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Ausgabe:

1936 Nr. 12

Spalte:

221-222

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pölnitz, Götz von

Titel/Untertitel:

Julius Echter von Mespelbrunn 1936

Rezensent:

Lerche, Otto

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221

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 12.

222

die geschichtlichen Zusammenhänge zwischen der Ketze- |
rei, den Bettelorden und der religiösen Frauenbewegung i
im 12. und 13. Jahrhundert und über die geschichtlichen j
Grundlagen der Deutschen Mystik' (E. Ebering, Berlin,
1935) nicht mehr verwerten konnte.

München. R. F. Merkel.

Pölnitz, Dr. Götz Frhr. von: Julius Echter von Mespelbrunn

Fürstbischof von Würzbtirg u. Herzog von Franken. München: Kom- |

mission f. bayer. Landcsgesch. 1934. (XVI, 667 S. u. mehr. Taf.)

gr. 8°. = Schriftenreihe z. bayer. Landesgesch. Hrsg. v. d. Komm.

f. bayer. Landesgesch. b. d. Bayer. Akad. d. Wiss. Bd. 17. RM 14—.
In der Reihe der katholischen Bischöfe der Reformationszeit
, die auch auf evangelischer, theologischer
Seite nicht nur Beachtung, sondern auch gewisse Sympathien
genießen, nimmt Julius Echter von Mespelbrunn,
der eigentliche Gründer der Universität Würzburg, einen
besonderen Platz ein. Julius Pflugk von Naumburg,
war, obwohl aus adeligem Hause, schulgerechter Theo- j
löge: er hat sich so gut wie sein Nachbar Michael i
Heiding von Merseburg damit abfinden müssen, daß I
er als Theologe und als Bischof nicht in die kirchliche
Leitung seiner lutherisch gewordenen Diözese eingreifen
durfte. Und beide, Pflugk wie Heiding, konnten
es nicht erreichen, daß ihre reichsfürstliche Stellung j
gegenüber dein Landesherrn richtig anerkannt wurde,
obwohl Kaiser und Reich die diesbezügliche Bestätigung
erteilt hatten. Stanislaus Hosius von Ermland
aber hatte weder als Bischof noch als Landesfürst
mit derartigen Schwierigkeiten zu kämpfen und lebte,
zumal er eigentlich nicht Theologe war, mehr als gelehrter
Politiker, dem die Händel dieser Welt Kampfplatz
menschlicher Künste sind.

Julius Echter dagegen hat sowohl als Bischof wie
als Fürst gekämpft und gesiegt. Aus gutem, angesehenem
Hause, frühzeitig zum Priester bestimmt und
alsbald mit einer Anwartschaft auf standesgemäße
Pfründen versehen, hat er das Studium der Theologie
und der Rechte mit Ernst und ohne Rücksicht auf
Zeit und Weltlage betriehen. Als er noch recht jung I
seinen Sitz im Würzburger Kapitel einnahm, da war (
er über die Lage des Bistums wie über die des Herzogtums
Franken in jeder Hinsicht wohl unterrichtet. Pölnitz
schildert zumeist aus archivalischen Quellen in
größter Eindringlichkeit, Nüchternheit und Ausführlich- ■
keit den geradezu beispiellosen, verlodderten Zustand i
der Geistlichkeit und der kirchlichen Einrichtungen, der |
Schulen und der Klöster in Stadt und Land. Er zeigt,
wie wohl überall die Lehre Luthers eingebrochen ist, I
wie sie sich aber bei der weit und breit um sich greifenden
Haltlosigkeit der Geistlichen nicht durchsetzen j
und nicht bewahren konnte: Auflösung und Verfall I
aller kirchlichen Zucht und Ordnung war das Bild der i
Lage.

Das Domkapitel und die Person des Bischofs spie-
gehen diesen Zustand getreulich wider. Kirche und
Theologie war den Junkern wie den alten Prälaten j
völlig gleichgültig, und wenn einmal ein Bischof versuchen
wollte, sich aufzuraffen, dann war er schon [
im Vorhinein durch die Wahlkapitulation so geknebelt,
daß er zur Untätigkeit verurteilt blieb. Es ist wohl noch j
nie ein so erschreckendes Bild vollkommener Verworrenheit
auf kirchlichem Boden mit einer Fülle bemer- !
kenswerter Einzelheiten aus den Akten geschildert! Zu
den moralischen und geistigen Verwilderungen kamen
die ganz trostlosen politischen und wirtschaftlichen Zustände
des Herzogtums, das namentlich durch Wilhelm
v. Grumbach, den früheren Hofmarschall und Amt- j
mann, der dann seinen Herrn ermordet und das Kapitel
zu einem vollkommen unmöglichen Restitutionsvertrage
gezwungen hatte, an den Rand des Verderbens gebracht
war.

