabe von
Labbe zahlreiche adnotationes aus Handschriften, die
ihm gerade zur Verfügung standen. Den Wunsch einer
neuen Ausgabe, den derselbe Baluze geäußert hat, erfüllt
nun Schwartz. Da es sich darum handelt, drei
Formen eines Werkes ohne Durcheinander zu verbinden
, mußte er einen Weg einschlagen, wie er sonst
bei kritischen Ausgaben nicht üblich ist. Er gibt den
Text nach Rusticus und schließt alle Stellen, wo die
versio antiqua von dessen Text abweicht, mit '/ ein und
verzeichnet im Unterbau nach den Adnotationes Ru-
stici in einer zweiten Abteilung die verschiedenen Lesarten
der Handschriften von <£a, jedoch so, daß die
Lesarten der oodd. von <I>a und *r, die zu denselben
Worten gehören, am selben Ort gesammelt sind. In
einer dritten Abteilung werden die übrigen Lesarten
von <1>C vorgelegt. Welche Leistung des Herausgebers
das alles wieder bedeutet, brauche ich nicht weiter hervorzuheben
.

München. Hugo Koch.

Willard, Rudolph, Ass. Prof.: Two Apocrypha in old English

homilies. Leipzig: Tauchnitz 1935. (VIII, 149 S.) gr. 8°. = Beitr.

z. engl. Philol. 30. RM 8—.

Auf Grund eingehender und umfangreicher Studien
bereitet d. Verf. die Herausgabe gewisser bisher
meist unveröffentlichter altenglischer Homilien vor.
Sie sind von besonderem Interesse wegen ihres reichen
Gehalts an apokryphischem Material, wovon einiges
in der altenglischen Literatur insofern einzig dasteht,
als es allein die „drei Äußerungen der Seele" (The
Three Utterances of the Soul) als beim Jüngsten Gericht
geschehen darstellt. (S. 68). Diese Homilien sind
überliefert in MS CCCC 41 des Vercelli Codex der Bibl.
des Corpus Christi Coli., Cambridge. Sie stammen
handschriftlich aus der Zeit um 1100, aber sie gehören

einer früheren Periode an, die d. Verf. die unreformierte
oder prä-/Flfricsche Periode nennen möchte. Alle sind
reich an apokryphischem Material von einer unkanonischen
Art, die man in der Tat kirchliche Fiktion nennen
könnte. Über /Elfric vgl. Morsbachs Besprechung
der Herausg. u. übers, der Hirtenbriefe >Elfrics in
altenglischer u. lat. Fassung in Jahrg. 1915, Nr. 13,
I Sp. 298/9 dieser Ztschr. Die vorliegende Schrift ist
eine beiläufige Studie über die beiden Themen: The
Apocryphon of the Seven Heavens und The Three
Utterances. Da nun die altenglischen Homilien unsere
Kenntnis der oben erwähnten beiden Themen wesent-
I lieh erweitern, hat der Verf. in der vorliegenden Arbeit
sie eingehend behandelt. Beide Themen liegen bisher
in irischer und lateinischer Sprache überliefert vor,
aber nicht in altenglischer. Während der letzten 50 Jahre
I nämlich ist eine verlorene Apokalypse ans Licht gekommen
, die stückweise aus verschiedenen Quellen auftauchte
. The Vision of Adamnan (s. C. S. Boswell,
An Irish Precursor of Dante, London, 1908) enthält
eine Stelle, die den Gang der Seele durch die 7 Himmel
) beschreibt, wobei von den Leiden und Reinigungen be-
I richtet wird, die die Seele in jedem einzelnen dieser
Himmel auf ihrer Reise nach der Gegenwart Gottes
I hin zu ertragen hat, um dort abgeurteilt und ihrer
I ewigen Bestimmung überliefert zu werden. Die andere
| keltische Version liegt vor in „The Evernew Tongue"
! (s. Whitely Stopes, The Evernew Tongue, in Erin, II,
I 1905), einer Art verlorener „Apokalypse des Philip-
| pus", worin die Vorfahren des hebräischen Volkes in
j Beantwortung ihrer Fragen unterrichtet werden über die
Struktur der Welt, des Himmels und der Hölle, und die
i Zunge des Philippus die Ordnung und die Namen
der 7 Himmel enthüllt. In einigen Versionen (s. Revue
! Celtique, XXVIII, 1907, S. 295—297) erscheint ein
| Bericht über den Gang der Seele durch diese Himmel
nach Art der Vision des Adamnan. Die lateinische
! Version findet sich in den Stücken einer lateinischen
| Handschrift aus dem 8. oder 9. Jahrhundert, und zwar
j keltischen Ursprungs. (Revue Benedictine XXIV, 1907).
Montague Rhodes James (Irish Apocrypha, in ,The
Journal of Theological Studies', XX, 1918) hat die
i Wichtigkeit dieses lateinischen Textes in Bezug auf die
anderen beiden Versionen erwiesen, da alle 3 den Nachweis
eines Apokryphons bringen, dessen Name uns
unbekannt ist, und dessen Natur und Inhalt wir nur
auf Grund dieser verschiedenen Versionen beurteilen
können. St. John D. Seymour (Zeitschr. f. Kelt. Phil. XIV,
1923; The Vision of Adamnan, in ,The Proceedings of
the Royal Irish Academy, XXXVII', 1927, Section C; und
Irish Visions of the Other-World, London, 1930) hat
I jenen Versionen eine eingehende Untersuchung gewid-
I met, die insbesondere die 7 Himmel, ihre Namen und
ihre Natur, ihre Wächter, Tore und Strafen betrifft.
Der Verfasser gibt den Text des Apokryphons der
I 7 Himmel (S. 4—6), ferner eine tabellarische Aufstellung
gewisser Kategorien der Beschreibung, nämlich
der 7 Himmel, der Himmelstore, der wachthabenden
Engel, der Kardinaltugenden, wodurch die altenglischen,
die lateinischen und die irischen Versionen verglichen
werden können, und woran sich eine eingehende kri-
i tische Untersuchung schließt.

Was die 7 Himmel betrifft, so sind sie natürlich
landläufig in der volkstümlichen Theologie; aber ihre
j besondere Anordnung in den altenglischen Homilien in
| MS. CCCC 41 entspricht nicht irgend einer bekannten
! Serie von Himmeln. Kraeling (Theologisches Wörter-
I buch zum Neuen Test., ed. Gerhard Kittel, Stuttgart 1932)
hält diese Siebenerserie für eine eklektische Serie, worin
die klassischen 4 Himmel, Luft, Äther, Feuer und Olym-
| pus mit einer christl. Dreierserie, dem Firmament, dem
i Himmel der Engel und dem der Trinität vermischt
j sind. Jedenfalls erfordere die Zusammenstellung die-
! ses Himmelszyklus die Aufmerksamkeit eines Fachge-
j lehrten.