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Ausgabe:

1936

Spalte:

210-211

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Bilderatlas der Deutschen Volkskunde 1936

Rezensent:

Vorwahl, Heinrich

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES, Göttingen, und Prof. D. Dr. GEORG WO BBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Bibliothekerat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Berlin.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuale ripte und pelehrte Mitteilungen lind a u s * c h 1 i e fi 1 i ch an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 14, zu senden,
Rezensionsexemplare ausschlicfilich an den Verlag. Gewähr für Besprechung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nacb Göttingen, kann nicht übernommen werden.

Printed in Germany.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

61. JAHRGANG, Nr. 12 6. JUNI 1936

Spalte

Easton: The Aposlolic Tradition of Hippolyts
(Krüger)...............216

Heschel: Maimonides (Duensing).....215

Knevels: Die Offenbarung des Johannes
(Usener)..................222

Koch: Qelasius Im kirchenpolitisch. Dienste
seiner Vorgänger (Wohlhaupter)......217

Litt: Philosophie und Zeitgeist (Neumann) 223

Spalte

Müsch g: Die Mystik in der Schweiz (Merkel) 219
N i e I! e n : Rheinische Volksbotanik (Vorwahl) 211
Nyberg: Studien zum Hoseabuche (Bewer) 213
Pölnitz: Julius Echter von Mespelbrunn

(Lerche)...................221

Revue d'Histoire et de Philosophie religieu-

ses (Merkel)................212

Sammetreuther: Predigtmeditationen

Spalte

über die Altkirchlichen Episteln und die
Eisenacher (neuen) Evangelien (Usener) . 222
Schlatter: Gottes Gerechtigkeit (Seesemann
) ....................215

Schriften Johannes von Neumarkt (Clemen). 218
S p a m e r : Die Deutsche Volkskunde (Vorwahl
) ....................210

Volk und Volkstum (Vorwahl)........209

Wurm: Die Botschaft der Kirche (Usener) 224

Volk und Volkstum. Jahrbuch für Volkskunde. In Verbindung m. erkennt und zu verstehen sucht. Uber diese einheitliche
d. Görres-Oesellschafthrsg. v. Prof. Dr. Georg Schreiber. München: 1 Linie hinaus fehlt es auch nicht an guten Einzelbe-
Kösei & Pustet 1936. (312 s. m. 33 Abb. a. 16 Tafel.) gr. 8°. RM 12—. | obachtungen, unter denen Th. Oentrups Klärung des Bein
diesem Bande wird eine Reihe von Einzelarbeiten griffes „Volkstum" hervorragt. Die Arbeiten finden
vorgelegt, die man doch fast als geschlossenes Ganzes stets Beziehungen über das Lokale hinaus und vererlebt
, wenn man M. Buchbergers Beitrag „Kirche und mittein auch methodisch brauchbare Anregungen für
religiöse Volkskunde" programmatisch versteht. So zeigt das umfangreiche Forschungsgebiet der Volkskunde, so
J. M. Ritz, daß die Wallfahrt ein ganz wichtiger und | daß wir dankbar diesen Sammelband wertvollen volks-
fruebtbarer Anreger für die religiöse Volkskunst ist, sei kundlichen Materials begrüßen.

es durch die Nachfrage nach Kopien des Gnadenbildes, j Quakenbrück. H. Vorwahl,
zu denen nach der überzeugenden Darstellung von J.