Julius Echter hatte schon bei seinem Aufstiege zu ,
den Dignitäten des Kapitels mit dem heimlichen und
offenen Widerstande seiner Gegner gerechnet und ge-
kämpft Als er zum Bischofsstuhle gelangte, war ihm ;

die unerhörte Schwierigkeit der ganzen Lage nicht
unbekannt: Wahlkapitulationen wurden ihm vorgelegt,
an denen eigentlich nur zu scheitern war. Echter nahm
die Kapitulationen an und setzte sich überall durch:
die schwierige Lage zwang das Kapitel von Überforderungen
abzustehen. Wie gegen das Kapitel so setzte
sich Echter auch gegen die Geistlichkeit in Stadt und
Land, in Schule und Kloster durch, gegen Adel und
Städte. Er regierte seine Kirche und sein Land wohl mit
harter, aber mit sauberer Hand. Er war Fanatiker mehr
des Willens als des Gefühls; er war Jesuitenschüler —
gewiß, aber er war erfolgreich als Schulerneuerer und
-Gründer. Er war persönlich ein frommer Mann, keineswegs
aber von religiöser und theologischer Selbständigkeit
; seine Haltung mag für die Zeit nach ihm typisch
hier und da geworden sein für den Absolutismus in
geistlichen Fürstentümern. Unzweifelhaft warfen die
Schatten der Einsamkeit des Führers viel Dunkel in
sein Leben. —

Sehr deutlich wird von Pölnitz die weit verbreitete
falsche Auffassung der Reformation hervorgehoben.
Echter und andere führende Katholiken damals — und
auch heute — wollen die religiöse Bewegung in einer
Reformbedürftigkeit des Lebens und der Haltung der
Kirche und der Geistlichen begründet sehen. Darum
müsse diese Bewegung auch mit der Einführung guter
Polizei zur Befriedung, also zu ihrem Ende kommen,
bezw. gekommen sein. Echter leistete auf diesem Gebiete
, nämlich der Einführung guter Polizei, tatsächlich
das Menschenmögliche: dem eigentlichen Anliegen
Luthers aber stand er ohne eine Spur von Verständnis
gegenüber.

Die Bedeutung und der hohe Wert dieses Buches
liegen nicht in der Aufhellung örtlicher Ereignisse und
Entwicklungen, sondern in alledem, was es für den
Vorgang der Gegenreformation an einer besonders wichtigen
Stelle Typisches beiträgt.

Berlin. Otto Lerche.

1. Knevels, Prof. Dr. Wilh.: Die Offenbarung des Johannes,

praktisch erklärt. Frankfurt a. M.: H. L Brönner 1935. (104 S.) 8°. =
Praktisch-Theolog. Hilfsbücher (Homilet. Hilfsbücher) Nr. 13. RM 2.70.

2. Sammetreuther, Julius: Predigtmeditationen über die
Altkirchüchen Episteln und die Eisenacher (neuen) Evangelien
. München: Chr. Kaiser 1935. (277 S.) gr. 8°. = Pfarrbücherei
für Amt u. Unterweisung, Bd. 3. RM 4.60; geb. 5.60.

1. Als 13. Band der von den verstorbenen Friedrich
Niebergall und Friedrich Mahling begründeten praktischtheologischen
Hilfsbücher, Schriftenreihe der Stoffsammlung
„Christentum und Leben" Frankfurt-Main bei H.
L. Brönner, in der bis dahin im wesentlichen Handreichungen
zu den Perikopen und freien Texten geboten
waren, erscheint eine prakt. Erklärung von Apoc. von
Wilh. Knevels, der schon vorher mitgearbeitet hat und
nun an Stelle der verstorbenen Herausgeber getreten ist.
In Vorbemerkungen wird zum Verständnis der Apoc.
prinzipiell Stellung genommen, ihr hoher Wert auch für
die Gemeinde betont. Die zeitgeschichtliche und allegorische
Deutung des ganzen Buches wird zurückgewiesen und
im wesentlichen die endgeschichtliche vertreten, wenn
auch Zeitgeschichtliches und Endgeschichtliches sich
nicht ausschließen. Dem Verf. erscheint es nicht unmöglich
, daß die sämtlichen johanneischen Schriften vom
Apostel Johannes geschrieben sind.

Die praktische Erklärung ruht auf gründlicher wissenschaftlicher
Exegese und setzt sich auch mit manchen
Exegeten mehrfach ganz kurz auseinander. Auf
Einzelheiten einzugehen, ist natürlich hier nicht der Ort.
Immerhin scheint dem Berichterstatter, daß die gegenwärtige
Exegese von apoc. auch in einzelnen Partien
eine stärkere Abhängigkeit von a.t. Stellen annimmt als
der Verf. Auf Grund seiner Kenntnis von außerchristlichen
und astralen Mythen Spricht der Verf. in dankenswerter
Offenheit davon, wie diese wohl einzelne Stellen
beeinflußt haben mögen, und tut es in einer Weise, die
durchaus aufbauend ist. Manche wichtige Gegenwarts-