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Ausgabe:

1936 Nr. 10

Spalte:

190

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meyer-Erlach, Wolf

Titel/Untertitel:

Universität und Volk 1936

Rezensent:

Merkel, Franz Rudolf

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Seite 1

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189

Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 10.

190

ist positive Pflicht. — Sehr wertvoll sind die Darlegungen
über Zweifel als seelischen Zwang und die Heilung
solcher Glaubenskranken. Auf die Gefahr des Verkehrs
mit Andersgläubigen, des Lesens verbotener Bücher,
auf Beichtzwang und andere praktische Fragen wird
eingegangen. Der Vorwurf Friedrich Heilers, die Kirche
trage schuld daran, daß die Furcht vor der Hölle zu
einer „endemischen Krankheit des Katholizismus" geworden
sei, wird als übertrieben zurückgewiesen. Haß
gegen Gott erklärt schon Thomas als etwas Unmögliches
. „Der Mensch haßt nicht Gott, sondern einen
Götzen, den er sich selbst gemacht hat."

Schließlich geht T. im dritten Kapitel zur Tugend
der Gottesverehrung über und kommt dabei insbesondere
aufs Gebet zu sprechen. Er fordert absolute
Konzentration beim Gebet. Er legt wohl deshalb
besonderen Wert darauf, weil man in katholischen Kirchen
nicht selten die Zerstreutheit von Betern beobachten
kann, die sich mit dem opus operatum begnügen.
T. selbst sieht nach dem Vorgange von Thomas neben
Erhörung und seelischer Tröstung auch das „Verdienst"
als Wirkung des Bittgebets an. Neben dem Gebet werden
dann noch Fragen wie Meßopfer, Festtage, Eid,
Gelübde behandelt und Simonie, Nepotismus, Okkultismus
, Spiritismus, Theosophie und Anthfosophie als
der rechten Gottesverehrung entgegenstehend bekämpft.

Auch dieser Band gibt trotz seiner Reichhaltigkeit
und trotz gelegentlicher notwendiger Wiederholungen
ein abgerundetes Bild von der katholischen Auffassung
der Pflichten gegen Gott. Man spürt allenthalben die
auf dem Studium der Scholastik beruhende logische
und juristische Schulung, die jeden möglichen Fall
vorsieht. Die leicht erkennbaren Abweichungen von
der evangelischen Auffassung resultieren aus dem katholischen
Kirchenbegriff.
Stettin. Hugo Stelter.

Le Fort, Gertrud von: Die ewige Frau. Die Frau in der Zeit.

Die zeitlose Frau. München: Jos. Kösel & Fr. Pustet 1934. (158 S.)

kl. 8°. Kart. RM 3-.

Die einstige Schülerin von Tröltsch und Herausgeberin
seiner Glaubenslehre, die spätere Konvertitin,
stellt die Frage nach dem metaphysischen Wesen der
Frau, das sie feinsinnig, aber auch etwas überspitzt
aus dem katholischen Mariendogma, weil dieses die
tiefste metaphysische Deutung der Frau sei, entwickelt.
In drei Abhandlungen zeichnet sie „die ewige Frau,
„die Frau in der Zeit" und „die zeitlose Frau". Ich
referiere die Gedankengänge, über denen der thomi-
stisehe Grundsatz steht: gratia non tollit sed perficit
naturam. Das kleine Buch ist so ein Muster für die
katholische Erlösungstheorie. Im Abschnitt „die ewige
Frau" erscheint das metaphysische Antlitz der Frau,
das die katholische Dogmatik als Mitwirkung der Kreatur
bei der Erlösung deutet. Im „fiat mihi" offenbart
sich das Geheimnis der Erlösung von der Kreatur
her: Der Mensch hat nichts als seine restlose Hingebung
einzusetzen. So erscheint im Verhalten der Frau
das religiöse Prinzip am reinsten, ohne daß die Frau
etwa religiöser wäre als der Mann.

Von hier fällt der Blick auf „die Frau in der Zeit",
die sowohl als virgo wie als sponsa wie als mater
den Sinn des Frauenlebens zu erfüllen vermag. Die
besondere Bedeutung der Jungfrau — als Wert und
als Kraft, nicht als Zustand oder Tragik — isit es,
den Glauben an den unendlichen Wert der Person zu
Gott hin sicher zu stellen. Die Braut offenbart in besonderem
Maße den Charakter des Frauenwertes als
Mitwirkung. Im mysterhim caritatis wird offenbar, daß
es sich auch um die geistige Fruchtbarkeit in der Ehe
handelt, ja um den „hochzeitlichen Charakter" der ganzen
Kultur. Das Motiv des Schleiers als Symbol der
Braut besagt in der Ausdeutung des Symbols, daß alles
Schaffen der Frau im Gegensatz zu dem des Mannes
jenseits des geschichtlichen Vordergrundes liegt und

damit anonym bleibt. Die schöpferische Begabung der
Frau — nicht daß sie nicht vorhanden wäre! — tritt
nicht im Werk der Frau selbst zutage, sondern die Frau
gibt sie an ihren Sohn weiter. Damit tritt die Mutter
in das Blickfeld, die als Trägerin der Generationen
als „Zeitlose Frau" durch die Geschichte geht. Sie
ist die Hüterin und Erhalterin auch der Geistesgüter.