M. Friedensegger auch die Ulrichskreuze gehören, sei ! Spamer, Prof. Dr. Adolf: Die Deutsche Volkskunde. 2. Bd.:
es durch die Votivgaben, die Urkunden besonderer Ar- | Bilderatlas der Deutschen Volkskunde. Mit 740 Abb. a. 240 Kunst-
tung der Volksfrömmigkeit sind. Die uns geläufigen drucktafeln. 8 färb. Taf., 4 Originalbeilagen u. ein Verzeichnis des
Motive vergleicht F. Hermann mit Silbervotiven aus volkskundlichen Schrifttums m. 2416 Titeln. Leipzig: Bibliographi-
Venezuela, deren Kleinheit und gelegentlich obszöne! sches Institut AG. 1935. (240 S.) gr. 8°. Lwd. RM 17.50; Hldr. 22.50.
Formung auffällt (Handgeste der Feige, phallische Auf- Der streng gegliederten Gedankenkette des Textban-
fassung einer Silbernadel). Einen breiten Raum nehmen des, dem wir an dieser Stelle bereits unseren Beifall ge-
kultgeographische Untersuchungen ein, die das Gesicht zollt haben, folgt jetzt dieses Buch der Bilder, in dem
der Landschaft in ihren Volksheiligen widerspiegeln, sämtliche Stoffgebiete wieder aufklingen. Man hat oft
So ist von Interesse, wenn J. Klapper für den schlesi- der Illustration volkskundlicher Darstellungen das Wort
sehen Raum nachweisen kann, daß die Liste der Pa- geredet, aber sie muß die innere Geschlossenheit der
tronatsheiligen durch die deutsche Kirche bestimmt war, Darstellung stören, wenn sie auf Erläuterung der Bild-
die auch schon vor der Siedlerzeit den slawischen Kir- details eingeht, die gerade auf unserem Gebiete schwer
chen ihre Patronatsheiligen stellte. Ausnahmen sind zu entbehren ist. Darum verdient die Trennung von
nur die Heiligen Stanislaus und Wenzel. G. Schreiber Text und Bildersammlung den Vorzug, sofern die Bildzeigt
umgekehrt, daß der Erzengel Michael sich zwar schau zu wirklicher Bilddeutung führt. Das ist hier in
auch den italienischen Orten Monte Gargano und der ganz hervorragender Weise geschehen, indem jeder Bild-
Engelsburg wie dem französischen Mont Saint Michel tafel eine Textseite gegenübersteht, die uns die Anlei-
iii Erscheinungen mitteilte, aber doch gerade der religio- tung zur Lesung des Bildes gibt, bald in gedrängter
se Nationalheros der Deutschen wurde, der schon auf Fülle unser Wissen zur Motivgeschichte und Sinndeu-
dem Lechfelde die Ungarn zurücktrieb. Vinzenz von tung des Einzelbildes bietend, bald sich mit andeutenden
Saragossa dagegen belegt spanischen Einfluß, bringt Worten begnügt, wenn das Bild für sich selbst deutlich
aber durch seine Wahl zum Winzerschutzherrn den genug spricht. Dabei beschränkt sich der Bilderband
Weg seiner Einbürgerung in die deutsche Volksfrömmig- nicht auf die Wiedergabe des Reichtums vergangener
keit anschaulich zur Darstellung. H. Hansel erbringt Werte, die etwa unter der Tendenz verfehlter Wiederden
Beweis, daß die Magdalenenverehrung nicht von belebungsversuche zusammengestellt würden, sondern
der französischen Zentralkultstätte Vezelay nach hier ge- greift mit seinem glänzenden photographischen Material
kommen ist, sondern daß schon vor dem Aufblühen dieses ; wirklich lebendiges Volksrumsgut aus der unmittelbaren
Kults die Verehrung einer bereuenden Sünderin im Abend- Gegenwart heraus (Hamburger Dom). Wir können nicht
lande bekannt war. R. Kapp und A. L. Veit ergänzen mit alle die Höhepunkte aufzählen, die in der gelungenen
ihren Studien über Volksfrömmigkeit im anglikanischen Wiedergabe der Trachten, der verschiedenen Gegen-
England und merowingischen Gallien die Feststellung, stände der Volkskunst aller Gebiete, der Siedlungsfor-
daß übervolkliche Bestandteile im Brauchtum eines jeden men und des Hausbaus bestehen. Demgegenüber sind
Volkes vorhanden sind und daß es keine üeringwertung i die ins Auge fallenden Ausstellungen recht geringer
des eigenen bedeutet, wenn man diese Angleichungen Natur. So bringt die Abbildung aus dem Kräuterbuch

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B.TÜB.