Bei aller Feinsinnigkeit dieser katholischen Mystik
hätte man den Ausführungen eine weniger konstruktive
Entwicklung und eine lapidarere Form gewünscht, die
Gestalten und Begriffe schärfer herausstellt. Anzuerkennen
bleibt auf alle Fälle, daß die Untersuchung
geschieht aus der Verantwortung für die Schöpfungsverbundenheit
der Kultur. Der „hochzeitliche Charakter
" der Kultur muß über ihre Dämonien den Sieg behalten
, oder ihr Untergang ist trotz aller Leistung besiegelt
. Der Protestant wird dabei allerdings stark betonen
, daß die Überwindung der Dämonien nur durch
Gnade möglich ist. Bei deutlicher Aufzeigung des Eigenwertes
der Frau wird ihre liberalistische Isolierung
abgelehnt. Letzter Sinn und Maßstab für die Wertung
der Frau ist nicht die Persönlichkeit, sondern die Hingebung
, darin aber wird der Sinn unserer Existenz aufgedeckt
: Opfer, nicht Selbstherrlichkeit.
Düsseldorf. Kurt Kessel er.

Meyer-Erlach, Prof. Wolf: Universität und Volk. Rektoratsrede
über den Neubau der deutschen Universität. Jena: Gust.
Fischer 1935. (27 S.) gr. 8°. = Jenaer Akademische Reden H. 22.

RM 1.50.

In den von dem jeweiligen Rektor der Universität
Jena herausgegebenen ,Akademischen Reden' ist auch
die ,Relctoratsrede über den Neubau der Deutschen Universität
': ,Universität und Volk', erschienen, die der
neuernannte Rektor der Friedrich-Schiller-Universität und
ordentliche Professor für praktische Theologie Wolf
Meyer-Erlach gehalten hat bei Antritt seines Rektorats.
Dem Text seiner Rektoratsrede stellte der Verfasser
die Gedächtnisrede für den bayerischen Kultusminister
Schemm voran, um dann in schwungvollen Worten „die
Zukunft der deutschen, der politischen Universität als
Heerlager des Geistes, Wehrschaft der Wissenschaft
im Dienste des Vaterlandes" uns vor Augen zu führen.
Der Redner blickt nicht zurück auf ein jahrzehntelanges,
tiefernstes Ringen um letzte Probleme, sondern möchte
als politischer Befreier die Jugend aus der Enge der
Studierstube hineinführen in den Dienst am Vaterland
und an der Volksgemeinschaft: „Wir brauchen hochreißende
Werte. Auf die aufblähenden Mengen verzichten
wir." Durch diese „Beschränkung auf das wirklich
Wertvolle wird erst die Hochschule das, was sie sein
soll: die Hohe Schule des Charakters." Denn „die
Charakterbildung als Hochziel der Universität zwingt
uns, neben der Ausbildung des Geistes eine gründliche
Durchbildung des Körpers zu verlangen". Wiederholt
beruft sich der Redner auf Fichte und Schiller und gedenkt
auch eines Schelling, Hegel und Schlegel, die
in Jena wirkten; ist doch „erst unsere Zeit, erst das Geschlecht
des großen Krieges, der großen deutschen Revo-
! lution, des nationalsozialistischen Aufbruchs fähig, die
! großen deutschen Propheten der Jenenser Universität
in ihrer Tiefe und ihrem erschütternden Ernst zu verstehen
". Wie viele von uns Älteren möchten noch einmal
jung sein, um dieser von „totem Gedächtniskram"
unbeschwerten, Volk und Leben dienenden Wissenschaft
! sich widmen zu können...

| München. R. F. Merkel.

i Waag, Dr.Heinr.: Deutsche Lehrerschaft und deutsche Kirche.

Studien zur Lösung der Volksschule von der Kirche im 19. Jahrh.
Leipzig: Felix Meiner 1935. (IX, 150 S.) gr. 8°. RM 5.80.

Verf. begrenzt sehr mit Recht, aber mit befremdlich
halbrichtigen Gründen sein Thema durch Ausschluß des
i katholischen Bereichs. Für den deutschen Protestantis-
' mus erstreckt er seine Untersuchung auf das ganze